Mittwoch, 21. November 2012

Heute mal was evangelisches: Zum Buß- und Bettag

Mein aktueller Zeitungsbeitrag:

Liebe Leserinnen und Leser, Sie merken an den hier veröffentlichten Beiträgen, dass sie meist aus einer ziemlichen katholischen Perspektive geschrieben sind. Nicht nur zum Ausgleich geht es darum heute einmal um einen spezifisch evangelischen Feiertag, sondern auch, weil ich seine damalige Streichung als staatlicher Feiertag sehr schade finde und letztlich auch unsinnig, kann ich mir doch beim besten Willen nicht vorstellen, dass dadurch die Pflegeversicherung finanziert wird.
Es geht also um den „Buß- und Bettag“, übrigens katholischerseits früher „Putz- und Fegtag“ genannt, weil man damit nichts anzufangen wusste. Dafür fuhren die evangelischen Bauern an Fronleichnam Mist aufs Feld. Diese Zeiten sind nun glücklicherweise vorbei und wir können uns in guter ökumenischer Verbundenheit fragen, was uns dieser Tag heute zu sagen hat.
Buß- und Bettage, angeordnet von der Kirchenleitung oder der staatlichen Obrigkeit (was ja in evangelischen Ländern bis 1918 zusammenfiel), gab es in Notzeiten schon immer, Ende des 19. Jhdts. in Deutschland allein 47 Bußtage, später wurde dann in Preußen der Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres festgelegt und von allen anderen Ländern nach und nach übernommen.
„Kehrt um!“ – dieser Ruf durchzieht die ganze Heilige Schrift von den Propheten des Alten Testaments über Johannes den Täufer, Jesus selbst und auch Paulus. Aber was bedeutet diese Umkehr? Es geht wohl darum, zu schauen was war und was ist, dieses zu prüfen und sich dann zu verändern. Veränderung braucht Mut und deshalb stecken wir so oft in den alten Gewohnheiten: Wir wissen, dass sie nicht gut sind und uns auch nicht gut tun, trotzdem fällt uns die Veränderung so schwer, denn selbst das alte Schlechte ist uns ja immer noch vertrauter als das neue Gute.
Aus einer Sackgasse muss ich immer auf dem ursprünglichen Weg hinaus. Das bedeutet, dass ich nicht immer Dinge leichtfertig abhaken kann, sondern mich ihnen stellen muss, was nicht immer angenehm ist. Vielleicht ist das mit „Bußtag“ gemeint. „Bettag“ bedeutet dann, dass ich dabei auf die Kraft, die Hilfe, die Liebe und das Vertrauen Gottes bauen kann. Für Gott gibt es keine hoffnungslosen Fälle: Er traut mir zu, dass ich das Vertrauen, welches er in mich setzt, nicht enttäusche. Deshalb gibt es die Buße, nicht um mich leiden zu lassen, sondern um mir neue Wege, neue Perspektiven aufzuzeigen. So ein „Buß- und Bettag“ kann ein guter Anlass sein, die Straßenkarte meines Lebens einmal wieder auf die Sackgassen hin zu überprüfen.

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