Samstag, 22. Dezember 2012

Bischöfliche Visitation: Nichts Neues...

"(...) Es sind Fragen, wie sie schon Karl der Große vorgeschrieben hatte und wie sie sich Jahrhundert um Jahrhundert durch die Kirchengeschichte ziehen; sie zeugen davon, dass die Kirche zu jeder Zeit besserungsbedürftig ist: Regelmäßigkeit und Sorgfalt bei der täglichen Feier der Messe, bei der Unterweisung des Volkes, bei der Taufe der Kinder, bei Krankenbesuchen und -ölung, beim Begräbnis der Toten; 'in welcher Weise die Zehnten und Gaben der Gläubigen zur Speisung der Armen und Gebrechlichen verwendet würden; wie sie die Witwen und Waisen in allen Nöten unterstützten, und mit welchem Fleiß sie Christus in der Person von Gästen und Fremdlingen dienten; ob sie sich nicht auch Frauen zugelegt hätten, und ob sie in dieser Hinsicht einen Verdacht zu äußern hätten; ob sie auch nicht mit Hunden und Falken auf die Jagd gingen, Wirtshäuser zum Essen und Trinken beträten, schimpfliche Spiele in Übung hätten, Ess- und Trinkgelage über das rechte Maß hinaus liebten; ob sie nicht auch Streit, Händel und Feindschaft hätten, auch nicht an weltlichen Hochzeitsfeiern teilnähmen, oder überhaupt irgendetwas hätten einreißen lassen, was ihres Amtes unwürdig sei; ob sie zur rechten Zeit nach ihren Kirchen sähen; ob sie ihren Vorgesetzten Gehorsam erwiesen und in allem danach getrachtet hätten, ihrem Amte treu ergeben und nützlich zu sein (...)'. Die auf dem rechten Weg Wandelnden wurden ermuntert und gelobt, die Irrenden zurechtgeweisen und ermahnt, künftig von ihren Fehlern abzulassen."

Norbert Ohler: Reisen im Mittelalter, München 1986, 247f., hier die Schilderung der Visitationsreisen des Bischofs Ulrich von Augsburg 923-973

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