Dienstag, 18. Dezember 2012

Geistlicher Impuls zum Tag

"Liebe Schwestern und Brüder,

das Evangelium das für den heutigen Tag bestimmt ist, ist auch reichlich passend für unser Krankenhaus, steht es doch unter dem Patronat des hl. Josef, und um ihn geht es ja auch in dem gerade gehörten Text. 
Schauen wir uns diesen einmal ein wenig genauer an: Maria und Josef sind miteinander verlobt, das geschah nach den damaligen jüdischen Gebräuchen bei jungen Frauen so mit etwa 14 Jahren. Bis zur eigentlichen Hochzeit vergingen dann noch einmal ein bis zwei Jahre. Nun zeigte sich, dass Maria schwanger war „und zwar vom Heiligen Geist“, wie der Evangelist sich beeilt hinzuzufügen. Nun war es aber trotzdem, vor allem für Maria, mit so einem unehelichen Kind eine reichlich peinliche Angelegenheit und auch Josef hätte ja durchaus handfeste Gründe haben können, sich betrogen zu fühlen. Aber, und das ist hier das erste Erstaunliche, es kommt nicht zu der vielleicht erwarteten Eifersuchtsszene, nein, Josef will sie nicht bloßstellen und denkt darüber nach, sich denn in aller Stille von ihr zu trennen. Auch das mag uns heute etwas seltsam vorkommen, aber nach damaligen Verhältnissen war es schon das Äußerste was Josef tun konnte, ohne sich selbst bis auf die Knochen zu blamieren. Er wird seine Maria schon sehr geliebt haben. Der Evangelist charakterisiert ihn als „gerecht“, ein Ehrentitel, den wir schon aus dem Alten Testament kennen, wir haben davon auch in der ersten Lesung aus dem Propheten Jeremia gehört. Hier wird deutlich, dass die Gerechtigkeit der Bibel etwas anderes ist als dass, was wir im Allgemeinen unter Gerechtigkeit verstehen. Die Gerechtigkeit der Bibel ist nicht Iustitia mit verbundenen Augen, sondern immer auf Gott bezogen und nur von ihm her zu denken: In der Bibel gibt es keine Gerechtigkeit ohne Güte, keine Gerechtigkeit ohne Liebe. Vielleicht auch ein erster Impuls für uns: Tag für Tag treffen wir Entscheidungen, beurteilen Menschen, wollen Dinge richtig tun. Vielleicht könnte uns dabei der hl. Josef ein Vorbild sein, dass in unserem Bemühen um Recht und Richtigkeit Güte und Liebe nie zu kurz kommen dürfen.
Josef erscheint ein Engel im Traum, er sagt ihm, dass er sich nicht scheuen solle, Maria als seine Frau zu sich zu nehmen, so solle sich die Schrift erfüllen. Verheißung und Erfüllung, das ist so ein biblisches Grundmuster: Es bedeutet, dass Gott treu ist, dass Gott verlässlich ist, dass er zu seinem Wort steht. Aber jeder der verlässlich ist, braucht ja auch jemanden, der sich auf ihn verlässt. Und so erleben wir jetzt wieder den hl. Josef: Er verlässt sich auf die Zusage Gottes. Das Interessante daran ist, dass Gott ihm selbst das noch in die eigene Freiheit stellt: Der Engel sagt ja nicht „Nimm Maria als Frau zu Dir“, sondern „Scheue Dich nicht, sie als Frau zu Dir zu nehmen!“ – Merken Sie den Unterschied? Wenn ich es mit Gott zu tun bekomme, dann mag ich hinken wie Jakob, vom Pferd geworfen werden wie Paulus oder die Erscheinung eines Engels im Traum haben wie Josef, eines aber bleibt: Gott zwingt mich nicht, die Begegnung mit Gott führt in eine größere Freiheit, freilich auch, wenn ich das vielleicht im Moment so nicht empfinde oder meine eigenen Pläne durchkreuzt werden. Das wäre der zweite Impuls: Der hl. Josef kann für uns ein Vorbild sein, Gott zuzutrauen, dass er in meinem Leben handelt. Das ist zugegebenermaßen in einer Zeit der Wellness- und Wohlfühlreligion nicht ganz einfach: Gott ist zwar lieb, weil er die Liebe selbst ist, aber Gott ist nicht kuschelig: Es mag also durchaus sein, dass das Handeln Gottes in meinem Leben etwas anders verläuft, als ich mir das so vorstelle. Aber ich kann darauf vertrauen, dass er es immer gut mit mir meint. Manchmal erschließt sich mir das eher im Rückblick, dann wenn ich schwierige und krisenhafte Situationen durchlebt und überstanden habe, dann kann ich merken, dass Gott mich geführt hat.
Und ein letzter Gedanke: Josef ist ein Mann der Tat: Er erwacht und tut, was der Engel ihm gesagt hat. Er sucht nicht den nächstgelegenen tiefenpsychologisch geschulten Oneirologen auf, liest nicht in der Apothekenumschau nach und googelt auch nicht nach „Traumdeutung“. Nein, er macht es einfach. Ich glaube, hier kann uns der hl. Josef ein wichtiger Fürsprecher sein: Für viele Menschen gehört das „Ja aber“ zu einer festen Redewendung in jedem zweiten Satz. Das führt dazu, dass man vor lauter Abwägung eigentlich mit nichts richtig vorankommt und das Risiko ist groß, dadurch antriebslos und traurig zu werden. Josef beweist seine Entschlussfähigkeit noch ein zweites Mal und zwar in einem höchst dramatischen Moment, nämlich als ihm nach der Geburt Jesu der Engel erscheint und ihn mit seiner Familie zur Flucht nach Ägypten auffordert. Nur durch das entschlossene Handeln Josefs gelingt es, sich den kindermordenden Schergen des Herodes zu entziehen. Sein Beispiel zeigt uns, wie wichtig, ja überlebenswichtig, es sein kann, einmal als richtig erkannte Dinge auch wirklich zu tun und umzusetzen, sie auch mit Kraft und Entschlossenheit zu tun.
Vielleicht nehmen wir diese Impulse mit in die letzten Tage vor Weihnachten: Eine Haltung der Güte und Liebe zu entwickeln, Gott zuzutrauen, dass er in meinem Leben handelt, und schließlich die richtigen Dinge mit Kraft und Entschlossenheit tun."

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