Samstag, 29. Dezember 2012

Weihnachtliche Nachlese: Neues aus St. Kamillentee

Man hört ja so manches. Jetzt also mal wieder meine Heimat-, Herzblut- und Wohnortgemeinde: In dieser Gemeinde wird der zweite Geistliche seit einigen Jahren von den Resurrektionisten, einem polnischen Priesterorden, gestellt. Nun gab es in diesem Jahr einen personellen Wechsel, ein Pater wurde nach Wien versetzt, ein neuer kam. Problem: Er spricht so gut wie kein Deutsch.
Jemanden ohne ausreichende Sprachkenntnisse in eine Gemeinde zu schicken, ist eine glatte Fehlleistung sowohl des Ordens wie auch des Generalvikariates, denn es gibt nur Verlierer. Als ersten den betroffenen Priester selbst, er gibt sich Mühe, möchte arbeiten und wirken, und merkt doch auch (oder sollte es), dass er nicht ankommt, dass es nicht klappt. Mich würde das sehr belasten und so finde ich es seitens der Verantwortlichen wirklich unverantwortlich. Das Bild das angesichts solcher Fehlentscheidungen bei den Gläubigen von Bistums- und Ordensleitung entsteht, kann man sich ja vorstellen. Also die nächsten Verlierer.
Ja und dann natürlich die Gläubigen. Schon vor Jahren habe ich die These vertreten, dass die eigentlichen Verlierer der ganzen pastoralen Umbrüche diejenigen sind, die kein Auto haben. Denn die Menschen stimmen mit den Füßen ab, so auch in der Christmette: Die Leute haben reihenweise die Kirche verlassen, so dass hinterher mehr Menschen vor der Kirche standen, als drin waren. Es sei "unerträglich", man habe "überhaupt kein Wort verstanden", da könne man "ja gleich nach Krakau zur Messe gehen" usw. So skeptisch ich diesen Aussagen gegenüber auch bin, so zeigen sie doch noch einmal deutlich, wie man einen Karren vor die Wand fahren kann und zwar für alle Beteiligten.
Am nachdenklichsten hat mich die Aussage einer alten Messdiener- und Pfadfinderfreundin von früher gemacht: "Früher war das hier einmal meine Heimat, heute erkenne ich diese Gemeinde nicht mehr wieder!". - Ich glaube, wenn in dieser Gemeinde, dieser Stadt, diesem Dekanat, nicht bald etwas passiert, können wir schneller den Laden dichtmachen als wir je gedacht hätten...
Und noch etwas was ganz typisch ist für St. Kamillentee: "Uuuh, der neue Pater ist ja so erzkonservativ!" - "Ach, wieso denn?" - "Der lässt halt die Kinder nicht um den Altar kommen, die müssen unten in den Bänken bleiben. Der Vorgänger hat das immer gemacht!" (Anmerkung: Der Vorgänger zelebrierte auch im Cowboykostüm und rannte mit der Gitarre durch die Kirche) "Geht denn das Enkelkind jetzt mit zur Erstkommunion?" - "Nein, das ist ja auch nicht getauft!" - "Ah ja."

Kommentare:

  1. Manchmal denke ich, es steckt Absicht dahinter. Ich frag mich nur welche?

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    1. Du hast Recht, aber warum tut man so etwas?

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  2. darüber habe ich mir schon oft und oft Gedanken gemacht.
    Warum nur?
    Ich kann nur sagen, irgendwie scheinen wir in der Kirche Probleme zu haben, die denen im real existierenden Sozialismus nicht unähnlich waren.
    Man kommuniziert nicht. Nach Oben werden immer nur "Erfolgsmeldungen" weitergegeben. Wobei ich denke der real existierende Sozialismus hatte schlimmere Schikanemöglichkeiten als ein Ordinariat, aber das begreifen wir nicht,
    Ich hab gesehen du folgst dem Konradsblatt.
    Wenn man z.B im Konradsblatt liest was für tolle Sachen im Reliunterricht gemacht werden, wie gaaaans gaaans Klasse alles läuft (überall wo man hinguggt, sind alle gaaanz gaaanz engagiert. Horden von jungen, fitten, von Ideen sprühenden Laien werden in den Bänken festgehalten (Ironie off). Firm- Erstkommunionunterricht ruft überall, den ersten Christen vergleichbare Bereitschaft zum Martyrium hervor (Ironie schon wieder off)und dann die Realität der eigenen Pfarrei dagegen hält (dazu noch weiß, nirgendwo sieht es besser aus und da wo es besser aussieht, da sammeln sich lediglich die, es es zuHause nicht mehr aushalten) dann kann man auf die Idee kommen, wir brauchen zuallererst mal das Gespräch untereinander und mit dem Chef vom ganzen. (Früher nannte man letzteres Gebet)
    Wir waren nämlcih neulich in Rom und sind da Unmengen von Kardinälen und Bischöfen über den Weg gelaufen.
    Am meisten hat mich beeindruckt, dass die alle den Eindruck gemacht haben, das die auch privat beten und nicht nur ein Pflichtprogramm absolvieren, wenn sie Messe halten.

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