Dienstag, 31. Januar 2012

Nach Canossa gehen wir nicht!

An diesen Ausspruch muss man sich erinnert fühlen, wenn man sich das Verhalten unserer Verantwortlichen in den KV's und PGR's unserer Stadt ansieht was die Zusammenlegung der bislang sieben Kirchengemeinden in bislang drei Pastoralverbünden zu einer Gesamtpfarrei angeht. Während in anderen Gegenden unseres Erzbistums die Gemeinden diesen Schritt schon mutig tun und die neuen pastoralen Räume entstehen (mit allen Vor- und Nachteilen), hat man sich bei uns nicht nur dafür entschieden, möglichst alles beim alten zu belassen, sondern vor allem ersteinmal wieder zu warten. Bis 2019... Aufbruch sieht anders aus.
Zumal sich die bislang im Vergleich sehr komfortable Personalausstattung sowieso nicht halten läßt. Und wenn man sich die Aktivitäten und den Kirchenbesuch in mancher Gemeinde anschaut, dann gibt es eh' zu viele Haupt- und Nebenamtliche. Man sollte sich aber nicht täuschen, es geht auch hier immer um Personen, Sympathien, Antipathien, Macht und Eitelkeit. Das Erzbistum ist bislang immer ganz gut damit gefahren, das hauptamtliche Personal komplett auszuwechseln. Einigen Betroffenen macht das nicht viel, andere haben da bislang (naiv?) noch nie dran gedacht.
Wenn Warten angesagt ist (was ja eigentlich keine christliche Grundhaltung ist), bekommt natürlich der Lack, der sich aus der Deckung wagt und Perspektiven präsentiert. Aber damit wird er leben können. Was wäre denn die Alternative?
Was ist denn schon dabei, wenn die Verwaltung der Gemeinden zusammengelegt wird? Das kann doch nur entlastend sein. In der Pastoral wird sich jede Gemeinde beweisen können (und müssen). Und dann haben sie ja die Möglichkeit, der dominant-gefürchteten "Muttergemeinde" zeigen zu können, wie "lebendige Gemeinde" geht. Oder auch nicht - "Hic Rhodos, hic salta!"
Schade finde ich nur, dass in diesem ganzen Prozess so viel Zeit vergeht und so viel Energie verschwendet wird. Das haben unsere Kirche und die Menschen in dieser Stadt nicht verdient.

Wovor's dem Teufel graust...

Einen schönen Gruß an die grundoffenen Allesversteher:

"Am Anfang seiner Wanderung durch die Hölle, so berichtet Dante in der 'Göttlichen Komödie', habe er etwas höchst Beklemmendes erlebt. Vor dem Tor der Hölle nämlich sei ihm eine gequälte Schar armer Seelen begegnet, die dort verzweifelt um Einlaß betteln - die der Teufel aber in alle Ewigkeit nicht hereinläßt in die Hölle.
Das sind, fährt Dante fort, 'die lauwarmen Seelen'. Menschen, die sich ihr Leben lang vor jeder Entscheidung gedrückt haben. Die für nichts und niemanden Partei ergreifen wollten. Die nie einen Standpunkt hatten, weder einen guten noch einen bösen.
Die angepaßten Leisetreter, die halbherzigen Schleicher, sie wissen im Jenseits nicht wohin. Gott will sie nicht im Himmel. Doch auch dem Teufel graust es so vor ihnen, daß er sie nicht hereinläßt. Jammervoll, wie Blätter im Sturmwind einer sternlosen Nacht, so treiben die 'lauwarmen Seelen' ewig heimatlos, vor dem Höllentor.
Manche halten es für einen Fortschritt, daß der moderne Mensch keine Angst mehr hat, in die Hölle zu kommen. Ich halte das für die verkehrte Sorglosigkeit. So wie die meisten Zeitgenossen leben, laufen sie im Gegenteil Gefahr, eines Tages verzweifelt vor verschlossenem Höllentor zu stehen."

Aus: Hans Conrad Zander, Kleine Frühstücksweisheiten

31. Januar: Johannes Bosco

Aus einem Brief an seine Mitbrüder: "In besonders schweren Fällen empfiehlt es sich, mehr inständig und demütig zu Gott zu beten, als einen Wortschwall loszulassen, der nur das Gemüt der Hörer beleidigt, den Schuldigen aber keinen Nutzen bringt."

Stimmt. Ist aber schwer...

Samstag, 28. Januar 2012

Mittagsschlaf

Mittagsschlaf gibt es ja leider meist nur in Klöstern, Priesterseminaren und bei Pfarrern und Lehrern. Letztere sollen ja gerüchteweise dabei sogar den Polter anziehen. Mancher kennt vielleicht noch die humorvolle Behauptung, dies sei die "Stunde der Laien". Eine liebe alte Ordensschwester machte mittags immer eine Wallfahrt nach "Maria Laach"...
Wenn Muck Mittagsschlaf hält, ist das immer die Stunde, in der die Mätze wenigstens einmal am Tag ohne Lebensgefahr ans Vogelfutter kommen:

Einen schönen und erholsamen Samstag!

Komm zur Ruhr - an einem sonnigen Wintermorgen!




Allen Leserinnen und Lesern ein schönes und entspanntes Wochenende!

Thomas von Aquin: Das Auge des Adlers

"Mag auch das Auge des Nachtvogels die Sonne nicht sehen: Es schaut sie dennoch das Auge des Adlers."


Das Bild zeigt eine Figur des hl. Thomas von Aquin um 1480 in der ehemaligen Dominikaner- und heutigen Propsteikirche in Dortmund.
Zum heutigen Gedenktag ein Ausschnitt aus dem Vorwort von Josef Pieper zu seinem Buch "Ordnung und Geheimnis" aus dem Jahre 1946. In diesem "Brevier der Weltweisheit" stellt der bedeutende Philosoph und hervorragende Thomaskenner Pieper insgesamt 556 Zitate des hl. Thomas inhaltlich und thematisch strukturiert vor. Dieses Buch ist auch heute noch wirklich lesenswert!

Aus dem Vorwort:
"Ordnung und Geheimnis - dieser Titel des Buches bedarf noch eines erläuternden Wortes. Es ist fast zum Gemeinplatz geworden, dass 'ordo' eine Grundkategorie mittelalterlichen Denkens darstelle, vor allem aber des 'Systems' des Thomas von Aquin. Ordo: damit ist ausgesagt das klar und einleuchtend Gestufte der Wirklichkeit wie der sie spiegelnden Lehre; die unserem Geiste Genüge tuende Überschaubarkeit und Durchsichtigkeit des Seinsgefüges; die unserem Denken gangbaren und gebahnten Wege der Welt. Und in der Tat wird niemand, der nur ein Weniges der 'Theologischen Summe' in sich aufgenommen hat, sich völlig dem kühlen Zauber verschließen können, mit dem solche baumeisterliche Kraft der Weltaufhellung die nach Klarheit verlangende Vernunft berührt.
Und dennoch wird dem Thomas von Aquin nicht gerecht, wer diese scheinbar zu gänzlicher Einsichtigkeit gedeutete Welt nicht an allen ihren Rändern von der Unwegsamkeit des Geheimnisses umgeben sieht. An ihm findet, nach des Thomas Meinung, die Durchsichtigkeit der Seinswirklichkeit nicht allein ihre Grenze: der ordo selbst ist vom Geheimnis durchwirkt und durchkreuzt. Und es ist nicht allein das Mysterium im theologischen Sinne, das sich, gleichfalls die ganze Welt in allen ihren Bereichen durchströmend, dem Zugriff unseres ordnenden Denkens und dem Versuch der rationalen Bewältigung widersetzt. Nein, jene Grenzlinie verläuft mitten durch diese 'diesseitige' Welt selbst; nicht einer einzigen Mücke Wesen habe, so sagt Thomas, die Denkbemühung der Menschen zu erspüren vermocht."

Freitag, 27. Januar 2012

27. Januar: Hl. Julian von Le Mans

Im Paderborner Sanctorale gedenkt man heute des hl. Julian. Er war Bischof von Le Mans und Vorgänger des hl. Liborius, der dann später Patron des Erzbistums Paderborn wurde. Julians Amtszeit ist nicht gesichert, fällt aber wahrscheinlich in die Jahre 301 bis 348. Nach Übertragung seiner Gebeine in die Kathedrale der Stadt 835 wurde er schließlich 1158 deren Patron. Wenige Jahre später übersandte das Kapitel von Le Mans eine Vita und Reliquie des hl. Julian an das Kapitel von Paderborn.
Eine Plastik im Paradiesportal des Paderborner Domes weist auf die Verehrung hin, die Julian seitdem in Paderborn genießt.
Es ist auch Tradition, dass zum Juliansfest eine Paderborner Delegation nach Le Mans fährt, meist ein Bischof, ein Kurs des Priesterseminars und Mitglieder der Liboriusbruderschaft. Diese Fahrt war damals ganz nett: Wir haben auch verschiedene Gemeinden besucht und sind sehr gastlich aufgenommen worden. Ich kann mich erinnern, dass es einen besonderen Kuchen gab, in den ein Plastikfisch eingebacken war. Wer den dann in seinem Kuchenstück hatte, wurde plötzlich beklatscht und besungen und bekam für den Rest des Abends eine Pappkrone aufgesetzt. Vor allem wenn man von solchen Bräuchen keine Ahnung hat und auch kein Wort französisch spricht, ist das ein besonderes Erlebnis. Ich habe den Plastikfisch neulich beim Aufräumen wiedergefunden...

Die Tagesoration: "Herr, unser Gott, du hast dem heiligen Bischof Julian den Geist des Rates und der Stärke verliehen, damit er die Kirche von Le Mans leite und im Glauben festige. Erleuchte auch uns, damit wir unsere Aufgabe erkennen und sie in der Kraft deines Geistes erfüllen."

Donnerstag, 26. Januar 2012

Das war nie sein Thema...

Aus einem Zeitungsinterview mit einem von mir sehr geschätzten Pfarrer mit dem ich auch einmal ein Jahr lang zusammenarbeiten durfte:

Die großen kirchenpolitischen Themen, wie das Frauenpriestertum und die Aufhebung des Zölibat, seien nie seine Themen gewesen, schränkt er ein. „Sehr zum Ärger von manchen.“ Er sagt es sachlich, ohne Ärger. Er wolle diese Themen nicht abwerten, aber ihn treibe vielmehr die Frage um, wie der Glaube weiterbestehen kann. „Seit Jahrzehnten geht das kirchliche Leben in den großen Volkskirchen zurück. Das beschäftigte uns auch schon vor dem Priestermangel.“

Lieber Johannes, Gottes Segen für Deinen wohlverdienten Ruhestand!

26. Januar: Die Gründer des Zisterzienserordens

Heute feiert die zisterziensische Ordensfamilie den Gedenktag ihrer Gründer. Dazu gibt es hier ein Foto einer Bronzeskulptur des Künstlers Werner Franzen aus Bergisch-Gladbach. Es werden Robert von Molesme, Alberich von Citeaux, Stephan Harding und Bernhard von Clairvaux mit ihren Attributen dargestellt. Das Original befindet sich seit einigen Jahren an einer Außenwand der ehem. Abtei Altenberg, seit dem vergangenen Jahr ist auch ein Exemplar im Eingangsbereich des Zisterzienserpriorates Bochum-Stiepel angebracht. Ein Besuch an beiden Orten lohnt sich geistlich-künstlerisch-musikalisch-kulinarisch immer!

Dienstag, 24. Januar 2012

Zum 300. Geburtstag etwas Lokalgeschichte

Den ganzen Artikel gibt es hier. Am besten gefällt mir der letzte Satz :)

Hattingen.  Preußenkönig Friedrich II. sorgte dafür, dass die Katholiken von St. Peter und Paul wieder aktiv werden durften.

Heute vor 300 Jahren erblickte Friedrich II. in Berlin das Licht der Welt. Pünktlich zum runden Geburtstag des Alten Fritz zaubert Elmar Unteregge, Mitglied der katholischen Gemeinde St. Peter und Paul, ein spezielles Dokument aus den Archiven. Das recht gut erhaltene Papier aus dem Jahr 1772 ist vom Preußenkönig Friedrich höchstpersönlich unterschrieben.
Das Dokument erlaubt der Stadt Hattingen eine Katholische Gemeinde zu gründen. Denn, kaum vorstellbar aber wahr: „Rund 200 Jahre vorher, im Jahr 1582 mussten alle Hattinger per Ratsbeschluss Evangelen werden“, sagt Unteregge. Katholische Bürger gab es nach der Reformationszeit offiziell in Hattingen nicht mehr. Nur in Niederwenigern und Blankenstein tummelten sich damals noch Katholiken. „Die Ortsteile gehörten damals aber noch nicht zu Hattingen“, so Unteregge. Bis sich die Reformation innerhalb der gesamten Bevölkerung durchsetzen konnte dauerte es noch bis in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts. In der ehemaligen katholischen St. Georgs-Kirche wurden anfangs noch katholische Gottesdienste abgehalten. Ab dem Jahr 1626 war es damit aber vorbei. St. Georg wurde endgültig lutherisch. „Der Alte Fritz“ – stets um Religionsfreiheit bemüht – besiegelte am 20. Juli 1772 die Gründungsurkunde. Fortan durften die Hattinger wieder katholisch sein. Ein eigenes Gotteshaus fehlte jedoch noch. Ab 1781 wurden wieder regelmäßig katholische Gottesdienste abgehalten. Zunächst in einem Haus an der heutigen Große Weilstraße. Wieder sieben Jahre später wurde dann die neue katholische Kirche eingeweiht. „Sie war ziemlich klein und stand da, wo sich heute das ehemalige Hertie-Gebäude befindet“, erzählt Pfarrer Winfried Langendonk. Knapp 300 Personen passten in das Gotteshaus.

 

Mehr Katholiken


Tatsächlich gab es Ende des 18. Jahrhunderts in Hattingen aber gerade einmal 66 Katholiken. (Zum Vergleich: Heute zählt die Katholische Kirche in Hattingen etwa 18 600 Anhänger). Rasch wuchs die Gemeinde, so dass sie im Jahr 1839 eine Mitgliederzahl von 1184 verzeichnete. „Spätestens als die Henrichshütte 1854 ihren Betrieb aufnahm strömten zahlreiche Katholiken aus dem Osten nach Hattingen“, sagt Langendonk. Die Kirche an der Großen Weilstraße wurde zu klein. 1870 wurde schließlich die heutige Kirche St. Peter und Paul an der Bahnhofstraße eingeweiht. Das alte Kirchengebäude wurde zu einem Wohnhaus umgebaut und fiel erst 1971 dem Bau des Karstadt-Gebäudes zum Opfer. Das einzige, das von der alten Kirche überblieb, sei der Taufstein, so Langendonk. „Der ist über 500 Jahre alt“.
Dass Hattingen damals von Friedrich II. auserwählt wurde sei übrigens reiner Zufall gewesen. Ob die Geschichte der Katholischen Gemeinde Hattingens anders verlaufen wäre, wenn es das Dokument nicht gegeben hätte? „Das glaube ich nicht“, sagt Winfried Langendonk. „Mit der Zeit hätten sich die Katholiken schon durchgesetzt“.

24. Januar: Franz von Sales - freie, fröhliche Frömmigkeit

Franz wurde 1567 in Sales in Savoyen geboren. Nach dem Studium in Paris und Padua wurde er 1594 zum Priester geweiht. Er missionierte unter großen Anstrengungen und mit Erfolg bei den Calvinisten südlich des Genfer Sees. 1602 wurde er Bischof von Genf mit Sitz in Annecy. Er galt als unermüdlicher Seelsorger und Prediger, aber auch, vor allem durch seine schriftstellerische Tätigkeit, als bedeutender Lehrer des geistlichen Lebens. Sein Hauptwerk „Philothea“ und sein Schriftwechsel mit Johanna Franziska von Chantal gelten noch heute als Klassiker geistlicher Literatur. Franz starb 1622 in Lyon und wurde 1695 heiliggesprochen.

 „Ich will keine absonderliche, unruhige, traurige und verdrossene Frömmigkeit, sondern eine milde, sanfte, angenehme und friedliche, mit einem Wort: eine freie und fröhliche Frömmigkeit, die liebenswürdig ist vor Gott und den Menschen.“

Franz von Sales

„Frömmigkeit“ – dieses Wort wird heute selbst innerkirchlich nur noch selten genutzt. Mit „Frömmigkeit“ wird häufig geistige Enge, miefige Biederlichkeit und, wenn es denn zur „Frömmelei“ wird, auch Heuchelei verbunden. „Spiritualität“ scheint da doch irgendwie besser, weltoffener und spannender zu sein. Muss es aber nicht. Wie bei allem kommt es darauf an, was man daraus macht. Bei Frömmigkeit geht es um meine Beziehungen: zu mir, zu meinen Mitmenschen, zu Gott. Und was ich daraus mache.
Wir leben einerseits in einer Zeit bleierner Toleranz, des weitgehend unverbundenen Nebeneinanders von Religionen und Weltanschauungen, andererseits aber auch in einer Zeit in der jährlich 100 Millionen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Auf dem Hintergrund der Ereignisse in Ägypten und Nigeria ist mir der Hinweis des hl. Franz, wie man denn seinen Glauben leben kann, ganz aktuell geworden: Frei, fröhlich, liebenswürdig, das sind Kennzeichen echter Frömmigkeit. – Und das, liebe Leserinnen und Leser, sollte sich jede Religion ganz dick ins Stammbuch schreiben!

Montag, 23. Januar 2012

Liturgische Nachlese

Na schreibst Du was dazu? Das wurde ich gestern mehrfach gefragt. Also gut: Gestern morgen gab es wie schon angekündigt in meiner Heimatgemeinde ein Pontifikalamt zum Abschluß der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 175-jährigen Bestehen der Resurrektionisten. Auf den ersten Blick ganz nett, immerhin waren keine Glühbirnen in der Kirche kaputt, das ist für meine Gemeinde schon ein enormer Fortschritt. Dass nicht mit allen Glocken geläutet wurde und es keine Beflaggung auf dem Kirchplatz gab, dass die Liedauswahl nicht sonderlich feierlich war (GL 534 zur Gabenbereitung z.B.) und die Ministranten stellenweise recht orientierungslos durch den Chorraum baselten, will ich ja noch durchgehen lassen. Was ich allerdings bedenklich finde, ist dass der Diakon das Evangelium mit "Der Herr IST mit euch!" eingeleitet hat. Und eine ziemliche Unhöflichkeit war, dass niemand den Weihbischof empfangen hat: Zwei Freunde von mir standen nach dem Einsingen des Chores noch ein wenig auf dem Kirchplatz, als der bischöfliche Benz angefahren kam. Der Weihbischof: "Guten Morgen, sind Sie hier das Empfangskomittee?" Antwort: "Nö, aber trotzdem schön, dass Sie da sind!"
Wie sagte doch gestern ein Kenner der Verhältnisse: "Sie können's halt nicht!" 
Bezeichnenderweise hält sich ja auch bei uns in der Stadt die hartnäckige Behauptung, dass dies die einzige Gemeinde ist, bei der es beim Pfarrfest nur Kamillentee gibt... 

Samstag, 21. Januar 2012

Das Samstagshörnchen

Heute morgen waren wir bei Manufactum in Waltrop. In den "Brot&Butter" - Laden könnte ich mich immer reinlegen. Ging aber nicht, es waren noch andere Kunden da. Morgen kommt der Weihbischof in meine Heimatgemeinde um das Jubiläum der Resurrektionisten zu feiern. Man erwartet 10 Priester am Altar, so stand es in der Zeitung. Die moderne Form des Klerikalismus heißt für mich Konzelebration... 
Allen Leserinnen und Lesern ein schönes und entspanntes Wochenende!

Freitag, 20. Januar 2012

20. Januar: Sebastian - Der Geist der Stärke

Sebastian starb als Märtyrer zu Beginn der Christenverfolgung des römischen Kaisers Diokletian in den Jahren 303 bis 311. Er soll ursprünglich aus Mailand stammen und Offizier in der kaiserlichen Leibgarde gewesen sein. In der Kunstgeschichte wird Sebastians Martyrium häufig dargestellt: An einen Baum gebunden und von zahlreichen Pfeilen durchbohrt. So wirkt es vielleicht etwas makaber, dass Sebastian gerade von vielen Schützenbruderschaften als Patron verehrt wird. Aber wahrscheinlich geht es dabei eher um seine vorbildliche Standfestigkeit im Glauben. Sein Grab wird seit dem 4. Jahrhundert an der Via Appia in Rom verehrt, die Basilika San Sebastiano gehört zu den sieben Hauptkirchen Roms, die von den Gläubigen vor allem während eines „Heiligen Jahres“ aufgesucht werden.

Mit der Ausweitung des römischen Imperiums hatten aus den eroberten Gebieten eine ganze Reihe von Gottheiten und unterschiedlichen religiösen Kulten ihren Platz neben den „klassischen“ römischen Göttern gefunden. Mit dem Gott der Juden und Christen hat das nie geklappt. Warum? Weil sie sich an die wichtigste Spielregel nicht halten konnten: Alles war erlaubt, solange den Göttern und dem als Gottheit verehrten Kaiser geopfert wurde. Und das konnten sie nicht mitmachen. Für die Juden endete das in der Katastrophe der Zerstörung Jerusalems und des Tempels, über die Christen brachen immer neue Wellen der Verfolgung hinein. „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!“ – In dieser eifersüchtig wirkenden Forderung der Zehn Gebote liegt für manche heutige Kritiker der Ursprung religiöser Intoleranz. Aber das ist Unsinn, denn dieses Gebot ist eine enorme Entlastung: Die Dinge sind nur Dinge, Menschen sind nur Menschen. Nichts ist so wichtig, so groß und so bedeutsam, als dass ich mich vor ihm endlos klein machen müsste. Keine Macht ist absolut, Ruhm ist vergänglich.
„Schenke auch uns den Geist der Stärke, damit wir dir mehr gehorchen als den Menschen!“, das ist der entscheidende Satz aus dem Tagesgebet am Fest des hl. Sebastian und darauf kommt es an. Dass dieser Geist der Stärke in uns immer mehr zunimmt, das möchte ich uns wünschen!

Donnerstag, 19. Januar 2012

Nochmal Heilig-Rock-Wallfahrt

Über Ablass oder nicht ist ja in den letzten Tagen viel diskutiert worden. Zu meiner Frömmigkeit gehören Ablässe nicht. Aber ich würde sie auch niemandem verweigern wollen. Und was die evangelischen Schwestern und Brüder angeht, ist es wie beim Sport: Auswärtsspiel. Da habe ich mich nach den Gepflogenheiten der Gastgeber zu richten wenn ich mitspielen will. Oder ich lasse es. Aber ich brauche dann auch keine Forderungen zu stellen oder beleidigt zu sein.
Der eigentliche Grund für diesen Beitrag ist aber, dass mir vorhin im Bücherschrank eine gesticktes Andenken an die Heilig-Rock-Wallfahrt 1933 in die Hände gefallen ist:


Mit oder ohne Ablass, man sollte nach Trier fahren!

Irgendwas stimmt hier nicht...

Ich hoffe mal, dass hier nur die Reporterin ein paar Dinge durcheinander geworfen hat:

"Altkreis Halle (WB). Was verbindet die Euro-Finanzkrise, die Affäre Wulff und den Kapitän des verunglückten Kreuzfahrtschiffes »Costa Concordia«? In allen Fällen stellt sich die Frage der Schuld. Und die beschäftigt am Samstag, 21. Januar, auch die Gläubigen in der »Zeit+Geist«-Messe in der St. Hedwigkirche.
Mit dem neuen Jahr hat sich einiges geändert in dem Gottesdienst, der stets von einem Laienteam vorbereitet wird und alle acht Wochen an wechselnden Orten im Pastoralverbund Stockkämpen stattfindet. Diesmal also in Steinhagen. »Erstmals gibt es uns jetzt zur ›Prime Time‹«, sagt Markus Stein vom Vorbereitungsteam. Sprich: »Zeit+Geist«, sonst sonntagabends, ersetzt fortan die Samstagabend-Messe. Beginn ist um 18.30 Uhr. Nicht nur Katholiken, sondern alle Interessierten sind willkommen.
Nach der Versetzung von Pfarrer Adam Szymanski nach Gütersloh, der sonst stets die »Zeit+Geist«-Messe liturgisch begleitete, geht es mit Dechant Josef Dieste und Pastor Thomas Kubsa weiter. »Wir sind sehr froh, dass das Interesse im Pastoralteam an dieser Gemeinde-Initiative weiterhin so groß ist«, sagt Markus Stein.
Dass Laien eine Messe gestalten, das ist durchaus nicht üblich in den katholischen Kirche. Aber unbedingt nötig in Zeiten, da einer starren, Reformen abgeneigten Amtskirche die Gläubigen wegzulaufen drohen, findet das »Zeit+ Geist«-Team, dem neben dem Wertheraner Ehepaar Markus und Margit Stein, Inge Clausen, Liborius Rzeha, Gertrud Weßling, Christian Vogel, Andrea Eckermann und Thomas Koop angehören. »Die Gemeinde lebt von den Laien«, sagt Margit Stein und zitiert dazu Thomas Kubsa: Dieser habe gerade noch in seiner Sonntagspredigt dazu aufgerufen, bestehende Initiativen zu stärken und neue aufzubauen.
Zur Doktrin der Amtskirche passt das Thema der aktuellen »Zeit+Geist«-Messe: »Durch meine große Schuld?« Schuld sei etwas, das den Gläubigen früher eingetrichtert worden sei: »Manche haben bis heute damit zu kämpfen«, sagt Inge Clausen. Schuld sei aber doch etwas ganz Alltägliches, so Markus Stein: »Schuld gibt es immer.« Natürlich schaut das »Zeit+Geist«-Team auf die in den Medien groß aufgemachten Fragen nach Schuld und Verantwortung etwa eines Bundespräsidenten oder von Staatsführungen mit defizitären Haushalten. Aber das Hauptaugenmerk liege eigentlich auf der Frage: Was ist Schuld? Wie geht man damit um? Was sagt Jesus dazu? Wie kann uns der Glaube weiterhelfen?
Antworten auf diese Fragen hat das Team nicht parat – wohl aber wird es Stellung beziehen: »Wir machen hier keinen Katechismus, sondern wollen Dinge kritisch hinterfragen«, sagt Markus Stein. Und er macht noch einmal deutlich: »Wir denken sehr offen.«
Zur Messe am Samstag um 18.30 Uhr sind nicht nur Katholiken, sondern alle Interessierten eingeladen. Sie sollten einen handlichen Stein mitbringen, der symbolisch für Schuld steht und in der Messe eine Rolle spielen wird."
Musik gibt es in der St. Hedwigskirche übrigens auch. Das »Zeitklang-Ensemble« mit Margit Stein (Sopran), Erika Heinemann (Alt), Reinhard Witt (Tenor) und Wolfgang Decius (Bass) trägt zur Orgel- und Keyboard-Begleitung durch Markus Stein unter anderem Taizé-Liedgut vor.

Die Nachfolge Christi ist immer wieder spannend...

Von einem für unsere Verhältnisse etwas ungewöhnlichen Ereignis wird auf der Seite des Erzbistums Paderborn berichtet:

"Wiedenbrück / Paderborn, 16. Januar 2012. In der bis auf den letzten Platz besetzten St.-Pius-Kirche Wiedenbrück hat die aus Herzebrock-Clarholz stammende Gemeindereferentin Sabine Jasperneite durch Weihbischof Matthias König am Sonntag die Jungfrauenweihe empfangen. Im dem von nun an öffentlichen kirchlichen Stand der gottgeweihten Jungfrau verpflichtet sich Sabine Jasperneite, durch ein intensives und glaubwürdiges geistliches Leben Christus und der Kirche zu dienen."

Gottes Segen!
Den ganzen Artikel gibt es hier!

Im Nebel

Für einen Freund:

Hermann Hesse: Im Nebel

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.


Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.


Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.


Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.


November 1905 

Mittwoch, 18. Januar 2012

Weihwasserbeckendieb muss ins Gefängnis!

Aktuell auf "derwesten":

Dortmund. Deutliche Worte und eine noch deutlichere Strafe fand Amtsrichterin Daniela Reimer für jenen Mann, der am 13. August vergangenen Jahres aus der Kapelle des Josefshospitals in Hörde ein 30 Kilo schweres Weihwasserbecken wegschleppte, um es an einen Schrotthändler zu verkaufen.
„Sie haben einen Gegenstand entwendet, der dem Gottesdienst gewidmet ist. Das ist Diebstahl in einem besonders schweren Fall“, sagte sie zu dem 29-Jährigen. Der nahm das Urteil mit gottergebener Miene auf: Ein Jahr Gefängnisstrafe. Und er muss damit rechnen, noch länger hinter Gittern zu sitzen – so droht ihm jetzt noch der Widerruf zweier älterer Bewährungsstrafen.

Geständnis nach Diebstahl eines Rasenmähers

Mit dem Urteil ahndete das Gericht außerdem den Diebstahl eines Rasenmähers aus einer Garage an der Admiralsstraße. Als der Besitzer den Mann erwischte, machte der sofort reinen Tisch – und gestand auch den Diebstahl des Weihwasserbeckens.
Gestern auf der Anklagebank machte der Vater eines sechsjährigen Kindes alles andere als den Eindruck eines ausgebufften Diebes. „Mir ist das alles furchtbar peinlich, ich kenne die Kapelle, bin ja sogar in dem Krankenhaus geboren worden.“ Warum er das 30 Kilo schwere und 1,60 Meter große Bronzebecken im letzten August mit Mühe auf sein Fahrrad hievte, um es zu einem Schrotthändler zu bringen: „Ich stand total unter Druck, wollte meine Drogenprobleme unbedingt vor meiner Familie vertuschen.“

Weihwasserbecken steht an alter Stelle in der Kapelle

Dass er zu jener Zeit „nicht ganz mit sich im Reinen war“, wie er es selbst nannte, liegt auf der Hand: Der Wert des 30 Kilo schweren Bronzebeckens wird auf 3500 Euro geschätzt, bei dem Schrotthändler ließ sich der Mann mit 35,10 Euro abspeisen. „Ich brauchte Geld, war froh über jeden Cent“, sagte der Dortmunder, der nach eigener Aussage seit zehn Jahren drogenabhängig ist.
„Schaden ist nicht entstanden, sieht man von den 35,10 Euro ab, die der Schrotthändler gezahlt hat. Und das kann man wohl vernachlässigen“, sagte Rechtsanwalt Timo Meyer, der vergeblich um eine letzte Chance für seinen Mandanten gebeten hatte. Der Dieb kommt in Haft – und das Weihwasserbecken steht zur Erleichterung aller wieder an alter Stelle in der Kapelle.

PS: Wenn alle diejenigen im Gefängnis säßen, die Gegenstände die dem Gottesdienst gewidmet sind, entwendet haben, wären unsere Gefängnisse voll mit Architekten, Pfarrern, Kirchenvorständen und bischöflichen Kunstkommissionen...

Licht aus Assisi - auch in Paderborn!

Gestern hatte ich die Gelegenheit mir die Ausstellung "Franziskus - Licht aus Assisi" im Erzbischöflichen Diözesanmuseum Paderborn anzuschauen. Unserer sehr engagierten Ausstellungsführerin ist es gelungen, nicht nur in die kunstgeschichtlichen Objekte, sondern auch in die Spiritualität des hl. Franziskus und der hl. Clara und in die Ereignisse der damaligen Zeit einzuführen. Einige hervorragende Ausstellungsstücke sind dabei, z.B. Kelch und Patene des hl. Franziskus aus der Reliquienkapelle von San Francesco oder eine der ältesten Franziskusdarstellungen von Margaritone d'Arezzo aus der 2. Hälfte des 13. Jh. aus den Vatikanischen Museen. Eindrucksvoll wird auch die Rekonstruktion der Fresken in San Francesco nach dem Erdbeben von 1997 gezeigt - Meine Güte, was für eine Puzzlearbeit!
Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, man sollte nur genügend Zeit mitbringen, da es auch sehr viele erläuternde Texte zu lesen gibt. Einen Besuch im Paderborner Franziskanerkloster (mit neu ausgemalter Kirche) haben wir dann nicht mehr geschafft. Die Ausstellung ist noch bis zum 6. Mai geöffnet.
Im Museum selbst durfte man nicht fotografieren, darum hier ein paar Bilder aus der westfälischen Metropole: Dom, Gaukirche, Marktkirche und Rathaus:






Samstag, 14. Januar 2012

Er war "nur" mein Reifenhändler...

Wenn alles gut ging, haben wir uns nur zweimal im Jahr gesehen, beim Sommer- und Winterräderwechsel. Wenn ich mir zwischendurch einen Platten gefahren hatte, war immer Verlaß auf ihn. Ob und wie Manfred H. religiös war, weiß ich nicht. Beim letzten Räderwechsel hatte ich schon gehört, dass er sehr krank sei. Krebs.
Heute war sein Nachruf in der Zeitung. Die Mitarbeiter schreiben: "Wir verlieren einen humorvollen und warmherzigen Menschen, der das Reifengeschäft seit 33 Jahren mit viel Engagement, Fachwissen und großer Mitmenschlichkeit geführt hat. Er war uns ein väterlicher Freund und der beste Chef, den man sich wünschen kann. Er wird uns sehr fehlen."
Ich habe heute viel an Manfred H. denken müssen.

Komm zur Ruhr - auch im neuen Jahr!

Ohne große Erläuterungen nur ein paar Bilder von der Wanderung bei schönem Wetter heute morgen. Man kann sich kaum vorstellen, dass es in dieser heute so wildromantischen Gegend vor hundert Jahren hektisch und betriebsam wie heute in einem Industriegebiet zugegangen ist. Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein schönes und erholsames Wochenende!







Freitag, 13. Januar 2012

Fühl dich frei!

"Fühl dich frei! - Reformation und Freiheit" so lautet der Titel des Vortrags von Präses Alfred Buß beim diesjährigen ökumenischen Neujahrsempfang des Kirchenkreises und des Dekanates. Auf dem Titelbild der Einladung hampeln der Superintendent und der Dechant auf einem Bein hüpfend mit hocherhobenen Armen in der Luft wedelnd vor einer großen grauen Stahltür. Kein Scherz. Wobei der Dechant auf dem Bild eine gewisse Ähnlichkeit mit Hape Kerkeling hat. "Fühl dich frei!" - Das Titelbild wirkt vor allem vernunftbefreit.
Wenn Reformation Freiheit bedeutet, wären dann ja logischerweise alle Nichtreformierten unfrei, abhängig und unterdrückt. Also wir Katholiken. Schön, dass uns das als Mitveranstalter beim ökumenischen Neujahrsempfang mal wieder gesagt werden wird!

Mittwoch, 11. Januar 2012

Abschied von Thomas Quasthoff

Der deutsche Bassbariton Thomas Quasthoff nimmt als Sänger Abschied von der Bühne. Der 52-Jährige beende seine beispiellose Karriere aus gesundheitlichen Gründen, teilte das Management des Musikers mit. Quasthoff erklärte zu seiner Entscheidung: "Ich habe mich entschlossen, mich nach fast 40 Jahren aus dem Konzertleben zurückzuziehen, weil es mir meine Gesundheit nicht mehr erlaubt, dem Anspruch, den ich immer an mich selber und an die Kunst gestellt habe, gerecht werden zu können."

Quelle: Welt-Online, hier der ganze Artikel

Be allem Verständnis und Respekt für den für ihn wohl richtigen Zeitpunkt des Abgangs tut es mir leid. Ich habe ihn wirklich gerne gehört, v.a. seine Schubertlieder. Ganz besonders schade ist, dass ich für Mai noch drei Karten für ein Konzert in der Philharmonie Essen habe, worauf ich mich schon lange gefreut habe. Das wird wohl jetzt nichts mehr.
Auch Quasthoffs Ausflüge in das nicht ganz so ernste Fach fand ich toll. Als Hommage an einen wirklichen Ausnahmekünstler gibt es jetzt die "Capri-Fischer", begeitet von Götz Alsmann und Band:

Gottesdienst und Ethik

Der Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft in Würzburg vergibt drei Doktorandenstipendien zum Thema "Gottesdienst und Ethik". Grundsätzlich ist die Materie durchaus interessant, die Themenstellung allerdings weder sonderlich wissenschaftlich, noch theologisch originell formuliert. Die Bezugnahme auf die "Ent-Weltlichung" aus der Freiburger Papstrede halte ich z.B. für unpassend und oberflächlich, da mit "Ent-Weltlichung" m.E. eben gerade kein "Rückzug in die Gotteshäuser" gemeint ist.
Unzweifelhaft sind aber "Gottesdienst und Ethik" miteinander verbunden. Was nützt der perfekteste Gottesdienst, wenn das ethische Handeln der Beteiligten fragwürdig ist? Andersherum gilt das natürlich genauso. Aber eigentlich wissen wir das doch alles schon, oder?


Dienstag, 10. Januar 2012

Bibeln im Krankenhaus? - Eher nicht!

In der vergangenen Woche rief mich ein älterer Herr vom "Gideon-Bund" an. Das ist die etwas freikirchlich angehauchte Vereinigung, die gratis Bibeln in Krankenhäusern und Hotels verteilt. Er fragte recht nachdrücklich an, ob er auch in den Krankenhäusern in denen ich für die Seelsorge verantwortlich bin, Bibeln für Patienten und Mitarbeiter verteilen könne.
Ich habe das abgelehnt. Daraufhin schwang er gleich die Moralkeule: "Wenn Sie das verantworten wollen, dass die Menschen nicht von Gottes Wort getröstet werden..." Damit kann ich leben.

Es gibt nämlich gute Gründe gegen diese Bibeln auf den Zimmern:
1. Sie fliegen in der Gegend herum. Die Bibeln werden von den Patienten zum Offenhalten von Fenstern oder als Schreibunterlage oder zum Abstellen von Gläsern, Flaschen oder Vasen benutzt. Manchmal landen sie auch im Müll. Das wird der Heiligen Schrift nicht gerecht und den Büchern selber tut es auch nicht gut.
2. Bei den hohen Hygieneanforderungen ist es doch sehr bedenklich, Bücher in den Patientenzimmern zu hinterlassen, die dann durch viele Hände gehen. Ich jedenfalls würde so ein Buch nicht anfassen!
3. Immer weniger Menschen finden einen direkten Zugang zur Heiligen Schrift. Einfach ein dickes Buch aufschlagen und das Richtige finden, funktioniert heute nicht mehr. Es ist schon eine Menge, wenn jemand weiß, dass die "Jesusgeschichten" etwas weiter hinten zu finden sind...
4. Die Bibeln des Gideon-Bundes haben eine Menge Eigenreklame und entsprechen in ihrer Bibelübersetzung auch nicht der in Teilen zumindest ökumenisch verantworteten Einheitsübersetzung. In einem katholischen Krankenhaus muss man nicht unbedingt freikirchliche Bibeln finden!

Diese Gründe haben uns bewogen, dass wir in unseren Einrichtungen seit drei Jahren sehr erfolgreich und wohl auch ziemlich einmalig ein eigenes Konzept verfolgen:
- Wir haben das Buch "Das Wort Gottes für jeden Tag" aus dem Benno-Verlag angeschafft. Dieses Buch enthält jeweils einen Schlüsselsatz aus dem Tagesevangelium oder der Tageslesung und einen meditativen Impuls. Viele werden es kennen. Bei uns kommt als Besonderheit hinzu, dass es ein von uns selbst entworfenes Wort an die Patienten mit den Namen und Unterschriften aller Seelsorger, sowie für die einzelnen Häuser die Gottesdienstzeiten, die Lage der Kapelle, den Radio- bzw. Fernsehkanal für den Gottesdienstempfang, sowie Namen und Telefonnummer der seelsorglichen Ansprechpartner enthält. Hinzu kommt ein Cover im "corporate design" unserer Einrichtungen, als Titelbild immer ein Bild aus einer unserer Kirchen oder Kapellen.
- Dieses Buch wird von den Seelsorgern aber auch den ehrenamtlichen Mitarbeitern der kath. Krankenhaushilfe bei ihren Patientenbesuchen mitgenommen und bei entsprechender Gelegenheit den Patienten geschenkt. Dieses Buch, das auch in den Schriftenständen in den Kapellen ausliegt, kostet nichts. Die Patienten können es mit nach Hause nehmen oder sie können auch weitere Exemplare für ihre Angehörigen bekommen. Ich halte es für ganz wichtig, dass nicht immer alles in unserer Kirche etwas kostet!
- Für diejenigen, die wirklich eine komplette Bibel haben möchten, haben wir ca. 20 Exemplare vorrätig. Sie werden dann von uns persönlich dem Patienten übergeben und auch entsprechend von uns wieder mitgenommen.
Es fliegt also nichts herum, es ist hygienisch in Ordnung, der inhaltliche Zugang fällt leichter und als katholischer Träger haben wir noch etwas für unsere katholische Identität getan!
Vielleicht kann diese Anregung manchem ganz nützlich sein!


Sonntag, 8. Januar 2012

Sonntagsgedanken: Die Sternsinger sind beispielhaft für den ganzen Laden

Zu dem missglückten Sternsingerbesuch von gestern fällt mir noch ein, dass auch kein schwarz geschminkter König dabei war, der Weihrauch in einer alten Konservendose nicht funktionierte und vier gelangweilt dreinschauende kaugummikauende Jugendliche als Begleiter dabei waren.
So ist das leider immer in meiner Wohnortgemeinde: Beim Seniorennachmittag muss man noch Kuchen und Geld mitbringen, beim Pfarrfest gibt es Musik vom Band und Fronleichnam macht man kaum noch Prozession, sondern feiert auf dem Parkplatz des gegenüberliegenden Stahlwerks Messe. Als Organisten hält man sich den bekanntermaßen schlechtesten Aushilfsorgelspieler der ganzen Stadt, in der Kirche hängen meterlange Spinnweben und in jeder Lampe sind mindestens zwei Glühbirnen kaputt. Der Pfarrer, obwohl persönlich ein frommer Mann, nimmt seine Führungsaufgaben kaum wahr, also macht jeder was er will und das mit möglichst wenig Aufwand. Und wenn jeder macht was er will, ist eigentlich auch alles egal. Dazu ist der Pfarrer so kauzig, dass er mich manchmal grüßt und manchmal einfach durch mich hindurchzuschauen scheint. Aber im Wälzen kirchenpolitischer Probleme ist man unschlagbar. Wahrscheinlich ist es auch deswegen die hiesige Lieblingsgemeinde des in der Nachbarstadt residierenden interreligiös-ökumenischen Betroffenheitsdechanten...
Die alte Regel gilt: Wenn ich nichts investiere und nur problematisch daherkomme, brauche ich mich auch nicht zu wundern, wenn ich unattraktiv bin und keiner kommt! Ein alter Bekannter aus der KAB hat es mal auf den Punkt gebracht: "Bei denen gehe ich doch nicht aufs Pfarrfest, die trinken doch nur Kamillentee!"
Wie anders doch der Neujahrsempfang in meiner "Arbeitsgemeinde": Essen und Trinken in großen Mengen und ein herzliches Miteinander. Dazu vorher ein musikalisch qualitätvoller Gottesdienst und ein Zelebrant, der sich in der feierlichen Liturgie sichtlich wohl fühlt. Natürlich ist dort auch nicht alles toll, aber man scheint da die Probleme pragmatischer und vor allem selbstbewusster anzugehen.
Im neuen Jahr haben wir einige hoch interessante Projekte vor, die für das zukünftige Profil der Kirche in unserer Stadt sehr wichtig sein können. An der ein oder anderen Stelle werde ich mich einbringen können. Wenn wir jetzt am Ende der Weihnachtszeit wieder in den "grünen" Jahreskreis gehen, möchte ich besonders um Gottes Segen und den Beistand seines Geistes für das vor uns liegende Jahr bitten. Möge er jeden und jede von uns in ihrem Tun begleiten und uns durch alle Höhen und Tiefen tragen, so dass wir am Ende wieder sagen können "Es war ein gutes Jahr!"

Samstag, 7. Januar 2012

Sternsinger kommen nur zum Abkassieren

Vorhin waren die Sternsinger da: Die Kinder haben nicht gesungen, konnten ihren Text nicht auswendig und waren sogar noch zu dämlich den Text vom Zettel richtig abzulesen.
"Klopft an Türen - Pocht auf Rechte!" - Bei der Leistung kann ich mir nur stark an den Kopf pochen...

Wasserbüffel mit Pommes...

...gab es gestern abend beim Neujahrsempfang nicht, obwohl Wasserbüffel sehr schmackhaft sein soll. Nein, es gab wieder vom Pfarrer selbstgeschossenen Hasen aus der Soester Börde, was auch nicht schlecht war. Überhaupt war es ein schöner Abend, wir waren um viertel nach Vier zuhause und waren nicht die letzten...

Freitag, 6. Januar 2012

Die Kopten: "Kinder der Märtyrer" - Interview mit Bischof Damian

Ein sehr lesenswertes Interview mit Bischof Anba Damian findet sich heute morgen in den Ruhr-Nachrichten. Hier ein kurzer Ausschnitt:

Wenn die Kopten keinen Polizeischutz bekommen hätten, hätten sie die Weihnachtsfeier ausfallen lassen?
Damian: Nein, die Kopten sind sehr mutig. Sie haben eine sehr enge Beziehung zu ihrer Kirche und sie lassen sich von niemandem in irgendeiner Weise erschrecken. Sie haben keine Scheu, sie gehen in die Kirche mit allen Konsequenzen. Wir Kopten sind eben Kinder der Märtyrer, die auf alle Fälle – sogar trotz aller Bedrohungen – zum Gottesdienst gehen. Es gibt niemanden, der uns von unserem Gotteshaus trennen oder der uns zwingen kann, uns von unserem Gotteshaus zu distanzieren.

Woher kommt der Hass gegen die christlichen Minderheiten?
Damian: Das sind bestimmte Ideologien und Lehren, die eben die undifferenzierten Menschen und die Analphabeten mit Hasspredigten bewegen und zu Attacken gegen uns stiften. Die richtigen Kriminellen sind nicht diejenigen, die Waffen oder Munition bei sich tragen und benutzen, sondern diejenigen, die Hass predigen und die undifferenzierten Menschen mit Wut und Hass beladen, die dann letztendlich auf uns losgehen und uns angreifen. Diese Menschen sind nicht von Natur aus von Hass geblendet, vielmehr wurden sie so „ausgebildet“ und so handeln sie dann auch.
Meinen Sie die Islamisten?
Damian: Ja.
Müssen auch die deutschen Christen irgendwann Angst vor einer Verfolgung durch den Islam haben?
Damian: Ja. Um nur ein Beispiel zu nennen: Während unseres letzten Weihnachtsfestes in Düsseldorf haben die Salafisten dort mitten in der Innenstadt DVDs verteilt, in denen es sinngemäß darum ging, dass der Islam die einzig wahre Religion sei. Die Muslime versuchen, die Welt zu erobern, sie wollen Dominanz erreichen. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht.

Sie haben regen Kontakt zu den katholischen und evangelischen Geistlichen in Deutschland. Warum ist das Ihnen so wichtig?
Damian: Die Ökumene ist sehr wichtig zum Leben und zum Überleben. Das ist wie mit dem Leib Christi – wenn in Ägypten eine Kirche leidet, leidet mit ihr auch andere Kirchen und Konfessionen weltweit. Deswegen müssen wir immer zueinander rücken und uns gegenseitig stärken und Solidarität zeigen. Und: Die Geschichte der koptischen Kirche bildet die Wurzeln des Christentums. Meine Geschichte ist ihre Geschichte. Und wer die Kirche in Ägypten unterstützt, der tut etwas auch für seine eigene Kirche.

Donnerstag, 5. Januar 2012

Epiphanie, Dreikönigstag und Neujahrsempfang

Meine Meditation zu den hl. drei Königen ist leider auf dem Bürocomputer. Also werde ich sie nächste Woche nachreichen.
Ist vielleicht jemand morgen früh im Kölner Dom im Pontifikalamt?
Morgen abend um 18.30 Uhr gibt es in St. Marien in Witten mit der Choralschola lateinisches Proprium und Ordinarium, anschließend Neujahrsempfang als Dankeschön für die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im letzten Jahr gab es jede Menge vom Pfarrer selbstgeschossene Hasen. Mal schauen, was diesmal auf dem Speiseplan steht. Zumindest war der Pfarrer vor einigen Monaten in Afrika, ich hoffe, dass es morgen abend nicht Wasserbüffel mit Pommes gibt...
Im letzten Post hatte ich vom Rückzug an allen Fronten geschrieben. Das ist zu resignativ. Von Kardinal Jaeger, dem 1974 verstorbenen Erzbischof von Paderborn, heißt es, dass ihm als Teilnehmer beider Weltkriege "der Pulverdampf der Attacke lieber war als der Weihrauchduft der Anbetung." Mit der Anbetung war die Ehrung der eigenen Person gemeint.
Wenn man gewinnen will, ist auch manchmal Rückzug angesagt. Aber wenn die Richtung klar ist, fällt die Attacke gar nicht so schwer. Auf gehts!

Gewalt gegen Kirchen - auch bei uns!

Heute auf "derwesten":

Duisburg.  Steine, Böller, Raketen: In Laar und Beeck waren Kirchen um Neujahr das Ziel unbekannter Täter. Nicht zum ersten mal seien die Gotteshäuser angegriffen worden, berichten Gemeindemitglieder. Offen beschuldigen wollen sie niemanden - aus Angst vor Racheakten.
Noch am Mittwochmorgen liegt rund um die katholische Kirche St. Ewaldi, den Laarer Dom an der Friedrich-Ebert-Straße, eine Mischung aus Silvesterböllern und zahlreichen Steinen, teils faustgroß. Einige dieser Steine – soviel steht fest – sind am Neujahrstag in die Scheiben der altehrwürdigen Kirche geflogen. Nicht zum ersten Mal, wie Gemeindemitglieder im Gespräch mit der WAZ bestätigten: „Das ist schon öfter vorgekommen, dass uns die Scheiben eingeworfen werden“, sagt Ewald Kapsuch, „jetzt haben wir schon Sicherheitsglas vor den Fenstern, aber die werfen so fest, dass es trotzdem bricht.“
Während der Silvestermesse sollen Böller sogar in die Kirche geworfen worden sein. Als drinnen die Gläubigen Einkehr im Gebet suchten, knallte und pfiff es draußen vor der Kirche zudem ohne Unterlass.

Selbst Sicherheitsglas ging zu Bruch

„Wir haben für rund 6000 Euro das hochstabile Sicherheitsglas einbauen lassen“, sagt Heribert Schulz vom Gemeindevorstand, „bevor das zu Bruch geht, da muss schon Kraft dahinterstecken.“ Neben den Kirchenfenstern haben die Unbekannten in der Vergangenheit sämtliche Scheiben in der Sakristei eingeschlagen.“ Auf die Hilfe der Polizei wagt Schulz kaum noch zu hoffen: „Natürlich nehmen die sehr korrekt immer wieder die Anzeigen auf. Aber einen Täter haben die noch nie ermittelt.“ Schulz würde sich mehr Polizeipräsenz vor der Kirche wünschen: „Aber dann heißt es immer: ,Sorry, wir haben im Norden zu viel zu tun.“ Schulz befürchtet, dass die nächste kaputte Scheibe nicht bis Silvester auf sich warten lässt.
Wer „die“ sind, die da Steine auf eine Kirche werfen, das will oder kann auch Heribert Schulz nicht sagen. Bei anderen Laarer Katholiken herrscht die Sorge, dass die Täter sich rächen könnten. Hinter vorgehaltener Hand werden im Gespräch mit unserer Zeitung immer wieder extrem aggressive junge Erwachsene aus dem Viertel beschuldigt. Zitiert werden will mit seinem Verdacht jedoch niemand.
An eingeworfene Kirchenfenster haben sie sich in auch Beeck bei der evangelischen Kirche am Ortseingang gewöhnen müssen.

"Ich hoffe, das wird nicht zur Regel"

„Das kam früher häufiger vor, dann hatten wir eine ganze Zeit Ruhe. Ich hoffe, dass wird nicht wieder zur Regel“ , sagt Pfarrer Heinz-Georg Aßmann. Nach Neujahr habe man ein kaputtes Fenster an der Kirche bemerkt. Und die Beecker Kirchenfenster sind teuer: „Die sind sehr aufwendig gearbeitet. Mindestens 200 Euro plus Arbeitskosten und Kosten für die Hebebühne sind da wieder mal fällig.
Über 200 Euro plus Arbeitskosten kann die evangelische Gemeinde in Laar nur bitter Lachen: Eine nagelneue Toilettenanlage, für 18 000 Euro eingebaut, und das gesamte Untergeschoss der Kirche mit Veranstaltungsräumen und Gemeindesaal sind bis auf Weiteres nicht mehr zu nutzen. In der Silvesternacht haben Unbekannte gezielt Feuerwerkskörper durch ein Lüftungsloch in das Kirchengebäude gefeuert. Der Sachschaden beläuft sich auf mindestens 15.000 Euro.
Polizei-Pressesprecher Ramon van der Maat verneint die Frage, ob es einen Anstieg der Gewalt gegen Kirchen im Norden gebe: „Ich sehe da nicht wirklich ein Problem.“ Von 177 angezeigten Delikten in der Neujahrsnacht hätten fünf in der ganzen Stadt mit Kirchen zu tun gehabt, vier davon im Norden: „Da eine Tendenz abzuleiten scheint mir weit hergeholt.“

Ich möchte eigentlich nicht die jetzt üblichen Vergleiche ziehen. Allerdings, hätte der Polizei-Pressesprecher das über Moscheen und Synagogen gesagt, wäre er wohl erledigt.
Und wo sind denn jetzt die ganzen Gutmenschen, Solidaritätskundgeber, Lichter- und Menschenkettenorganisatoren? Wo sind denn die ganzen betroffen-ernsthaft dreinschauenden Politiker? (Ach ja, ist ja Duisburg: Adolf Sauerland hat anderes zu tun, er berät gerade den Bundespräsidenten zum Thema "Wie verpasse ich die richtige Zeit zum Rücktritt?" ;)

Nachdenklich macht es mich schon, auch im Zusammenhang mit meinem letzten Post über die geplanten Kirchenschließungen. Rückzug an allen Fronten, ist das denn wirklich die einzige Perspektive?


Mittwoch, 4. Januar 2012

Kirchenschließungen: Muslime protestieren!

Gestern hat der Bischof von Essen mehrere Gemeinden in Duisburg besucht, die von Zusammenlegung und Schließung bedroht sind. Hier der Bericht.
Mir scheint dieser Spaziergang, was ich schlimm finde, lediglich den Anschein von Beteiligung wecken zu wollen, die wesentlichen Entscheidungen sind längst getroffen. Und wenn dann noch von "verbindlichen Vorschlägen" gesprochen wird (eigentlich ein Widerspruch in sich), hätte der Bischof ehrlicherweise zu Hause bleiben sollen und sagen: "Tja Leute, da kann man nichts machen. Ich löffle auch nur die Suppe aus, die mir meine Vorgänger und P. Thomas mit seinen Beratern eingebrockt haben. Das ganze Bistum Essen ist nun mal von seinem Zuschnitt her auf das Wirtschaftswunder der späten 50er Jahre eingestellt und das haben wir nun mal weder arbeitsmarktmäßig noch demographisch. Ich mache jetzt das Licht aus und wir sehen uns in Köln, Münster und Paderborn wieder. Meine Mitra behalte ich. Und Tschüss!"
Mutig wäre das und ehrlich auch. Aber das wird Bischof Overbeck nicht tun. Ich möchte damit auch überhaupt nichts gegen die meist sehr engagierte Arbeit der Priester und Laien unter häufig widrigen und resignierenden Umständen, abgesehen von manchem Dialogprozessunsinn, in meinem Nachbarbistum sagen. Aber wenns nicht mehr passt, dann passt es eben nicht mehr!

Was ich bei den geplanten Kirchenschließungen noch interessant finde, ist der Protest der muslimischen Gemeinde. Wir sollten nicht immer sofort einen bösen Hintergedanken dabei annehmen. Für mich hat es der Gemeindevorsitzende wunderbar abseits von Zahlen und Strukturreformplänen ganz fromm auf den Punkt gebracht: "Wir protestieren gegen die Schließung der Kirche, weil sie ein Gotteshaus ist, und Gotteshäuser schließt man nicht!"

In dem Buch "Schätze! - Kirchen des 20. Jahrhunderts" habe ich dazu passend ein Interview mit der bekannten Kirchenarchitektin Prof. Maria Schwarz (Jg. 1921) gefunden. Hier ein Auszug: "Wenn wir nichts anderes damit (mit den Kirchen, d. Verf.) tun können, müssen wir sie so lange verschließen, bis jemand kommt, der sie wieder füllt - als Kirche. Gute Dinge können warten. (...) Was ich an den Kirchen-Verkaufsmaßnahmen nicht verstehe, ist die aufgegebene Hoffnung. Unsere Religion besteht im tiefsten Kern darin, dass wir Hoffnung haben. Wenn ich etwas tue, womit ich Gemeinden in tiefste Traurigkeit stürze, dann stimmt etwas nicht!"

Was würde jetzt Ruhrgebietssatiriker Fritz Eckenga zum Bischof sagen: "Da kannst Du in der nächsten Halbzeitpause mal 'ne Viertelstunde drüber nachdenken. Viertelstunde nachdenken? Das schaffst Du schon. Glück auf!"

Montag, 2. Januar 2012

Zum neuen Jahr!

Allen Leserinnen und Lesern noch gutes und gesegnetes neues Jahr!
Eigentlich hätte ich noch ein paar Tage Urlaub, aber manchmal holt einen der Alltag schnell ein: Die Kollegen aus dem Krankenhaus riefen an und baten mich, zu einem depressiv-sinnkriselnden Patienten zum Gespräch zu kommen. Also werde ich selbstverständlich morgen früh dort hin fahren. Natürlich, ich stehe auch auf Standpunkt, dass Urlaub eigentlich Urlaub ist, aber 1. wer solls sonst machen?, 2. hätte ich ein blöderes Gefühl, wenn ich zuhause bleiben würde und der Mann würde ohne Seelsorge bleiben, und 3. sind mir gerade die priesterlichen Mitbrüder ziemlich suspekt, die mit Hinweis auf ihren freien Tag von Sonntag mittag bis Mittwoch morgen nicht erreichbar sind...
Dafür gibt es jetzt ein Neujahrs-Muck-Foto (übrigens mit der neuen Kamera):

Das ist gegen Ende einer längeren Fotosession, gleich verliert der Kater die Geduld und schnappt zu. Irgendwie erkennt man das schon auf dem Bild. Ich vermute auch, dass das ungefähr das letzte ist, was die Mäuse in unserem Garten in ihrem Leben sehen...