Mittwoch, 29. Februar 2012

Das Alte Testament ist kein Ponyhof

Opernintendant Jens-Daniel Herzog predigte in St. Reinoldi

"Ein eifernder und schnell beleidigter Gott, dessen Propheten Fundamentalisten sind, die von ihm auch schon mal einen Massenmord erflehen. Das ist der Gott des Alten Testaments – zumindest nach der Lesart von Jens-Daniel Herzog, Intendant der Dortmunder Oper. Seine allererste Predigt hielt er in St. Reinoldi über den Propheten Elias." (Quelle: vkk-Dortmund)
Den ganzen Text gibt es hier.

Was soll man davon halten? 

Dienstag, 28. Februar 2012

Priestermangel, Ärztemangel: Die Laien müssen ran!

Gestern war ich wieder bei einer der unvermeidlichen Seelsorgerkonferenzen. Es ging mit großen Worten um den Priestermangel (der ja genau so auch ein Laienmangel ist) und mal wieder darum, dass es 50 Jahre nach dem Konzil immer noch nicht "weiter" gegangen sei (wohin auch immer), und dass doch die Laien in der Krankenhausseelsorge z.B. auch salben sollten (ich habe das mal mit der Begründung abgelehnt, ich wolle kein Sakrament simulieren, darauf meinte "Er" nur, ich hätte wohl zuviel Angst...) und dass die angeblich altkirchliche "Laienbeichte" wieder belebt werden solle usw. usw. In der Runde saßen Priester, "Ex-Priester", Diplomtheologinnen und Gemeindereferenten.
Ich habe mir dabei nur so gedacht: Wir haben ja auch einen Ärztemangel. Wann schlägt denn da die Stunde der Laien? Für Gesundheit zu sorgen ist doch auch Aufgabe eines jeden. Also: Zwei, drei Wochenendkurse in einem Bildungshaus oder "Medizin im Fernkurs" in Würzburg, dann wirds schon passen mit dem Laienarzt. Zumindest bei Zahnärzten und Orthopäden...
Leute, ihr rationalisiert euch selber weg und findet es auch noch gut!
Ganz im Ernst: Diese Konzepte von "spiritual care" oder, wie jetzt im Erzbistum Paderborn geplant, die Ausbildung von geeigneten pflegerisch-sozialen Mitarbeitern zu Seelsorgern in Einrichtungen der Caritas halte ich für äußerst bedenklich. Dann kann ich auch jeden berufenen Blockflötenspieler als Kirchenmusiker beschäftigen, Hauptsache Musik.
Und ganz nebenbei: Die Bekämpfung des Lehrermangels durch die Einstellung von pädagogisch-durchlauferhitzten Quereinsteigern oder Studiumsscheiterern hat auch nicht zur Qualität beigetragen.

Montag, 27. Februar 2012

Pastorale Ratschläge zur Fastenzeit

"Er", wir sprachen neulich schon von ihm, trat am Aschermittwoch in seiner ganzen Fülle vor die Gläubigen und gab ihnen den guten Ratschlag: "Nehmen wir uns nichts vor für die Fastenzeit, wir halten uns ja eh' nicht dran!"
Das sieht man auch.

Fasten und Verzichten


Fasten hat etwas mit Verzichten zu tun. Verzichten ist immer dann schwierig, wenn ich auf etwas verzichten muss, d.h. ich hätte es zwar gerne, aufgrund widriger Umstände bekomme ich es aber nicht oder ich kann es mir nicht leisten oder es tut mir nicht gut. Anders ist es, wenn ich auf etwas verzichten will, ich also bewusst zu etwas „Nein" sagen kann. Im Ergebnis ist beides gleich. Nur geht es mir im ersten Fall schlecht, vielleicht verzehre ich mich vor Sehnsucht und werde dabei traurig und niedergeschlagen. Ich mache das Objekt meiner Begierde ganz groß und mich selbst dabei ganz klein. Im zweiten Fall ist es umgekehrt: Bestimmte Dinge werden für mich weniger wichtig und ich gewinne innere Freiheit und Größe.
Das ist der Sinn der Fastenzeit: Wenn jetzt viel von Buße, Umkehr und Verzicht die Rede ist, so geht es nicht darum mich klein zu machen, sondern genau um das Gegenteil: Ich nutze diese Zeit um die mir von Gott als sein Abbild, als sein von Ewigkeit her gewollter und geliebter Mensch geschenkte Größe zurück zu gewinnen. Vielleicht kann uns dabei die Strophe eines modernen holländischen Kirchenliedes begleiten: „Gib mir den Mut, mich selbst zu kennen, mach mich bereit zu neuem Tun. Und reiß mich aus den alten Gleisen; ich glaube, Herr, dann wird es gut."

Freitag, 24. Februar 2012

Akademiechristentum - ganz persönlich

Gestern und heute war ich bei einer Tagung in einer katholischen Akademie. Ich will da gar nicht viel gegen sagen, war ich doch schließlich selber fast 15 Jahre in der kirchlichen Erwachsenenbildung und in solchen Einrichtungen tätig. Das war damals mein Leben und ich kenne es nun wirklich in- und auswendig.
Aber Erwachsenenbildung kann auch helfen, selbst erwachsener zu werden: Mal ehrlich, welche Probleme da schon beim Frühstück diskutiert werden: Inzwischen möchte ich um diese Zeit nur einen schwarzen Kaffee, ein helles Brötchen und ein weiches Ei. Mehr nicht. Der Rest ist meist weniger interessant... Zumindest morgens.
Später traf ich einen Semesterkollegen, der inzwischen seit einigen Jahren Diözesanpräses der kfd ist: Mit tönernem Kerzenleuchter und "Schwerter Liederbüchern" unterm Arm. Auf dem Weg zur gestalteten Mitte. Ich könnte es einfach nicht mehr.

Mittwoch, 22. Februar 2012

Ein echtes Werk der Buße

Mein Bußwerk am heutigen Aschermittwoch: Handwerker im Haus.
Man bekommt ein völlig neues Verhältnis zur Zeit oder auch zu den bislang als selbstverständlich erachteten Dingen des täglichen Lebens wie z.B. Licht oder warmes Essen. Man lernt auch die Demut neu kennen und die Stille schätzen. Und wenn der Handwerker dann mindestens eine Stunde zu spät zum vereinbarten Termin erscheint, erlebt man sogar theologisch den Übergang von der eschatologischen Naherwartung zur eschatologischen Stetserwartung. Wenn er dann endlich da ist, kann man sogar so etwas wie eine „Kairos“-Erfahrung machen. Dazu passt der Satz aus der heutigen Lesehore aus dem Buch Jesaja: „Man nennt dich den Maurer, der die Risse ausbessert, den, der die Ruinen wieder bewohnbar macht.“
Also mein Tipp für die Fastenzeit: Wer noch etwas für sich tun möchte, wende sich vertrauensvoll an seinen Elektriker!

Sonntag, 19. Februar 2012

Bei mir wirds wieder richtig gut...

Folgender Dialog ergab sich am Freitag nachmittag:

Ich: "Also Karnevalsmessen sind nun so garnicht mein Ding!"
Er: "Wo gehst Du denn dann am Wochenende zur Messe?"
Ich: "Ach weißt Du, ich glaub' ich lass es und geh dafür am Montag."
Er: "Dann komm doch zu mir, ich hab' um 9 und um halb 12, bei mir wirds wieder richtig gut: Ich habe nicht nur die Predigt, sondern auch das Evangelium in Reimform! Natürlich auf hohem Niveau, man muss es halt können!"

Ich habe dann nichts mehr gesagt.
Wir hatten auch schon solche Gespräche:

Er: "Willst Du mal eine richtig gute Predigt lesen?"
Ich (etwas naiv): "Wieso, hast Du eine im Internet gefunden?"
Er: "Nein, hier meine Predigt vom letzten Sonntag!" - und drückt mir den Text in die Hand.

Manchmal weiß ich auch nicht weiter.

Freitag, 17. Februar 2012

Wer wird neuer Bundespräsident? - UPDATE

Nach dem längst überfälligen Rücktritt von Christian Wulff (er hätte besser erst gar nicht antreten sollen), stellt sich die Frage nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin.
Ich bringe mal ein paar Leute ins Rennen:
Klaus Töpfer, ehemaliger Chef des Umweltprogramms der UN und davor Bundesumweltminister,
 Henning Scherf, früherer Regierender Bürgermeister von Bremen,
und auch Joachim Gauck.
Oder vielleicht Udo di Fabio? Oder wie wäre es mit einer Frau?
 Katrin Göring-Eckart z.B.,
oder Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz?

Ich finde alle bringen die nötige Intelligenz, politische Unabhängigkeit und moralische Integrität mit. Vor allem aber einen eigenen Kopf.
Gibt es weitere Vorschläge?
(Aber jetzt bitte nicht Margot Käßmann, Norbert Lammert, Ursula von der Leyen, Wolfgang Thierse, Thomas Gottschalk, Hape Kerkeling, Edmund Stoiber, Erzbischof Zollitsch, Pater Schmidberger oder Alois Glück ;) Die haben zwar alle einen gewissen Unterhaltungswert, wären aber wohl doch nicht die Richtigen... 

Donnerstag, 16. Februar 2012

An Karneval kommt man nicht vorbei...

Vorneweg: Ich mag Karneval. Ich mag Willibert Pauels, der es versteht, den Menschen auf humorvolle Weise durchaus ernsthafte Botschaften zu transportieren. Ich mag auch die Lieder der Bläck Fööss oder der Höhner, in denen es immer wieder sehr tröstlich um Liebe, Leiden, Schicksal und den lieben Gott geht. Ich hatte auch mal Karten für die Karnevalssitzung des Deutschen Beamtenbundes in Köln. (Ja, so etwas gibt es. Man kann es sich kaum vorstellen, aber die Beamten kamen richtig aus sich raus...). Alles das finde ich irgendwie ganz schön. Aber man muss trennen können:
Kostümierte Karnevalsmessen z.B. halte ich für eine absolute Katastrophe und für ein peinliches Eingeständnis des eigenen Scheiterns: Wer so etwas veranstaltet beweist damit nicht nur, dass er ein theologischer Analphabet und kulturloser Banause ist, sondern auch ein armer Clown, der sich zwar kurzfristig angestrengt im Erfolg seiner volksnahen Beliebtheit sonnen kann, dafür aber einen sehr hohen Preis bezahlt: So sehr er sich auch Mühe gibt, kein Mensch mehr wird zukünftig seine Show besuchen. Eigentlich tragisch. Eine Messe ist keine Prunksitzung. Punkt. Und wenn ich meine, ich müsste unbedingt lustig sein, kann ich ja hinterher zum karnevalistischen Frühschoppen ins Pfarrheim einladen.
Das bedeutet andererseits aber nun wirklich nicht, dass ein ernsthaftes Geschehen steif, verkrampft und traurig sein muss. Gottesdienste sollten nie traurig sein, sondern immer von der "Hoffnung auf Herrlichkeit" künden. Aber eine "frohe Feierlichkeit" im Gottesdienst oder auch eine "geistliche Fröhlichkeit" wie wir sie z.B. von Franziskus oder Philip Neri kennen, ist etwas grundsätzlich anderes als das, was uns in Karnevalsmessen zugemutet wird. "Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit!" - Mal ehrlich, passt dazu rote Gumminase, Reimpredigt und Tusch von der Orgel?
Früher gab es in unserer Gemeinde einen absolut beliebten Gemeindekarneval. Die KAB hatte eine "Laienspielschar", die jedes Jahr im mit über 100 Leuten gefüllten Pfarrsaal ein tolles Programm aufgeführt hat. Es gab einen richtigen Elferrat mit festlich dekoriertem Sitzungspräsidenten, einen Zeremonienmeister mit Rasseln, Silvia und "Onkel Franz" als Stimmungssänger, diverse Reden und Sketche und ein unnachahmliches Männerballett. Auch der Pfarrer stieg in die Bütt und machte seine Sache gar nicht schlecht. Anschließend gingen die Männer an die Theke und die Damen an die Sektbar, die auf der Kegelbahn aufgebaut war. Im ganzen Pfarrheim wurde gefeiert und getanzt. Das war schon ziemlich gut.
Das Foto das ich dazu ausgegraben habe, muss ungefähr 1985 entstanden sein:
Alle abgebildeten Personen arbeiten heute übrigens in anständigen und ordentlichen Berufen...
Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche euch schöne Karnevalstage!!!

Mittwoch, 15. Februar 2012

Lehre mich beten!

"Lehre mich einsehen, dass ohne Gebet mein Inneres verkümmert, und mein Leben Halt und Kraft verliert. Nimm das Gerede von Erlebnis und Bedürfnis weg, hinter welchem sich Trägheit und Auflehnung verbirgt. Gib mir Ernst und festen Entschluß und hilf mir, durch Überwindung zu lernen, was zum Heile nottut. Führe mich aber auch in Deine heilige Gegenwart. Lehre mich, zu dir zu sprechen im Ernst der Wahrheit und in der Innigkeit der Liebe. Bei Dir steht es, mir die innere Fülle des Gebetes zu gewähren, und ich bitte Dich: Gib sie mir zur rechten Zeit. Zuerst aber ist das Gebet Gehorsam und Dienst: Erleuchte mich, dass ich den Gehorsam verstehe, und stärke mich, dass ich den Dienst in Treue tue. Amen."

Romano Guardini, Theologische Gebete, Freiburg/Br., 1953

Dienstag, 14. Februar 2012

Nochmal Taddel...

Ich muss die Geschichte aus der Vorlesung doch noch richtig erzählen. Es war ungefähr so:

Taddel (Professor): "Und somit können wir annehmen, dass der erste Korintherbrief..."
Paul (Student): "Herr Professor!"
Taddel (Professor): "Bitteschön, wenn Sie eine Frage haben, können Sie die im Seminar stellen, nicht in der Vorlesung!"
Paul (Student): "Aber Herr Professor!!"
Taddel (Professor) - sieht die 68'er mit 20jähriger Verspätung drohend am Paderborner Fakultätshimmel aufziehen - : "Ich dulde keinen Widerspruch in meiner Vorlesung!!"
Paul (Student): verstummt kurz
Taddel (Professor): "... dass der erste Korintherbrief also gleichsam ein Zeugnis des Paulus für..."
Paul (Student): "Herr Professor, ich wollte doch nur sagen, dass Sie bereits zehn Minuten überzogen haben!"
Taddel (Professor), schaut auf die Uhr: "Oh, Oh, ja dann...", bricht mitten im Satz ab und verläßt fluchtartig den Hörsaal.
Für was der erste Korintherbrief nun ein Zeugnis des Paulus ist, haben wir nie erfahren...

Taddel ist tot!

Der frühere Paderborner Neutestamentler Prof. Dr. Josef Ernst ist verstorben.
Näheres gibt es hier.
Sein Spezialgebiet war Johannes der Täufer. Ich erinnere mich noch an eine Seminarveranstaltung "Johannes der Täufer in den Schriften der Kirchenväter". Wir mussten die Sachen im Original altgriechisch lesen und übersetzen. Wenn man drankam, musste man auf die uralten Schülertechniken zurückgreifen: "Brille vergessen", "kein Text dabei, weil falsche Tasche mit" usw. Da konnte man schon ganz schön ins Stottern kommen...
Aber ansonsten hat "Taddel" ordentlich historisch-kritische Vorlesungen gehalten und man bekam wirklich eine solide exegetische Grundlage vermittelt. Im Umgang war er, ganz im Gegenteil zu seinem damaligen AT-Kollegen, bescheiden und freundlich. Wenn jemand in der Vorlesung eine Frage stellen wollte, hieß es zwar: "Bitteschön, ich dulde keine Zwischenfragen, die können Sie im Seminar stellen!" aber in den Prüfungen war er fair und sichtlich bemüht, den Kandidaten ihr doch häufig recht verborgenes Wissen zu entlocken.
R.i.p.

Montag, 13. Februar 2012

Geistlicher Fortschritt? Aufstieg und Abstieg

"Es scheint demnach, dass jeder Aufstieg zugleich Abstieg in die Abgründe und Untiefen der Verzweiflung, der Unmöglichkeit der Gott-Welt-Beziehung bedeutet, nur gelegentlich vom Trost der Erfüllung unterbrochen. (...) Diese schwankenden Gesetze gelten wohl auch für die kollektive Geschichtsschreibung. (...) Und die Kirchengeschichte - ist sie nun ein Fortschreiten des Geistes Jesu auf die größere Offenbarkeit Gottes in der menschlichen Freiheitsgeschichte hin (und was könnte sonst der rechtfertigbare Sinn der Verzögerung der Parusie sein?) oder ein Abfall von Praxis und Verheißung Jesu? Oder das Vaticanum II - wieviel an Glaubensmöglichkeit und kairologischer Gegenwart des Christentums ist durch es erschlossen und gehoben, wieviel an sakraler Würde freilich auch zerstört, wieviel Gläubige in Gleichgültigkeit und innere Emigration getrieben. Es war wohl notwendig, um Grundwerte neuzeitlichen Lebensgefühls in der Kirche zu beheimaten, aber ist das wirklich gelungen? So gibt es auch kollektive Geschicke, fette und dürre Jahre, die sich auf die (Un)glaubensgeschichte des Einzelnen auswirken. Und letztlich wissen wir nicht, was dem Menschen und erst recht der Gegenwart Gottes in der Zeit frommt und dienlich ist."

aus: Elmar Salmann OSB: Geistesgegenwart - Figuren und Formen des Lebens, hier: Geistlicher Fortschritt - Phänomenologisch-sapientiale Erwägungen, Gerleve 2010, S. 61ff.

Samstag, 11. Februar 2012

Lourdes: "Ich habe sie wirklich gesehen!"

„Ich habe sie wirklich gesehen!“ sagt Bernadette Soubirous im strengen Verhör des Bischofs von Tarbes, als sie von ihren Erlebnissen berichten soll. „Ich habe sie wirklich gesehen!“ – Ja, Gott handelt wirklich in dieser Welt, davon bin auch ich fest überzeugt. Die Wunder von Lourdes sind nicht die als unerklärlich eingestuften Krankenheilungen, die Wunder von Lourdes geschehen in den Herzen der Menschen: Wenn jemand lernt mit seiner Krankheit zu leben und trotzdem eine Perspektive für sich findet. Wenn jemand durch die Hilfe und Solidarität anderer wieder etwas Freude und Mut gewinnt. Wenn jemand durch den Glauben Trost findet.
In Lourdes, liebe Leserinnen und Leser, bin ich einige Male gewesen. Es ist gleichzeitig faszinierend und verstörend, anrührend und ergreifend. Wenn sich Ihnen die Gelegenheit bietet, einmal mit einer Gruppe dorthin zu fahren, kann ich es nur empfehlen und Ihnen auch bei der Auswahl einer geeigneten Pilgerfahrt helfen. Aber: Erwarten Sie keine Wunder in Lourdes, das Wunder von Lourdes fängt bei mir selber an!

aus meinem Zeitungsbeitrag für heute.
Wer noch eine Gelegenheit für eine "richtig gut katholische" Gruppenreise nach Lourdes sucht, dem kann ich die Wallfahrt des "Lourdesverein Westfalen" sehr empfehlen. Seit mehreren Jahren bietet dieser auf private Initiative gegründete Verein eine wirklich gut vorbereitete und geistlich hervorragend begleitete Fahrt an, diesmal vom 13.-18. Oktober 2012. Die Internetseite des Vereins vermittelt einen schönen Eindruck der bisherigen Pilgerreisen. Herzliche Einladung!

Freitag, 10. Februar 2012

Scholastika: Jene vermochte mehr, weil sie mehr liebte

Über Scholastika haben wir nur Kenntnis durch den Bericht Papst Gregors d.Gr. Besonders bekannt ist die Schilderung des letzten Besuches ihres Bruders, des hl. Benedikt, als sie ihn zwang zur Fortsetzung ihrer geistlichen Gespräche bei ihr zu bleiben, indem sie durch ihr Gebet ein plötzliches Gewitter bewirkte, das ein Verlassen des Hauses unmöglich machte. Als sie kurz darauf starb, sah ihr Bruder ihre Seele wie eine Taube zum Himmel aufsteigen.
Wunderschön nimmt darauf das "alte" Tagesgebet Bezug:

"O Gott, Du ließest die Seele Deiner heiligen Jungfrau Scholastika in Gestalt einer Taube zum Himmel emporsteigen, um ihren unschuldigen Wandel zu offenbaren; gib uns um ihrer Verdienste und Fürbitten willen die Gnade, so unschuldig zu leben, daß wir zu den ewigen Freuden gelangen dürfen."

Im "neuen" Tagesgebet steigt die Taube nicht mehr:

"Erhabener Gott, wir begehen das Gedächtnis der heiligen Jungfrau Scholastika. Laß uns nach ihrem Beispiel dir stets in aufrichtiger Liebe dienen und gewähre uns in deiner Güte einst einen seligen Heimgang zu dir."

Schade um die Taube. 

Donnerstag, 9. Februar 2012

Gospelchor: Das kann man mal machen...

"Seien Sie mutig in der Auswahl Ihres Repertoires. Und ich meine damit nicht unbedingt die Gospelchöre: Ich empfinde es manchmal an der Grenze zur Peinlichkeit, wenn erwachsene, blasse Mitteleuropäer versuchen, im Rhythmus der Musik mit dem ganzen Körper mitzuwiegen oder mitzuklatschen – das kann man mal machen, aber auf die Dauer entspricht das einfach nicht unserem Naturell."

Aus einem Beitrag von Gabriel Dessauer in den neuen "Kirchenmusikalischen Mitteilungen" des Erzbistums Paderborn.
Ich könnte bei Gospelchören immer schreiend rauslaufen. Tue ich aber nicht, denn ich gehe gar nicht hin ;)
Gospelchor ist nur dann gut, wenn der Gesang aus den schwermütigen Tiefen afroamerikanischer Baptistenkehlen kommt. Der steife Swing protestantisch-norddeutscher Verwaltungsfachangesteller und Sozialpädagoginnen erinnert mich immer an die erzwungene Leichtigkeit nachmittäglicher Tanztees in ostwestfälischen Kurorten. Da hilft auch kein rasant um den Hals geschlungener bunter Schal. Oh, happy day...

Mittwoch, 8. Februar 2012

"Verweltlichung" - "Entweltlichung" der Kirche aus evangelischer Sicht

Aus einem interessanten Vortrag der evangelischen Superintendentin Anke Schröder zu "Franziskus aus evangelischer Sicht" bei der Montagsakademie der Theologischen Fakultät Paderborn:

„Die Kirche ist verweltlicht!“ So die Behauptung Dietrich Bonhoeffers. Daher liefert Bonhoeffer 1937 in seinem Buch „Nachfolge“ eine theologische Antwort auf die Krise des Christentums. Gerade in der Auseinandersetzung zwischen den „Deutschen-Christen“ und der „Bekennenden Kirche“ stellt er die wahre Nachfolge als eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus dar. Die Referentin stellte die Gnadentheologie Bonhoeffers vor, indem sie auf die Unterscheidung zwischen „billiger“ und „teurer“ Gnade einging: Die „billige Gnade“ sei als „Gnadensystem“ zu verstehen, das von der Prämisse ausgehe, dass die Gnade als Geschenk einfach von Gott allgemein vergeben würde. Diese Auffassung führe aber, so Bonhoeffer, zur Leugnung des lebendigen Gottes und birgt Anschluss an die allgemeinen, a-personalen Erlösungsmythen der Nationalsozialisten.
Die „teure Gnade“ allerdings ist gebunden an die Nachfolge Christi und an der stetigen Ausrichtung an Jesu Leben und der Heiligen Schrift. Die wahre Nachfolge stelle sich gegen eine Verweltlichung der Kirche, so Bonhoeffer. Er zieht sogar daraus das Resultat, dass fast nur in Klöstern diese „teure Gnade“ wach gehalten wurde. Der Ruf in diese „Nachfolge“ gilt aber allen Menschen, so dass diese auch mitten in der Welt gelebt werden müsse. Diese Aufgabe hat Luther angenommen, als er das Kloster verlassen hat.

"Protestantisierung" der Kirche - wie wirklichkeitsfremd muss man eigentlich sein um das gut zu finden?

Zu den zurückliegenden Presbyterwahlen in den evangelischen Landeskirchen hier ein interessanter Artikel aus den Ruhr-Nachrichten. - Ist es das, was Herr Lammert will?

Kanditatenmangel - Wahl fiel oft aus: Presbyter vielerorts verzweifelt gesucht

So unterschiedlich können Probleme in der geistlichen Welt sein: In der katholischen Kirche fordern Laien seit Jahrzehnten mehr Mitbestimmung. Die evangelische Kirche dagegen räumt der Basis viel Einfluss ein - doch immer weniger Gläubige wollen dafür ihre Zeit opfern. Das spiegelt sich in den Presbyterwahlen vom vergangenen Wochenende wider. Sie fiel dieses Jahr vielerorts in NRW aus Kandidatenmangel aus. Entweder gab es für die Leitungsgremien gerade so viele Kandidaten wie Sitze. Oder es waren noch weniger.
Nur jede zweite der 743 Gemeinden der Evangelischen Kirche im Rheinland konnte abstimmen. In allen anderen erübrige sich die Presbyteriumswahl aus Mangel an Kandidaten, sagte Sprecherin Kornelia Roßkothen. Laut Roßkothen sollte die Zahl der Presbyter nicht zu sehr nach unten abweichen. „Wenn dem Gremium zwei Personen fehlen, kann man das verkraften. Viel mehr sollten es allerdings nicht sein, denn das Presbyterium muss letztlich auch arbeitsfähig sein."
Dramatisch in Westfalen
Noch dramatischer ist das Bild in der Evangelischen Kirche von Westfalen: In nur 127 der 522 Gemeinden konnten die Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben. Das sind 101 Urnengänge weniger als noch vor vier Jahren.
Besonders krass treffen die Nachwuchssorgen in den Laienämtern die Lippische Landeskirche: Nur in fünf der 69 Gemeinden kam eine Wahl zustande. Gründe seien wohl die erhebliche zeitliche Belastung neben dem Beruf und das moderne Freizeitverhalten, sagte der Juristische Kirchenrat Arno Schilberg. Die Wahl werde im Frühjahr ausgewertet. Dann werde man überlegen, ob der Trend Änderungen notwendig mache.
Wichtige Funktion
Presbyter haben in der Evangelischen Kirche eine wichtige Funktion. Sie leiten gemeinsam mit Pfarrerin und Pfarrer die Kirchengemeinde. Sie entsenden Abgeordnete in die Kreissynode. Und die Kreissynode schickt wiederum Vertreter in die Landessynode, die zu großen Teilen über die Geschicke der ganzen Landeskirche entscheidet.
"Es ist ein Problem für die mittelfristige Planung in der evangelischen Kirche, Leute zu finden, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“, sagt der evangelische Theologieprofessor Michael Beintker aus Münster. „Das ist allerdings ein gesamtgesellschaftliches Problem, welches sich nicht nur in den Kirchen finden lässt. Heutzutage binden sich die Leute nicht mehr gern und übernehmen ein Amt für fünf oder sechs Jahre.“
Trend zur Vergreisung
Natürlich könne man diese Gremien mit Rentnern besetzen, sagt der Theologe. Ein Trend zur Vergreisung sei stellenweise auch erkennbar. Doch sei es wünschenswert, alle Generationen mit einzubinden. Beintker hinterfragt die aktuelle Praxis, Wahlen ausfallen zu lassen. „Es kann ja auch interessant sein, wer wie viele Stimmen bekommt.“
Dass die Wahlen zumindest die Wähler reizen, zeigt laut Beintker eine einfache Statistik. Demnach besuchen nicht einmal 4 Prozent aller evangelischen Gemeindemitglieder regelmäßig den Gottesdienst. Die Wahlbeteiligung der Presbyteriumswahlen liege aber immerhin bei etwa sieben bis acht Prozent. Man müsse mit guten Beispielen überzeugen, sagt Beintker. „Es muss sich herumsprechen. Und es muss veranschaulicht werden, was der eigene Einsatz bringt. Die Ehrenamtlichen sollen aber auch Anerkennung für ihren Dienst erfahren. In diesem Punkt bin ich sehr hoffnungsvoll. Doch braucht es nicht nur gute Beispiele, sondern auch gute Ideen.“

Und dass nach den Wahlen auch manchmal der Teufel los sein kann, liest man hier. Ich kenne etwas die Hintergründe: In diesem Fall muss man den "Quotenfrauen" dankbar sein...

Die Engel staunten ob deiner Geduld

Zum "Neumärtyrer Alexander von München" ein interessanter Artikel aus der FAZ:

Neumärtyrer Alexander Schmorell: Die Engel staunten ob deiner Geduld

06.02.2012 ·  Der heilige Alexander von München: Die russische orthodoxe Kirche hat am Wochenende Alexander Schmorell heiliggesprochen. Er gehörte der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ an. Wenn der Junge vor uns, er mag sieben oder acht Jahre alt sein, sich bekreuzigt, dann tut er es schwingend und anmutig, aber wenn er die linke Schulter berührt, dann hat seine Geste bei aller Zartheit doch eine solche Bestimmtheit, dass die Erinnerung an die Nägel völlig gegenwärtig ist. Man bekreuzigt sich gern und oft im orthodoxen Gottesdienst, und man kniet zwar nicht, berührt aber an herausgehobenen Stellen mit der rechten Hand den Boden. Und man steht über Stunden, nur die Alten und Gebrechlichen finden an den Seiten ein paar Bänke.In der Münchner Kathedralkirche in der Nähe des Friedhofs am Perlacher Forst, wo sich das Grab Alexander Schmorells findet, feierte man am Samstagabend mit einer Vigil und am Sonntagvormittag mit einer Göttlichen Liturgie - so heißt der orthodoxe Gottesdienst - die „Verherrlichung des Neumärtyrers Alexander Schmorell“, die Heiligsprechung eines Mannes also, der zum studentischen Widerstandskreis der „Weißen Rose“ um die Geschwister Scholl gehört hatte. Er war der Sohn einer russischen Mutter mit Namen Natalie Vedenskaja, diese wiederum war die Tochter eines orthodoxen Priesters. Sie starb, als Alexander zwei Jahre alt war. Ihr und ihrem Glauben blieb er treu. Alexander Schmorell, geboren 1917 im russischen Orenburg, wurde nach einem Verfahren vor dem Volksgerichtshof am 13.Juli 1943 in Stadelheim hingerichtet.

Dreihundert küssten die Ikone

Es mag sein, dass selbst der Name „Weiße Rose“ aus einer russischen, einer orthodoxen Erinnerung herrührte. Zwar hatte Hans Scholl in seinem Verhör durch die Gestapo eine Beziehung zu den englischen Rosenkriegen zurückgewiesen und angegeben, die „Rosa Blanca“ in einer Romanze von Clemens Brentano habe ihn inspiriert, die dort als Symbol einer hellen Zukunft auftrete, die aus einer schuldverstrickten Gegenwart hinausführe. Es mag sich aber auch so verhalten, wie es der Priester in einer der wenigen deutschsprachigen Passagen der Liturgie darlegte: dass die weiße Rose aus Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasow“ stammt, wo sie den Sarg eines Mädchens als Auferstehungssymbol schmückt.
Alexander Schmorell, den die Ikone zeigt, war als Sanitäter im Russlandfeldzug eingesetzt, die Armbinde (Vergrößerung bei Bildklick) erinnert daran. Die weiße Rose aber verewigt den Namen der studentischen Widerstandsgruppe um die Geschwister Scholl. Wie dem auch sei: Die Ikone Alexanders von München, wie der Heilige nun heißt, zeigt die weiße Rose in seiner rechten Hand. Am Samstagabend war das Bild feierlich in die Mitte der Kirche getragen und aufgestellt worden; am Sonntagmorgen war es, geschmückt von vier weißen Rosen, das Ziel vieler Gemeindemitglieder - insgesamt mögen es dreihundert gewesen sein -, welche die Ikone küssten. Beide Ausdeutungen, jene nach Brentano und jene nach Dostojewski, können ihr Recht behalten. War doch in den Flugblättern der Widerstandsgruppe eindringlich von der Schuld die Rede, die jene auf sich laden, die gegenüber einem verbrecherischen Regime, einer „Diktatur des Bösen“ tatenlos blieben. Aber ebenso klar war die Kennzeichnung des Krieges als eines „atheistischen“ Unternehmens, war die Warnung davor, sich von den „Mächten höherer Ordnung“ loszusagen und den „Dämonen“ anheimzufallen, vor allem im vierten Flugblatt der Gruppe, das die Handschrift von Schmorell ahnen lässt. „Hat dir nicht Gott selbst die Kraft und den Mut gegeben zu kämpfen?“, hieß es dort.

In steter Wiederholung ertönt der Anruf „Gospodin“

Der „Kanon für den Neumärtyrer Alexander von München“ verwandelt die profane Geschichte des Jahres 1943 in eine Legende mit Goldgrund: „Du bekanntest den Heiland, den von der Jungfrau geborenen Gott und Herrn, gottgetreuer Alexander, im Gericht legtest du durch deine Geduld der Häscher Hochmut nieder. Die Engel staunten ob deiner Geduld, da sie schauten, wie du in Standhaftigkeit furchtlos Drohungen und boshafte Beschimpfungen ertrugst; so warfst du auch die körperlosen Feinde in die Nichtigkeit und erscheinst als siegreicher Zeuge Christi.“
Die Orthodoxie kennt die Orgel in der Kirche nicht. Es mag daher kommen, dass der Gesang auch diesmal von einer geradezu überirdischen Schönheit ist. Von den tiefsten, tosenden Bässen der Priester geht es zu den hohen, lieblichsten Frauenstimmen, wellenförmig, in steter Wiederholung ertönt der Anruf „Gospodin“ (Herr).

Montag, 6. Februar 2012

"Ich bin der Chef des Weltalls!"...

... rief der junge Mann, der gestern zu Beginn der Abendmesse in den Altarraum stürmte, "und der hier", er zeigte auf den zelebrierenden Priester, "ist mein Assistent!". Trotz guten Zuredens ließ er sich nicht davon abbringen, den Gottesdienst übernehmen zu wollen. Der Rest ist kurz erzählt: Polizei, Handschellen, Einweisung in die Psychiatrie.
Sachen gibts...

Sonntag, 5. Februar 2012

Komm zur Ruhr - bleib zuhaus!

Bei der Kälte kann man ja auch aus dem Fenster Fotos machen:


Und wer noch die hl. Agatha hochleben lassen möchte, sollte einmal in St. Martinus in Olpe vorbeischauen, da wird nämlich das Agatha-Gelübde der Stadt jedes Jahr mit großer Feierlichkeit begangen.
Allen einen schönen Sonntag!


Freitag, 3. Februar 2012

Etwas unscharf und trotzdem ziemlich scharf!

Nach ein paar Wochen Pause mal wieder ein "Muck-Foto der Woche" von heute nachmittag: Von einer Katze kann man viel lernen, z.B.: Wer so guckt, sucht sich seine Freunde und Feinde selber aus. Allen ein schönes und gelassenes Wochenende!

Donnerstag, 2. Februar 2012

Manches gibt es eben nur in Paderborn: Das Blasius-Triduum

Eine recht ungewöhnliche Form des Blasiussegens gibt es in der Paderborner Busdorfkirche. Hier werden die Gläubigen nicht wie üblich mit gekreuzten Kerzen gesegnet, der Blasiussegen wird mit einer mittelalterlichen Kopfreliquie erteilt. Das sieht dann so aus:

Hier noch eine Detailaufnahme des Reliquiars:

Dazu gibt es ein richtiges Blasius-Triduum jeweils mit Festhochamt, Aussetzung und Anbetung. Weitere Informationen hier und hier auf den Seiten der Pfarrei. Von dort stammen auch die Fotos.
Wer Zeit hat nach Paderborn zu fahren, sollte das mal erlebt haben!

Und für alle die manchmal schwer zu schlucken haben, die einen Frosch im Hals haben, denen das Lachen im Halse steckenbleibt oder die einen dicken Hals haben weil sie sich geärgert haben, gilt: "Auf die Fürsprache des heiligen Bischofs Blasius bewahre dich der Herr vor Halskrankheiten und allem Bösen!"

Eine gute Entscheidung in Bochum: Keine verkaufsoffenen Sonntage 2012!


BOCHUM Diese Entscheidung kam überraschend. Als erste Stadt im Revier kippt Bochum den verkaufsoffenen Sonntag. Mit einer Stimme Unterschied wurde der Wunsch des Einzelhandels abgelehnt. Anstatt 13 verkaufsoffene Sonntag wird es 2012 keinen einzigen geben.
Entsetzen in den Gesichtern der Befürworter, Schenkelklopfen bei den Gegnern. Erstmals hat sich der Rat der Stadt Bochum gegen den verkaufsoffenen Sonntag ausgesprochen.
Anders als geplant
Und das war so nicht geplant. Denn das Ritual bei der Abstimmung über das Sonntags-Shopping ist Jahr für Jahr gleich. Die Fraktionen geben das Votum frei. Jeder möge nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden, nachdem die altbekannten Argumente für oder gegen den verkaufsoffenen Sonntag nochmals vorgetragen wurden. Das Ritual sieht dabei eine knappe Mehrheit für den Antrag des Einzelhandelsverbandes vor. 2012 kommt es anders. 75 Ratsherren und –frauen stimmen ab. Zwei Enthaltungen, dann die Frage nach den Gegenstimmen. Es wird gezählt. Mehrfach. Dann das Ergebnis: 37 Gegenstimmen, bleiben 36 Stimmen dafür. Das reicht nicht. Vorlage abgelehnt.
Erstmal kein neues Votum
„Der Rat hat entschieden, dass es 2012 in Bochum keine verkaufsoffenen Sonntage geben wird“, kommentiert Rechtsdezernentin Diane Jägers kurz und knapp. Dass dieses Votum nochmal umgestoßen werden könnte, daran glaubt sie derzeit nicht. „Wenn der Einzelhandelsverband uns anspricht, werden wir das prüfen“, sagt sie. Doch es gebe auch klare gesetzliche Regelungen. Damit ist Bochum die bislang einzige Stadt im Revier, die das Sonntags-Shoppen unterbindet. Damit hatten selbst die Gegner nicht gerechnet und teilweise machten sie nach der Abstimmung einen Rückzieher – man könne doch noch
mal reden, es ginge doch nur um die Anzahl der betroffenen Sonntage. Doch zum Reden ist es erstmal zu spät. In anderen Kommunen wie beispielsweise Dortmund und Essen steht eine Entscheidung über die Sonntagsöffnungszeiten noch aus.

Glückwünsche in die Nachbarstadt zu dieser guten Entscheidung!
Bei uns haben's Kirchen und Gewerkschaften verschlafen...

Weihbischof em. Paul Consbruch verstorben

pdp: Paderborn, 2. Februar 2012. In der Nacht zum Donnerstag starb nach schwerer Krankheit Weihbischof em. Paul Consbruch im Alter von 81 Jahren. In seiner Reaktion würdigte Erzbischof Hans-Josef Becker das vielfältige Engagement des langjährigen Weihbischofs im Erzbistum Paderborn. Weihbischof em. Consbruch habe als Seelsorger die Sorge um den Menschen in den Mittelpunkt seines priesterlichen Dienstes gestellt, sei „Seelsorger mit Leib und Seele“ gewesen. Als Bischofsvikar für Aufgaben der Weltkirche und Weltmission sowie für Institute des geweihten Lebens und für Gesellschaften des apostolischen Lebens habe er Impulse im Erzbistum und in der Weltkirche gesetzt und Kontakte gepflegt.
Als Priester und Bischof sei Weihbischof em. Consbruch stets ein „treuer und verlässlicher Zeuge des Evangeliums“ gewesen, „der sich vor keiner Arbeit scheute und immer mit großem Ernst, Eifer und Disziplin seine unterschiedlichen Aufgaben wahrnahm“, so Erzbischof Becker.
Am 2. Mai 1930 wurde Weihbischof em. Paul Consbruch in Gütersloh geboren. Nach dem Abitur 1950 in Bielefeld und dem anschließend in Paderborn und Freiburg im Breisgau absolvierten Studium der Philosophie und Theologie empfing er am 26. Mai 1955 in Paderborn das Sakrament der Priesterweihe durch Erzbischof Dr. Lorenz Jaeger. Weihbischof em. Paul Consbruch konnte somit im Jahr 2005 sein Goldenes Priesterjubiläum begehen.
Als Priester wirkte Consbruch zunächst in der Pfarrei St. Pankratius in Gütersloh und ab 1955 an der Stadtkirche St. Peter in Geseke. 1960 kam er in die Gemeinde St. Michael in Brakel und wurde zugleich Dekanatsjugendseelsorger. 1967 wurde er zum Pfarrer der Pfarrei St. Johannes Baptist in Beverungen ernannt, 1977 zusätzlich zum Verwalter der Kirchengemeinde St. Maria Magdalena in Drenke. 1978 wurde Consbruch zum Regionaldekan für das Hochstift Paderborn gewählt.
Papst Johannes Paul II. ernannte Consbruch am 15. November 1980 zum Titularbischof von Gor und Weihbischof in Paderborn. Am 8. Februar 1981 empfing er von Erzbischof Dr. Johannes Joachim Degenhardt im Hohen Dom zu Paderborn die Bischofsweihe. Somit konnte Weihbischof Consbruch im Februar 2011 sein 30-jähriges Bischofsjubiläum begehen. Im Jahr 1981 wurde er Domkapitular und Wirklicher Geistlicher Rat. Im Jahr 1999 wurde Consbruch von seinen Aufgaben als Weihbischof in Paderborn entpflichtet. Er führte allerdings seinen Dienst als Bischofsvikar für die Weltmission fort. Im März 2005 verabschiedete Erzbischof Hans-Josef Becker den langjährigen Weihbischof aus seinen Ämtern.

Mich hat er gefirmt und bei der "Admissio" ins Priesterseminar aufgenommen. Seine Schwerhörigkeit und seine hohe Stimme machten es ihm und anderen nicht immer einfach...
Das Datum der Beisetzung steht noch nicht fest. R.i.p.

Mittwoch, 1. Februar 2012

2. Februar: Darstellung des Herrn - Mariä Lichtmeß und ein paar Anmerkungen

"Egeria berichtet von diesem Fest als "dies quadragesima de epiphania", das am 40. Tag nach der Geburt des Herrn - die in Jerusalem zur Zeit der Pilgerin am 6. Januar begangen wurde - und demgemäß am 14. Februar stattfand. Der Festtermin 2. Februar entspricht dann auch dem vierzigsten Tag nach dem 25. Dezember. Im Osten trägt das Fest von der Begegnung des Herrn mit Simeon und Hanna als den Vertretern des ihn erwartenden Bundesvolkes her die Bezeichnung "Hypapante". Das Missale von 1570 übernahm die aus römischer Tradition stammende, für Missverständnisse sehr anfällige Bezeichnung "Mariä Reinigung / In Purifiatione B.M.V.", während man sich im Meßbuch von 1970 für "Darstellung des Herrn / In Praesentatione Domini" entschied, um auch zu unterstreichen, dass es sich um ein Herren- und nicht um ein Marienfest handelt. Von der charakteristischen Lichterprozession her, die auf das "Licht zur Erleuchtung der Heiden" im Lobgesang des Simeon (Lk 2,32) hinweist, trägt das Fest aber in modernen europäischen Sprachen die Namen "Lichtmeß, Candlemas, Candelore, Chandeleur". Die Lichterprozession war bereits um die Mitte des 5. Jahrhunderts bekannt und verdrängte in Rom eine heidnische Sühneprozession, die alle fünf Jahre zu Beginn des Februars als Stadtprozession (Amburbale) stattfand."

Eigentlich wollte ich diesen Text des ansonsten von mir sehr geschätzten Paderborner Liturgikers Michael Kunzler nur als Hinführung zum morgigen Fest auf den Blog stellen. Aber beim Schreiben machen mich zwei Sätze im Text nachdenklich:
Ich finde den Titel "Mariä Reinigung" auch nicht schön, aber warum ist er für Missverständisse sehr anfällig, gibt er doch nur die alttestamentliche Gesetzesvorschrift (ob sinnvoll oder nicht) wieder, der sich auch Maria unterworfen hat? Auch wenn er nicht das "Festgeheimnis" trifft, den "Anlass des Festes" bezeichnet er ja durchaus korrekt. Bei den meisten deutschen Liturgikern würde ich ja sagen, dass für sie eher die "römische Tradition" das Problem ist...
Das Zweite ist, und dafür kann Michael Kunzler nichts, folgender Satz: "(...) während man sich im Meßbuch von 1970 (...) entschied". Ich kann mir richtig vorstellen, wie Ende der 60er Jahre ein paar Prälaten in einem neonbestrahlten mahagonibestuhlten Konferenzzimmer mit ein paar Martinis zusammen gesessen und dann mal hier mal da ein paar Entscheidungen getroffen haben... Ein Missverständnis der Liturgiereform ist, dass sie - nicht ganz unschuldig - den Eindruck erweckt, dass Liturgie nicht gewordene und gewachsene Form ist, sondern eine Verfügungsmasse darstellt, über die ich je nach Anlass, Gefühl und Laune belieben kann. Und das hat sich bei vielen Verantwortlichen in den Köpfen festgesetzt. Die peinlich-pädagogisch-pastoralen Ergebnisse erleben wir nicht gerade selten: Vorhin habe ich von einem Pfarrer gehört, der morgen die am ersten Donnerstag im Monat üblicherweise stattfindende "Heilige Stunde", also Aussetzung des Allerheiligsten und Anbetung nach der Messe, ausfallen lässt mit der Begründung: "Es ist ja schon Kerzenweihe und das reicht dann, es soll ja nicht so lange dauern!" 
Ach, eigentlich könnten wir bei den Temperaturen doch alle gleich zuhause bleiben, oder?

PS: Von den bayrischen Lichtmeßbräuchen und der Frömmigkeit in der Familie Ratzinger erzählt übrigens sehr schön Georg Ratzinger in "Mein Bruder, der Papst" auf den Seiten 52/53. Ich schreib's jetzt nicht ab. Wer das Buch hat, bitte nachlesen!

Wie siehts eigentlich im Pfarrgemeinderat aus?

Das Erzbistum Paderborn hat im vergangenen Jahr eine Befragung der Pfarrgemeinderäte durchgeführt. Es geht sehr differenziert z.B. darum, wer aus welchen Lebens- und Bildungsverhältnissen sich mit welcher Motivation in den PGR wählen läßt, welche inhaltliche Arbeit mit welchem Zeitaufwand geleistet wird, wie die Zusammenarbeit untereinander und mit den Hauptamtlichen funktioniert und welche Zukunftsperspektiven gesehen werden. Erste Ergebnisse sind in der Broschüre "Zukunft der Räte in den neuen pastoralen Räumen" dargestellt. Wirklich interessant!