Samstag, 31. März 2012

Willkommen bei Günna!

Wer wissen will, wie die Ruhrgebietler, speziell die Dortmunder, wirklich ticken, also warum sie so sind wie sie sind und nicht anders, dem sei ein Besuch bei Bruno "Günna" Knust im Olpketaltheater in Dortmund wärmstens ans Herz gelegt!
Wir waren gestern abend da und hatten wirklich zwei Stunden Spaß mit dem Programm. Außerdem kann man vorher, währenddessen und anschließend sehr nett in der theatereigenen Kneipe "gepflegtes Pilsken" trinken. Hier lernt man auch, was es heißt, wenn das Bier fehlt: zuerst ist man "unterhopft", dann setzt "stechender Durst" ein...
Um auf den Geschmack zu kommen hier ein Ausschnitt aus der Revue: "Leuchte auf mein Stern, Borussia!":
Und noch ein wenig Schöpfungsgeschichte: Als Gott den Menschen machte, versuchte er zuerst einen Preußen mit einem Österreicher zu kreuzen. Das ist schiefgegangen und es kamen die Bayern dabei raus. Dann schuf er Schwaben, Sachsen usw. Als der Ruhrgebietler dran war, hatte der Herr keinen Dialekt mehr übrig. Nach einem kurzen Moment des Nachdenkens sagte Gott dann zum Ruhrgebietler: "Macht nichts, dann sprecht ihr halt so wie ich!"
Und verabschieden tut sich Bruno Knust mit: "Wir sehen uns! Freitach inne Kneipe, Samstach in Stadion und Sonntach inne Kiache!"
Also wenn man nicht Bayer, Schalker oder Feministin ist (die bekommen nämlich auch ihr Fett weg), dann kann ichs echt empfehlen!

Freitag, 30. März 2012

Die hl. Messe: Was von Gott her möglich ist

Romano Guardini über die hl. Messe:

"(...) Hier handelt es sich um eine Offenbarung; um etwas also, dem wir nicht so gegenübertreten können, daß wir von der Welt her urteilen, ob es möglich sei, sondern um eine Satzung und Mitteilung Gottes darüber, was von ihm her möglich ist. Davor ist die zugeordnete Haltung nicht Prüfung und Kritik, sondern Glaube; Glaube aber bedeutet Gehorsam. Wie es mit diesem Geheimnis steht, wissen wir also nur aus dem Worte Dessen, der es gestiftet hat. Sobald wir dieses Wort loslassen, zergeht alles. Darum steht im Herzpunkt der heiligen Messe, in der Wandlung, mitten unter den Worten des Gedächtnisses der Ruf der Warnung und Mahnung: 'mysterium fidei! Vergesset nicht: Geheimnis des Glaubens!'"

aus: Romano Guardini: Besinnung vor der Feier der heiligen Messe, Zweiter Teil - Die Messe als Ganzes, Mainz 1939, 42f.

Mittwoch, 28. März 2012

Warum müssen Hausmeister katholisch sein?

Da sucht das Erzbistum Paderborn für sein Sozialinstitut in Dortmund einen zusätzlichen Hausmeister. Das wundert nicht, hat man doch trotz Schließung von drei Fachbereichen und des Übernachtungsbetriebs auch die Stelle einer Hausdame geschaffen und einen Assistenten des Direktors eingestellt. Warum soll der Hausmeister dann nicht auch einen Assistenten bekommen? So weit also in Ordnung.
Nun hat diese Stelle einen Umfang von maximal 8 Wochenstunden und ist befristet bis Ende 2012. Das ist nun wirklich nichts dolles. Aber was soll der Bewerber mitbringen: "Persönliche Identifikation mit dem Glauben und den Aufgaben und Zielen der katholische Kirche auf der Grundlage einer aktiven Zugehörigkeit."
Hallo? Es geht hier um eine befristete Beschäftigung in ziemlich geringem Umfang! Ich finde das völlig übertrieben. Und: Würde bei diesem Einstellungskriterium nicht auch mancher Pfarrer, Professor oder Pastoral- und Gemeindereferent durchfallen?

Montag, 26. März 2012

Was ist eigentlich konservativ?

Dieser Frage stellt sich Erzabt Jeremias Schröder von St. Ottilien in der neuesten Ausgabe der "Missionsblätter". Er geht dabei v.a. auf das "Auftrittsverbot" für Hans Maier ein. U.a. schreibt er:

"(...) Dass mit Hans Maier dieser führende Vertreter einer typisch bayerischen katholisch-konservativen Kultur in klerikalen Kreisen zu einer Angstfigur werden kann, hat mit Konservativismus gar nichts zu tun. Eher geht es hier um freiwillige Selbstbeschränkung des kirchlichen Horizonts. Wenn man zulässt, dass die geistige Welt sehr klein wird, dann kann auch Donum Vitae, der von katholischen Laien aufgebaute Schwangeren-beratungsverein, zum Angelpunkt von Entscheidungen werden. In so einer kleinräumigen Welt kann sich dann auch eine neue Radikalität breit machen, die mutig umstürzt, auf- und abbricht. Konservativismus ist aber etwas anderes. Die seit zehn Jahren schwelende Diskussion um Donum Vitae hat zu einer tiefgehenden Frustration vieler politisch tätiger Laien geführt. Dem nicht direkt beteiligten Beobachter drängt sich der Eindruck auf, es gehe inzwischen vor allem um die Bekräftigung bischöflicher Autorität um ihrer selbst willen. Man findet das vor allem im Lehrwirken von Bischof Gerhard Ludwig Müller von Regensburg, dessen großes Verkündigungsthema ja das kirchliche Amt ist. Wir haben in Bayern bislang anders gelebt.(...) Orte und Personen, die die kulturelle Bedeutung der katholischen Kirche lebendig halten, sind nicht mehr häufig. Das ist ein Trauerspiel in unserem Herzland Europas, dieses Kontinents der immerhin 1500 Jahre lang zutiefst vom Christentum geprägt wurde. Es gäbe da viel zu bewahren und weiterzugeben. Und Bewahren heißt „Conservare“!

Den ganzen Text gibt es hier.
Ich kann Erzabt Jeremias Schröder nicht in allem folgen, nachdenkenswert ist der Beitrag aber auf jeden Fall und deshalb möchte ich ihn hier zur Diskussion stellen!

Verkündigung des Herrn - Maria, die gebildete Frau

In diesem Jahr ist Jesus eine Frühgeburt! Das Fest Mariä Verkündigung wird nämlich wegen des Sonntags nicht am 25., sondern am 26. März gefeiert, also sind es noch genau neun Monate minus ein Tag bis Weihnachten. Aber das ist schon reichlich spitzfindig. Entscheidend ist, dass wir es hier mitten in der Fastenzeit mit einem sehr weihnachtlichen Festgeheimnis zu tun haben, nämlich der Ankündigung des Engels an die Jungfrau Maria, sie werde vom Heiligen Geist ein Kind empfangen. Aus Liebe zu den Menschen wird Gott selbst ein Mensch, nicht mit Gewalt und Größe, sondern wehrlos und klein als Kind. Allein diese Tatsache sagt mehr über das Wesen Gottes und die Würde des Menschen aus als viele gelehrte Wissenschaft. Den Gläubigen früherer Zeiten war das so wichtig, dass sie sich dreimal am Tag mit Glockenläuten daran erinnert haben, dem „Angelus“, also dem lateinischen Anfang des deutschen Gebetes „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft und sie empfing vom Heiligen Geist.“
Zu diesem Fest schreibt der Bochumer Neutestamentler Thomas Söding einige kurze, aber bemerkenswerte Gedanken:
„Mir geschehe nach deinem Wort“ – so antwortet Maria auf die Verkündigung des Engels Gabriel, der ihr die Frohe Botschaft überbringt, dass sie, die Jungfrau, kraft des Heiligen Geistes den Messias empfangen und gebären wird. Maria wird auf Verkündigungsbildern immer wieder mit einem Buch dargestellt. Sie ist in der Ikonographie der Antike und des Mittelalters bis in die Neuzeit hinein eine gebildete Frau, die lesen und schreiben und reden kann. Das ist im Neuen Testament nicht vorgegeben, aber angebahnt. Maria ist eine Frau des Wortes. Sie weiß, was sie ist: „Ich bin die Magd des Herrn“ – das höchste, was es vor Gott und für Gott nur geben kann. Sie weiß, was sie weiß – das, was Lukas ans Ende des Weihnachtsevangeliums gestellt hat: „Maria bewahrte alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen“. Und sie weiß, was sie tun will: „Mir geschehe nach deinem Wort!“

Wissen, was ich bin. Wissen, was ich weiß. Wissen, was ich tun will. So werde ich wie Maria offen für Gott, für mich selbst und für meine Mitmenschen. Denken wir doch einmal daran, wenn wir morgens, mittags und abends das Angelus-Läuten hören!

Samstag, 24. März 2012

Endlich Wochenende!

In den letzten Tagen war es hier auf dem Blog etwas ruhiger. Das liegt keineswegs daran, dass es mir die Sprache verschlagen hätte - obwohl ich gestern in einem Vortrag etwas über "minimale Theologie" gehört habe, und dass es allen in der Kirche gut tun würde, etwas wortkarger zu werden (gar nicht schlecht, da fallen mir gleich eine ganze Reihe Leute ein) - nein, ich habe sehr viel gearbeitet, war mit Muck mehrmals beim Tierarzt und renoviere ganz nebenbei noch die Küche. Warum machen Wissenschaftler die bahnbrechendsten Entdeckungen, sind aber nicht in der Lage, einen Nagellackentferner für Wandfliesen zu erfinden???
Mit dem aktuellen "Muck-Foto" der Woche von heute morgen wünsche ich allen ein schönes, sonniges und entspanntes Wochenende. Von Katzen kann man in dieser Hinsicht sehr viel lernen...
PS: Was mir gerade noch so auffällt, da fliegt der Papst nach Mexiko und wird von 700000 Menschen begeistert empfangen und weder meiner Tageszeitung noch dem ZDF (zumindest heute-online) ist das eine Meldung wert. Aber ich wollte mich ja heute nicht ärgern.

Montag, 19. März 2012

Der heilige Josef: Mehr als man glaubt!

Während meines Studiums habe ich in der Nähe von Leoben in der Steiermark einen alten österreichischen Pfarrer kennen gelernt. Von allen wurde er nur leicht ironisch, aber dennoch respektvoll, der „Heilige Josef“ genannt. Dieser alte Pfarrer hatte es sich zur Aufgabe gemacht, an alle Personen des öffentlichen Lebens in Österreich und darüber hinaus eine kleine Figur des heiligen Josef zu versenden. Im begleitenden Brief schrieb er, dass er sie in ihren schwierigen Aufgaben der Hilfe und der Fürsprache des heiligen Josef anvertraue. Darstellungen des heiligen Josef zierten Kirche und Pfarrhof. Mir kam das ehrlich gesagt schon ziemlich seltsam vor, ich dachte na ja, ganz tiefe Provinz eben, da bist du doch intellektuell-reflektiert schon längst drüber weg, Volksfrömmigkeit eben, ein nettes Kapitel im kirchlichen Märchenbuch. Dann zeigte mir der „Heilige Josef“ die Antwortschreiben, danach sein „Josefsbuch“. Ich wurde etwas kleinlauter: die Briefe zeigten eine tiefe persönliche Anteilnahme  und in seinem „Josefsbuch“ hatte der Pfarrer alle möglichen und nach menschlichem Ermessen eher unmöglichen Anliegen die er der Fürsprache des heiligen Josef anvertraute schriftlich festgehalten. Und bei ganz vielen Anliegen hatte er vermerkt: „Erfüllt!“ – Mit Datum.
Warum schreibe ich das? Nicht, weil ich zu einem neuen Wunderglauben anregen will, die Nebenbemerkung sei mir allerdings gestattet: bei dem was manche Menschen heute glauben, ist das Christentum eine enorm rationale Angelegenheit, nein, der heilige Josef ist mir aus einem anderen Grund wichtig: Wir sind eingespannt in unsere Arbeit, tragen Verantwortung, haben einen hohen Anspruch an uns selbst und sind doch häufig froh, wenn wir allein schon den beruflichen Alltag einigermaßen gut geregelt bekommen, das Private wäre ein eigenes Thema. Der heilige Josef kann für uns jemand sein, der in aller Betriebsamkeit und Hektik den „Himmel offen hält“, oder weniger poetisch, eine Vergegenwärtigung und Vergewisserung darstellt, dass es eine Perspektive und Verantwortung gibt, die über mich und mein Tun und Können hinaus geht. Ich wünsche allen einen gesegneten „Josefstag“!
Das Bild zeigt eine Darstellung des hl. Josef an der Außenfassade des St.Josef-Krankenhauses in Herne-Wanne.

Sonntag, 18. März 2012

40 Jahre Priester - Ein Grund zum Danken

Gerade kommen wir von einer schönen Feier: Ein Krankenhauspfarrer mit dem ich sehr gut zusammenarbeite wurde heute vor 40 Jahren vom damaligen Erzbischof Lorenz Kardinal Jaeger im Hohen Dom zu Paderborn zum Priester geweiht. Meine Güte, 1972!!! Allein das verdient Respekt.
Die Messe mit Chor und Bläsern war sehr feierlich, der Empfang im Pfarrheim so richtig wie es im Ruhrgebiet sein muss. Die (Beinahe-)Heiligsprechung durch die Damen der Frauengemeinschaft war dem Jubilar allerdings sichtlich unangenehm. Das spricht für ihn.
Alles Gute, Gottes Schutz und Segen, ad multos annos! Und wenn ihn jemand von den Leserinnen und Lesern dieses Blogs ins Gebet einschließen möchte, würde ich mich sehr freuen.

Laetare: Die Quelle göttlicher Tröstung

"Freue dich, Stadt Jerusalem! Seid fröhlich zusammen mit ihr, alle, die ihr traurig wart. Freut euch und trinkt euch satt an der Quelle göttlicher Tröstung", so lautet der Introitus des heutigen Sonntags. Über diese "Quelle der göttlichen Tröstung" möchte ich heute etwas nachdenken.
Vom Wortstamm her hängt "Trost" mit "treu" zusammen und bedeutet soviel wie "Festigkeit". In vielen Situationen von Krankheit und Leid gehen uns Halt und Festigkeit verloren, wir brauchen Trost. Mein Glauben kann so ein Quelle sein aus der ich Trost schöpfen kann: Gott tröstet, weil er treu ist. Das Geschehen vom Karfreitag macht deutlich, dass Gott selbst in alle menschlichen Abgründe mitgeht, Ostern wiederum bedeutet, dass es eine Hoffnung auf Leben und Erlösung gibt. Aber wie hilft mir das im Alltag? "Christus ist unter euch, er ist die Hoffnung auf Herrlichkeit" schreibt der Apostel Paulus im Kolosserbrief. Dort wo ich Christus begegne ist Hoffnung, und wo Hoffnung ist, ist Trost: im Gebet, im Gottesdienst, aber auch in einem guten Gespräch mit einem anderen Menschen und überall dort, wo ich wieder in einer inneren und äußeren Durststrecke eine Quelle finde. Und dazu brauche ich keine Wünschelrute: Wenn ich ein wenig meine Sinne und mein Herz öffne, ist die nächste Quelle nicht weit weg. Ich wünsche uns allen an diesem Sonntag, dass wir immer wieder solche Quellen finden!

Donnerstag, 15. März 2012

Opfer der Säkularisation: Kloster Cappenberg

Heute einige Bilder vom Besuch in Schloß Cappenberg, das liegt zwischen Lünen und Selm im Kreis Unna und gehört kirchlich zum Bistum Münster. Cappenberg wurde als Prämonstratenserkloster 1122 vom hl. Norbert und den Grafen Gottfried und Otto von Cappenberg gegründet. 1803 wurde Cappenberg säkularisiert und preußische Staatsdomäne. So kam es 1816 an den preußischen Reformer Freiherr Karl vom Stein und an dessen Erben, die Grafen von Kanitz. Die romanische Klosterkirche (leider endet der Besuch schon am Gitter) verfügt über eine reiche Ausstattung, so z.B. den berühmten "Barbarossakopf".



Bis heute will uns ja die preußisch-deutschnational ideologisierte Geschichtsschreibung weismachen, die Säkularisation sei eine Maßnahme des Fortschritts gegen ein in sich faules dekadent-abgewirtschaftetes Klostersystem gewesen und das Ende des "Alten Reiches" sei auch von allen achselzuckend hingenommen worden. Das stimmt so alles nicht und es ist auch wichtig zu erwähnen, dass die Säkularisation nicht nur das Ende einer jahrhunderte alten Kultur und eine unermessliche Vernichtung von Architektur, Kunst und Literatur bedeutete, sondern auch die Vertreibung unzähliger Menschen aus ihrer klösterlichen Heimat. Die Säkularisation war ein brutaler Rechtsbruch und Rechtsmissbrauch.
Heute werden in den Räumen des Schlosses wechselnde Ausstellungen gezeigt, wir haben "Das große Welttheater" gesehen, alle namhaften deutschen Künstler des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit waren vertreten. Empfehlung!
Und einen Vorteil hat die Säkularisation dann doch: Der Eintritt ist frei ;)

Mittwoch, 14. März 2012

Industriekathedralen: Gasometer in Oberhausen

Ein paar Bilder vom Besuch im Gasometer in Oberhausen. Für Nicht-Ruhrgebietler: In diesen sog. Scheibengasbehältern wurde das bei der Kohleverkoksung anfallende Gas gelagert, um es dann z.B. bei der Hochofenbeheizung oder als Stadtgas weiterzuverwenden. Das Gas wurde hineingepumpt und drückte dabei eine ölgelagerte Scheibe nach oben. Der Oberhausener Gasometer gehörte einst zur "Gute-Hoffnungs-Hütte", einem riesigen Industriekomplex. Heute gibt es dort nur noch den Gasometer als Ausstellungsraum (u.a. Christo), auf der einstigen Industriebrache steht heute das CentrO, ein riesiger Einkaufstempel, die Arena Oberhausen und einiges mehr.





Wir waren heute in der Ausstellung "Magische Orte" mit großen Fotografien von Weltkulturerbestätten. Der Raumeindruck ist immer wieder überwältigend. Im Juni kommen übrigens noch Anselm Grün und Margot Käßmann ins Gasometer, jedesmal begleitet von Herrn Hufeisen, der ist, glaube ich, doch so ein christlicher Zitherspieler. Im Ruhrgebiet würde man dazu sagen: "Hömma, machet, wennet brauchs..."

Seelsorgertagung - kurze Nachlese

Wie versprochen noch ein paar Bilder aus dem Bergkloster Bestwig, dem "Provinzhaus der Europäischen Provinz der Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel". Die Gemeinschaft wurde nach den Wirren der Revolution 1807 von einer französischen Lehrerin gegründet und kam 1862 nach Heiligenstadt in Thüringen. Durch die deutsche Teilung verlegte die Ordensleitung 1968 ihren Sitz in das neu erbaute Mutterhaus nach Bestwig, 2002 konnte das Generalat nach Heiligenstadt zurückkehren, seitdem ist in Bestwig das Provinzhaus. Die Aufgaben der Schwestern lauten seit ihrer Gründung: "Die Jugend unterrichten, die Armen unterstützen und nach Kräften Not lindern." Im Internet sind die Schwestern unter www.smmp.de zu finden.
Kapelle und Krypta sind wesentlich von H.G. Bücker gestaltet, der u.a. auch für die Domrenovierung in Paderborn verantwortlich war.




Die Schwestern sangen die Vesper aus dem "Christuslob", das war recht ordentlich. Was ich als liturgischen Kuddelmuddel empfinde, sind diese sog. "Laudesmessen", wie sie dann unser Diözesanbeauftragter am nächsten Morgen mit uns gefeiert hat: Liturgische Eröffnung wie im Stundengebet, Hymnus sozusagen als Eingangslied, Psalmen und Canticum, Tagesoration, Lesung aus der Messe, Responsorium aus der Laudes, dann alles normal weiter wie in der Messe aber dann das Benedictus als Danksagung nach der Kommunion. Außer einer gewissen Gebetsrationalisierung erschließt sich mir der Sinn solcher Aktionen nicht.
Was die akademische "Memorandumsbegeisterung" der theologischen Fakultät Münster und unserer Referentin angeht, ist mir noch einmal deutlich geworden, wie wenig ich mich eigentlich für einzelne Personen begeistern kann. Ich habe während meines eigenen Studiums nie irgendwelche Professoren besonders toll gefunden (damals füllte Eugen Drewermann noch Samstags morgens das Audimax mit älteren Lehrerinnen), sondern habe immer auch versucht zu fragen, was denn der Glaube der Kirche sei um mir dann meine Meinung zu bilden. Das scheint mir eine geeignete Richtschnur zu sein, denn ich mache mich nicht von Einzelmeinungen abhängig (die sich ja auch wieder ändern können), sondern versuche mir ein Fundament zu schaffen, das mir Sicherheit und auch ganz viel Gelassenheit ermöglicht.

Dienstag, 13. März 2012

Memorandum als Beispiel für den "offenen Dialog"???

Gestern und heute war ich bei einer Seelsorgertagung im Bergkloster Bestwig. Als Referentin war eine junge Münsteraner Theologin und Kommunikationswissenschafterin eingeladen. Thema war: "Kommunikation - theologisch, theoretisch, praktisch." Nun habe ich ja selber 15 Jahre lang Kommunikations- und Rhetorikkurse in der Kommende in Dortmund und anderswo veranstaltet, so dass es mir eher darauf ankam, Kolleginnen und Kollegen wiederzusehen, die man sonst das ganze Jahr über nicht trifft. Das war auch sehr schön.
Was nicht so schön war, war der Versuch der Referentin, das von ihr heftig beworbene Theologenmemorandum als Beispiel für den offenen, herrschafts- und gewaltfreien Dialog darzustellen. Dass trifft auf das Memorandum weder kommunikationswissenschaftlich (alle die etwas dagegen haben, sind dialogverweigernd) noch theologisch zu. Diese Defizite fallen z.B. auch in der aktuellen Diskussion um Kirche als "Nicht-Demokratie" auf. Kirche lässt sich fundamentaltheologisch in drei große Begriffe fassen: "Volk Gottes" - "Leib Christi" - "Tempel des Heiligen Geistes". Alle diese drei Begriffe sind biblisch und theologisch gut fundiert und haben in der Kirchengeschichte eine mehr oder weniger große Bedeutung erlangt. Da sie Begriffe sind, haben sie natürlich auch ihre Begrenztheit: Gerade beim "Volk Gottes"-Begriff besteht die Gefahr des Missverständnisses, dass nämlich der biblisch-eschatologische Begriff "Volk" mit einem demokratisch-parlamentarischen Volksbegriff verwechselt wird, und in diese Falle tappt auch das Memorandum. Hier muss für mich "Entweltlichung" als Differenzierung ansetzen: Es muss wieder deutlicher werden, dass "Kirche anders ist" (übrigens der Titel der Promotion von Kardinal Marx). Die Gefahr der Verwechselbarkeit ist groß. Dialog in der Kirche ist, zumindest sehe ich das so, anders als in der sonstigen Gesellschaft, weil sich deren Spielregeln eben nicht 1:1 auf die Kirche übertragen lassen. Diese Form von Dialog kann nur scheitern. Dialog in der Kirche ist zuerst gemeinsames Hören und dann ein Austausch zwischen Brüdern und Schwestern und Achtung ihrer je unterschiedlichen Aufgaben, Dienste, Berufungen und Charismen. Das Memorandum ist dafür sicherlich kein gelungenes Beispiel.
Hier noch ein paar Bilder:
Die Stiftskirche St. Walburga in Meschede, ein nachgotischer Raum von 1664. Hier durfte ich meine ersten Erfahrungen in der Gemeindeseelsorge sammeln.
Die Emhildiskapelle. Nach ihrem Aussehen und dem Namen des damaligen Pfarrers nennen die Leute sie nur "Beule"
 Ringkrypta und Kultgrab aus dem 9. Jahrhundert. Selten und sehenswert!
Die "Klause" auf dem Klausenberg in Meschede. Leider war der Klausner nicht da und die Kapelle zu. In der Kapelle steht noch ein gotischer Altar aus dem 1810 aufgelösten Dominikanerinnenkloster Galiläa.
Fotos aus dem Bergkloster kommen noch.

Samstag, 10. März 2012

Mit dem Messbuch bestraft

"Er" nach der Frauenmesse: "Haben Sie gemerkt, dass heute etwas anders war?" -  "Ja, Sie haben ja ganz so zelebriert wie es im Messbuch steht." -  "Das stimmt, die habens auch nicht besser verdient. Ich bin nämlich vorher durch die Kirche gegangen und habe den Leuten gesagt, sie sollten sich weiter nach vorne setzen. Und das hat doch keiner gemacht. Da habe ich gedacht, dann sind sie es auch nicht wert, dass sie meine hervorragend selbst ausgearbeiteten Texte zu hören bekommen! Das haben sie halt davon, dann gibt es eben nur Messbuch!"

Das ist wirklich passiert. Kirche in Deutschland 2012. 
Allen ein schönes Wochenende! 

Freitag, 9. März 2012

Ein neues kirchliches Jugendportal geht an den Start!

Das Erzbistum Paderborn hat ein neues Jugendportal im Web eröffnet: www.jupa-paderborn.de.
Ich bin zwar aus dem Alter raus, aber trotzdem: Einen guten Start und viel Erfolg!
Und wenn es nicht allzusehr jugendverbands- oder hirtenbrieflastig ist, wirds auch nicht langweilig ;)

Ereignis des Tages - Alles schon mal dagewesen!

Bei Wikipedia gibt es ja die interessante Spalte "Was heute geschah", und da findet sich für den heutigen Tag u.a. folgender Eintrag. Es geht um die sog. "Reformierten":

„Urdatum“ ist das Wurstessen beim Zürcher Bürger Christoph Froschauer, einem Druckereibesitzer, an Invokavit 1522 (9. März), also dem ersten Sonntag der vorösterlichen Fastenzeit. Zwingli soll zwar nicht selbst mitgegessen haben, aber bei dem Wurstessen anwesend gewesen sein. Als Priester verteidigte er den Fastenbruch: Das Fastengebot sei ein menschliches Gesetz und deshalb nicht unbedingt gültig. Nur göttlichen Gesetzen müsse der Mensch unbedingten Gehorsam leisten. Die göttlichen Gesetze aber findet Zwingli in der Bibel.

Irgendwie erinnert mich das an die "Pfarrer-Initiative" und so manches andere was z.Zt. so durch die Diskussion geistert. Großes Gähnen!

Mittwoch, 7. März 2012

Ökumenische Klausurtagung auf dem Annaberg

Gestern und vorgestern war ich zu einer ökumenischen Klausurtagung im "Gottfried-Könzgen-Haus" auf dem Annaberg in Haltern. Das hört sich schlimmer an, als es war: Die evangelischen Pfarrerinnen sind ganz in Ordnung, eine katholische Kollegin ist allerdings mehr als grenzwertig. Sie war z.B. gestern mit der Morgenandacht dran und fragte abends ganz pathetisch: "Was wünscht ihr euch denn für die Morgenandacht?" Ich, allen Mut zusammengenommen: "Mach' es kurz." Naja, ich muss ja niemanden von denen heiraten, eher würde ich mit dem katholischen Pfarrer in eine WG ziehen...
Die Hauskapelle des ansonsten sehr schön renovierten und eingerichteten Tagungshauses sieht so aus:
Alles ziemlich weiß und knien kann man auch nicht, aber trotzdem hat der Raum durchaus Stimmung. Die beiden Stühle und die Blumen vor dem Altar sind übrigens nicht Relikte einer zuvor stattgefundenen Goldhochzeit eines KAB-Mitglieds, sondern ein Arrangement für die Morgenandacht...
Bei diesem Satz an der Außenwand der Hauskapelle meinte mein Kollege nur: "Naja, vielleicht sollte man den Geist erstmal entfachen..."
Jetzt noch ein paar Bilder der Wallfahrtstätte zur hl. Mutter Anna. Auf dem Annaberg gibt es frühzeitliche und römische Siedlungsspuren, eine Kapelle wird erstmals 1378 erwähnt. 1689 übernehmen für fast ein Jahrhundert die Jesuiten die Wallfahrtsseelsorge (was übrigens den umliegenden Pfarrern gar nicht passte). Im Jahre 1969 wird eine moderne Kirche an die barocke Wallfahrtskapelle angebaut. Der Annaberg ist auch heute noch Ziel vieler Einzelpilger und Pilgergruppen, besonders auch der Oberschlesier. Heute wird der Annaberg von der Pfarrei St. Sixtus in Haltern betreut, einer Großpfarrei mit insgesamt neun Gemeinden und noch mehr Gottesdienstorten. Die interessante Homepage mit regelmäßigen Videobotschaften des Seelsorgerteams: www.st-sixtus.de.
Aber jetzt die Bilder:

Der barocke Hochaltar wird während der Fastenzeit mit einem violetten Tuch zugehangen. Den Tisch davor hat nicht der Küster aus Versehen stehengelassen, Preisfrage: Wozu steht der da wohl?
 Hier das Gnadenbild und einige Votivgaben:
Im Wald drumherum gibt es noch einen Kreuzweg und noch einige andere fromme Dinge, z.B. eine Lourdesgrotte:
Und auch das kommt beim Wallfahren vor, man läßt so manchen Müll zurück, wie auch immer. Hauptsache der seelische Mülleimer ist geleert.

Freitag, 2. März 2012

Muckis Frühlingsgefühle

Nach langer Zeit einmal wieder ein "Muck-Foto der Woche". Dieses Foto zeigt Mucki beim Erklimmen des heimatlichen Esszimmertisches mittels des davor stehenden Stuhls:

Muck hat im Moment ganz doll den Frühling in den Knochen: Nachts um drei raus, um sechs wieder rein, vormittag verschlafen, Mittags wieder raus usw. Dabei hat doch der Tierarzt dafür gesorgt, dass er nicht mehr kann, was andere Kater können. Außerdem hinterläßt er im Keller und anderswo gewaltige Markierungen.
Manchmal ist es für die eigene Psychohygiene wirklich notwendig, sich nicht dauernd mit irgendwelchem kirchenpolitischen Kram auseinanderzusetzen (das hat ja auch mit dem Glauben meist weniger zu tun). Welcher Bischof wieder wo was und wann gesagt hat, meine Güte, dann doch lieber Frühlingsgefühle wie Mucki...

Allen Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!