Dienstag, 29. Mai 2012

Qualitätsjournalismus im WDR

Vorhin war in der "Aktuellen Stunde" ein Bericht über das momentane Theater im Vatikan. Etwas reißerisch in der Anmoderation und mit entsprechender Musik unterlegt. Kann man meinetwegen machen. Dazu kurze Statements eines WDR-Kirchenredakteurs und des KNA-Chefs. Das war soweit auch ok. Dass dann aber in den Filmbeiträgen laufend der unbescholtene zweite Privatsekretär als der verhaftete Kammerdiener dargestellt wird, das ist schon richtig schlecht, ganz ganz schlecht.

If you are...

Folgenden genialen Aushang hat ein Freund auf den Philippinen entdeckt:

If you are                                                           your church


An Iglesia                                                          FELIX MANALO founded it in 1914 in the Philippines


A Pentecostal e.G.                                         it was formaly organized in HOT SPRINGS; ARKANSA
Assemblies of God                                         U.S.A. in 1914


An Aglipayan                                                   Ex – Catholic GRGORIO AGLIPAY founded itin 1902
                                                                        in the Philippines


A Jehovas Witness                                         CHARLES TAZE RUSSEL founded it in 1870 in     
            Pennsylvenia U.S.A.


A Sevens Day Adventist                              It was formally organized in United States in 1863


A Mormon                                                         JOSEPH SMITH founded it in Palmyra, New York in
              1829
Latter Day Saints


A Methodist                                                     JOHN and CHARLES WESLEY founded it in England in
              1744


An Episcopalian                                              SAMUEL SEABURRY broke from the Church of England
             and
Founded it in America in the 17th century


A Baptist                                                            JOHN SMITH launched it in Holland in 1560


A Presbyterian                                                JOHN KNOX founded it in Scotland in 1560


An Anglican                                                      KING HENRY VIII funded the church of England in 1534 because the Pope would not grant him a divorce with the right to remarry

A Lutheran                                                        Ex – Catholic monk LUTHER founded it in 1517


A ROMAN CATHOLIC                                     JESUS CHRIST, THE SON OF GOD, founded it in the year 33 and the church has not changed since this time


Do you belong to the right church?
Is your church founded by GOD or by man?
The above facts are undeniable and speak for themselves!

Montag, 28. Mai 2012

Heute abend in 3Sat

Um 20.15 Uhr: Helmut Berger in DER Rolle seines Lebens (so oder so): "Ludwig II." unter der Regie von Luchino Visconti aus dem Jahre 1972, u.a. auch mit Romy Schneider.
Diesen Film sollte man auch als Heterosexueller mal gesehen haben ;)
Zu Helmut Berger scheint mir übrigens das Motivbild recht passend, denn Koks zum fotografieren habe ich gerade nicht im Haus...

Mittags im Garten...

Niedlich, oder?

 Im dritten Bild ist der kleine Buchfink auch zu sehen. Zumindest indirekt...
Nein, ha, ha, war'n Scherz, allen geht es gut!

Pfingstmontag - der Alltag kehrt zurück!

Auch katholische Kater scheinen zu spüren, dass es heute mit dem Jahreskreis wieder losgeht. Da hilft nur ganz tiefe Entspannung an einem schattigen Plätzchen:


Allen einen schönen Pfingstmontag!

Sonntag, 27. Mai 2012

Herzlichen Glückwunsch und frohe Pfingsten!

Dass die Kirche heute Geburtstag hat und wir Christen uns somit gegenseitig zum Geburtstag gratulieren können, ist am Pfingsttag kein ungewöhnliches Thema. Doch wie unterschiedlich kann man damit umgehen: Heute morgen war ich im Hochamt im Dortmunder Osten (die ostermontägliche Sitzkissenterroristin war übrigens nicht da, ich saß aber auch zur Sicherheit auf einer anderen Seite und habe kein Sitzkissen mitgenommen, da meine Mutter meinte, unser Herr Jesus habe am Kreuz auch kein Kissen gehabt), der Pfarrer und "Leiter des pastoralen Raumes Dortmund-Ost" hat es sehr schön und feierlich gestaltet. Er ist nun wahrlich kein Konservativer, aber mit dieser Art Gottesdienst zu feiern, kann ich wirklich gut leben. Wie anders doch "Er", ein Freund hat mir einen ausgeteilten Zettel mitgebracht, dort heißt es in einem "Geburtstagsgruß" an die Kirche u.a. "Erinnere dich an die Verjüngungskur des II. Vatikanischen Konzils, aus der du frisch und vital hervorgegangen bist!" - Der Rest ist billige Polemik. So geht es also auch. Oder besser nicht.
Allen Leserinnen und Lesern frohe Pfingsten!

Samstag, 26. Mai 2012

Kurz vor Pfingsten

"Komm, Heilger Geist, o Schöpfer Du, sprich den bedrängten Seelen zu; erfüll mit Gnaden, süßer Gast, das Herz, das Du geschaffen hast!"

In den letzten zwei Tagen habe ich in der kath. Akademie Schwerte mit 18 Ärzten, Psychologen und Krankenschwestern- und pflegern aus allen Einrichtungen und Fachkliniken unserer Gruppe darüber nachgedacht, wie wir mit ethisch relevanten Konfliktsituationen im Krankenhaus besser umgehen können. Das war inhaltlich nicht immer leicht, aber alle Kolleginnen und Kollegen waren mit ganz viel Freude und Engagement dabei. Dafür bin ich sehr dankbar und ich bin fest davon überzeugt, dass auch in solchen Situationen der Geist Gottes wirkt.
Allen einen schönen Vigiltag vor Pfingsten! Und dem Propst in Berlin einen schönen Patronatstag!

PS: Morgen könnte mich wieder die Sitzkissenterroristin von Ostermontag erwarten. Mal schauen...

Donnerstag, 24. Mai 2012

Einkehrtagesausflug

Gestern waren wir mit allen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen unterwegs. Zuerst ging es nach Büren, dort haben wir uns die ehemalige Jesuitenkirche Maria Immaculata angesehen:
 Ein barocker Bau, den man so in Westfalen nicht vermuten würde:

 An der Orgel durfte ich dann während unserer Andacht spielen:
Kirche und Kolleggebäude von außen, für eine kleine Stadt wie Büren ein beeindruckendes Ensemble:
Die Pfarrkirche St. Nikolaus, beeinflusst durch Zisterzienserarchitektur, innen birgt sie eine Johann-Patroclus-Möller-Orgel. Außerdem hat man bei der vorletzen Renovierung die qualitätvolle neugotische Ausstattung der "Wiedenbrücker Schule" rausgeworfen und bei der letzten Renovierung wieder aufgestellt. Die Innenaufnahmen sind nur leider nichts geworden.
Dann ging es weiter in die alte Hansestadt Soest, zuerst in die wohl bedeutendste der westfälischen Hallenkirchen: Maria zur Wiese. Gebaut wurde sie als Marienkirche für das heute in Werl verehrte Gnadenbild. In der Reformation wurden alle Kirchen in Soest - bis auf das Patroklistift - evangelisch. Die Ausstattung hat sich aber fast überall erhalten.
Hier das berühmte "Westfälische Abendmahl" mit Schweinskopf, Bier, Schnaps und Pumpernickel:
Während des Besuchs ging ein gewaltiges Gewitter mit Hagel über uns nieder, das hörte sich in der Kirche sehr eindrucksvoll an.
Diese wunderschöne kleine Kirche heißt "Maria zur Höhe", im Volksmund "Hohnekirche" genannt:
 Sie ist reichhaltig mit Fresken ausgemalt, hier ein Blick in die Heiliggrabnische:
Zum Schluß der Patroklidom mit dem wohl wuchtigsten der westfälischen Eintürme, dahinter gleich die Kirche St. Petri:
Der Dom von innen. "Dom" ist natürlich nicht ganz korrekt, an St. Patroklus existierte einst ein Kanonikerstift. Heute trägt St. Patroklus den Titel einer Propsteikirche.
Allen hat es gut gefallen, wer Zeit hat und mal in die Gegend kommt, dem sei ein Besuch sehr empfohlen!

Montag, 21. Mai 2012

Die Mehlsäcke bleiben übrig!

"Die Mehlsäcke bleiben übrig!" - pflegte immer seufzend mein alter Heimatpfarrer zu sagen wenn er mal wieder eine Zölibatskrise hatte. Nun ist er seit fast 50 Jahren mit vielen Hochs und Tiefs immer noch dabei und er hat es sich und anderen nicht leicht gemacht. Aber immerhin treu geblieben.
Bleiben die Mehlsäcke übrig, auch bei uns Laien? In mancher Berichterstattung wird suggeriert, dass diejenigen, die sich mit den ewig gleichen Forderungen nach Frauenpriestertum, Zölibatsabschaffung, gemeinsamem Abendmahl usw. nicht anfreunden können, eben solche Mehlsäcke sind: Unkritische Ja-Sager, von Kindheit an unterentwickelte antidemokratische, latent faschistoide autoritätshörige Defizitpersönlichkeiten, Wirklichkeits- und Zukunftsverweigerer die sich in eine vorgeblich heile Nostalgie(liturgie)welt retten.
Bleiben die Mehlsäcke übrig? Selbst wenn es so wäre, wäre es für jeden Nichtmehlsack eine Christenpflicht, sich um diese zu sorgen, denn das zweite Werk der Geistlichen Barmherzigkeit heißt: "Unwissende lehren", und wenn das schon nicht geht, dann wenigstens das fünfte Werk: "Lästige geduldig ertragen". Das gilt wohl nicht für Herrn Glück und das Katholikentagsprogramm.
Noch einmal: Bleiben die Mehlsäcke übrig? Es gibt sie auch. Aber trotzdem: Nein, ich glaube nicht. Die meisten Menschen die ich kennengelernt habe, die nicht auf den gremiendeutschen Reformzug aufspringen, stehen recht erfolgreich beruflich und familiär ihren Mann und ihre Frau und wissen sich gegen eine unreflektierte Autoritätsvereinnahmung locker zur Wehr zu setzen. Mir fallen zwei Beispiele ein, die ich auf der Arbeit erlebt habe: Der eine Mann kommt freudestrahlend auf mich zu und erzählt mir, dass er gerade beide Bände vom Jesus-Buch des Papstes gelesen habe und völlig begeistert sei. Der andere fragt mich heute: "Sie waren doch wohl nicht etwa in Mannheim?" Ich: "Nein, nein!" Er: "Gottseidank!" und dann haben wir noch über die Schönheit der "Alten Messe" gesprochen. Beide Gesprächspartner waren renommierte Chefärzte. Der dritte verteidigte heute vehement den Zölibat und war evangelischer Pfarrer. Mehlsäcke sehen anders aus.
Bleiben die Mehlsäcke übig? Ja, aber ganz woanders...

Sonntag, 20. Mai 2012

Aufbruch in Mannheim

Entschuldigung, ich meinte natürlich nicht "Mannheim", sondern "Meisenheim". Wie komme ich bloß im Zusammenhang mit "Aufbruch" auf "Mannheim"? Naja, ist ja auch egal. Jedenfalls ist es hier wirklich spannend, denn mit den ersten Flugversuchen der Jungmeisen ist bald zu rechnen. 
Und hier ist noch jemand, der sich besonders dafür interessiert: 

Das sieht nicht nach angstfreiem Dialog und einer neuen Gesprächskultur auf Augenhöhe mit einer Jungmeise aus. Warum auch?

Samstag, 19. Mai 2012

Die größte Herausforderung - ganz konkret

Gestern habe ich geschrieben, dass ich den Gehorsam für die größte Herausforderung eines Priesters halte. Ich meine das deshalb, weil ich die Ichbezogenheit für eine der größten Versuchungen halte (was natürlich auch für Laien gilt).
Vielleicht fördert die ehelose Lebensweise (Keuschheit wäre etwas ganz anderes) diese Ichbezogenheit ja sogar noch, da ich es gar nicht gewohnt bin, die Kompromisse zu schließen, die eine Beziehung täglich erfordert.
Hinzu kommt, dass die grundsätzliche Sicherheit des Arbeitsplatzes, die fehlende Arbeits(zeit)erfassung und -kontrolle, sowie die nicht durch eigene Leistung erbrachten meist recht komfortablen Wohn- und Lebensumstände nicht gerade zu einem gelungenen geistlichen Leben beitragen.
Ich kriege immer die Krise, wenn Pfarrer anläßlich eines Geburtstages oder Jubiläums in der Presse als Weinkenner, Feinschmecker oder Genußmenschen dargestellt werden, oder wenn ein benachbarter Dechant anläßlich seines 50. Geburtstages eine Feier ausgerichtet bekommt, die sich die meisten seiner Gemeindemitglieder wahrscheinlich nie leisten können. (Er hat die Feier so nicht gewollt, natürlich, aber er hätte ja auch nicht hingehen müssen).
Der Anlaß über den Gehorsam zu schreiben, war ein gestriges Gespräch mit "Ihm": Es ging um das "pro multis". Und es fielen so Sätze wie: "Ich weiß nicht, wie das durchgesetzt werden soll, mich kann keiner dazu zwingen, da gibt es 50 Bischöfe in Deutschland und keiner traut sich aufzustehen und endlich was gegen Rom zu sagen." Und so weiter und so weiter. Ich habe erst versucht zu argumentieren, dann bin ich verstummt und gegangen.
Mit dem Ergebnis, dass ich mich jetzt noch ärgere. Toll, wirklich.    

Freitag, 18. Mai 2012

Die größte Herausforderung

"Die größte Herausforderung für einen Priester ist nicht die Ehelosigkeit, sondern der einfache Lebensstil und noch mehr der Gehorsam."

(eigene Erkenntnis) 

Donnerstag, 17. Mai 2012

Schönn Vattertach noch...

... war der Wunsch der Bedienung heute mittag im Küchenhof Altenberg. Davon ab war es im Hochamt musikalisch (Sopran und Orgel) und liturgisch sehr nett, es gab am Schluss als Schmankerl sogar noch eine Sakramentsprozession durch den Dom.

Außerdem ist das Bild der Altenberger Madonna dann auch mein Beitrag zum Thema Maialtar.

Wie ist es im Himmel?

Liebe Leserinnen und Leser, wie ist es wohl im Himmel? Wenn man nach dem Münchner Dienstmann Alois Hingerl geht, ist es beim Bier im Hofbräuhaus schöner. Denn dort landet er in Ludwig Thomas bereits 1911 erschienener wunderbaren kleinen Satire vom Münchner im Himmel ja auch wieder, weil das dauernde Frohlocken ihm doch nun so gar nicht liegt.
Im vergangenen Jahr war ich zum 25-jährigen Priesterjubiläum eines Freundes in Werl eingeladen. Chor und Orchester boten die Messe in D-Dur von Antonin Dvorak dar, und als wir nach gut zwei Stunden bei der hl. Kommunion angekommen waren, sang der Chor das engelsgleiche „Panis angelicus“ von Cesar Franck. Als ich dann da so kniete, die Sonnenstrahlen sich in den bunten Kirchenfenstern brachen und sich mit der gotischen Architektur, den Kerzen, Blumen, dem Weihrauch, der Musik und dem Gold der Gewänder zu einer Gesamtsinfonie verbanden, habe ich gedacht: „Ja, so muss es im Himmel sein!“ - Zumindest in der katholischen Abteilung. Und auch im Alltag ist viel vom Himmel die Rede: Man „schwebt im siebten Himmel“ wenn man verliebt ist, „Dich schickt der Himmel“ sagen wir, wenn uns jemand aus einer Notlage hilft. Dennoch: Einen Stadtplan vom Himmel hat niemand von uns in der Tasche, und denjenigen, die genau zu wissen meinen, wer drinnen ist und wer draußen, sollte man wirklich mit Vorsicht begegnen.


Alles was wir vom Himmel ausdrücken möchten bleibt letztendlich schwach, versuchen wir doch, mit menschlichem Maß eine göttliche Wirklichkeit zu beschreiben. Das Fest „Christi Himmelfahrt“ das wir heute feiern allerdings gibt uns eine Perspektive: Jesus Christus ist die Tür zum Himmel. Er ist gekommen, damit wir „das Leben in Fülle haben“ (Johannesevangelium). Und was sollte dieses „Leben in Fülle“ anderes sein als die alles umgreifende Liebe Gottes, also das, was wir Himmel nennen. Wenn wir auf Jesus Christus schauen, können wir darauf vertrauen, dass er uns und alle Menschen bei seiner Himmelfahrt gleichsam an die Hand fasst und in den Himmel mitnimmt. Im Tagesgebet dieses Festes heißt es: „Allmächtiger, ewiger Gott, erfülle uns mit Freude und Dankbarkeit, denn in der Himmelfahrt deines Sohnes hast du den Menschen erhöht. Schenke auch uns das feste Vertrauen, dass auch wir zu der Herrlichkeit gerufen sind, in die Christus uns vorausgegangen ist.“
Allen einen schönen Feiertag!

Mittwoch, 16. Mai 2012

Katholikentag - was man so alles findet...

Insgesamt dreimal war ich beim Katholikentag: 1982 bei der Schlussveranstaltung in Düsseldorf, 1984 in München mit den Pfadfindern und dann dienstlich 2000 in Hamburg als ich den Stand eines westfälischen Metropolitanbistums mitbetreut habe.
An 1982 habe ich wenig Erinnerungen, ich weiß nur noch, dass die Leute beim Abschlussgottesdienst unentwegt "Herr, gib uns deinen Frieden" gesungen haben und der arme Kardinal Höffner nicht mit der Messe fortfahren konnte.
1984 habe ich da schon besser auf dem Schirm, wir sind mit unserer Jugendgruppe in ein Privatquartier in Waldtrudering eingefallen und haben nicht nur alle Räume des schmucken Einfamilienhauses in Beschlag genommen, sondern dem wirklich herzlichen Gastgeberehepaar auch noch mehrfach die Biervorräte vernichtet. Ob die jemals wieder Ruhrgebietler beherbergt haben? Wir wissen es nicht. Gerade habe ich auf dem Dachboden noch das Programm eines "Festes zu einem neuen Aufbruch" (gabs also damals auch schon) wiedergefunden. Es wurde von der "Chansongruppe Sulzbach-Rosenberg" musikalisch gestaltet und drehte sich inhaltlich um das Lied "Father and son" von Cat Stevens. Eingangslied war "Zieh den Kreis nicht zu klein" und es findet sich auch folgender wunderbarer Satz: "Die Pantomimengruppe entzündet unsere Kerzchen, Zeichen der Hoffnung, Licht in der Dunkelheit, liebende Wärme, Zeichen das wir weitergeben." Hach, war das kuschelig, vor allem, wenn man das Glück hatte, neben einigen bestimmten Mädchen unserer Gruppe zu sitzen... Und dann erinnere ich mich noch an eine Band die auf dem Marienplatz nach ein paar geistlichen Schmankerln nur noch "Van Halen" gespielt hat. Und Andi, unser Leiter, hat sich vor dem Abschlussgottesdienst in einem unterirdischen U-Bahn-Restaurant ein Jägerschnitzel über die Hose gekippt. Wir durften nicht lachen.
2000 in Hamburg wiederum war man ziemlich isoliert auf dem Messegelände und so Arbeit am Messestand kann ja auch wirklich anstrengend sein. Dafür haben wirs abends an der Hotelbar immer richtig krachen lassen. Und dann weiß ich noch wie ich mit dem damaligen BDKJ-Vorsitzenden unter einer Laterne stehend viel Flaschenbier aus einer eigens besorgten Kiste getrunken habe. Das war schon schön und da kann der ostwestfälische Generalvikariatsmitarbeiter auch schon mal richtig aus sich herausgehen...
Aber um nochmal auf den ganzen Aufbruchkram in München zurückzukommen, wie sagte vorhin mein bester Freund am Telefon: "Das Schlimme ist, wir fandens damals gut!" Gott sei Dank, auch das geht vorbei.

Noch einmal "Entweltlichung"

Die katholische Akademie in Bayern hat unter dem Titel "Entweltlichung - Denkanstöße für die Kirche" im März eine Tagung veranstaltet. In der neuen Ausgabe der Akademiezeitung "zur debatte" sind die Beiträge veröffentlicht.
Drei Referate gibt es dankenswerterweise auch im Internet:

"In der Welt, nicht von der Welt. Die Freiburger Rede im Fokus des Neuen Testaments. Drei Thesen und drei Fragen" von Prof. Dr. Thomas Söding, Professor für Neues Testament an der Universität Bochum.

"Herrschaftswechsel. Christen kommunizieren im eigenen Code" von Prof. Dr. Thomas Ruster, Professor für Systematische Theologie an der Universität Dortmund.

"Sorge um die Welt - unverzichtbarer Dienst der entweltlichten Kirche. Sozialethische Überlegungen zur Konzerthausrede des Papstes" von Prof. Dr. Ursula Nothelle-Wildfeuer, Professorin für Christliche Gesellschaftslehre an der Universität Freiburg.

Meine Meinung: Gerade im Umfeld des beginnenden Katholikentages und der zu erwartenden Debatten sollte man diese Beiträge unbedingt gelesen haben!

16. Mai: Johannes Nepomuk

Zum heutigen Gedenktag des hl. Johannes Nepomuk (und Quasi-Namenstag):

Er stammte aus Nepomuk in Böhmen, studierte in Prag, war seit 1370 Kleriker von Prag und später Generalvikar. Dass er Beichtvater der Königin war und, wie in der katholischen Volksfrömmigkeit überliefert, als Opfer des Beichtgeheimnisses starb, ergibt sich aus den zeitgenössischen Dokumenten jedoch nicht. Sein grausamer Tod, er wurde gefoltert und am 20. März 1393 sterbend in die Moldau geworfen, gehört eher in die Geschichte der Streitigkeiten zwischen König Wenzel und dem Prager Erzbischof. Johannes Nepomuk wurde später im Veitsdom in Prag beigesetzt und 1729 heiliggesprochen. Er gilt als Patron des Beichtgeheimnisses, als „Brückenheiliger“ ist seine Darstellung häufig an Brücken zu finden.

„Tacui – Ich habe geschwiegen!“, dieses Wort finden wir häufig auf Darstellungen des hl. Johannes Nepomuk. Es soll deutlich machen, dass ein Beichtvater selbst bis in den Tod an das Beichtgeheimnis gebunden ist. Und viele Priester sind dafür, vor allem auch in den totalitären Regimen des Nationalsozialismus und Kommunismus, in den Tod gegangen.
Unser heutiges Bild von A. Paul Weber aus dem Jahre 1943 heißt „Das Gerücht“. Aus den Fensterlöchern der unmenschlich monotonen Großstadtarchitektur strömen die Gestalten dem Gerücht zu und geben ihm immer neue Nahrung. Weber spielte in den Details der schlangenartigen Figur auf zahlreiche "geflügelte Worte" oder Redewendungen an, die wir im Zusammenhang mit diesem Thema benutzen: Der Schlangenleib - Symbol der Falschheit - ist besetzt mit Augen und Zungen, der Kopf hat große, spitze Lauscher, mit denen das Gerücht "die Ohren spitzt" und "etwas spitzkriegen" kann, dicke Brillengläser, durch die es alles genauestens zu sehen glaubt und doch alles nur verzerrt wahrnimmt, eine große "Klappe" mit "spitzer" Zunge und einen langen "Riecher", den es "in alles steckt".
„Tacui“ – gilt das auch für mich? Kann man mir etwas anvertrauen, tratsche ich nicht jede Neuigkeit, jedes Gerücht weiter? Heiliger Johannes Nepomuk, hilf mir, rechtzeitig meinen Mund zu halten!

Mit Margot Käßmann beim Frühstück

Während ich wie jeden Morgen gemütlich meinen Kaffee trinke, die Schnitte esse und Mucki kraule, wird mir zum Frühstück in den "Ruhr-Nachrichten" heute morgen ein Interview mit Margot Käßmann aufgetischt. Darin lese ich dann so faszinierende Dinge wie z.B. diese hier:

Frage: Nun reisen Sie als Botschafterin fürs Reformationsjubiläum durch die Lande. Warum sind Luthers Thesen so aktuell wie nie zuvor?
Antwort: Die Reformation hat die Welt verändert. Dass das Individuum denken darf und soll, am eigenen Gewissen arbeiten kann, war eine gesellschaftliche Sensation: Der einzelne Mensch steht auf und vertritt die eigene Position - das hat Luther gewagt. Das ist auch ein Ansporn für uns heute, uns nicht einlullen zu lassen. Mich fasziniert, dass Luther für einen Glauben ohne Angst eingetreten ist, der befreit für ein Engagement in der Welt.


Aha. Also sitzt jetzt hier im Umkehrschluss ein Katholik beim Frühstück, der nicht individuell denken darf und soll, der nicht am eigenen Gewissen arbeitet, der sich einlullen läßt, und dessen ängstlicher Glaube ihn daran hindert, sich befreit in der Welt zu engagieren.
Noch einmal in die Schnitte beissen, dann leg' ich mich wieder hin. Wird wohl besser sein.

Aber es geht ja noch weiter:
Frage: Der deutsche Protestantismus gilt oft als ernst, verkopft, wenig emotional. Weshalb eigentlich?
Antwort: Luther war anders: In der Auseinandersetzung mit seinen großen Lebensfragen trieb ihn existentielle Angst um. Er fühlte sich bedrängt, aber war doch lebensfroh. Er hat beispielsweise die Sexualität aus dem Abseits nicht von Gott gewollten Lebens geholt, als er den Weg hin zum evangelischen Pfarrhaus bereitete.


Ach was (frei nach Loriot). Hatte ich nicht mal irgendwo bei Manfred Lütz gelesen, dass der Geschlechtsakt für die katholische Kirche so wichtig ist, dass der Zusammenhang in dem er stattfinden soll, für die Katholiken sogar ein Sakrament, für Luther aber nur ein 'weltlich Ding' ist? (Schluck aus der Kaffeetasse). Und war nicht die Steigerung für Prüderie 'evangelisches Pfarrhaus'? Obwohl, wenn ich mich an meine Schulzeit erinnere: Die ersten die kifften, waren die Pfarrerssöhne. Meint Frau Käßmann vielleicht das? Aber ich muss doch gleich noch Auto fahren. Naja, hat ihr ja auch nichts ausgemacht.


Ich springe mal zur letzten Frage: Reformdebatten auch auf dem Katholikentag jetzt in Mannheim: In der katholischen Kirche formiert sich eine Pfarrerinitiative mit dem Ziel grundlegender Kirchenreformen. Sehen Sie darin eine Chance für die Ökumene?
Antwort: Die Evangelischen können nicht von außen fordern, dass sich die katholische Kirche reformiert. Reformen müssen von innen kommen. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die darum ringen wie etwa Hans Küng. Er hat schon frühzeitig die Abschaffung des Zölibats, das Frauenpriestertum und das gemeinsame Abendmahl verlangt.


Soso. Man muss sich das mal vorstellen: Käßmann, Küng und Schüller gemeinsam beim Frühstück. Jeder fordert, ringt und verlangt. Und das mit großem Respekt. Da packt sich doch jeder erstmal den Teller voll wie beim Hotelbuffet. Und wehe der Orangensaft ist alle, dann gibts aber ein Memorandum an die Hotelleitung!
Ach, wir werden wohl nie im gleichen Hotel frühstücken, so oder so. Gott sei Dank.
Und Mucki schnurrt bestätigend.

Dienstag, 15. Mai 2012

Einstimmung zum Katholikentag

Zur Einstimmung auf den kommenden Mannheimer Aufbruch ein Bericht über den Katholikentag 1927 in Dortmund:

"Dem Katholikentag waren umfangreiche Vorbereitungen vorausgegangen. Sie hatten in Händen eines fünfköpfigen Ehrenpräsidiums und eines vierköpfigen Lokalpräsidiums gelegen, dem fast ausschließlich Laien in sieben Kommissionen zuarbeiteten. Nur die zweiköpfige Altarkommission, die einhundert Altäre für die angereisten Priester in der Stadt zu organisieren hatte, war von Geistlichen besetzt. Der Katholikentag erfreute sich nicht nur einer Rekordzahl von Teilnehmern aus allen Schichten. Er bestach auch durch die Anwesenheit zahlreicher prominenter Gäste und die hochkarätige Besetzung der Rednerlisten. Der inoffizielle Auftakt begann, als der Apostolische Nuntius Pacelli in Begleitung von Bischof Klein und weiteren Würdenträgern das Eisen- und Stahlwerk Hoesch besuchten sowie auf der Zeche Dorstfeld unter Tage einfuhren. Nachdem bei der Begrüßungsveranstaltung in der Westfalenhalle aus Platzgründen nur 12000 Teilnehmer Einlaß gefunden hatten, sprengten die mehr als 120000 Gottesdienstbesucher bei der Festmesse im Stadion Rote Erde alle Erwartungen. Den Einzug des päpstlichen Nuntius und der übrigen Würdenträger zur Altarinsel begleitete ein aus 1400 Männern gebildeter Chor der vereinigten Dortmunder Kirchenchöre mit dem 'Tu es Petrus'. Am Sonntagnachmittag fanden Parallelveranstaltungen statt. Im Stadion Rote Erde trafen sich 40000 Jugendliche um Generalpräses Ludwig Wolker zu Reden, Musik und Spiel, in der Westfalenhalle 15000 Männer zur Arbeiterkundgebung. Zahlreiche andere Veranstaltungen waren über ganz Dortmund verteilt."


gekürzt aus: Brandt/Hengst, Geschichte des Erzbistums Paderborn, Band 3: Das Bistum Paderborn im Industriezeitalter, 315f.
Außerdem gibt es vom Katholikentag auch ein ganz seltenes Foto von Eugenio Pacelli in Bergmannskleidung, ich finde es nur leider nicht!

Die Jungfräulichkeit der Kirche

"In der Theologie gilt der Satz: 'Was über Maria gesagt wird, gilt auch von der Kirche' (Maria significat ecclesiam). Denn Maria ist der Ursprung, das Urbild und das Vorbild der Kirche. Sie ist die erste Glaubende des Neuen Bundes, die erste, die auf Gottes Neuanfang in Jesus mit den Worten einer Glaubenden reagiert: 'Mir geschehe nach deinem Worte.' Demgemäß ist also auch die Kirche 'jungfräulich'. Ein schönes Bild - aber doch weit entfernt von dem, was man an der Kirche sieht. (...)
Die Kirche als Institution und Gemeinschaft darf sich nicht so erhalten wollen, wie es Institutionen und Gemeinschaften normalerweise tun. Wie sich Institutionen normalerweise selbst erhalten, ist bekannt. Viele nehmen sich heute zum Beispiel Unternehmensberater, um ihren Erfolg und ihre Zukunft zu sichern. Man versucht, in der Konkurrenz mit anderen Institutionen (Parteien, Firmen, Universitäten, Verwaltungen) den erfolgreichsten Weg einzuschlagen. In der Kirche, die sich als 'jungfräulich' versteht, sollte das nicht so sein. Wenn sich eine Kirche eine Unternehmensberatung nimmt, wenn sie sich in der Konkurrenz mit anderen religiösen Anbietern profilieren will, wenn sie ihre interne Struktur allein nach Kriterien der Effizienz gestaltet, hat sie ihr Wesen als 'jungfräuliche Kirche' offenbar nicht verstanden. Ihr, die sich auf den beruft, dessen 'Herrschaft kein Ende sein wird', sollte jede Art von Zukunftsangst fernliegen. Ihren Bestand sichert sie allein dadurch, dass sie das Wort Marias spricht: 'Mir geschehe nach deinem Willen.' Die Erforschung des Willens Gottes sollte ihre Hauptaufgabe sein; übrigens ist es die anspruchsvollste Aufgabe überhaupt, aber dafür hat die Kirche ja die Theologie. (...) Die Kraft der Kirche zeigt sich im Glauben der Christen, im Vorbild der Heiligen, in der Heiligkeit ihres sakramentalen Tuns. Darauf kann sie vertrauen, 'und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen' (Mt 16,18).
Die Jungfrau Maria ist Urbild und Vorbild der Kirche. Die vielen 'Sollens'-Formulierungen in den letzten Sätzen deuten darauf hin, dass sie von diesem Vorbild ziemlich weit entfernt ist. Eben deshalb ist es wichtig, an der Jungfräulichkeit Mariens festzuhalten: damit die Kirche weiß, was sie sein und tun soll."

aus: Thomas Ruster, Glauben macht den Unterschied - Das Credo, München 2012, 91ff.

Freitag, 11. Mai 2012

Warum der "Kir" "Kir" heißt!

Aus einer Veranstaltungsankündigung des "Erbacher Hofes" in Mainz:

"Félix-Adrien Kir (1876-1968), Seelsorger in verschiedenen burgundischen Gemeinden, wurde 1931 zum Domherren (Kanonikus) berufen. Während der Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg leistete er offen Widerstand. Von 1945 bis zu seinem Tod war der allseits beliebte und zeitlebens volkstümliche Kanonikus Oberbürgermeister von Dijon. Als Mitbegründer der Städtepartnerschaft Mainz-Dijon 1958 sowie der Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Burgund, die am 26. Juni 1962 beurkundet wurden, war er einer der Wegbereiter der deutsch-französischen Aussöhnung.
Nicht unerwähnt sei der bevorzugte Aperitif des Kanonikus: trockener Weißwein mit einem Schuss Crème de Cassis, ein Getränk, das ihm zu Ehren den Namen Kir trägt."

Das wusste ich noch nicht. Und da sage nochmal jemand, wir könnten auf die katholischen Akademien verzichten...

Erstkommunionvorbereitung - oder was eigentlich?

Die Gemeindereferentin will den Kindern in der Erstkommunionvorbereitung beim Rundgang durch die Kirche den Tabernakel erklären und fängt folgendermaßen an: "Ja, Kinder, wenn bei euch zuhause Essen übrigbleibt, was macht ihr denn dann damit?" Tönt eine Mutter von hinten: "Na was schon? Nix, bei uns werden die Reste weggeschmissen!"
Ende der Katechese.
In der Dankandacht waren übrigens noch nicht einmal die Hälfte der Kinder.

"Einen neuen Aufbruch wagen!" - Jau, dann fangt gleich mal in Wanne-Eickel an!

Dienstag, 8. Mai 2012

Jeder muss wissen was er tut

Ich habe vorhin durch Zufall herausgefunden, dass sich ein ehemaliger Kommilitone und Studienfreund durch die "Unabhängig Katholische Kirche" hat zum "Priester" weihen lassen. Ich verlinke das jetzt nicht.
Nun gut, jeder geht seinen eigenen Weg und hat seine eigene Geschichte, jeder wird seine guten Gründe haben, Dinge zu tun oder zu lassen und jeder muss wissen, was er tut. Aber das hier schockiert mich doch einigermaßen.

Sonntag, 6. Mai 2012

Blaue Zipfel

Das was jetzt kommt, ist weder kirchlich noch politisch, sondern, ich habe ja mal in Würzburg studiert, einfach nur fränkisch-lecker. Außerdem habe ichs heute gekocht.

1 l     Wasser
1/4 l  Weinessig
1/2 l  Weißwein (Rotwein geht auch)
1 Zwiebel, in Ringe geschnitten
1 Lorbeerblatt (auch mehr)
2 Nelken (ebenfalls großzügig)
Salz, Zucker, Senf- und Pfefferkörner, Wacholderbeeren
Karotten
Pilze
8 Fränkische Bratwürste

Für den Sud alle Zutaten bis auf die Würstchen erhitzen und 20 Minuten kochen lassen.
Vom Feuer nehmen und die Würstchen 10 Minuten darin ziehen lassen. (auch länger).
Blaue Zipfel in einer Terrine im Sud anrichten und mit Brot servieren.

Ich empfehle allerdings die Karotten und Pilze wegzulassen, und die Würstchen mit Sauerkraut, Stampfkartoffeln und Senf anzurichten.

Der Senf war übrigens aus Mariawald, "gregorianischer Senf" sozusagen, ich rate zu "Kräuter-scharf" (wenn man das in Tradi-Kreisen überhaupt so sagen darf).

Guten Geschmack und einen schönen Start in die Woche!

Immer aktuell: Geringschätzung der Geistlichkeit

"Die Geringschätzung der Geistlichkeit (...) ist teils aus der Verweltlichung der höheren Geistlichkeit und der weitgehenden Deklassierung der niederen, teils aus alten heidnischen Instinkten zu erklären. Das unvollkommen christianisierte Volksempfinden hatte niemals ganz den Widerwillen gegen den Mann verloren, der nicht kämpfen durfte und keusch leben musste. (...) Die Entartung der Geistlichen selbst tat das übrige, und so hatten sich hoch und niedrig schon seit Jahrhunderten ergötzt an der Figur des unkeuschen Mönchs und des schmatzenden feisten Pfaffen. Ein latenter Haß gegen die Geistlichkeit war immer vorhanden. Je heftiger ein Prediger gegen die Sünden seines eigenen Standes wetterte, desto lieber hörte ihm das Volk zu. Sobald der Prediger gegen die Geistlichen zu Felde zieht, sagt Bernardinus von Siena, vergessen die Zuhörer alles übrige; es gibt kein besseres Mittel, die Andacht rege zu erhalten, wenn die Zuhörer schläfrig werden oder wenn es ihnen zu warm oder zu kalt ist. Alles wird dann sogleich munter und wohlgemut."

aus: Johan Huizinga "Herbst des Mittelalters". Über dieses 1923 erstmals erschienene Buch heißt es: "Das große Gesamtbild nordischer Spätgotik zählt zu den bedeutendsten Leistungen der Kultur- und Geschichtsschreibung, an wissenschaftlichem Rang, Glanz der Darstellung und Weite des Blickes nur den klassischen Werken Jacob Burckhardts vergleichbar."
Im Moment ist es meine Sonn- und Feiertagslektüre und ich finde, man sollte es unbedingt gelesen haben. Mit wohl kaum einem anderen Geschichtswerk taucht man so in die Welt des Mittelalters ein.
Und doch: Ist dieser o.g. Textauszug nicht faszinierend aktuell?

Donnerstag, 3. Mai 2012

Zugegeben, Cappa magna ist das hier nicht...

... aber trotzdem richtig schön muffig! Zuerst der ehemalige Thronsessel eines bereits 1830 aufgelösten kroatischen Kleinbistums und danach ein Blick in das heutige Museum des früheren bischöflichen Palastes. Die Fotos sind allerdings nicht ganz scharf (Innenraum halt), man erkennt z.B. nicht die in den Paramentenschaukästen ausgelegten Seifenstücke...

Mit schönem Gruß an den Herrn Alipius!

Mittwoch, 2. Mai 2012

Der Marienmonat Mai

Mein aktueller Zeitungsbeitrag:

Als Kind und Jugendlicher, liebe Leserinnen und Leser, habe ich noch erlebt, wie in meiner Heimatkirche der sog. „Maialtar“ aufgebaut wurde. Mit Kisten und Podesten wurde seitlich vor dem Chorraum eine Art Gerüst aufgebaut, dessen manchmal recht gewagte Konstruktion durch eine große rotsamtene Decke verhüllt wurde. Darauf fand eine besondere Marienfigur ihren Platz, die nur zu diesem Anlass extra vom Dachboden des Pfarrhauses geholt wurde. Hinter dem Altar wurden Unmengen von weißem Flieder drapiert, davor wurde ein geschmückter Kerzenständer aufgestellt. Bei der Eröffnung der Maiandachten war die Kirche voll, der Kirchenchor sang „Maria Maienkönigin“ und die Erstkommunionkinder nahmen noch einmal stolz in ihrer Festkleidung an der Feier teil.
So lange ist das noch gar nicht her, aber irgendwie scheinen Maiandachten etwas aus der Mode gekommen zu sein. Die Maiandachten kamen zur Barockzeit in Italien auf und verbreiteten sich im 19. Jhdt. auch in Deutschland. Die Mariensymbolik des Mai ergibt sich aus dem farbenreichen Aufblühen der Natur in diesen Wochen. Als erste und schönste Blüte der Erlösung, als „Frühling des Heils“ und „Rose ohne Dornen“, gilt in der katholischen Spiritualität die Gottesmutter. „Die Blumen und Auen, so wonnig zu schauen, sie müssen dir weichen ohn alles Vergleichen, du aller Engel Freud!“, so wird Maria in einem alten barocken Lied besungen.
Das hört sich blumig an, aber warum auch nicht: Wir sprechen doch auch davon, dass jemand „wieder aufblüht“ wenn er sich von langer Krankheit oder Niedergeschlagenheit erholt hat, oder dass jemand „wie das blühende Leben“ aussieht. Maria war offen für Gottes Wort, sie hat geglaubt, dass Gott in ihrem Leben handelt, und sie hat darauf vertraut, dass er es gut mit ihr meint. So ist sie für uns, und das gilt nicht nur für Katholiken, ein Beispiel wie Leben aufblühen und gelingen kann.
Solche Momente des Aufblühens, liebe Leserinnen und Leser, möchte ich Ihnen gerade im schönen Monat Mai besonders wünschen!

Dienstag, 1. Mai 2012

Was man am 1. Mai so alles feiern kann

Eigentlich ist ja der heutige Tag das Fest der Apostel Philippus und Jakobus d.J. Der erste Mai war das Datum der Neueinweihung ihrer wiederhergestellten Apostelkirche in Rom am 1. Mai 570. Als man 1955 etwas unbeholfen den "Tag der Arbeit" quasi "taufen" wollte und das Ideenfest "Josef der Arbeiter" auf den ersten Mai legte, hat man auf diese jahrhunderte alte Tradition keine Rücksicht genommen und das Apostelfest willkürlich auf den 11. Mai verlegt, wohlgemerkt 1955! Bei der Kalenderreform ist es dann mit dem 3. Mai wieder etwas näher an seinen ursprünglichen Termin gerückt. Heute könnten wir natürlich auch der Gottesmutter als Schutzpatronin Bayerns gedenken, dieses Fest, obwohl schon in der Zeit des 30jährigen Krieges entstanden erst seit 1916 liturgisch gefeiert, lag allerdings anfangs auch auf einem anderen Tag, nämlich dem ersten Samstag im Mai. Oder wir könnten heute abend die Maiandachten eröffnen, sie sind ursprünglich in der Barockzeit in Italien entstanden und im 19. Jahrhundert in den deutschen Sprachraum gelangt. Ihre Beliebtheit hatten sie vor allem, so erzählen es wenigstens ältere Leute mit einem Augenzwinkern, dass man als Jugendlicher abends noch einmal raus durfte. Die Maiandachten sollen schon manche katholische Ehe angebahnt haben...
Kennt jemand noch diese nett-harmlose Verballhornung des Marienliedes GL 594?

"Maria zu lieben, ist Josef sein Sinn.
Wenn Sie morgens keine Zeit hat,
geht er abends mal hin.
Er hilft ihr beim Spülen, Maria mach schnell,
wir wolln' noch possieren,
der Mond scheint so hell!"

Als Bild gibt es heute den Josefsaltar in meiner Heimatkirche. So sah er vor 1950 aus, dann wurde die Kirche hell gestrichen. 1954 wurde ihm der hl. Franziskus als Pfarrpatron vor die Nase gesetzt. 1960 flog dann alles raus, obwohl es außer Dach und Fenster keine Kriegszerstörungen gab, es blieb nur die jetzt braun übergestrichene Josefsfigur übrig. Aber immer gab es da noch einen Seitenaltar. Nur zehn Jahre später war auch alles das nicht mehr modern genug (außerdem vom beliebten Vorgängerpfarrer angeschafft, dessen Andenken sein Nachfolger möglichst tilgen wollte), der Seitenaltar kam weg und Josef fristet bis heute, seiner Säge beraubt, ein weitgehend unbeachtetes Dasein auf einer Wandkonsole. Schade eigentlich.