Dienstag, 31. Juli 2012

31. Juli: Der heilige Ignatius und die Jesuiten

Diese Jesuiten! Eine ganze Kultur und ein ganzes Zeitalter haben diese "Doppel-Null-Agenten" des Papstes geprägt und dabei große Erfolge und hervorragende Heilige und Denker hervorgebracht. Ihre Spiritualität hat bis in unsere Zeit zahllose Menschen angezogen, z.B. hat man mir erzählt, dass man früher in Dortmund zum Beichten gern zu den Franziskanern ging, wer aber richtig etwas auf sich hielt, der ging zu den Jesuiten.
Und heute? Die Bilanz fällt doch deutlich nüchterner aus. Wer sich mit der Moderne einlässt, begibt sich auf einen gefährlich schmalen aber notwendigen Grat, denn Rückzug ist keine Alternative. Die Frage stellt sich nur, inwieweit heute die Stoßrichtung unbedingt zuvorderst innerkirchlich sein muss oder ob die Gesellschaft es nicht viel nötiger hätte.
Dennoch finde ich sie ja trotz allem irgendwie faszinierend: Diese spöttisch-intellektuell-elegante Arroganz des Germanikums, dieses selbstgefällige Wissen um die Brillianz des eigenen Auftritts und diese Erregung, wenn es um Solidarität und Gerechtigkeit geht. Heiner Geißler hat das verinnerlicht. Und mit ihm wird deutlich, wie eine solche Haltung auch schiefgehen kann. Mit einem Ex-Jesuiten habe ich jahrelang zusammen gearbeitet. Das war zwar intellektuell erfrischend, aber als ich es brauchte, haben mir gerade die Solidarität und die Gerechtigkeit gefehlt. Alles nur Sprüche.
Von einem möchte ich heute dennoch etwas schreiben, von Stefan Kiechle. Er hat vor einigen Jahren ein kleines Buch in der Reihe der "Ignatianischen Impulse" im Würzburger Echter-Verlag veröffentlicht. Es heißt "Sich entscheiden". Immer wieder begegenen einem Menschen, die sich nicht entscheiden können, sei es für einen Beruf, einen Partner oder eine geistliche Lebensform. Gerade im kirchlichen Umfeld trifft man häufiger Menschen, von denen es heißt, sie hätten schon von jedem deutschsprachigen Kloster einen Klausurschlüssel in der Tasche gehabt. Und auch beim sich-nicht-festlegen-können auf einen Partner führt der Eros irgendwann zur Erosion. Glücklich macht das auf Dauer nicht, auch nicht die Menschen im Umfeld eines solchen Nicht-Entscheiders. All denjenigen sei dieses aus der ignatianischen Spiritualität heraus geschriebene Buch wirklich empfohlen. Für heute gibt es daraus die zusammenfassenden "Zehn Leitsätze des Entscheidens".
Die zum hl. Ignatius passenden Bilder stammen aus den Jesuitenkirchen in Paderborn und Büren:
1. Nimm die Wirklichkeit wahr, wie sie ist. Sei aufmerksam für das Konkrete und Kleine.
2. Entwickle des rechte innere Zeitgefühl: nicht überstürzt, nicht verschleppt. Begegne klug äußerem Zeitdruck oder zu großer Zeitverzögerung. Gliedere deine Entscheidung in Schritte und bringe diese in einen realistischen Zeitplan.
3. Öffne deine Ideen dem kritischen Blick deiner Freunde. Suche den Rat kluger Menschen. Prüfe deine Alternativen in realistischen Experimenten.
4. Höre, was dein Kopf, dein Herz und deine Intuition sagen. Integriere diese "Stimmen deiner Seele" in das Ganze deines Projekts.
5. Achte darauf, dass der "böse Geist" die Entscheidung oft komplizierter machen will, als sie ist. Und er arbeitet mit der Angst. Suche Vertrauen und Einfachheit.
6. Wähle nicht, wenn du in einer Krise bist. Suche in allem den größeren Trost und die größere Frucht. Folge deiner Sehnsucht. Sei radikal.
7. Lerne deine Grenzen kennen; akzeptiere und beachte sie. Suche nicht das Kreuz, aber sei aus Liebe bereit, es anzunehmen, wenn Gott es will. Der Wille Gottes tritt nicht von außen als etwas Fremdes an dich heran, sondern findet sich in der Sehnsucht deines Herzens, im Trost und in der Frucht.
8. Betrauere deine abgewählten Möglichkeiten und deine verpassten Chancen. Dein Leben ist ein Weg des Loslassens und des Sterbens. Wenn du das Leben so annimmst, wirst du dich leichter binden können und zufriedener werden.
9. Jesus sei Norm, Urbild und "Gestalt" deines Lebens und deiner Entscheidungen.
10. Bei deiner Entscheidung kommt der Punkt, an dem du den gordischen Knoten durchhauen musst. Du musst das Risiko auf dich nehmen und loslassen und springen. Dein Grundvertrauen in das Leben, in die Menschen und in Gott wird dir dabei helfen.

Sonntag, 29. Juli 2012

Was man auf Libori so trägt, oder: Einfach mal das Maul halten.

Als ich beiläufig erwähnte wohl noch auf Libori zu fahren, ergoß sich über mich ein Kübel übelster Beschimpfungen über die eitel-soutanetragenden-cartellverbands-sauf-Kleriker. Ich hatte nicht darum gebeten und auch die evangelische Kollegin war einigermaßen irritiert.
Richtig schön war aber: "Auf Libori laufen doch nur die ganzen Ritter in ihren Kostümen rum und tragen ihre Modzilialien!"
Wir wissen nicht, was "Er" damit meinte, vielleicht Modzilla, Godzilla oder Tortilla oder irgendwas, was auf "-alien" endet. Das würde ich mir natürlich auf Libori neugierigerweise auch gerne einmal ansehen. Falls er jedoch "Mozetta" meinte, meckern nach meiner Erfahrung immer diejenigen am lautesten darüber, die keine abbekommen haben. Und, frei nach Wittgenstein, worüber man nicht reden kann, soll man schweigen. Oder, wie wir es hier im Ruhrgebiet sagen: " Wennze keine Ahnung hast, halts Maul!"

Samstag, 28. Juli 2012

"Vatileaks": Erfundene Pranger spätbarocker Kabale und Intrige

"(...) Diese Gerüchte gipfeln in der Behauptung, Stampa und Clemens hätten Mails mit dem Kammerdiener ausgetauscht und beide hätten schließlich vor kurzem einen Brief des Papstes erhalten, in dem dieser, so die Zeitungsberichte, ihnen die Freundschaft aufkündige.
Das ist starker, zu starker Tobak und klingt, mit Verlaub, allzu sehr nach Ali Babas Räuberhöhle. Ich kenne weder Frau Stampa noch Kardinal Sardi sehr gut, kann aber doch sagen, dass irgendein verschwörerisches Verhalten aus Neid oder Eifersucht beiden völlig fern liegt und ihrem hohen Arbeitsethos widerspricht. Und Bischof Clemens freilich kenne ich sehr gut und weiß genau, dass er viel zu korrekt und pflichtbewusst - als ein echter Siegerländer - ist, als dass er auch nur entfernt seine Hand leihen würde für ein derartiges Verschwörungsszenario. Ein einziges Mal, im Februar 2011, hat er Paolo Gabriele zu einem halbstündigen Gespräch in seiner Wohnung empfangen; dort ging es um persönliche Dinge. Niemals würde es ihm in den Sinn kommen, dem Papst oder dessen engsten Mitarbeitern in solcherWeise zu schaden.
Und ein angeblicher Brief des Papstes mit der Beendigung der Freundschaft scheint nun wirklich, bei Licht und unter Erwachsenen besehen, eher in das Reich der Fabel und des schlecht geführten Kindergartens zu gehören. (...) Solange der Bericht der Kardinalskommission nicht veröffentlicht ist, weiß man keine Details und sollte sich auch nur vor dem Anschein von Rufmord und Ehrabschneidung hüten. Dass auch im Vatikan, wie überall in dieser Welt, nur mit menschlichem Wasser gekocht wird und Weihwasser eher in seltenen Fällen zur Anwendung kommt, ist zu vermuten und dürfte niemanden erstaunen. Loyale Mitarbeiter des Papstes aber an erfundene Pranger spätbarocker Kabale und Intrige zu stellen und so ihren Namen und ihr Ansehen zu schädigen, das geht zu weit! Selbst wenn dafür ein gut erfundener Krimi durch die Lappen ginge..."

Peter Schallenberg heute morgen in den Ruhr-Nachrichten

Freitag, 27. Juli 2012

Der Alltag - das Leben...

Auf diesem Blog geht es ja bekanntermaßen selten um die großen Dinge von Politik und Kirche. Das können andere schneller und besser. Auch geht es nicht um philosophische Weisheiten, tiefgründige Spiritualität oder beeindruckende Glaubenszeugnisse. Auch diese Felder überlasse ich gern anderen. Nein, hier soll es um den Alltag gehen, den Alltag mit seinen ganzen spannenden, skurillen, tragischen, lustigen, seltsamen, ärgerlichen, entspannten, nachdenklichen und komischen Situationen. Denn in genau diesem Alltag ereignet sich ja mein Leben und auch mein Glauben. Und nicht nur das, hier hat sich auch zu beweisen, was einen denn wirklich trägt und hält.

Nur zwei Geschichten von gestern:
- Anruf aus dem Krankenhaus: "Hier ist ein Patient der gerne mit Ihnen sprechen möchte!" - "Ja gut, ich komme gleich!" - "Haben Sie auch so 'ne Hostie dabei?" - "Was?" - "Naja, so 'ne Hostie halt, wie beim Abendmahl, können Sie die mitbringen?" - "Ach, ich komme lieber erst mal so vorbei..."
- Ein verdienter Prälat feiert auf Grund einer schweren Erkrankung sein goldenes Priesterjubiläum mit einer Andacht bei uns im Krankenhaus. Gegen Ende läßt es sich der Jubilar nicht nehmen, außerplanmäßig das Wort zu ergreifen. Daraufhin springt sein 92-jähiger Vorgänger auf um ebenfalls noch zu reden. Das wiederum wird vom Jubilar natürlich wieder beantwortet...
Hinterher komme ich mit einem Mann aus der Gemeinde ins Gespräch: "Ach", sagt er, "wir haben uns schon daran gewöhnt, früher hat er in jeder Messe viermal gepredigt..."

Allen Leserinnen und Lesern einen schönen Tag und einen guten Start ins Wochenende! 

Donnerstag, 26. Juli 2012

26. Juli: Joachim und Anna

Heute hat unser St. Anna Hospital sozusagen Patronatsfest. Daran wird heute in der Hektik des normalen Betriebes wohl kaum jemand denken. Aber immerhin gibt es heute für jeden Mitarbeiter ein "Anna-Eis"!
Hier ein paar Bilder aus der 2005 geweihten Kapelle:

Ein besonderer Anziehungspunkt ist das Mittelstück eines spätgotischen Flügelaltars. Das Werk wird Valentin Lendenstreich zugeschrieben, ein Künstler der von 1485 bis 1506 in Saalfeld in Thüringen wirkte.
In dem dreigliedrigen vergoldeten Schrein sind in der Mitte Maria im Strahlenkranz mit dem Jesuskind, neben ihr Johannes der Täufer mit der hl. Schrift und dem Lamm darauf, und eben eine heilige Anna, als "Selbdritt", also "zu dritt": Großmutter - Tochter - Enkel, dargestellt.

Man kommt ja viel rum und sieht in den Krankenhäusern so manche Kapellen, Andachtsräume, Räume der Stille und wie sie auch immer heißen. Die schwächsten sind für mich immer interreligiöse oder multifunktionale Räume. Gerade in einem Krankenhaus halte ich die Trennung zwischen "sakral" und "profan", schon alleine um der Menschen willen, für ganz wichtig. In dieser Kapelle ist sie gelungen.

Allen Annas und Joachims heute einen schönen Namenstag!

Mittwoch, 25. Juli 2012

"Ich bin dann mal zu Fuß"

Passend zum heutigen Festtag des heiligen Jakobus musste ich ja gestern gezwungenermaßen zu Fuß zur Arbeit. Das ist aber nicht schlimm, denn es ist ja gesund und gibt die Gelegenheit ein paar Fotos zu machen.

In dieser Kirche wurde ich getauft, bin zur Erstkommunion gegangen, wurde gefirmt und noch so einiges mehr...
Diese Bahnunterführung ist auch nur schön, wenn man entweder auf Industriekultur steht oder nicht täglich dort durch laufen muss:
Meine alte Schule, früher einmal Mädchengymnasium (leider vor meiner Zeit ;) und von innen etwas wie in der "Feuerzangenbowle":
Das Rathaus, ein stattlicher Bau aus den 1920er Jahren. Innen hat man das Rathaus um 1940 "verschönert", wie die Deko aussah, kann man sich ja vorstellen...
Die Johanniskirche, ihre Patrone Johannes und Dionysius weisen in fränkische Zeit zurück, erstmals erwähnt wird der Ort 1214. Kirche und Gemeinde wurden dann leider in der Reformation evangelisch. Heute sieht man einen barocken einschiffigen Saalbau, der Turm hat noch romanische Baureste. Nach verheerenden Kriegszerstörungen schlicht wieder aufgebaut, nimmt sich der Turm die Spitze von St. Reinoldi in Dortmund zum Vorbild. Alte Ausstattung ist so gut wie nicht mehr vorhanden, allerdings hat eine alte Glocke überlebt.
Durch die Industrialisierung, vor allem durch die Eröffnung eines großen Eisenbahnausbesserungswerkes, kamen seit den 1840er Jahren wieder Katholiken in die Stadt. Die mächtige Pfarrkirche hat den schönen und seltenen Titel "Unsere Liebe Frau vom Siege". Und so sieht die Kirche ja auch aus, denn für St. Marien galt immer das Motto "Hauptsache groß, schwer und teuer!"
Allen einen schönen und sonnigen Tag!

Dienstag, 24. Juli 2012

24. Juli: Christophorus

Fast hätte ich doch den heutigen Tagesheiligen vergessen. Ich vermute mal, das liegt daran, dass mein Auto mitsamt entsprechender C-Plakette in der Werkstatt ist. Nun denn, also zum heutigen Tag mein Beitrag, ursprünglich für die Krankenhauszeitung geschrieben:

Der heilige Christophorus, liebe Leserinnen und Leser, ist wohl vielen Menschen vertraut, sei es als recht häufiger Vorname, als Plakette im Auto oder als Rufname von Rettungshubschraubern. Dabei ist über sein Leben nicht viel bekannt. Er hat in Kleinasien, also der heutigen Türkei, vermutlich unter Kaiser Decius um 250 das Martyrium erlitten. In Chalkedon wurde ihm 452 eine Kirche geweiht. Auch in der abendländischen Kirche wurde Christophorus viel verehrt. Er gehört zu den Vierzehn Nothelfern. Aus seinem Namen, übersetzt „Christusträger“, hat sich die Legende entwickelt, er habe auf seinen Schultern das Jesuskind über einen Fluß getragen.


In vielen alten Kirchen finden wir an der Außenwand oder in der Nähe des Ausgangs oft meterhohe Darstellungen des heiligen Christopherus, so auch auf unserem Foto aus dem Stift St. Lambrecht in der Steiermark. Die Menschen glaubten, der Anblick des Bildes würde sie an diesem Tag vor einem „unversehenen“ Tod bewahren, also davor, zu sterben, ohne vorher die Sakramente empfangen zu haben.
Das hört sich für uns heute etwas seltsam an, denn Bilder und Gegenstände können zwar an etwas erinnern oder eine verborgene Wirklichkeit durchscheinen lassen, haben ja aber doch niemals eine Kraft aus sich heraus oder irgendeine magische Wirkung. Allerdings im Zeitalter von Amuletten, Traumfängern und Talismännern sollte man das immer wieder einmal deutlich betonen und bei manchem was heute so rumgeistert scheint mir die Verehrung des heiligen Christophorus doch geradewegs vernünftig. Zumindest erscheint es mir doch recht sinnvoll, hin und wieder über die "Letzten Dinge" nachzudenken, vor allem dann, wenn man aus seinem Leben etwas machen will. Aber das wäre ein eigenes Thema. Vielleicht jetzt nur so viel:
Jemanden wie Christophorus zu haben, einen Riesen mit breiten Schultern der mich schützt und trägt, das ist doch ein verständlicher Wunsch. „Christusträger“ lautet sein Name aus dem Griechischen übersetzt und darauf kommt es letztlich an: Christophorus hat Christus getragen und dafür hat Christus ihn getragen. Diese Zusage gilt auch einem jeden von uns: Wir können gewiss sein, wenn wir Christus im Herzen tragen, können wir uns darauf verlassen, dass er auch uns in allen Höhen und Tiefen unseres Lebens sicher trägt.

Sünde als Überforderung

"Sünde ist die Weigerung, Gott Gott sein zu lassen. Sie wirkt sich aus in der Überforderung von anderen oder anderem, dass sie uns Gott seien. Oder umgekehrt, was auf dasselbe hinausläuft, in dem Versuch, mich selbst zu Gott zu machen und alles andere zu meinem Dienst zu zwingen. Die Firma, die den Mitarbeiter über das Maß hinaus beansprucht, ist sein Gott. Sie überfordert ihn, überbeansprucht ihn, vielleicht so lange, bis er vor lauter Überforderung nicht mehr kann. Die Gesellschaft, die die Natur für ihre Zwecke ausbeutet, sie als Ressource benutzt und ihren übermäßigen Abfall an sie zurückgibt, überfordert sie. Sie spielt sich auf wie der Herr und Schöpfer der Natur. Sünde ist immer eine Art von Götzendienst. Sie überfordert Dinge und Menschen damit, wie Gott zu sein. Die Folge davon ist immer, dass Leben und Lebendigkeit reduziert wird. Paulus bringt es auf den Punkt: 'Die Folge der Sünde ist der Tod' (Röm 6,23)."

aus: Thomas Ruster, Glauben macht den Unterschied, München 2010, 131.

Dankeschön!

Ein herzliches Dankeschön für die "Robusta-Nominierung" dieses Blogs unter "Cocktails"!
Das hat mich sehr gefreut und ist wie eine Schüppe Kohlen für die Blog-Lok!

Montag, 23. Juli 2012

Sei gegrüßet - mit Hindernissen

Eigentlich wollte ich heute einen richtig schönen Liboribeitrag herstellen und dabei z.B. Bilder aus einigen Liboriuskirchen hier in der Gegend zeigen. Aber eine Autopanne hat allen Planungen einen Strich durch die Rechnung gemacht und dazu lädt Blogger bei mir keine Bilder hoch. Na super.

Heiliger Liborius! Geht man so mit seinen Verehrern um? Gegen Gries und Nierenstein magst du ja ein bewährter Helfer in allen Nöten sein, aber bitte sei so gut und kümmer' dich auch um den Rest!!!

Sei gegrüßet, o Libori!

Nur schon einmal zur Einstimmung die letzte Strophe des heute bekanntesten Liboriusliedes (früher war es wohl eher "Du großer Hirt und Gottesmann") in seiner alten Textfassung:

"O Freund Gottes, unser Leben sei in deinen Schutz gegeben, nimm uns auf in deine Hut!
Sind wir einst in Todesnöten, dann woll uns bei Gott vertreten, führ uns dann zum höchsten Gut!"

Samstag, 21. Juli 2012

Libori naht! - Teil 2

"Bezüglich der Feier, besonders bei der großen Prozession, fänden, wie das Kirchenblatt gehört hatte, einige etwas zu wenig Ordnung in der ungeheuren Menge. Aber wie sei, so lautete die Gegenfrage, 'bei einer solchen Volksmasse so herben Schlages eine englische Gartenanlagen-Ordnung möglich?' Auch in einem kräftigen Wald ständen Eichen und Buchen nicht nach der Schnur."

Brandt/Hengst: Das Bistum Paderborn im Industriezeitalter 1821-1930, Paderborn 1997, 500.

Wie sich die Dinge wiederholen: Hat uns doch der oberste Paderborner Landschaftsgärtner noch neulich dazu ermuntert, "Gottes Garten neu zum Blühen zu bringen". Welche Gartenanlage unser bischöflicher Poet wohl gemeint hat? Eichen und Buchen? Das würde zumindest zu ihm passen...

Als Bild zur Einstimmung auf das Fest gibt es heute eine Keramik, die anläßlich des Liborijubiläums 1986 in den Werkstätten der Benediktinerinnen der Abtei vom Hl. Kreuz in Herstelle geschaffen wurde:

Freitag, 20. Juli 2012

Libori naht! - Teil 1

"Was den Paderbornern das Liborifest bedeutet, läßt sich kaum beschreiben. So blieb es dem in Niedertudorf 1856 geborenen jüdischen Dramatiker und Lyriker Jakob Löwenberg zeitlebens unvergessen, wie beim Herannahen des Festes im Juli bereits die Drei- und Vierjährigen nichts anderes als 'Libori! Libori!' im Munde führten, und ihnen, wenn sie von Libori heimkehrten, auf dem Leiterwagen im Halbschlaf noch das Liborilied selig in den Ohren klang."

Brandt/Hengst: Das Bistum Paderborn im Industriezeitalter 1821-1930, Paderborn 1997, 499.

Zur Einstimmung auf das nahende Fest auch ein paar Bilder aus Wengern. Hier soll bei der Translation der Gebeine des hl. Liborius von Le Mans nach Paderborn 836 die Ruhr überquert worden sein und der Zug habe hier eine Nacht gerastet. Immerhin deutet das für unsere Gegend seltene alte Liboriuspatronat auch darauf hin.
Die alte Dorfkirche ist seit 1543 leider evangelisch, sie wurde 1246 erstmals erwähnt. Im Turm hängt noch eine Glocke "der kleine Anton" aus dem Jahre 1529. 1891 wurde die Kirche nach Osten hin umgebaut und erweitert. Die Kirche besitzt eine recht wertvolle Ausstattung: einen romanischen Taufstein, ein spätromanisches Triumphkreuz, sowie einige barocke Ausstattungsstücke. Aber, wie so oft, war die Kirche verschlossen.

Die neue katholische Liboriuskirche, ein einschiffiger barocker Saalbau mit Tonnengewölbe, stammt aus dem Jahre 1915. Wengern, obwohl heute ein Stadtteil von Wetter, gehört nicht zum Erzbistum Paderborn, sondern zum Bistum Essen. Natürlich war sie auch zu.
Wenn Kirchen zugesperrt sind, kann man natürlich nicht rein zum Fotografieren. Aber auch nicht zum Beten.
Mein Fazit: Die Kirche wäre viel offener wenn die Kirche öfter offen wäre!

Donnerstag, 19. Juli 2012

Die barocke Religion: Umgang mit himmlischen Mächten

"Das Barockzeitalter war vielleicht die letzte Epoche einer integralen, den biblischen Glauben mit der Religion verbindenden Katholizität. (...) Insgesamt versuchte die katholische Kirche 'eine Integration bzw. Umwandlung magischer Vorstellungen in religiöse.' Die Magie wurde verkirchlicht, dadurch zugleich anerkannt, begrenzt und integriert. Die Protestanten ihrerseits hatten Gelegenheit, sich über den katholischen 'Aberglauben' aufzuregen und ihre Abgrenzung gegen das Katholische zu betonen. (...) Die barocke Religiosität überlebte nur in Restbeständen der Volksreligion, am längsten in den katholischen Mittelmeerländern. Der im barocken Katholizismus enthaltene Anteil von Religion, das heißt vom Umgang mit übersinnlichen und himmlischen Mächten, ist im Gefolge des 2. Vatikanischen Konzils praktisch ganz aus der katholischen Kirche ausgemerzt worden."

Thomas Ruster: Die neue Engelreligion, Kevelaer 2010, 56ff.

Mittwoch, 18. Juli 2012

Das Muck-Foto des Tages

Ist das bei Katzen normal? Mucki liegt am liebsten auf dem Rücken, schläft dann ein und schnarcht wie ein Sägewerk:

Dienstag, 17. Juli 2012

Jon Lord: Child in time

Jon Lord war der Begründer und legendäre Organist von "Deep Purple", der einstmals lautesten Band der Welt. Von Kindheit an klassisch an Klavier und Orgel ausgebildet, arbeitete er als Jazzmusiker und Schauspieler und hat dann gemeinsam mit dem kongenialen Gitarristen Ritchie Blackmore und "Deep Purple" Rockgeschichte geschrieben.
Hier hängen noch Plakate für ein angekündigtes Solokonzert.
Gestern abend ist Jon Lord im Alter von 71 Jahren an Krebs gestorben. R.i.p. 
Er war einer der ganz Großen und der WDR spielt schon den ganzen Tag "Deep Purple". Da könnte man beim Autofahren mal wieder richtig aufdrehen, die Sonnenbrille aufsetzen, die Scheibe runterkurbeln, den Arm raushalten und verängstigte Schnulzenrentner an der Ampel zum Weinen bringen. Wenn es nicht so regnen würde...
Ich würde hier jetzt gerne als Hommage "Child in Time" von der "Live in Japan"-LP, einer der besten Liveplatten überhaupt, spielen. Aber Hochladen funktioniert leider gerade bei mir bei Blogger nicht. Vielleicht macht es ja jemand anderes!

Montag, 16. Juli 2012

Der Berg Karmel - auch bei uns!

Zum heutigen Fest: Die im Karmelitenorden von Anfang an gepflegte Marienverehrung hängt mit dem Ursprung des Ordens zusammen: Er führt sich auf eine Gruppe von Einsiedlern zurück, die wohl schon seit altchristlicher Zeit auf dem Berg Karmel bei Haifa in Israel nach dem Vorbild des Propheten Elija und seiner Schüler ein asketisches Leben führten.
Ähnlich dem Berge Karmel liegt das Kloster der Karmelitinnen in Witten auf einem Bergrücken des Ardeygebirges. Ich kenne kaum einen Ort, liebe Leserinnen und Leser, der eine so geistliche und „durchbetete“ Atmosphäre besitzt wie dieses kleine einfache Kloster.
Immer wenn ich im Kloster in Witten bin, fällt mir das Gedicht der schweizerischen Benediktinerin und Schriftstellerin Silja Walter ein: „Gebet des Klosters am Rande der Stadt“:

Jemand muß zuhause sein,
Herr,
wenn du kommst.
Jemand muß dich erwarten, unten am Fluß vor der Stadt.
Jemand muß nach dir Ausschau halten, Tag und Nacht.
Wer weiß denn, wann du kommst? 
Herr,
jemand muß dich kommen sehen durch die Gitter
seines Hauses, durch die Gitter –
durch die Gitter deiner Worte, deiner Werke,
durch die Gitter der Geschichte, durch die Gitter des Geschehens immer jetzt und heute in der Welt. 
Jemand muß wachen, unten an der Brücke, um deine Ankunft zu melden,
Herr,
du kommst ja doch in der Nacht, wie ein Dieb.
Wachen ist unser Dienst. Wachen. Auch für die Welt.
Sie ist oft so leichtsinnig, läuft draußen herum
und nachts ist sie auch nicht zuhause.
Denkt sie daran, daß du kommst?
Daß du ihr Herr bist und sicher kommst? 
Jemand muß es glauben, zuhause sein um Mitternacht,
um dir das Tor zu öffnen und dich einzulassen,
wo du immer kommst.Herr,
durch meine Zellentüre kommst du in die Welt und durch mein Herz zum Menschen.
Was glaubst du, täten wir sonst?
Wir bleiben, weil wir glauben.
Zu glauben und zu bleiben sind wir da, – draußen, am Rand der Stadt.
Herr,
und jemand muß dich aushalten, dich ertragen,
ohne davonzulaufen.
Deine Abwesenheit aushalten ohne an deinem Kommen
zu zweifeln.
Dein Schweigen aushalten und trotzdem singen.
Dein Leiden, deinen Tod mitaushalten und daraus leben.
Das muß immer jemand tun mit allen anderen und für sie.
Und jemand muß singen,
Herr, wenn du kommst!
Das ist unser Dienst: Dich kommen sehen und singen.
Weil du Gott bist.
Weil du die großen Werke tust, die keiner wirkt als du.
Und weil du herrlich bist und wunderbar, wie keiner. 
Komm, Herr!
Hinter unsern Mauern unten am Fluß wartet die Stadt
auf dich.

Sonntag, 15. Juli 2012

Das schwarze Gold

Was kann man bei diesem Wetter unternehmen? Naja, zum Beispiel ins Museum gehen, vor allem dann, wenn es fast vor der Haustür liegt. Hier also ein paar Eindrücke von der Zeche Nachtigall heute morgen, einst eine der ersten Tiefbauzechen, dann Ziegelei, dann wilder Schrottplatz (haben wir als Jugendliche verbotenerweise erkundet), heute Industriemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und mit ein wenig Glück bald Weltkulturerbe.
Hier haben wir, in Anlehnung an Frank Goosen, "das schwarze Gold mit bloßen Händen zu Tage gefördert!"
Die Maschinenhalle mit Dampfmaschine, diese kann zu Anschauungszwecken auch in Betrieb gesetzt werden (allerdings elektrisch):
Eine sog. "Ruhraak", auf diesen Schiffen wurde die Kohle ruhraufwärts transportiert. Zur Unterstützung wurden diese Schiffe auch mit Pferden auf dem "Leinpfad" gezogen. Dieser ist an der Ruhr an einigen Stellen auch noch erhalten.
Mit der Nordwanderung des Bergbaus war in unserer Gegend mit den meisten Zechen schon in der 1920er Jahren Schluß. Einige Klein- und Kleinstzechen z.B. mit dem bezeichnenden Namen "Eimerweise" haben sich jedoch gehalten und hatten vor allem in der Nachkriegszeit Konjunktur. Die letzte Kleinzeche schloss in den 1970er Jahren, von dort stammt auch der schöne Lkw:
Hier stehen wir über den Brennöfen der späteren Ziegelei. Durch die Öffnungen wurde dem Feuer immer wieder Kohle zugeführt. Die Beschickung der verschiedenen Öfen erfolgte nach einem komplizierten System. Diese ganze Ziegeleigeschichte ist wirklich spannend.
Und zum Schluß der Schienenbus der Ruhrtalbahn. Diese wird von der DGEG (Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen) betrieben, verkehrt immer sonntags zwischen Bochum und Hagen, am ersten Sonntag im Monat sogar unter Dampf. Im Vordergrund die Schmalspurgleise des Gruben- und Feldbahnmuseums der "Muttenthalbahn":
Meine Empfehlung: Besuch auf der Zeche Nachtigall (mit Führung durch den Besucherstollen) und im Gruben- und Feldbahnmuseum der Zeche Theresia, Wanderung auf dem bergbaugeschichtlichen Lehrpfad durchs Muttental, vielleicht auch noch Fahrt mit dem Museumszug oder mit dem Fahrgastschiff "Schwalbe" auf der Ruhr. Ein Ausflugstag an dem Fans von Industriegeschichte und Technik aber auch wildromantischer Natur gleichermaßen auf ihre Kosten kommen!

Samstag, 14. Juli 2012

Glück gehabt!

Der kleine Buchfink hat vorhin durch die geöffnete Terassentür einen Rundflug durch die Wohnung unternommen. Mucki hat es zum Glück nicht mitbekommen. Ich kann den Vogel ja verstehen: Bei dem Regen würde ich auch reinfliegen...
Allen Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!

Freitag, 13. Juli 2012

Ethische Empfehlung zu Patientenverfügungen

In einer Vorsorgevollmacht bzw. Betreuungsverfügung lege ich fest, WER im Krankheitsfall meinen Willen umsetzen soll wenn ich das nicht mehr tun kann. In einer Patientenverfügung bestimme ich diesen Willen, also WIE ich behandelt werden möchte. In der Theorie schön und gut, in der Praxis immer wieder mit Schwierigkeiten verbunden.
In unseren Kliniken haben wir die "Christliche Patientenvorsorge" als Standard festgelegt, d.h. als katholische Einrichtung geben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch nur diese an Patienten und Angehörige aus und beraten sie natürlich dabei. Die "Christliche Patientenvorsorge" ist zwar auch nicht ohne Mängel, stellt aber insgesamt eine gute Orientierungshilfe dar und wird auch sehr gut nachgefragt. Klar ist, mit 'mal eben ankreuzen ist es nicht getan!

Der diözesane Ethikrat im Erzbistum Paderborn hat jetzt eine interessante Empfehlung zum Umgang mit Patientenverfügungen herausgegeben. Das Grundanliegen von Patientenverfügungen wird zunächst dargestellt, dann der rechtliche Rahmen erläutert. Im dritten Teil wird eine ethische Orientierung gegeben, daraus folgen dann Empfehlungen, die besonders für katholische Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen wichtig sind. Glossar und Literaturhinweise schließen die Handreichung ab. Den Link dazu gibt es hier.
Ich finde: Sollte man gelesen haben!

Heinrich und Kunigunde: Gott traut mir etwas zu!

Freitags halten wir immer in einer unserer Kliniken ein Mittagsgebet. "Mittagsgebet" ist zwar kein richtig toller Titel, aber "Freitagsgebet" ist ja auch etwas vorbelastet. Also trifft sich regelmäßig eine kleine Schar von Menschen - Mitarbeiter, Patienten, Angehörige und Kirchenmäuse - um miteineinander wenigstens für einen kurzen Moment innezuhalten und auch stellvertretend für die Vielen zu beten, die in den 5 Stockwerken unter uns arbeiten, liegen, untersucht werden, traurig oder froh sind. Das Gebet geschieht in schöner ökumenischer Eintracht mit der evangelischen Krankenhauspfarrerin.
Hier mein geistlicher Impuls für heute mittag:

Am heutigen Tag gedenkt der Heiligenkalender der heiligen Heinrich und Kunigunde. Heinrich war der letzte sächsische deutsche König und wurde gemeinsam mit seiner aus Luxemburg stammenden Frau Kunigunde im Jahre 1014 zum römischen Kaiser gekrönt. Die beiden bauten das System der mittelalterlichen Reichskirche weiter aus, das dann immerhin noch 800 Jahre Bestand haben sollte, und förderten die Reform von Bistümern und Klöstern. Heinrich starb 1024, seine Frau wurde Nonne im Kloster Kaufungen. Gemeinsam begraben sind sie im Bamberger Dom und wer schon einmal dort war, wird sicherlich schon an ihrer Gruft im Westchor des Domes gestanden haben.

Nun wird man einwenden können, das alles sei ja schon fast 1000 Jahre her und habe für uns heute doch recht wenig Bedeutung. Dem würde ich gern widersprechen, denn einerseits gäbe es ohne Menschen wie Heinrich und Kunigunde in kultureller und geistesgeschichtlicher Sicht nicht das, was wir heute Europa nennen, und andererseits haben solche Gedenktage im Heiligenkalender ja auch eine geistliche Bedeutung. Immer wieder tauchen aus dem Dunkel der Geschichte Menschen auf, die exemplarisch für ein vor Gott  gelungenes Leben stehen. Menschen, die sich auf eine Beziehung zu Gott eingelassen haben, Menschen, die ihr Leben in die Hände Gottes gelegt haben, Menschen, die aus diesem Glauben heraus ihre je eigene Berufung erkannt haben,.

Das zu diesem Tag ausgesuchte Evangelium erzählt das Gleichnis von den Talenten und im Tagesgebet heißt es: „Gib auch uns die Gnade, dass wir unsere Aufgabe in dieser Welt erfüllen und Erben deines Reiches werden.“ – Hier geht es nicht in erster Linie um Pflichterfüllung, hier geht es darum, seine je eigene Berufung zu erkennen und seine Talente nicht zu vergraben. Dabei geht es zunächst nicht um oben oder unten, wichtig oder unwichtig. Das ist, zumindest bei Gott, zweitrangig. Nein, es geht um etwas viel existentielleres, nämlich mich als von Gott geliebt und angenommen zu wissen und darauf zu vertrauen, dass Gott mir traut, ja, dass er mir etwas zutraut.

Ich wünsche uns, dass wir am heutigen Gedenktag der heiligen Heinrich und Kunigunde diesen Impuls mit in den Tag nehmen: Gott traut mir und Gott traut mir etwas zu!

Donnerstag, 12. Juli 2012

Ein tragischer Fall

Was mich heute bewegt, ist der tiefe Fall eines Mannes, der sich in einem Caritas-Verband vom Zivi zum Geschäftsführer hochgearbeitet hat. Caritas lebte er überzeugend, klar positioniert und glaubwürdig, ohne Rücksicht auf die persönliche Gesundheit. Seinen Verband hat er energisch nach vorne gebracht, ihn selbstverständlich als Teil der Kirche begriffen und hat dazu mit seinen Mitarbeitern ein auch wirklich umgesetztes und praktiziertes christliches Leitbild entwickelt. Vor wenigen Wochen habe ich noch mit ihm lebhaft darüber diskutiert. In seiner Gemeinde war er darüberhinaus ehrenamtlich vielfältig engagiert.
Gestern abend kam die Mitteilung, dass er sich selbst wegen Untreue angezeigt hat, die Rede ist von 250000.- Euro. Spielsucht.
Eine Fürbitte für ihn wäre wohl angebracht.

Hermagoras und Fortunatus: "Geht doch!"

Zum heutigen Gedenktag der beiden weniger bekannten Märtyrer ein paar Bilder aus der gleichnamigen Stadtpfarrkirche in Hermagor - auch der Ortsname leitet sich vom heiligen Hermagoras ab - im Süden Kärntens. Diese Gegend wurde einst von Aquileia aus missioniert, daher stammt auch die Verehrung dieser Heiligen. Die Darstellung im Hochaltar zeigt die Glorie des hl. Hermagoras.




In dieser Kirche wird übrigens eine Liturgie gefeiert von der sich so manche Domkirche eine Scheibe abschneiden könnte: Zwei Lesungen vor dem Evangelium, der richtige Psalm mit Kehrvers als Zwischengesang und das Halleluja mit Vers, auch das Ordinarium wird nicht durch Liedparaphrasen ersetzt. Dazu kommt ein andächtiger und gut gelaunter Stadtpfarrer und sorgfältig ausgebildete Lektoren und Kantoren. Die Gottesdienste sind gut besucht, keine Spur von "Ungehorsam", nach einer Stunde ist man fertig und man verlässt die Kirche in bester Sonntagsstimmung. Immer wenn ich dort zur Messe gehe, denke ich hinterher: "Geht doch!"

Sonntag, 8. Juli 2012

Sommerferien - Predigtfrei?! - Jetzt mal etwas Grundsätzliches

Zugegeben, ich könnte meist auch ohne Predigt leben, ein schönes Orgelstück würde mir schon reichen. Aber das ist ja etwas ganz persönliches und gilt auch nur für mich.
Für alle anderen möchte ich aus gegebenem Anlass kurz Can. 767 § 2. CIC 1983 zitieren: "An Sonntagen und gebotenen Feiertagen ist in allen Messen, die unter Beteiligung des Volkes gefeiert werden, eine Homilie zu halten; sie darf nur aus schwerwiegendem Grund ausfallen."
Die Schulsommerferien in Nordrhein-Westfalen also als kirchenrechtlich relevanter schwerwiegender Grund? Naja, da habe ich aber so meine Zweifel...
Man könnte jetzt noch die Liturgiekonstitution, die "Allgemeine Einführung in das Messbuch" und noch so manchen weiteren offiziellen Text anführen, diese Argumentation nützt aber meist recht wenig, da für die meisten Priester analog zu unserem Grundgesetz die Formel gilt: "Alle liturgische Gewalt geht vom Zelebranten aus." Da hat man wenig Chancen. Oder wäre das etwa der Schlüssel zum Verstehen des CIC, wenn dort von der "Beteiligung des Volkes" geredet wird? Vielleicht ist bei so manchem, der sich gerade modern und basisnah gibt, das Volk ja gar nicht beteiligt, sondern nur Zuschauer einer Selbstinszenierung? Hinzu kommt, dass man noch nach zwei weiteren Dingen fragen muss: Einmal nach der eigenen Einstellung des Zelebranten zur Predigt und ihrem Stellenwert überhaupt, und als Zweites nach seiner Arbeitsauffassung: Ich kann doch auch nicht halbe Arbeit abliefern, nur weil ein paar Menschen um mich herum Ferien haben, oder?
Ergebnis ist, dass das schier unstillbare Mitteilungsbedürfnis so manches Zelebranten ohne Predigt dann an anderen Ecken herausplatzt: Vor dem Kreuzzeichen, in der Einführung, in den Kyrietropen (die eh' liturgischer Wildwuchs sind), bei den selbst ausgebauten (und somit tiefergelegten) Präsidialgebeten, vor Lesung und Evangelium, bei den Fürbitten, vor dem Vaterunser, vor dem Friedensgruß, vor und nach der Kommunion und rund um Vermeldungen und Schlußsegen. Die kinderkatechetische Krönung gibt es regelmäßig in meiner Heimatgemeinde, wenn beim Hochgebet die Kinder um den Altar stehen und der Zelebrant an entsprechender Stelle das Hochgebet unterbricht um die Kinder zu fragen, wie denn unser Erzbischof heißt...
Schön ist das alles nicht. Vor allem nützt es auch niemandem.

Hier nur ein paar unsortierte Ratschläge eines Laien:
- Sei Dir bewusst, wer der Einladende und der Feiernde ist: Du bist nicht der Gastgeber. Das setzt Dich nicht zurück, sondern entlastet Dich. Du brauchst nicht zu meinen, das Gelingen der Feier läge allein an Dir. Bereite Dich und die anderen Dienste im Gottesdienst ordentlich vor. Tue das, was Du kannst und tue es mit Überlegung und Ruhe.
- Halte Dich an die vorgegebene Ordnung. Sie schränkt Dich nicht ein, sondern hilft Dir. Und sie gibt Dir die Freiheit, Dich an Regeln halten zu können.
- Die Einführung gehört noch nicht zum Wortgottesdienst. Halte sie wirklich "brevissimis verbis": Frei, mystagogisch und gemeinschaftsstiftend.
- Verzichte auf pädagogisch-exegetische Hinführungen zu den Lesungstexten: Sie sind vielleicht gut gemeint, aber zwecklos. Wenn Du es für notwenig hältst, dann predige später  darüber.
- Predige grundsätzlich KURZ und bringe die Dinge auf den Punkt. Das macht die Vorbereitung zwar anstrengender, aber mit etwas System und Disziplin funktioniert das schon. Erzähle keine zusätzlichen Geschichten und prahle nicht mit Deinem Wissen oder der Geschliffenheit Deiner Rede. Die Leute werden es Dir danken. 
- Lass Überleitungen usw. weg. Gottesdienst wird gefeiert, nicht moderiert.
- Viel reden hilft nicht viel. Vertraue auf die Sprache der anderen Dinge: den Raum, die Stille, den Duft, die Bilder, die Musik, den Gesang. Sie sind viel stärker als Deine Worte.
- Meine nicht, Du müsstest den Gottesdienst "menschlicher" machen. Darum geht es nicht. Wenn Dir Menschlichkeit wirklich wichtig ist, dann stelle Dich nach dem Gottesdienst zu den Leuten auf den Kirchplatz und interessiere Dich für sie.

Du merkst, hier geht es nicht um progressiv oder konservativ, modern oder alt. Hier geht es um mich, mein Verhältnis zu mir und meiner Aufgabe, um mein Verhältnis zu meinen Mitmenschen und mein Verhältnis zu Gott. Die Herausforderung ist nicht organisatorisch, sondern geistlich. Das macht es nicht einfacher. Aber anspruchsvoll. Und das wollten wir doch immer, oder? 

Trotz Regen allen einen schönen Sonntag!

Freitag, 6. Juli 2012

Mucks Leseecke: Wer liest-hört-sieht-was?

Nein, Muck liest nicht. Zumindest habe ich ihn noch nie dabei angetroffen. Dass er lesen könnte wenn er wollte, steht für mich außer Frage, denn intelligent genug dafür ist er. Zumindest halte ich ihn für schlauer als den mittlerweile weggezogenen Nachbarn "Glubsch-Oppa", der immer über den Zaun schrie oder unsere ehemalige Küsterin Frau Sch., die nach 10 Jahren Küstertätigkeit immer noch beim liturgischen Farbenraten durchgefallen wäre.
Vielleicht hat Mucki auch einfach keine Zeit zum Lesen und zu viele Revierverpflichtungen. Musik hört er aber recht gerne. Allerdings kugelt er sich vor den Boxen meist bei so seltsamen Sachen wie "Earth, Wind and Fire" oder "Kool and the Gang". Vielleicht liegts an der Kastration.
Also des Katers natürlich.
Lange Vorrede: Mit "Mucks Leseecke" möchte ich eigentlich ein wenig in Austausch kommen über das, was man gerade so liest, hört oder sieht. Ich könnte mir vorstellen, dass dabei ganz interessante Sachen zu Tage treten und man darüber miteinander spannend diskutieren könnte!
Ich mache dann auch heute gleich mal den Anfang: Auf dem Tisch und noch nicht angefangen liegen gerade "Vornehm geht die Welt zu Grunde" von Monika Gräfin Metternich - das "Lob des Sonntags" hat mir gut gefallen und ich bin mal auf dieses Buch gespannt, nachdem mir die Lektüre des Manieren-Buches des äthiopischen Prinzen nicht ganz leicht von der Hand ging, sowie "Grappa lässt die Puppen tanzen" von Gabriella Wollenhaupt. Die Grappa-Krimis lese ich ganz gerne, weil auch viel Bekanntes aus der Nachbarstadt auftaucht. Im CD-Player läuft gerade "Night Prayers" von David Ianni, das ist der Musiker, der bei der letzten Heiligenkreuzer CD einige Stücke mit dem Klavier begleitet hat. Der erste Eindruck ist schon mal gut. Und als aktuelle DVD hätte ich noch "Die Sopranos" zu bieten, die Geschichte einer Mafiafamilie aus New Jersey. Nichts für schwache Nerven aber echt sehenswert.
Was gibts noch?

Donnerstag, 5. Juli 2012

Ferienende!

Während bei anderen gerade die Sommerferien beginnen (seit Tagen trifft man morgens beim Fahrradfahren nur noch Schülerhorden die von ihren naturbegeisterten Lehrern getrieben durchs Ruhrtal japsen - "Boh ey, von der Bushaltestelle bis in den Wald laufen, das iss' voll krass!". Einige haben mich gestern um Wasser angebettelt...), geht für mich der Urlaub langsam zuende.
Da es mit dem Bilderhochladen wieder zu funktionieren scheint, hier ein illustrierter Rückblick auf ein paar schöne Tage in der Steiermark. Die katholische Welt ist ja klein: Bei einer Bergtour haben wir zufällig auch noch die Novizen von Heiligenkreuz mit ihrem Meister getroffen. Und da man sich ja bekanntlich bei Bergtouren häufiger begegnet, haben wir uns dann gegenseitig immer mit einem launisch-herzlichen "Ihr schon wieder..." begrüßt. Sehr nett. Doch jetzt die Bilder:
Übrigens ist auch das ehemalige Stift Göß bei Leoben sehenswert. Beim nächsten Bild stellt sich wieder einmal die Sinnfrage:
Dabei ist die Kirche St. Oswald sehr schön und, was nicht häufig vorkommt, zweischiffig. Hier fand dann auch die schon erwähnte "Gospelmesse" statt. Wenn ich danach im Wirtshaus laut gesagt hätte, dass mir in der Heimat von Mozart, Haydn, Schubert und Bruckner "Gospelmessen" so ziemlich am Arsch vorbei gehen, hätte mich das ganze Dorf wahrscheinlich geteert und gefedert...
Hier nun Stift Seckau, ehemals Augustinerchorherrenkloster, dann Sitz des Fürstbischofs und von Beuroner Benediktinern wiederbesiedelt:

 Das Gnadenbild heißt wirklich "Unsere Liebe Hausfrau":
Als nächstes Kloster Admont. Fast der gesamte Ort und Teile des Stiftes sind um 1860 abgebrannt. Die Kirche ist also neogotisch von 1863, man hat sich dabei am Vorbild des Regensburger Domes orientiert und erstmals beim Bau auch Schmuckelemente aus gegossenem Zement verwendet. Vor allem die berühmte Bibliothek und die drei Museen (und der natürlich der Stiftsgasthof) sind sehens- und besuchenswert!

Und zum vorläufigen Schluss noch das Benediktinerstift St. Lambrecht mit seiner eindrucksvollen gotischen Hallenkirche und seiner noch recht neuen Orgel des Luxemburger Orgelbaumeisters Georges Westenfelder:


Und ganz zum Schluss noch etwas an dem wohl vor allem der örtliche Glaser seine Freude hat:
Was das soll hat sich mir nicht erschlossen. Naja, wahrscheinlich hats das Konzil so gewollt ;)