Samstag, 29. Dezember 2012

Weihnachtliche Nachlese: Neues aus St. Kamillentee

Man hört ja so manches. Jetzt also mal wieder meine Heimat-, Herzblut- und Wohnortgemeinde: In dieser Gemeinde wird der zweite Geistliche seit einigen Jahren von den Resurrektionisten, einem polnischen Priesterorden, gestellt. Nun gab es in diesem Jahr einen personellen Wechsel, ein Pater wurde nach Wien versetzt, ein neuer kam. Problem: Er spricht so gut wie kein Deutsch.
Jemanden ohne ausreichende Sprachkenntnisse in eine Gemeinde zu schicken, ist eine glatte Fehlleistung sowohl des Ordens wie auch des Generalvikariates, denn es gibt nur Verlierer. Als ersten den betroffenen Priester selbst, er gibt sich Mühe, möchte arbeiten und wirken, und merkt doch auch (oder sollte es), dass er nicht ankommt, dass es nicht klappt. Mich würde das sehr belasten und so finde ich es seitens der Verantwortlichen wirklich unverantwortlich. Das Bild das angesichts solcher Fehlentscheidungen bei den Gläubigen von Bistums- und Ordensleitung entsteht, kann man sich ja vorstellen. Also die nächsten Verlierer.
Ja und dann natürlich die Gläubigen. Schon vor Jahren habe ich die These vertreten, dass die eigentlichen Verlierer der ganzen pastoralen Umbrüche diejenigen sind, die kein Auto haben. Denn die Menschen stimmen mit den Füßen ab, so auch in der Christmette: Die Leute haben reihenweise die Kirche verlassen, so dass hinterher mehr Menschen vor der Kirche standen, als drin waren. Es sei "unerträglich", man habe "überhaupt kein Wort verstanden", da könne man "ja gleich nach Krakau zur Messe gehen" usw. So skeptisch ich diesen Aussagen gegenüber auch bin, so zeigen sie doch noch einmal deutlich, wie man einen Karren vor die Wand fahren kann und zwar für alle Beteiligten.
Am nachdenklichsten hat mich die Aussage einer alten Messdiener- und Pfadfinderfreundin von früher gemacht: "Früher war das hier einmal meine Heimat, heute erkenne ich diese Gemeinde nicht mehr wieder!". - Ich glaube, wenn in dieser Gemeinde, dieser Stadt, diesem Dekanat, nicht bald etwas passiert, können wir schneller den Laden dichtmachen als wir je gedacht hätten...
Und noch etwas was ganz typisch ist für St. Kamillentee: "Uuuh, der neue Pater ist ja so erzkonservativ!" - "Ach, wieso denn?" - "Der lässt halt die Kinder nicht um den Altar kommen, die müssen unten in den Bänken bleiben. Der Vorgänger hat das immer gemacht!" (Anmerkung: Der Vorgänger zelebrierte auch im Cowboykostüm und rannte mit der Gitarre durch die Kirche) "Geht denn das Enkelkind jetzt mit zur Erstkommunion?" - "Nein, das ist ja auch nicht getauft!" - "Ah ja."

Freitag, 28. Dezember 2012

Im Farbenrausch und woanders...

Im Farbenrausch - die Expressionistenausstellung im Museum Folkwang in Essen sollte man gesehen haben! Und wenn man pünktlich um 10 da ist bekommt man noch einen knappen Platz in der Tiefgarage und die Schlange an der Kasse ist noch nicht so arg lang...


Und dann waren wir noch in St. Ludgerus in Werden:

Die Schatzkammer ist leider bis nach Neujahr geschlossen. Sehr schlau in der Ferienzeit, besonders dann, wenn man noch die Werbeständer dafür aufstellt...

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Komm' zur Ruhr! - mit Nachweihnachtsgedanken...

Der etwas bittere Beigeschmack an großen christlichen Festen ist ja, dass man sich dabei immer gewisse Nebengeräusche angeblich aufgeklärter Religions- und Kirchenkritiker auf meist indiskutablem Niveau anhören muss. Dabei kann man wahrnehmen, dass der Ton immer schärfer und aggressiver wird. Wahrscheinlich meint man dadurch noch kränkender und verletzender zu sein, oder man wird auch sonst medial nicht mehr wahrgenommen. Ein echtes Zeichen, das auch sicher Aufmerksamkeit erregen würde, wäre doch: "Ich scheiße auf das Christentum" (das wäre noch normaler Jargon), "und deshalb gehe ich an allen diesen Scheißfeiertagen arbeiten! Jawoll, ich gehe arbeiten. Aus Protest! Ich will von dieser Scheißkirche nichts geschenkt haben!".
Tja das wäre doch mal was. Macht aber keiner.
Vielleicht ist auch mancher so aggressiv weil er insgeheim doch merkt, dass ein Leben ohne Religion nicht nur intellektuell absurd, sondern auch menschlich sehr, sehr traurig ist. Vielleicht ist es auch ein Verlust von Höflichkeit: In modernen Erziehungskonzepten wird immer viel von Respekt und Toleranz gesprochen. Aber beim Blick auf unser Zusammenleben scheint dabei ja irgendwie wenig herauszukommen. Von Höflichkeit ist nie die Rede. Respekt und Toleranz scheinen doch eher etwas einforderbares zu sein, richtige Höflichkeit dagegen ist etwas was mit Achtsamkeit, Güte, Demut und Geduld zu tun hat. So könnte doch auch der Umgang zwischen Andersdenkenden sein. Könnten wir nicht höflich miteinander umgehen?

Wie auch immer, auf solche Gedanken kann man bei diesem Wetter leicht kommen:




Oder ist es doch, wie ein guter Freund meint, alles sinnlos? Immerhin regnet es gerade nicht...

Mittwoch, 26. Dezember 2012

2. Weihnachtstag: Stephanus

Das Schöne an zweiten Feiertagen ist ja nicht nur immer, dass das Hochamt in lateinischer Sprache gefeiert wird, sondern auch, dass die Predigt ausfällt! Dann hat man viel mehr Zeit für Liturgie und Musik. Ich genieße das sehr...
Allen die es betrifft, alles Gute zum Namenstag, allen anderen einen schönen Weihnachtstag!

Montag, 24. Dezember 2012

Schon wieder Weihnachten...

Schon wieder Weihnachten, schon wieder ein Jahr herum! Das zeigt uns sehr nüchtern und eindeutig der Kalender. Aber vor aller objektiven Zeiterfassung kommt, so lehrt schon der hl. Augustinus, das subjektive Zeitempfinden. Schöne Zeiten scheinen wie im Fluge vorüberzugehen, schwere Zeiten empfinden wir häufig als unendlich schleppend und langwierig. Vieles ist in diesem Jahr geschehen: wir haben gelebt und gearbeitet, und ich hoffe, dass Leben und Arbeiten für die meisten von uns keine allzu gegensätzlichen Begriffe sind. Manches aus dem zurückliegenden Jahr mag uns noch bewegen, manche Situation, manche Begegnung, manches Gespräch in Erinnerung bleiben. Alles das Leichte und Schwere, die Höhen und Tiefen die wir erlebt haben, können wir gleichsam dem menschgewordenen Gott mit in die Krippe legen, denn wir können darauf vertrauen, dass wir von ihm geliebt und angenommen sind, und dass er einmal alles Bruchstückhafte zusammenfügen und zum Guten führen wird.
Allen Leserinnen und Lesern ein frohes ein gesegnetes Weihnachtsfest! Ich hoffe, dass es mit "vorgestellt-nachgedacht" ein wenig Spaß gemacht hat im zurückliegenden Jahr.
Auf bald!

Samstag, 22. Dezember 2012

Bischöfliche Visitation: Nichts Neues...

"(...) Es sind Fragen, wie sie schon Karl der Große vorgeschrieben hatte und wie sie sich Jahrhundert um Jahrhundert durch die Kirchengeschichte ziehen; sie zeugen davon, dass die Kirche zu jeder Zeit besserungsbedürftig ist: Regelmäßigkeit und Sorgfalt bei der täglichen Feier der Messe, bei der Unterweisung des Volkes, bei der Taufe der Kinder, bei Krankenbesuchen und -ölung, beim Begräbnis der Toten; 'in welcher Weise die Zehnten und Gaben der Gläubigen zur Speisung der Armen und Gebrechlichen verwendet würden; wie sie die Witwen und Waisen in allen Nöten unterstützten, und mit welchem Fleiß sie Christus in der Person von Gästen und Fremdlingen dienten; ob sie sich nicht auch Frauen zugelegt hätten, und ob sie in dieser Hinsicht einen Verdacht zu äußern hätten; ob sie auch nicht mit Hunden und Falken auf die Jagd gingen, Wirtshäuser zum Essen und Trinken beträten, schimpfliche Spiele in Übung hätten, Ess- und Trinkgelage über das rechte Maß hinaus liebten; ob sie nicht auch Streit, Händel und Feindschaft hätten, auch nicht an weltlichen Hochzeitsfeiern teilnähmen, oder überhaupt irgendetwas hätten einreißen lassen, was ihres Amtes unwürdig sei; ob sie zur rechten Zeit nach ihren Kirchen sähen; ob sie ihren Vorgesetzten Gehorsam erwiesen und in allem danach getrachtet hätten, ihrem Amte treu ergeben und nützlich zu sein (...)'. Die auf dem rechten Weg Wandelnden wurden ermuntert und gelobt, die Irrenden zurechtgeweisen und ermahnt, künftig von ihren Fehlern abzulassen."

Norbert Ohler: Reisen im Mittelalter, München 1986, 247f., hier die Schilderung der Visitationsreisen des Bischofs Ulrich von Augsburg 923-973

Freitag, 21. Dezember 2012

Weihnachten: Eine Liebesgeschichte

Unter dem seltsamen Wort „Arbeitsverdichtung“, liebe Leserinnen und Leser, kann man so manches fassen, was man in diesen letzten Wochen vor Weihnachten so erlebt: Als ob alle alles unbedingt noch erledigt haben müssten! Man könnte meinen, die Welt gehe danach unter.
Und gerade das glaube ich trotz Maya-Kalender eben nicht. Nicht dass diese Welt ewig wäre, das wäre schlimm, aber wir sollten uns nicht durch immer mal wieder irgendwo auftauchende angeblich uralte Weissagungen verunsichern lassen. Ich halte das schlicht für Blödsinn (und häufig auch Geschäftemacherei). Dass einem als Christ die Vorläufigkeit dieser Welt bewusst
sein sollte und dass gerade der Advent eine Zeit der Erwartung der Wiederkunft Christi ist, ist etwas ganz anderes, denn hier geht es nicht um heillosen Untergang, sondern heilsame Vollendung.
In der Zeit vor Weihnachten werde ich recht häufig zu Weihnachtsfeiern eingeladen. Komisch eigentlich, denn in der eigentlichen Weihnachtszeit gibt es sie dann nicht mehr und auch die Weihnachtsmärkte sind dann geschlossen und so mancher Weihnachtsbaum liegt dann schon schnell am Straßenrand. Wie auch immer, jedenfalls werde ich bei diesen Feiern dann meist gebeten, eine schöne Geschichte oder einen passenden Text beizutragen. Ich gebe zu, dass mir das nicht ganz leicht fällt: Die meisten Geschichten sind mir zu abgegriffen oder zu zuckersüß-kitschig, oder auch zu sozialkritisch oder moralinsauer. Eine gute Geschichte zu Weihnachten zu finden ist also schwierig, oder? Eigentlich ja nicht, denn die schönste Weihnachtsgeschichte ist die, die Gott selber erzählt: Es ist eine Liebesgeschichte, eine Liebesgeschichte zwischen Gott und dem Menschen, den er als sein Abbild geschaffen und ins Dasein gerufen hat, den er in Freiheit setzt, dem er Gott sein will. Letztendlich sogar so, dass er selbst Mensch wird um dem Menschen nahe zu sein.
Den Komponisten Anton Bruckner hat man einmal in einer Kirche weinend vor der Krippe angetroffen. Als er gefragt wurde, was ihn denn so anrühre, hat Bruckner gesagt: „Es ist das
göttliche Kind in der Krippe. Wie unfassbar groß muss diese Liebe sein!“
Da ist etwas dran. Probieren Sie es doch einmal aus: Erzählen Sie sich zu Weihnachten doch einmal wieder gegenseitig diese „göttliche Original-Liebesgeschichte“, Sie werden merken, es wird auch Ihre Geschichte werden!

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Versus orientem - und das in der KHG!

Ein sehr stimmungsvolles Foto gefunden auf der Facebook-Seite der Kath. Hochschulgemeinde Paderborn:

Geht doch ;)

Fachtagung "Junge Liturgie"

Einige Dokumente der zurückliegenden Fachtagung "Dominus vobiscum", ein zugegeben vielleicht etwas irreführender Titel, zur "Jungen Liturgie" im Jugendhaus Hardehausen des Erzbistums Paderborn kann man sich hier anschauen.
Das muss man nicht alles gut finden, aber interessant ist es allemal!

Dienstag, 18. Dezember 2012

Geistlicher Impuls zum Tag

"Liebe Schwestern und Brüder,

das Evangelium das für den heutigen Tag bestimmt ist, ist auch reichlich passend für unser Krankenhaus, steht es doch unter dem Patronat des hl. Josef, und um ihn geht es ja auch in dem gerade gehörten Text. 
Schauen wir uns diesen einmal ein wenig genauer an: Maria und Josef sind miteinander verlobt, das geschah nach den damaligen jüdischen Gebräuchen bei jungen Frauen so mit etwa 14 Jahren. Bis zur eigentlichen Hochzeit vergingen dann noch einmal ein bis zwei Jahre. Nun zeigte sich, dass Maria schwanger war „und zwar vom Heiligen Geist“, wie der Evangelist sich beeilt hinzuzufügen. Nun war es aber trotzdem, vor allem für Maria, mit so einem unehelichen Kind eine reichlich peinliche Angelegenheit und auch Josef hätte ja durchaus handfeste Gründe haben können, sich betrogen zu fühlen. Aber, und das ist hier das erste Erstaunliche, es kommt nicht zu der vielleicht erwarteten Eifersuchtsszene, nein, Josef will sie nicht bloßstellen und denkt darüber nach, sich denn in aller Stille von ihr zu trennen. Auch das mag uns heute etwas seltsam vorkommen, aber nach damaligen Verhältnissen war es schon das Äußerste was Josef tun konnte, ohne sich selbst bis auf die Knochen zu blamieren. Er wird seine Maria schon sehr geliebt haben. Der Evangelist charakterisiert ihn als „gerecht“, ein Ehrentitel, den wir schon aus dem Alten Testament kennen, wir haben davon auch in der ersten Lesung aus dem Propheten Jeremia gehört. Hier wird deutlich, dass die Gerechtigkeit der Bibel etwas anderes ist als dass, was wir im Allgemeinen unter Gerechtigkeit verstehen. Die Gerechtigkeit der Bibel ist nicht Iustitia mit verbundenen Augen, sondern immer auf Gott bezogen und nur von ihm her zu denken: In der Bibel gibt es keine Gerechtigkeit ohne Güte, keine Gerechtigkeit ohne Liebe. Vielleicht auch ein erster Impuls für uns: Tag für Tag treffen wir Entscheidungen, beurteilen Menschen, wollen Dinge richtig tun. Vielleicht könnte uns dabei der hl. Josef ein Vorbild sein, dass in unserem Bemühen um Recht und Richtigkeit Güte und Liebe nie zu kurz kommen dürfen.
Josef erscheint ein Engel im Traum, er sagt ihm, dass er sich nicht scheuen solle, Maria als seine Frau zu sich zu nehmen, so solle sich die Schrift erfüllen. Verheißung und Erfüllung, das ist so ein biblisches Grundmuster: Es bedeutet, dass Gott treu ist, dass Gott verlässlich ist, dass er zu seinem Wort steht. Aber jeder der verlässlich ist, braucht ja auch jemanden, der sich auf ihn verlässt. Und so erleben wir jetzt wieder den hl. Josef: Er verlässt sich auf die Zusage Gottes. Das Interessante daran ist, dass Gott ihm selbst das noch in die eigene Freiheit stellt: Der Engel sagt ja nicht „Nimm Maria als Frau zu Dir“, sondern „Scheue Dich nicht, sie als Frau zu Dir zu nehmen!“ – Merken Sie den Unterschied? Wenn ich es mit Gott zu tun bekomme, dann mag ich hinken wie Jakob, vom Pferd geworfen werden wie Paulus oder die Erscheinung eines Engels im Traum haben wie Josef, eines aber bleibt: Gott zwingt mich nicht, die Begegnung mit Gott führt in eine größere Freiheit, freilich auch, wenn ich das vielleicht im Moment so nicht empfinde oder meine eigenen Pläne durchkreuzt werden. Das wäre der zweite Impuls: Der hl. Josef kann für uns ein Vorbild sein, Gott zuzutrauen, dass er in meinem Leben handelt. Das ist zugegebenermaßen in einer Zeit der Wellness- und Wohlfühlreligion nicht ganz einfach: Gott ist zwar lieb, weil er die Liebe selbst ist, aber Gott ist nicht kuschelig: Es mag also durchaus sein, dass das Handeln Gottes in meinem Leben etwas anders verläuft, als ich mir das so vorstelle. Aber ich kann darauf vertrauen, dass er es immer gut mit mir meint. Manchmal erschließt sich mir das eher im Rückblick, dann wenn ich schwierige und krisenhafte Situationen durchlebt und überstanden habe, dann kann ich merken, dass Gott mich geführt hat.
Und ein letzter Gedanke: Josef ist ein Mann der Tat: Er erwacht und tut, was der Engel ihm gesagt hat. Er sucht nicht den nächstgelegenen tiefenpsychologisch geschulten Oneirologen auf, liest nicht in der Apothekenumschau nach und googelt auch nicht nach „Traumdeutung“. Nein, er macht es einfach. Ich glaube, hier kann uns der hl. Josef ein wichtiger Fürsprecher sein: Für viele Menschen gehört das „Ja aber“ zu einer festen Redewendung in jedem zweiten Satz. Das führt dazu, dass man vor lauter Abwägung eigentlich mit nichts richtig vorankommt und das Risiko ist groß, dadurch antriebslos und traurig zu werden. Josef beweist seine Entschlussfähigkeit noch ein zweites Mal und zwar in einem höchst dramatischen Moment, nämlich als ihm nach der Geburt Jesu der Engel erscheint und ihn mit seiner Familie zur Flucht nach Ägypten auffordert. Nur durch das entschlossene Handeln Josefs gelingt es, sich den kindermordenden Schergen des Herodes zu entziehen. Sein Beispiel zeigt uns, wie wichtig, ja überlebenswichtig, es sein kann, einmal als richtig erkannte Dinge auch wirklich zu tun und umzusetzen, sie auch mit Kraft und Entschlossenheit zu tun.
Vielleicht nehmen wir diese Impulse mit in die letzten Tage vor Weihnachten: Eine Haltung der Güte und Liebe zu entwickeln, Gott zuzutrauen, dass er in meinem Leben handelt, und schließlich die richtigen Dinge mit Kraft und Entschlossenheit tun."

Sonntag, 16. Dezember 2012

Wellness als "Baden im Selbstgenuss"

"Wir alle wissen, wie sehr heute Christus Zeichen eines Widerspruchs ist, der im Letzten Gott selbst gilt. Gott selbst wird immer wieder als die Grenze unserer Freiheit gesehen, die beseitigt werden müsse, damit der Mensch ganz er selber sein könne. Gott steht mit seiner Wahrheit der vielfältigen Lüge des Menschen, seiner Eigensucht und seinem Hochmut entgegen.
Gott ist Liebe. Aber die Liebe kann auch gehasst werden, wo sie das Heraustreten über sich selbst fordert. Sie ist nicht romantisches Wohlgefühl. Erlösung ist nicht Wellness, ein Baden im Selbstgenuss, sondern gerade Befreiung von der Verzwängung ins Ich hinein. Diese Befreiung kostet den Schmerz des Kreuzes."

Benedikt XVI: Jesus von Nazareth, Prolog / Kindheitsgeschichten, Freiburg 2012, 93

Eine genialere Begriffsbestimmung von "Wellness" habe ich bislang noch nicht gehört...

Samstag, 15. Dezember 2012

Gaudete: Es tut sich was...

Ich habe jetzt für Blogger-Verhältnisse lange nichts geschrieben. Das hat außer Grippe und viel Arbeit allerdings keine weitergehenden Gründe. Heute also dann ein Lebenszeichen:

Wenn man genau hinschaut tut sich etwas bei den Barbara-Zweigen! Für mich ist das mit dem Rosa des Gaudete-Sonntags ähnlich: Es gibt eine Ahnung, dass sich so langsam etwas tut...
Und noch eine schöne Geschichte: Durch das Job-Center zieht der Duft eines weihnachtlichen Räucherkegels. Darauf der kleine Junge einer Kundin ganz aufgeregt: "Mama, Mama, wohnt hier der liebe Gott???"
Allen einen schönen III. Advent!

Montag, 10. Dezember 2012

Erbsünde und Autoverkehr

Meine Ansprache beim adventlichen Gottesdienst am letzten Freitag kann ich erst jetzt nachreichen. Es würde mich freuen, wenn jemand etwas damit anfangen kann:

So wie eine Ouvertüre in eine Oper einstimmt, so ist es eine alte jüdisch-christliche Tradition, ein bedeutendes Fest schon am Vorabend beginnen zu lassen um sich gleichsam auch darauf einzustimmen. Und so geht heute Abend auch unser Blick schon auf den morgigen Tag, den 8. Dezember, denn der ist in unserem liturgischen Kalender nicht unbedeutend, feiern wir doch morgen das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria.
Worum geht es bei diesem Fest mit diesem sperrigen Namen? Papst Pius IX. hat es 1854 als verbindlichen Glaubenssatz definiert: Rein theologisch geht es darum, dass Maria vom ersten Augenblick ihres Lebens an aufgrund einer besonderen Gnade Gottes von der Erbsünde befreit war.
Das sagt uns jetzt wahrscheinlich noch nicht richtig viel und zugegebenermaßen geht es vielen Theologen ähnlich und dieses Fest ist nicht ganz unumstritten. Umso reizvoller ist es jedoch, sich gerade deswegen damit einmal zu beschäftigen.

Um dieses Fest zu verstehen, müssen wir drei Dinge klären: Was ist mit diesem seltsamen Begriff „Erbsünde“ gemeint?, zweitens: was hat das mit Maria zu tun? Und drittens: welche Anregung, welchen Impuls, kann jeder von uns für sich aus der Sache mitnehmen?

Wir versuchen es einmal und holen uns dabei Hilfe bei dem Dortmunder Systematiker Thomas Ruster. Ruster schreibt: „Die Erbsünde ist das, was entsteht, wenn der natürliche Drang zur Selbsterhaltung und die menschliche Tendenz zur Maßlosigkeit zusammenkommen.“ „Ein gutes Bespiel“, so Ruster, „ist der Autoverkehr. Der erste Mensch, der ein Auto erfunden oder gefahren hat, war vielleicht kein großer Sünder – auch wenn er womöglich schon damals hätte merken können, dass er mit dem stinkenden und ratternden Gefährt der Welt keinen großen Gefallen tut. Er wollte einfach nur schneller sein, bequemer reisen, der Konkurrenz davonfahren. Einige taten es ihm nach; auch sie waren nur kleine Sünder. Die Tendenz zur Maßlosigkeit fand im Auto allerdings einen willkommenen Betätigungsort: immer schneller, weiter, größer. Irgendwann entwickelte sich der Autoverkehr zu einem System, de man nicht mehr entkommen konnte. Das Militärwesen, der Transport, die berufliche Mobilität, das Freizeitverhalten waren auf das Auto angewiesen. Die Besiedlungsstruktur stellte sich darauf ein, dass die Leute in der Regel ein Auto haben. Aus der Freiheit, ein Auto zu fahren, war ein Zwang geworden, den keine Regierung, keine Macht der Welt heute mehr zurückdrehen kann. Aus der kleinen Sünde des Anfangs war eine Erbsünde geworden.“ „Ein jeder“, so Ruster weiter, „der in eine automobile Gesellschaft hineingeboren wird, erbt diese Sünde von seinen Eltern – angefangen mit der Fahrt von der Klinik nach Hause. Und doch sündigt jeder, der ein Auto fährt, immer wieder selbst und aus eigener Entscheidung und oft mit großem Vergnügen. Die Sünde, die er begeht, ist die gleiche wie die des ersten Autofahrers. Er möchte schneller, bequemer reisen; er möchte die Nachteile eines Verzichts auf das Auto nicht sich nehmen. Die Erbsünde wird durch die freie Tat eines jeden Autofahrers immer wieder ratifiziert. Sie ist mittlerweile dabei, die Erde zu einem unbewohnbaren Ort zu machen.“ -
„Erfahrungen dieser Art“, immer noch Thomas Ruster, „die sich beiliebe nicht nur mit dem Autoverkehr machen lassen, haben die Kirche bewogen, das Dogma von der Erbsünde zu verkünden. Es wollte erklären, wie die Sünde der ‚Stammeltern’ Adam und Eva zu einer unüberwindlichen Sündenmacht werden konnte. Es wollte die Macht des Bösen und ihr Verhältnis zur menschlichen Freiheit klären.“ Ruster schließt etwas lakonisch: „Vielleicht hätte man den Sachverhalt besser erklären können als mit dem Begriff ‚Erbsünde’, aber eine bessere Erklärung ist mir jedenfalls nicht bekannt.“

Was hat das nun zweitens mit Maria zu tun? Das Dogma besagt ja, dass Maria bei ihrer Empfängnis von der Übertragung der Erbsünde ausgenommen worden ist. Das bedeutet: Gott hat der Ausbreitung des Bösen bei Marias Empfängnis Einhalt geboten, denn er wollte in Jesus Christus sein Reich auf Erden begründen, das Reich, in welchem das Böse keine Macht mehr hat. Im Hinblick auf die Begründung der Gottesherrschaft also hat Gott in Maria einen erbsündefreien Raum geschaffen. Dort sollte sich das Gottesreich entwickeln können, wie es dann wirklich mit Marias Antwort an den Engel geschehen ist: „Mir geschehe nach deinem Wort.“ Wie konnte Maria diese Offenheit für Gott gelingen?
Der Bochumer Neutestamentler Thomas Söding schreibt dazu: „Mir geschehe nach deinem Wort“ – so antwortet Maria auf die Verkündigung des Engels Gabriel, der ihr die Frohe Botschaft überbringt, dass sie, die Jungfrau, kraft des Heiligen Geistes den Messias empfangen und gebären wird. Maria wird auf Verkündigungsbildern immer wieder mit einem Buch dargestellt. Sie ist in der Ikonographie der Antike und des Mittelalters bis in die Neuzeit hinein eine gebildete Frau, die lesen und schreiben und reden kann. Das ist im Neuen Testament nicht vorgegeben, aber angebahnt. Maria ist eine Frau des Wortes. Sie weiß, was sie ist: „Ich bin die Magd des Herrn“ – das höchste, was es vor Gott und für Gott nur geben kann. Sie weiß, was sie weiß – das, was Lukas ans Ende des Weihnachtsevangeliums gestellt hat: „Maria bewahrte alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen“. Und sie weiß, was sie tun will: „Mir geschehe nach deinem Wort!“

Und das führt uns zu unserem dritten Punkt: Was kann ich für mich daraus mitnehmen? Ich glaube folgendes: Wir haben vorhin gesehen, dass die Gefahr der Erbsünde überall dort gegeben ist, wo der Drang zur Selbsterhaltung und die Tendenz zur Maßlosigkeit zusammenkommen. Hier stellt sich uns also die Frage nach dem Zusammenleben der Menschen aber natürlich auch nach mir selbst, denn der erste Mensch mit dem ich zusammenleben muss, bin ja schließlich ich selbst. Noch einmal Maria: Wissen, was ich bin. Wissen, was ich weiß. Wissen, was ich tun will. Darauf kommt es wohl auch für mich und einen jeden von uns an: Wer bin ich? Diese Frage erinnert an das vielleicht manchen bekannte Gedicht von Dietrich Bonhoeffer, das er 1944 in der Haft im Militärgefängnis Berlin-Tegel schreibt. Wir kommen darauf gleich noch einmal zurück. Was weiß ich? Um das zu beantworten, müsste ich versuchen, mich selbst immer besser kennen zu lernen. Was will ich tun? Um etwas tun zu können, müsste ich erst einmal wissen, was ich kann und dann zu welchem Ziel mich dieses Tun denn führen soll. Natürlich, keine leicht zu beantwortenden Fragen, wie auch? Aber je mehr ich versuche, den Antworten auf die Spur zu kommen, desto offener werde ich wie Maria für Gott, für mich selbst und für meine Mitmenschen.
Dietrich Bonhoeffer hat für sich eine Antwort gefunden. Die letzten Zeilen seines Gedichtes lauten:
„Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“

Freitag, 7. Dezember 2012

Heute abend...

Adventlicher Gottesdienst für die Patienten, Mitarbeiter und Gäste in der Kapelle des St. Marien Hospitals Eickel:

Weihnachtsverdichtung

"Arbeitsverdichtung" kennen wir, "Weihnachtsverdichtung" ist neu (denn das Wort habe ich mir gerade ausgedacht ;)
"Weihnachtsverdichtung" kann z.B. bedeuten, dass ich in dieser Woche jeden Tag zu einer Weihnachtsfeier muss und dort immer ein frommer Text oder ein besinnliches Gedicht von mir erwartet wird. Da komme ich mir ziemlich "weihnachtsverdichtet" vor...
Dabei ist die Krippe doch noch leer:
Allen einen guten Start in den Tag!
Und wem sonst noch etwas zum Thema "Weihnachtsverdichtung" einfällt, kann gerne mitmachen!

Sonntag, 2. Dezember 2012

Weihnachtspfarrbriefe und mehr...

Gestern trudelte der Weihnachtspfarrbrief meiner Wohnortgemeinde ein. Inhaltlich gibt es eigentlich nicht viel auszusetzen (wenn man sich denn für zurückliegende kfd-Ausflüge interessiert...), aber das Layout ist mal wieder gruselig: Unterschiedliche Schriftarten, uneinheitliche Seitenaufteilungen, mal Linksbündig, mal Blocksatz, ansonsten Bleiwüste, die wenigen Fotos zu dunkel oder/und unscharf. Es ist eben ähnlich, wie bei uns Liturgie gefeiert wird...

Dass es auch anders geht zeigt uns mal wieder der Pfarrer des Altenberger Doms:

Liebe Mitglieder unserer Pfarrgemeinde, sehr verehrte Gäste!
Es ist Advent. Wir richten unseren Blick nach vorne: auf den (wieder-)kommenden Herrn. Das findet seinen Ausdruck darin, dass ich die Eucharistie „versus Deum“, zu Gott hin feiern werde (im Hochamt im Advent).
„Richtet Euch auf und erhebt Euer Haupt denn es nahet Eure Erlösung!“

Der Link ist hier. Nicht schlecht.

Samstag, 1. Dezember 2012

Es kann losgehen...

Die Wohnung ist entsprechend dekoriert, der Grünkohl köchelt vor sich hin (Grünkohl macht übrigens glücklich und muss mit einem Löffel zu essen sein), die erste Vesper ist gebetet, die Rauchmelder sind überprüft und der Feuerlöscher ist neu. Jetzt müssen wir nur noch "Wir sagen euch an" singen und dann kanns losgehen:
Allen einen schönen ersten Advent!!!

Trübe Aussichten...

Schön ist es heute morgen wirklich nicht:

 Auch an der "Schönen Aussicht" mag heute keiner sitzen...
 ... und der Blick in die andere Richtung, also nach Bochum, ist auch nicht besser. Da hinten im Nebel liegt übrigens die Ruhr-Uni. Dass man die jetzt nicht sieht macht auch nichts.
 Dieser Hügel am sog. Ehrenmal war für uns Kinder die ultimative Schlittenstrecke:
 Als Hörnchenhaus war es eigentlich nicht gedacht:
Allen trotz des Wetters einen schönen Samstag!