Dienstag, 31. Dezember 2013

Von Kleeblättern und Schornsteinfegern...

In diesen Tagen verschenkt man doch so kleine Blumentöpfe mit Kleeblättern und Schornsteinfegern...


Allen einen schönen Jahreswechsel und ein gutes und gesegnetes neues Jahr!

Literarische Kleinigkeiten zum Jahreswechsel, Teil III

"Morgen", sage ich, "morgen"!
"Übermorgen!", sogar.
Bald ist das Leben vorüber,...

ohne daß "morgen" je war.

Mascha Kaleko

Montag, 30. Dezember 2013

Die schönsten Weihnachtsgeschichten schreibt das Leben selbst

Vorhin war ich kurz auf der Arbeit um den ehrenamtlichen "Blauen Damen" im Marienhospital Witten einen guten Jahreswechsel zu wünschen. Und da erzählte mir eine von ihnen, dass Weihnachten für sie immer eher traurig sei: Der Ehemann ist schon verstorben, die Kinder wohnen weit weg und sie ist an Weihnachten allein. Da habe sie am Tag vor Heiligabend eine junge schwerkranke Patientin betreut und diese habe sie in den Arm genommen und sich ganz herzlich bei ihr bedankt. Dabei habe sie gar nicht viel gemacht und in all den Jahren habe sie noch nie eine Patientin in den Arm genommen. Aber diese Herzlichkeit und der Optimismus der jungen Frau haben sie so angerührt, dass sie sich an Weihnachten gar nicht einsam und traurig gefühlt habe. - Ich finde, die schönsten Weihnachtsgeschichten schreibt das Leben selbst!

Literarische Kleinigkeiten zum Jahreswechsel, Teil II

"Sehnsüchtig grüßt der, der ich bin, den der ich sein möchte!"

Sören Kierkegaard

Sonntag, 29. Dezember 2013

Samstag, 28. Dezember 2013

St. Kamillentee kürzt ab!

Wenn man den Pfarrbrief von St. Kamillentee liest, was ich heute morgen wahrscheinlich in einem Anflug masochistischer Langeweile getan habe, stößt man auf interessante Abkürzungen:
VAM z.B. für Vorabendmesse, das ist hinlänglich bekannt. Aber ARG ist keine Onomatopoesie aus einem Comic, sondern bedeutet "Alten- und Rentnergemeinschaft". "Hbf Dtmd" kenne ich als alter Eisenbahnfan natürlich, "Adv-So-abend" hat wohl was mit der Adventszeit zu tun. Wir wissen es nicht genau. "SFr" hatte ich immer für "Schweizer Franken" gehalten, bedeutet aber "St. Franziskus". Aber der Knaller kommt zum Schluß: Wie wird wohl "Herz-Jesu" abgekürzt?
Auflösung folgt. Aber es ist wirklich so wie befürchtet...

Freitag, 27. Dezember 2013

Komm - heute nicht - zur Ruhr...

...sondern zur Emscher, dorthin führte unser vormittäglicher Ausflug. Wie kaum ein anderer Fluß des Ruhrgebietes steht die Emscher für den Wandel der Region: Einst ein ganz normales Gewässer, später dann für Jahrzehnte kanalisierte stinkende Kloake, heute dank Internationaler Bauausstellung Emscherpark und vieler anderer Initiativen auf dem Weg zur Renaturierung. Eines der interessantesten Projekte ist der Phoenixsee in Dortmund-Hörde, hier befand sich einst in Phoenix-West und Phoenix-Ost ein gewaltiges Stahl- und Hüttenwerk des heute auch schon lange nicht mehr existenten Hoesch-Konzerns. "Hoesch - ein Name für Stahl" hieß früher die selbstbewußte Werbung. Was davon noch übrig ist, kann man auf dem Gelände von Phoenix-West sehen:

 

In Phoenix-Ost haben sich die Planer entschlossen, auf dem ehemaligen Stahlwerksgelände einen See anzulegen. Seit kurzem hat er seine Füllhöhe und endgültige Ausdehnung erreicht, hinzu kommt eine hochwertige Wohn- und Geschäftsbebauung:

 
 
 
 
Hier kann man im Vordergrund die renaturierte Emscher erkennen, die Skyline im Hintergrund zeigt die ehem. Stiftskirche St. Clara in Hörde, der heutige neugotische Bau des Paderborner Diözesanbaumeisters Güldenpfennig birgt noch einige Ausstattungsstücke des 1399 gegründeten und 1811 säkularisierten Damenstiftes, die evangelische Kirche in Hörde, sowie den "Florian", den Dortmunder Fernsehturm:
 
 
Wie gerade erwähnt, gab es hier auch schon Leben vor der Industrialisierung, hier ein Blick auf die im Rahmen der Umgestaltung getätigten Ausgrabungen im Bereich der "Hörder Burg", sie wird 1299 erstmals erwähnt, ergraben wurde u.a. die Burgkapelle unter dem Patronat des hl. Georg:
 
 
Und zum Schluß ein Blick auf die gigantischen Dimensionen eines Stahlwerkes. Wie eine solche "Thomasbirne" funktionierte, mussten wir Revierkinder in der Schule noch lernen:
 

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Nicht nur in Köln...

... auch unsere kleine beschauliche Ruhrgebietsbronx hatte heute ihren Zwischenfall vor Beginn des Hochamtes: "Da sieht man mal, was Alkohol aus Menschen machen kann!" sagte der Pfarrer, und meinte damit (hoffentlich) nicht den Gesang unserer Choralschola, sondern einen armen Irren, der jetzt schon zum wiederholten Male das Bedürfnis verspürte, der versammelten Gottesdienstgemeinde seine in mehrfacher Hinsicht sehr intensive Spiritualität lautstark darstellen zu müssen. Ließ man ihn sonst recht hilflos gewähren, fanden sich aber heute dankenswerter Weise einige Männer, die ihn mit etwas Überzeugungsarbeit nach draußen begleiteten, wo ihn schließlich die Polizei in Empfang nahm. Bei allem verständlichen Ärger, finde ich, gilt bei solchen Ereignissen: Gelassenheit bewahren.
Allen Stephans und Stephanies alles Gute zum Namenstag, allen anderen einen schönen zweiten Weihnachtstag!

Dienstag, 24. Dezember 2013

Jeder hat seine ganz eigene Weihnachtsgeschichte

Jeder von uns hat seine ganz eigene Weihnachtsgeschichte: Jeder ist ein eigener und wichtiger Teil der Geschichte Gottes mit den Menschen, ohne jeden einzelnen von uns würde ein bedeutender Abschnitt dieser Geschichte fehlen. Sie erzählt davon, dass es einen Gott gibt, der die Menschen aus Liebe geschaffen hat und der aus Liebe in Jesus Christus selbst Mensch wird. Sie erzählt von Höhen und Tiefen, Freude und Trauer, Annahme und Ablehnung, Begegnung und Einsamkeit, Geborgenheit und Zurückgeworfensein auf sich selbst. Sie dauert ein ganzes Leben lang. Aber je umfangreicher diese Geschichte wird, umso deutlicher wird, um was es Weihnachten geht: Mensch werden.  Ich möchte jedem von uns wünschen, dass er in dieser Weihnachtszeit an seiner ganz persönlichen Weihnachtsgeschichte weiter schreibt!


Ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

Montag, 23. Dezember 2013

Probeliegen...


Gleich geht's noch mal zurück in den Schrank. Aber allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs möchte ich schon jetzt ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest wünschen!

Freitag, 20. Dezember 2013

Bloß nichts sagen...

Etwas Negatives über Papst Franziskus darf man wohl nur hinter vorgehaltener Hand sagen, das bestätigen auch viele priesterliche Freunde, denn sonst würden sie einen Riesenärger in ihren Gemeinden und Gremien bekommen. Da habe ich neulich z.B. eine reichlich harmlose Kritik an Papst Franziskus bei FB gepostet und handele mir damit Kommentare ein vom betroffenen "Wie kannst Du nur..." bis zum naiven "Der Papst ist super!" - Jedenfalls reichlich Theater. Selbst derjenige, der sonst grundsätzlich gegen alles ist, was "von denen da oben" kommt, entrüstet sich, dass ein anderer keine "verbeulte" Kirche haben möchte weil das Leben schon genug verbeult sei.
Moment mal: Vor wenigen Monaten sind auch innerkirchlich noch sehr viele in "sprungbereiter Feindseligkeit" über alles hergezogen, was der Papst sagte und tat. Wenn Benedikt z.B. so viel von "Mutter Kirche" geredet hätte wie Franziskus, wäre er von den Fundamentaltheologen wegen seines unbiblischen Kirchenbildes zerrissen worden, hätte Benedikt von mehr "Anbetung" während der Eucharistiefeier geredet, hätten ihn die Liturgiewissenschaftler wegen seiner mittelalterlichen Meßfrömmigkeit zerlegt. Heute werden solche Zitate sogar in liturgiewissenschaftlichen Zeitschriften abgedruckt. Es war eben halt ein anderer. Was müssen doch alle unter Benedikt gelitten haben, zumindest kommt es einem so vor. Und jetzt? Also ich nehme wohl wahr, dass Franziskus einige Dinge anders macht als sein Vorgänger, warum auch nicht. Manches davon spricht ja auch durchaus an. Aber macht er die Dinge damit gleich besser? Das sehe ich bislang nicht.

Und wenn man schon über neue und offenere Kommunikationsformen in der Kirche redet, wird man das wohl sagen dürfen.

Montag, 16. Dezember 2013

Adventsquiz: Wer wars?

"Der Papst spricht von der Kirche, als habe diese bis heute das Evangelium nicht oder nur ganz unvollkommen weitergegeben. Er klagt über eine bequeme, träge, abgeschottete Haltung. Dieser beständige Tadel berührt unangenehm. Man hat den Eindruck, bisher sei in der Kirche nur sehr wenig geleistet worden, wenn es um die Weitergabe des Glaubens und des Evangeliums geht. Diese Sprache geht Hand in Hand mit einer ständigen Bezugnahme auf die eigene Person (...)"

Na, wer hats wohl über welchen Papst gesagt?

Sonntag, 15. Dezember 2013

Dienstag, 10. Dezember 2013

Für Köln, anderswo und ganz in der Nähe...

"96. (...) Stattdessen unterhalten wir uns eitel und sprechen über „das, was man tun müsste“ – die Sünde des „man müsste tun“ – wie spirituelle Lehrer und Experten der Seelsorge, die einen Weg weisen, ihn selber aber nicht gehen. Wir pflegen unsere grenzenlose Fantasie und verlieren den Kontakt zu der durchlittenen Wirklichkeit unseres gläubigen Volkes.
97. Wer in diese Weltlichkeit gefallen ist, schaut von oben herab und aus der Ferne, weist die Prophetie der Brüder ab, bringt den, der ihn in Frage stellt, in Misskredit, hebt ständig die Fehler der anderen hervor und ist besessen vom Anschein. Er hat den Bezugspunkt des Herzens verkrümmt auf den geschlossenen Horizont seiner Immanenz und seiner Interessen, mit der Konsequenz, dass er nicht aus seinen Sünden lernt, noch wirklich offen ist für Vergebung. Es ist eine schreckliche Korruption mit dem Anschein des Guten."
 
Papst Franziskus, Evangelii Gaudium.
 
Franziskus-Fan bin ich aus guten Gründen nicht. Fan ist man besser vom BvB (oder meinetwegen auch Schalke, Hauptsache nicht Bayern ;-), mit dem Papst ist das was anderes. Aber das was er hier beschriebt kommt mir irgendwie rein praktisch ziemlich bekannt vor...

Sonntag, 8. Dezember 2013

Wie ein melancholischer Abgesang...

Ganz interessante Erfahrung heute morgen im Dom zu Altenberg: Feierliches Adventshochamt am Hochaltar mit Zigeunermusik: ein Geigen-/Gitarrenduo zog schon beim Einzug mit.
Kein Ringbuch, kein "meine Messe", kein Gerede zuviel.
Diese zu Herzen gehenden melancholischen Weisen zusammen mit der wunderbaren Liturgie wirkten wie ein Abgesang auf eine untergehende Zivilisation...

8. Dezember: Erbsünde und Autoverkehr

Einige Gedanken zum auf den morgigen Tag verlegten Hochfest:

So wie eine Ouvertüre in eine Oper einstimmt, so ist es eine alte jüdisch-christliche Tradition, ein bedeutendes Fest schon am Vorabend beginnen zu lassen um sich gleichsam auch darauf einzustimmen. Und so geht auch unser Blick schon auf den morgigen Tag, den 8. Dezember, denn der ist in unserem liturgischen Kalender nicht unbedeutend, feiern wir doch morgen das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria.

Worum geht es bei diesem Fest mit diesem sperrigen Namen? Papst Pius IX. hat es 1854 als verbindlichen Glaubenssatz definiert: Rein theologisch geht es darum, dass Maria vom ersten Augenblick ihres Lebens an aufgrund einer besonderen Gnade Gottes von der Erbsünde befreit war. Das sagt uns jetzt wahrscheinlich noch nicht richtig viel und zugegebenermaßen geht es vielen Theologen ähnlich und dieses Fest ist nicht ganz unumstritten. Umso reizvoller ist es jedoch, sich gerade deswegen damit einmal zu beschäftigen.

Um dieses Fest zu verstehen, müssen wir drei Dinge klären: Was ist mit diesem seltsamen Begriff „Erbsünde“ gemeint?, zweitens: was hat das mit Maria zu tun? Und drittens: welche Anregung, welchen Impuls, kann jeder von uns für sich aus der Sache mitnehmen?

Wir versuchen es einmal und holen uns dabei Hilfe bei dem Dortmunder Systematiker Thomas Ruster. Ruster schreibt: „Die Erbsünde ist das, was entsteht, wenn der natürliche Drang zur Selbsterhaltung und die menschliche Tendenz zur Maßlosigkeit zusammenkommen.“ „Ein gutes Bespiel“, so Ruster, „ist der Autoverkehr. Der erste Mensch, der ein Auto erfunden oder gefahren hat, war vielleicht kein großer Sünder – auch wenn er womöglich schon damals hätte merken können, dass er mit dem stinkenden und ratternden Gefährt der Welt keinen großen Gefallen tut. Er wollte einfach nur schneller sein, bequemer reisen, der Konkurrenz davonfahren. Einige taten es ihm nach; auch sie waren nur kleine Sünder. Die Tendenz zur Maßlosigkeit fand im Auto allerdings einen willkommenen Betätigungsort: immer schneller, weiter, größer. Irgendwann entwickelte sich der Autoverkehr zu einem System, dem man nicht mehr entkommen konnte. Das Militärwesen, der Transport, die berufliche Mobilität, das Freizeitverhalten waren auf das Auto angewiesen. Die Besiedlungsstruktur stellte sich darauf ein, dass die Leute in der Regel ein Auto haben. Aus der Freiheit, ein Auto zu fahren, war ein Zwang geworden, den keine Regierung, keine Macht der Welt heute mehr zurückdrehen kann. Aus der kleinen Sünde des Anfangs war eine Erbsünde geworden.“ „Ein jeder“, so Ruster weiter, „der in eine automobile Gesellschaft hineingeboren wird, erbt diese Sünde von seinen Eltern – angefangen mit der Fahrt von der Klinik nach Hause. Und doch sündigt jeder, der ein Auto fährt, immer wieder selbst und aus eigener Entscheidung und oft mit großem Vergnügen. Die Sünde, die er begeht, ist die gleiche wie die des ersten Autofahrers. Er möchte schneller, bequemer reisen; er möchte die Nachteile eines Verzichts auf das Auto nicht sich nehmen. Die Erbsünde wird durch die freie Tat eines jeden Autofahrers immer wieder ratifiziert. Sie ist mittlerweile dabei, die Erde zu einem unbewohnbaren Ort zu machen.“ - „Erfahrungen dieser Art“, immer noch Thomas Ruster, „die sich beileibe nicht nur mit dem Autoverkehr machen lassen, haben die Kirche bewogen, das Dogma von der Erbsünde zu verkünden. Es wollte erklären, wie die Sünde der ‚Stammeltern’ Adam und Eva zu einer unüberwindlichen Sündenmacht werden konnte. Es wollte die Macht des Bösen und ihr Verhältnis zur menschlichen Freiheit klären.“ Ruster schließt etwas lakonisch: „Vielleicht hätte man den Sachverhalt besser erklären können als mit dem Begriff ‚Erbsünde’, aber eine bessere Erklärung ist mir jedenfalls nicht bekannt.“

Was hat das nun zweitens mit Maria zu tun? Das Dogma besagt ja, dass Maria bei ihrer Empfängnis von der Übertragung der Erbsünde ausgenommen worden ist. Das bedeutet: Gott hat der Ausbreitung des Bösen bei Marias Empfängnis Einhalt geboten, denn er wollte in Jesus Christus sein Reich auf Erden begründen, das Reich, in welchem das Böse keine Macht mehr hat. Im Hinblick auf die Begründung der Gottesherrschaft also hat Gott in Maria einen erbsündefreien Raum geschaffen. Dort sollte sich das Gottesreich entwickeln können, wie es dann wirklich mit Marias Antwort an den Engel geschehen ist: „Mir geschehe nach deinem Wort.“ Wie konnte Maria diese Offenheit für Gott gelingen? Der Bochumer Neutestamentler Thomas Söding schreibt dazu: „Mir geschehe nach deinem Wort“ – so antwortet Maria auf die Verkündigung des Engels Gabriel, der ihr die Frohe Botschaft überbringt, dass sie, die Jungfrau, kraft des Heiligen Geistes den Messias empfangen und gebären wird. Maria wird auf Verkündigungsbildern immer wieder mit einem Buch dargestellt. Sie ist in der Ikonographie der Antike und des Mittelalters bis in die Neuzeit hinein eine gebildete Frau, die lesen und schreiben und reden kann. Das ist im Neuen Testament nicht vorgegeben, aber angebahnt. Maria ist eine Frau des Wortes. Sie weiß, was sie ist: „Ich bin die Magd des Herrn“ – das höchste, was es vor Gott und für Gott nur geben kann. Sie weiß, was sie weiß – das, was Lukas ans Ende des Weihnachtsevangeliums gestellt hat: „Maria bewahrte alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen“. Und sie weiß, was sie tun will: „Mir geschehe nach deinem Wort!“

Und das führt uns zu unserem dritten Punkt: Was kann ich für mich daraus mitnehmen? Ich glaube folgendes: Wir haben vorhin gesehen, dass die Gefahr der Erbsünde überall dort gegeben ist, wo der Drang zur Selbsterhaltung und die Tendenz zur Maßlosigkeit zusammenkommen. Hier stellt sich uns also die Frage nach dem Zusammenleben der Menschen aber natürlich auch nach mir selbst, denn der erste Mensch mit dem ich zusammenleben muss, bin ja schließlich ich selbst. Noch einmal Maria: Wissen, was ich bin. Wissen, was ich weiß. Wissen, was ich tun will. Darauf kommt es wohl auch für mich und einen jeden von uns an: Wer bin ich? Diese Frage erinnert an das vielleicht manchen bekannte Gedicht von Dietrich Bonhoeffer, das er 1944 in der Haft im Militärgefängnis Berlin-Tegel schreibt. Wir kommen darauf gleich noch einmal zurück. Was weiß ich? Um das zu beantworten, müsste ich versuchen, mich selbst immer besser kennen zu lernen. Was will ich tun? Um etwas tun zu können, müsste ich erst einmal wissen, was ich kann und dann zu welchem Ziel mich dieses Tun denn führen soll. Natürlich, keine leicht zu beantwortenden Fragen, wie auch? Aber je mehr ich versuche, den Antworten auf die Spur zu kommen, desto offener werde ich wie Maria für Gott, für mich selbst und für meine Mitmenschen.

Dietrich Bonhoeffer hat für sich eine Antwort gefunden. Die letzten Zeilen seines Gedichtes lauten: „Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Advent: Mir fällt nichts ein und doch was auf

Es ist nicht neu, aber in diesem Jahr besonders schlimm: Da werde ich nun zu einer ganzen Reihe von Advents- und Weihnachtsfeiern eingeladen, und das freut mich sehr! Was mir aber in jedem Jahr arge Probleme bereitet, ist die meist damit verbundene Bitte: „Ach, könnten Sie denn auch eine schöne Geschichte vorlesen?“ Und dann finde ich nichts und komme mir vor wie ein Gast der ohne Geschenk bei einer Einladung auftaucht. Ich fange also an zu suchen in der einschlägigen Literatur die sich in so einem seelsorgerischen Bücherschrank ansammelt: Tiefgründige Titel in meist sternchenbesetztem Layout versprechen anrührende, besinnliche, heitere, traurige oder nachdenkliche Geschichten die meist irgendwie mit dem Geschehen von Bethlehem zu tun haben. Oder mit Familienidyll oder gerade seinem Gegenteil. Sie handeln vom Plätzchenbacken, Tannenbäumen, Engeln, Rentieren, Weihnachtsduft oder der guten alten Zeit, die meist nur deswegen gut genannt wird, weil sie vorbei ist. So richtig passen sie aber alle nicht: Zu kurz, zu lang, zu fromm, zu weltlich, zu kritisch, zu kitschig, zu schwierig, zu leicht. Vor allem aber passen sie nicht, weil sie nicht meine Geschichten sind, meine ganz eigene Weihnachtsgeschichte.


Bei diesem Gedanken fällt mir doch etwas auf: Jeder von uns hat seine ganz eigene Weihnachtsgeschichte. Jeder von uns ist ein ganz eigener und wichtiger Teil der Geschichte Gottes mit den Menschen, ohne jeden einzelnen von uns würde ein bedeutender Abschnitt dieser Geschichte fehlen. Diese Weihnachtsgeschichte erzählt davon, dass es einen Gott gibt, der die Menschen aus Liebe geschaffen hat und der aus Liebe in Jesus Christus selbst Mensch wird. Sie erzählt von Höhen und Tiefen, Freude und Trauer, Annahme und Ablehnung, Begegnung und Einsamkeit, Geborgenheit und Zurückgeworfensein auf sich selbst. Sie dauert ein ganzes Leben lang. Aber je umfangreicher diese Geschichte wird, umso deutlicher arbeitet sich heraus, worum es Weihnachten wirklich geht: Mensch werden.

Mensch werden – Ein Gebet von Antoine de Saint-Exupery fällt mir dazu ein, das auf den ersten Blick so gar nicht weihnachtlich klingt:
 
Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um Kraft für den Alltag.
Mach mich findig und erfinderisch, um im täglichen Vielerlei und Allerlei rechtzeitig meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu notieren, von denen ich betroffen bin.
Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung. Schenke mir das Fingerspitzengefühl um herauszufinden, was erstrangig und zweitrangig ist.
Ich bitte um Kraft für Zucht und Maß, dass ich nicht durch das Leben rutsche, sondern den Tagesablauf vernünftig einteile, auf Lichtblicke und Höhepunkte achte.
Bewahre mich von dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.
Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt. Schenke mir im rechten Augenblick jemand, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen.
Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.
Verleihe mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte, mit oder ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben.
Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff mit Tiefgang gleicht, um auch die zu erreichen, die „unten“ sind.
Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen. Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche.
 
Dieses Gebet heißt: „Die Kunst der kleinen Schritte“. Ich möchte jedem von uns wünschen, dass er in diesem Advent, in dieser kommenden Weihnachtszeit, dieser Zeit der Begegnung, ein paar kleine Schritte auf sich selbst, auf seine Mitmenschen und auch auf Gott hin gehen kann. Oder, um im Bild zu bleiben, dass jeder von uns an seiner ganz persönlichen Weihnachtsgeschichte weiter schreibt.

(Aus dem diesjährigen Adventsgruß an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter)

Sonntag, 1. Dezember 2013

Die Richtung stimmt

Für die meisten von uns ein ungewohntes Bild, aber ich meine, dass die geänderte Zelebrationsrichtung dem Gottesdienst gut getan hat. Zumindest habe ich die Atmosphäre als gesammelter, konzentrierter und ruhiger empfunden.


Respekt. Für einen Priester ist es heutzutage mutiger, sich vor einen Altar zu stellen als sich auf ihn zu setzen...

Samstag, 30. November 2013

Advent: Schon wieder ein Jahr vorbei!

Aus meinem aktuellen Zeitungsbeitrag:

Schon wieder ein Jahr vorbei! Zumindest ein liturgisches Jahr der Kirche, denn das endet und beginnt immer mit dem ersten Advent. Ein liturgisches Jahr mit Hochfesten, Festen, geprägten Zeiten, Sonntagen und Gedenktagen liegt hinter uns.
 
 
Hat die Feier des Gottesdienstes etwas bewirkt? Sind wir damit Gott näher gekommen? Oder Gott uns? Waren unsere Gottesdienste „Einbruch des Göttlichen“ in unsere Welt, oder mehr oder weniger banale Fortsetzungen des bürgerlichen Alltags? Gerade wenn Gottesdienste allzu sehr selbst gestaltet sind, habe ich oft den Eindruck, dass der Horizont am Rand der schwarzen Ringbuchmappe endet und sie das bleiben, was sie sind: Menschenwerk. – Ein neues Kirchenjahr liegt vor uns, eine neue Chance, dass aus „Menschen-werk“ eben „Gottes-werk“ wird. Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dass es Ihnen gelingt, in diesem neuen Kirchenjahr Gott näher zu kommen, auch und gerade in der Mitfeier des Gottesdienstes. Eine gute und gesegnete Adventszeit!

Dienstag, 26. November 2013

Die Luft ist raus! (zumindest für den Moment)

Natürlich könnte ich jetzt eine kleine liturgische Nachlese zu Christkönigssonntag schreiben, z.B. könnte ich von in der Kirche verteilten Burger-King-Kronen berichten die sich die Menschen aufsetzen mussten. Ich könnte auch etwas schreiben über selbstverfasste (kirchen-)politisierende Hochgebete einschließlich wüster Bischofsbeschimpfungen.
Könnte ich alles machen. Tue ich aber nicht, denn im Moment ist irgendwie die Luft raus.

Samstag, 23. November 2013

Christkönig: Umkehr der Verhältnisse

Könige kennen wir heute meist nur noch aus der Klatschpresse und die meisten Menschen können sich keine andere Staatsform vorstellen in der sie leben wollen, als in einer Demokratie. Gott sei Dank und gut so. Was soll dann heute noch das Christkönigsfest? Wenn wir darauf schauen, wann die „Königsproklamation“ Jesu Christi stattfindet, verstehen wir, worum es geht: Es geschieht, als der geschlagene und misshandelte Jesus im Verhör vor Pilatus steht, nach der Verurteilung verhöhnen ihn die Soldaten als „König der Juden“ um ihn dann zu kreuzigen. Die Königsherrschaft Jesu Christi ist also etwas fundamental anderes: gelten sonst Macht, Reichtum und Vitalität, bedeutet sie eine völlige Umkehrung der Verhältnisse. Das zeigt auch unser Bild: In königlichem Gold – hängt dort ein Gekreuzigter. Seine Krone ist die Dornenkrone. Der schwache, leidende und verwundete Mensch hat königliche Größe vor Gott. - Gut, dass uns das Christkönigsfest daran erinnert.

Freitag, 22. November 2013

Altenberger Dom - fast ganz für mich allein...

Nur ein paar Eindrücke aus dem Dom zu Altenberg heute mittag:










Zwei Päpste im Beichtstuhl

Wer's noch nicht kennt: Gucken!!! ;-)

22. November: Musik ist Trumpf!

Aus meinem aktuellen Zeitungsbeitrag:

Die heilige Cäcilia, liebe Leserinnen und Leser, gilt als Patronin der Musik. Die Legende schildert, wie die vornehme Römerin Cäcilia um das Jahr 230 gemeinsam mit ihrem Bräutigam Valerian und dessen Bruder Tiburtius das Martyrium erlitt, weil sie sich verbotenerweise an der Bestattung hingerichteter Christen beteiligt hatten. Über ihrem Grab erhebt sich die reichhaltig ausgestattete Basilika Santa Cecilia im römischen Stadtviertel Trastevere. Zur Patronin der Musik wurde sie, wahrscheinlich aufgrund eines Übersetzungsfehlers aus einem lateinischen Text, seit dem 14. Jahrhundert. Ihr werden Musikinstrumente als Attribute beigegeben, so wie hier auf dem Bild des Cäcilienaltars in der Pfarrkirche zu Volkach/Main zu erkennen ist.


„Musik ist Trumpf“ hieß früher eine bekannte und beliebte Fernsehsendung. Und dieser Titel bringt es auf den Punkt, was das Tagesgebet der heiligen Cäcilia etwas frommer ausdrückt: „Großer Gott, du hast uns geschaffen, damit wir dich loben und preisen, lass uns mit Freude und Hingabe dein Lob verkünden.“ Musik kann die Herzen öffnen und die Seele emporheben, Musik kann etwas von einer verborgenen Wirklichkeit erfahren lassen. „Sehn Sie, man kann nicht mehr leben von Eisschränken, von Politik, von Bilanzen und Kreuzworträtseln. Man kann es nicht mehr.“ schreibt der berühmte Autor Antoine de Saint-Exupery, und fügt hinzu: „Man kann nicht mehr leben ohne Poesie, ohne Farbe, ohne Liebe.“
Mancher sagt resigniert: „Ich kann nicht singen!“ und es ist ihm auch sein ganzes Leben lang so vermittelt worden. Ich glaube das nicht, liebe Leserinnen und Leser, meist fehlen nur Mut und etwas Übung. Nutzen Sie Gelegenheiten zum Singen, egal ob in der Therapie oder unter der Dusche. Sie werden merken, es öffnet Ihr Herz und erhebt Ihre Seele. Und hinzu kommt: Egal wie schräg Sie singen, Sie loben damit Ihren Schöpfer!

Sonntag, 17. November 2013

Gottesdienst: genervt, gelangweilt, gequält

Aus leider wieder einmal aktuellem Anlaß:
 
"Man wird sich manchmal des Eindrucks nicht erwehren. dass Gottesdienst deshalb 'gemacht' wird, damit viele darin mitwirken und sich in dieser Mitwirkung wieder finden können; leider nur zu oft wird die Liturgie mit einem Thema oder einem Zweck versehen, die mit dem erlösenden Handeln Gottes selbst kaum mehr etwas zu tun haben. Dass man trotz allen Anstrengungen um einen zeitgemäßen Gottesdienst der Not, in welche die Liturgie geraten ist, nicht begegnen kann, sollte mittlerweile die Erfahrung doch gelehrt haben. Im Gegenteil: Je mehr man versucht, durch 'zeitgemäße' Gottesdienstgestaltung den vermeintlichen Erwartungen des modernen Menschen entgegen zu kommen, um ihn auf diese Weise in die Kirche zu locken, desto mehr Plätze werden leer! Die meisten lassen sich trotz allen Anstrengungen eben doch nicht zum Gottesdienst 'verleiten' und investieren ihre Freizeit in für sie offenkundig 'Sinnvolleres'.
Diejenigen, die aufgrund ihres Glaubens und religiösen Engagements ohnehin kommen, werden mit vielen dieser 'Gottesdienste' nur noch genervt und gelangweilt - weil sie nichts anderes sind als eine öde, auf die Nerven gehende Wiederholung dieser Welt, wie sie eben ist, an heiliger Stätte. Bar jeder Faszination für das Heilige und sich grundlegend unterscheidende Göttliche macht man vielfach aus dem Gottesdienst einen zumeist weinerlichen 'theologischen Durchlauferhitzer' für Alltäglich-Banales und ohnehin ständig Wiederholtes. Das allein von Gott her kommende erlösende Neue bleibt aus. Ein solcher Gottesdienst ist gerade nicht Gottes-Dienst, sondern Menschen-Werk, bestenfalls durchgestaltete, auf ein Lernziel hin ausgerichtete (Sozial-)Pädagogik. (...)
Es ist die Erfahrung so vieler schlecht gefeierter Gottesdienste, die genau das nicht vermitteln, was den Kern liturgischen Tuns nach der Überzeugung von Katholiken und Orthodoxen ausmacht: die Begegnung mit dem lebendigen Gott. Schlecht und vor allem lieblos gefeierte Gottesdienste können geradezu physische Qualen bereiten! Vieles kann diese Begegnung von Gott und Mensch boykottieren und verunmöglichen, zu hoffen bleibt aus Unverstand und nicht aus bewusstem Wollen. Menschliche Eitelkeit, Machtspielchen darüber, wer im Gottesdienst das 'Sagen' hat, Unverständnis über die nonverbalen Zeichen und Symbole wie Kleid, Gerät und Raum, geschwätziges Nachäffen der Welt, wie sie 'draußen' vor der Kirche ist, oberlehrerhaftes Indoktrinieren vor allem moralischer Botschaften und vieles andere verleiden nicht nur die Freude am Gottesdienst, sondern verhindern den Einbruch der göttlichen Welt in unsere sichtbare Feier auf Erden. Leider nur zu oft kann ein Gefühl des Verständnisses für jene Mitchristen aufkommen, die sich im Gottesdienst rar machen; für viele Gläubige ist die treue Mitfeier schlechter Liturgien eine wahre Zumutung."
 
Michael Kunzler: Liturge sein - Entwurf einer Ars celebrandi, Paderborn 2007, 5; 17.
 
Mit liturgischen Vorschriften zu argumentieren ist manchen "Gottesdienstgestaltern" gegenüber grundsätzlich sinnlos, da ja die Kritik an "denen da oben" inneres Fundament eines jeden Gottesdienstes ist. Aber auch der Konservatismus-unverdächtige (siehe seine Kritik an der "Alten Messe") Michael Kunzler wird nicht viel weiterhelfen, wenn die Grenze des Horizontes der Rand der schwarzen Ringbuchmappe ist.
Ich finde das mehr traurig als ärgerlich. 

Donnerstag, 14. November 2013

Gott hat mit mir gesprochen...

"Gott hat gestern mit mir gesprochen" berichtete mir heute jemand. "Ach", fragte ich zurück, "was hat er denn gesagt?" - "Dass ich aufhören soll zu rauchen!"

Na, das ist doch mal was!

Geduld und Geheimnis

"Ja, den Hauptunterschied zwischen dem Glauben und dem Atheismus sehe ich in der Geduld. Atheismus, religiöser Fundamentalismus und leichtgläubiger religiöser Enthusiasmus sind sich auffallend ähnlich in dem, wie schnell sie fertig sind mit dem Geheimnis, das wir Gott nennen - und eben deshalb sind alle diese drei Positionen für mich in gleichem Maße unannehmbar. Mit einem Geheimnis darf man nie "fertig sein". Ein Geheimnis lässt sich - im Gegensatz zu einem Problem - nicht "erobern"; man muss geduldig an der Schwelle zum Geheimnis ausharren und in ihm verweilen. Es innen, im Herzen tragen, wie es im Evangelium von Jesu Mutter heißt, es dort reifen und dadurch sich selbst reifen lassen."

Tomas Halik: Geduld mit Gott, Freiburg 2010, 9f.

Dienstag, 12. November 2013

Noch etwas für Sakristeifreaks...

Es gibt sie noch, die wunderbaren alten Sakristeischränke aus denen man auch im Handumdrehen einen Hochaltar machen könnte:

Donnerstag, 7. November 2013

Sonntag, 3. November 2013

Hubertus: cum angelis et archangelis: "Trari, trara!"

Beim heutigen Gedenktag des heiligen Hubertus fällt mir immer wieder eine alte Geschichte aus meiner klerikalen Vergangenheit ein. Im Priesterseminar gab es den Brauch, die Gläubigen der umliegenden Orte mit Probepredigten der angehenden Diakone mehr oder weniger zu erfreuen. Die Predigten wurden mit Cassettenrecorder aufgenommen und anschließend mit einem erfahrenen Prediger ausgewertet, die Kirchenbesucher bekamen Auswertungsbögen zum Ankreuzen. (Als später dann das Verbot der Laienpredigt noch einmal eingeschärft wurde, wurde einzig diese Übung übrigens auf oberhirtliche Weisung abschafft, so ein Unsinn...).
Jedenfalls wurden ein Freund und ich der Gemeinde in O-dorf zugeteilt, wo der heutige Generalvikar des Erzbistums P. damals tätig war. Natürlich hatte ich mich lange und intensiv auf eine Predigt zum entsprechenden Sonntag im Jahreskreis vorbereitet. In der Woche davor bekam ich dann allerdings mitgeteilt, dass der hl. Hubertus den Sonntag verdränge und es mit Schützen, Jägern und Bläsern eine Hubertusmesse gäbe. Das war mir als Ruhrgebietskind ungefähr so vertraut, wie einem Halligbewohner das Skifahren.
Das Aussehen der Kirche veränderte sich merklich: Unmengen von Büschen und Bäumen wurden in die Kirche geschafft, der Chorraum verwandelte sich in einen "dunklen Tann" und vor dem Altar wurde ein imposantes Geweih aufgebaut. Mir war ab da nicht mehr ganz klar, wem denn da jetzt die Anbetung zukam. Für eine Lohengrin-Aufführung wäre die Kulisse perfekt gewesen. Aber es war ja Messe, Hubertusmesse mit Musik. Nun weiß ich auch, dass es mit Naturhörnern nicht so ganz einfach ist, das zu spielen, was da vor einem auf dem Notenblatt steht. Aber die so manchem gewundenen Rohr mit großer Anstrengung entlockten Klänge trieben garantiert die letzten verbliebenen Tiere in selbstmörderischer Absicht auf die nahe gelegene Umgehungsstraße. Ist ja praktisch: Man braucht sie dann nicht mit teurer Munition zu erschießen, sondern einfach nur einzusammeln.
Ich habe dann über den heiligen Hubertus und Glaube, Sitte, Heimat gepredigt. Zumindest hab' ichs versucht. Auch hat kein mitgebrachter Falke in die Kirche geschissen. Das soll es ja auch geben... Die Predigtauswertung hinterher im Priesterseminar jedenfalls hat dann zu dauerhaftem Vergnügen aller Beteiligten geführt...
Da hilft nur das Gedicht von Oskar von Riesenthal auf der Jägermeisterflasche:


Das ist des Jägers Ehrenschild,
daß er beschützt und hegt sein Wild,
waidmännisch jagt, wie sich's gehört,
den Schöpfer im Geschöpfe ehrt.

Das Kriegsgeschoß der Haß regiert, -
Die Lieb’ zum Wild den Stutzen führt:
Drum denk’ bei Deinem täglich Brot
Ob auch Dein Wild nicht leidet Noth?


Behüt’s vor Mensch und Thier zumal!
Verkürze ihm die Todesqual!
Sei außen rauh, doch innen mild, -
Dann bleibet blank Dein Ehrenschild!


Allen einen schönen und friedlichen Tag!

Samstag, 2. November 2013

Allerseelen - Ausklang

Hl. Messe zum Allerseelentag mit Choralrequiem in St. Marien, Witten.
 

2. November: Allerseelen - Tag der Solidarität

Der Allerseelentag, liebe Leserinnen und Leser, steht im Zusammenhang mit dem vorausgehenden Fest Allerheiligen und geht auf den heiligen Abt Odilo von Cluny zurück; er hat diesen Gedenktag in allen von Cluny abhängigen Klöstern eingeführt. Das Dekret Odilos aus dem Jahr 998 ist noch erhalten. Bald wurde der Allerseelentag auch außerhalb der Klöster gefeiert. Für Rom ist er seit Anfang des 14. Jahrhunderts bezeugt. So wie am Allerheiligentag die Heiligen, die schon bei Gott sind, gefeiert werden, so wird an Allerseelen aller Verstorbenen, die noch nicht zur Vollendung gelangt sind, gedacht.


Im Zuge der nachkonziliaren Liturgiereform hat man sich von der am heutigen Tag vorgesehenen Sequenz „Dies irae“ – „Tag des Zornes“ weitgehend getrennt. Dieser, u.a. von Mozart, Verdi, Berlioz und Bruckner so meisterhaft vertonte Text sei zu düster und verdunkele die christliche Ewigkeitshoffnung. Ich halte das für einen großen Fehler. Natürlich ist die Sequenz sehr ernst, aber ist nicht auch der Tod eine ernste Sache? Natürlich geht es um das göttliche Gericht, aber muss nicht einmal jeder für seine Taten Rechenschaft ablegen und wäre es nicht ein bedrückendes Gefühl, würden die ganzen Opfer menschlichen Unrechts nicht wenigstens vor Gott Gerechtigkeit finden?
Ich meine, dass der Gedanke an das göttliche Gericht nichts beängstigendes, sondern etwas sehr befreiendes hat. Wir haben hier nicht die Möglichkeit, die „letzten Dinge“, also Himmel, Hölle, Fegefeuer, ausführlich zu erläutern. An dieser Stelle nur ein Gedanke: Das göttliche Gericht bedeutet, dass Gott prüft, was der Mensch aus sich und der Schöpfung, beide von Gott aus Liebe ins Dasein gesetzt, gemacht hat. Es wird darum gehen, wie die Welt als Ganzes und ich als Einzelner Gott gerecht geworden bin. Es geht nicht um eine irdische Gerichtsverhandlung, sondern um die direkte und existentielle Erfahrung Gottes. Und was ist aber Gott? Gott ist die Liebe! Gott lässt mir aber selbst in diesem Moment noch die Freiheit, mich gegen diese Liebe zu entscheiden. Diese selbstgewählte Gottesferne ist die Hölle. Zu merken, wie ich dieser göttlichen Liebe nicht gerecht geworden bin, kann wie ein (Fege-)feuer schmerzen. Aber dann habe ich mich ja bereits für diese Liebe entschieden, dann steht mir der Himmel ja schon offen. Es ist hoch interessant nachzuverfolgen, wie die Lehre vom Fegefeuer die Armen- und Sozialfürsorge, aber auch Kunst und Frömmigkeit des Mittelalters befördert hat, denn es geht ja darum, schon hier etwas für die Ewigkeit tun zu können. Allerseelen sollte für uns also nicht so sehr ein Tag der Trauer sein, sondern eher ein Tag der Solidarität zwischen Himmel und Erde, zwischen Lebenden und Verstorbenen.

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Allerheiligen: Mosaiksteine Gottes

Als vor einigen Jahren der Künstler Thomas Jessen die Kapelle des erzbischöflichen Sozialinstituts Kommende in Dortmund neu gestalten sollte, hatte ich die schöne Möglichkeit, an der Planung des künstlerischen Programms mitzuwirken. Und dieses Programm ist wirklich ungewöhnlich: Wie Steine eines Mosaiks sind an der Decke Bildtafeln mit den Gesichtern von 51 verschiedenen Heiligen angebracht. Jeder ist anders und jedes Gesicht spiegelt ein ganzes unverwechselbares Leben, denn der Künstler hat keine Idealgesichter oder Phantasiegemälde gestaltet. Es gibt in der Kapelle nur authentische Porträts von Heiligen, von den neueren nach Fotografien gemalt, von den älteren nach Totenmasken oder frühen Zeichnungen. In jedes Gesicht hat das Leben seine Spuren eingegraben, in jedem sind Schmerz und Leid, Freude und Hoffnung zurückgeblieben. Kein Gesicht gleicht dem anderen, jedes ist anders.


Was ist ein Heiliger? – Die Gestaltung der Kapelle gibt eine interessante Antwort: All die verschiedenen Gesichter bilden wie ein kleiner Mosaikstein Gott selbst in der Welt ab. Keiner darf fehlen. Jeder ist unverkäufliches Original. Alle verbindet das Bemühen, Gottes Liebe in der Welt und unter den Menschen zum Leuchten zu bringen. Jeder anders, nach eigenen Grenzen und Fähigkeiten. Die Heiligen bilden in unerschöpflicher Fülle das große Mosaik Gottes, das noch lange nicht abgeschlossen ist. Und wir? Wir gehören dazu. Jeder Mensch ist ein Gesicht Gottes. Das bedeutet auch die Gemeinschaft der Heiligen: die von der Kirche als Heilige verehrten Menschen, unsere Verstorbenen und wir selbst auf dem Weg zur Gemeinschaft mit Gott. Diese Gesichter Gottes machen uns Mut, aus ihrem Vorbild können wir Kraft schöpfen. Sie rufen uns zu: Du bist nicht allein! Und noch mehr: Du bist ein unersetzbarer Mosaikstein Gottes! Bring dich zum Leuchten! Und lass andere leuchten! Gott braucht dich und will durch dich in dieser Welt aufstrahlen! – An der Decke der Kapelle ist noch Platz genug. Für jeden von uns.
 

Mittwoch, 30. Oktober 2013

"Der Kerl sallt mir das meinige nicht nehmen!" - Etwas Stadtgeschichte zum Reformationstag

Wer immer noch meint, die Reformation sei im Wesentlichen ein religiöser Aufbruch gewesen, der lese einmal ein wenig Stadtgeschichte:
 
"Die Anfänge der Reformation sollen durch Pfarrer Johannes Fabrizius aus Langendreer gemacht worden sein, der nach dem Tode oder der Versetzung von Pfarrer Wessel Ryth die Wittener Gemeinde mitversorgte. Pfarrer Heinrich Heitmann, bei seiner Amtseinführung 1577 noch katholisch, fand in der Gemeinde schon einige Protestanten vor, was ein Beschwerdebrief des protestantischen Edelmanns Robert Stael von Holstein zeigt, der die Geistlichen von Wengern oder Langendreer bittet, die Wittener geistlich zu versorgen, denen der Wittener Pfarrer die Austeilung des Abendmahles verweigere, weil sie nicht beim Bau eines Pfarrhauses helfen wollten.
Pfarrer Heitmann selbst war, seinen Lebenswandel betreffend, nicht vorwurfsfrei, er unterhielt mit seiner Haushälterin ein unerlaubtes Verhältnis, nicht ohne Folgen. Die Gemeinde nahm daran einigen Anstoß. Nach seinem Übertritt zur neuen Lehre, wahrscheinlich vor 1575, heiratete der ehemalige Herbeder Kaplan jedoch nicht seine Haushälterin, sondern Katharina Schettmann, was dazu führte, dass er für seine ehemalige Haushälterin über Jahre Alimentengelder zahlen musste. Heitmann verzichtete 1597 auf sein Amt und starb am 3. September 1602.
Nach einer Aufzeichnung im Lagerbuch der Gemeinde wurde die Reformation erst 1582 vollends abgeschlossen. Ihre Durchführung geschah nicht ohne Auseinandersetzungen und sogar Tätlichkeiten. Als Beispiel dafür soll folgende Begebenheit im Original wiedergegeben werden:
'Vicarie B.M.V. zu Witten, verfolg von Stammheim selbige den Pater aus dem Kloster zu Lütgendortmund Joh. Kohlleppel conferieren, dieser auch 1. Januar 1576 an dem Altar die Messe thun wollen, wogegen Cath. von Plettenberg, Wittib von Brembts, samt ihren Söhnen Henrich et Wennemar und ihren Dienern und Leuten sich widersetzt; besonders soll Wittib von Brembt dem Pastoren haben sagen lassen, er solle die Predigt kurz machen. Inmittelst soll sie in die Sacristei gegangen und mit dem Pater gelärmt und gerufen haben: Der Kerl sallt mir das meinige nicht nehmen, darauf v. Stammheims Frau aus ihrem Stuhl zu der Frau v. Brembt gegangen und diese in Gezänk gekommen, als der Pastor eben das Evangelium gelesen, mithin dieser von der Kanzel gehen müssen. Brembts Söhne und Leute wären mit Gewehr in die Kirche gekommen und gedroht zu schießen, daher zwischen Brembts und Stammheims Leuten große Schlägerei und Tumult entstanden, die andern Leute aus der Kirche laufen, Brembts Schreiber Ernst sich vor den Altar mit ausgestreckten Händen gestellt, um den Pater nicht zuzulassen, die Messe zu lesen, und wie dieser dennoch in priesterlicher Kleidung zum Altar gekommen, hätten Brembts Leute ihn mit bloßen Säbeln davongejagt, auch den Kelch weggenommen mit dem Bedeuten, er solle sich bald wegmachen, oder sie wollten mit ihm so handeln, dass er das Messelesen nicht mehr tun solle usw.'
Nach diesem Ereignis begann ein Rechtsstreit der Familien bis zum kaiserlichen Gericht, der sich über mehrere Jahre hinzog, doch wurde Kohlleppel, auch nach dem Auftrag des Kölner Offizials an den Hagener Dechanten Carl Orth ihn einzuführen, nicht Inhaber der Stelle in Witten. Noch im Jahre 1721 entstand ein Streit zwischen Stael von Holstein zu Steinhausen und Pastor Brockhaus über die Entfernung des St. Annen-Altares, der, obwohl eigentlich durch die Reformation längst überflüssig geworden, doch an seinem alten Platz stehen sollte, da er von den Vorfahren Staels fundiert gewesen ist."

Tja, was soll man dazu sagen?

Dienstag, 29. Oktober 2013

Neues vom "Kirchsprech"...

Die kirchliche Binnensprache ist immer wieder ein hoch interessantes und schier unerschöpfliches Thema, z.B. solche skurrilen Wortschöpfungen wie "Sühneopferseele" oder "Tanz-Dank-Tankstelle" muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Und dann versuchen sie jemandem zu erklären. 
Bei einem meiner Lieblingssätze legte man früher die Hände ineinander, den Kopf leicht schräg und äußerte dann mit leicht gepresster Stimme: "Wir bräuchten dann noch zwei Dalmatiken!" (wobei damit genauer ja eine Dalmatik und eine Tunizella gemeint waren, aber egal) - Dieser Satz zur richtigen Zeit in der richtigen Sakristei öffnete das kultische Herz, denn meist kündigte sich dann Großes an. Allerdings hört man ihn in letzter Zeit leider immer seltener.
Man ist natürlich auch "irgendwie" und "irgendwo", zumindest "ein Stück weit" "ganz". Dinge haben nicht Sinn, sondern "machen" ihn. Atmosphären und Gespräche sind "spannend", "dicht" oder "offen". Meist gleichzeitig. "Wütend, traurig und betroffen" kann man natürlich auch sein, häufig verbunden mit augenrollendem Reiben des Wollpullovers in Höhe der Magengegend. Technikbegeistert, ein Regenschirm wird ja wohl nicht gemeint sein, hat man etwas "auf dem Schirm" oder auch auch nicht. Meist letzteres.
Seit einiger Zeit fällt mir auf, dass alle irgendwie "als" oder "mit" etwas "da ja" unterwegs sind, also z.B. "Ich bin da ja auch noch als Coach unterwegs" oder "Wir sind da ja mit einem ganz neuen Projekt unterwegs". - Seltsam, wenn alle unterwegs sind, ist ja niemand mehr zuhause. Oder ist das jetzt der "Aufbruch"? (Und ich habe ihn vielleicht verpasst?)

Montag, 28. Oktober 2013

Limburg ist überall...

Heute abend im WDR: "Preisabsprachen in der Badbranche: Warum Verbraucher draufzahlen!"

Manchmal wundert man sich...

Freitag, 25. Oktober 2013

Das ultimativ Allerletzte zum Thema Limburg

Ich finds einfach nur geil:

Das Wort Gottes - druckfrisch!

Gestern von der Druckerei gekommen: Bereits zum vierten Mal erhalten unsere Patienten, Angehörigen und Mitarbeiter "Das Wort Gottes für jeden Tag" als Begleiter durch das Jahr. Im eigenen Vorwort weisen wir auch auf die Gottesdienstzeiten und Ansprechpartner in den Krankenhäusern hin. Titelbild ist jetzt der Raum der Stille in unserem Lukas Hospiz:

Wenn es mit dem neuen Gesangbuch auch so problemlos klappen würde, wäre ich ja glücklich. Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, wo ich die 1500 Ex. lagern kann...

Dienstag, 22. Oktober 2013

Karg - klar - klangvoll

Wenn wir heute Liturgie feiern wollen führt kein Weg zurück in das geschlossene Weltbild der Barockzeit oder das häufig mit dem Mittelalter verwechselte 19. Jahrhundert. Aber wir können auch nicht im nostalgischen Reformtraditionalismus der 70er Jahre verharren. Wir müssen uns lösen von der endlosen katechetischen Verwortung, von der penetranten Bronzekunst und vom vermeintlich gemeinschaftsstiftenden Liedchensingen. Wir können unsere Kirchen nicht mehr gestalten wie die Wohnzimmer unserer Eltern und Großeltern mit Blümchen und Deckchen. Wir können mit diesen Kirchenräumen, mit dem Licht, der Musik, dem Duft, mit unseren ganzen Symbolen nicht mehr achtlos umgehen, weil ja eh' alle kommen und sie jeder versteht. Es kommt halt eben keiner mehr einfach so. Bei mancher "Gestaltung" habe ich auch volles Verständnis wenn jemand zuhause bleibt. "Wir werden weniger, dafür müssen wir besser werden": Das gilt auch für die Art und Weise wie wir Gottesdienst feiern, natürlich zuerst einmal für mich selbst, aber auch für alle anderen Beteiligten. Einschließlich Küster.

Einen interessanten und nachdenkenswerten Versuch macht ein Freund in St. Agnes in Hamm, den ich heute besucht habe. Seht und lest selbst:
http://www.moonlightmass-hamm.de/

 



Sonntag, 20. Oktober 2013

Victrix Mindensis Ecclesia

Vorgestern führte uns der schöne Anlass eines runden Geburtstages nach Minden. Das ehemalige Bistum wurde, wie die anderen sächsischen Bistümer auch, 799 von Karl dem Großen und Papst Leo III. bei ihrem Treffen in Paderborn errichtet. Die nachweisliche Reihe der 62 Mindener Bischöfe beginnt mit dem Benediktiner Erkanbert aus Fulda, er starb um 830. Seit Bischof Sigebert dem Liebenswerten (1022-36) trugen die Bischöfe die päpstlich verliehene Auszeichnung des Rationale. Den Niedergang des Bistums beschleunigten die der Reformation zugeneigten Bischöfe, 1648 erfolgte die vom Hl. Stuhl nicht anerkannte Auflösung. Einige ehemalige Stifts- und Klosterkirchen in der Stadt sind noch erhalten.
Der Dom St. Petrus und Gorgonius mit romanischem Westwerk entstammt verschiedenen Bauperioden, sein im 13. Jahrhundert vollendeter Hallenbau gilt als Kleinod. Das seit der Reformation gemischt konfessionelle Domkapitel mit katholischem Propst und evangelischem Dechant wurde 1810 aufgehoben. Heute ist der Mindener Dom eine der Propsteikirchen im Erzbistum Paderborn. In Minden wurden übrigens auch die sel. Pauline von Mallinckrodt und die Dichterin Gertrud von Le Fort geboren.

 
 Sehenswert! Allen einen schönen Sonntag!

Dienstag, 15. Oktober 2013

Willkommen im Neandertal!

Ein Freund machte mich gestern auf die "Erste Allgemeine Verunsicherung" aufmerksam. Von dieser österreichischem Kultband hatte ich in grauer Vorzeit zwar schon mal eine Platte, habe aber ewig nicht mehr dran gedacht. Aber es lohnt sich die mal wieder zu hören, und auch der Text von "Neandertal" hat von seiner Aktualität nichts verloren.
Hier also als Einstimmung auf den Tag:

Montag, 14. Oktober 2013

Jetzt mal alle drei Tage den Mund halten!

Ein Freund von mir und ZdK-Mitglied schreibt:

"Die Würde des Menschen ist unantastbar", Art 1 GG. Das gilt auch für einen Bischof. Daher mein Vorschlag: Jetzt mal alle drei Tage den Mund halten und im Hinblick auf das Bistum Limburg auf ein gutes Ergebnis der Gespräche mit Bruder Franziskus in Rom hoffen!"

Ich finde das sehr vernünftig.
Und schicke zum "Los wochos"-Thema "Protz und Prunk" nur kurz den guten Johannes XXIII. hinterher. Der hatte ein Gespür dafür, wann Bescheidenheit angesagt ist und wann die Feierlichkeit nicht groß genug sein kann.

 
Irgendwie erinnert er mich, bei aller Verehrung und allem Respekt, trotzdem an diese Faberge-Eier...

Samstag, 12. Oktober 2013

Morgengedanken

"Die Nebel entweichen im Glanze der strahlenden Klarheit und Kraft des kommenden Christus" heißt es heute im Hymnus der Laudes. Und der Blick aus dem Fenster in der Morgenfrühe passt dazu ganz gut:


"Laß ihn doch bauen" meinte gestern zum Thema Limburg mein stets yoga-tiefenentspannter Kollege Werner, "wenns schön ist, darfs doch ruhig was kosten!", lehnte sich in seinem Stuhl zurück und meinte noch, dass es doch wahrhaftig Schlimmeres auf der Welt gäbe. Da kann man doch auch mal von seinem buddhistischen Kollegen etwas lernen: Ball flach halten!
Wenn also z.B. der Papst meint, er müsse immer dasselbe Messgewand tragen und könne als eifriger Leserbriefschreiber mehr bewirken - Es gibt Schlimmeres! Wenn also mal ein deutscher Bischof viel Geld ausgibt und dann zurücktreten muss - Es gibt Schlimmeres! Wenn "Er" schon darauf brennt, in wenigen Stunden das Kirchenvolk mit seinem neuen Hochgebet zu beglücken - Es gibt Schlimmeres! Wenn ein Wiederverheiratet-Geschiedener nach reiflicher Überlegung zur Kommunion geht - Es gibt Schlimmeres!
Hektische Erregung ist eigentlich keine katholische Grundhaltung. Gelassenheit ist angesagt.

Zumindest wenn man genug Bier und Zigaretten im Haus hat.

Allen einen guten Start ins Wochenende!

Freitag, 11. Oktober 2013

11. Oktober: Beim Nachbarn gibts was zu feiern

Das Bistum Essen feiert nämlich heute sein Patronatsfest, Maria als "Mutter vom Guten Rat". Johannes XXIII. hat sie unter diesem Titel am 8.7.1959 zur Patronin des Bistums bestellt. Und unter diesem Titel wird auch die berühmte "Goldene Madonna" in der Essener Kathedrale verehrt, eines der ältesten vollplastischen Marienbilder des Abendlandes:


Herzlichen Glückwunsch! Und "Guter Rat" ist im Moment mal wieder sehr gefragt...
PS: Darf man eigentlich kirchensprechkorrekt noch sagen, dass "guter Rat TEUER" ist? ;-)

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Es geht nicht um Nestbeschmutzung

Ein FB-Beitrag:

Es geht nicht um "Nestbeschmutzung". Wer das behauptet, hat eine ähnlich selektive Wahrnehmung wie der in der Diskussion stehende Bischof. Wagenburgmentalität, Medienschelte oder eine vermutete Hetzkampagne gegen einen "romtreuen" Bischof (was immer das bedeuten soll) helfen da gar nicht und gehen auch am eigentlichen Problem vorbei. Es scheint doch einfach so zu sein, dass da jemand sich und seine ihm von seinem Amt her übertragene Verantwortung nicht (mehr) im Griff hat. Natürlich haben auch die Verwaltung und die Kontrollgremien versagt, aber es gibt halt auch eben den Bischof als entscheidenden Letztverantwortlichen. Und das nutzen ja Bischöfe ansonsten auch recht gerne. Und nebenbei: Wer meint, sich über die Bildzeitung retten zu können, muss sich wirklich fragen lassen, was unter seiner Mitra vorgeht.