Mittwoch, 16. Januar 2013

Abschied von den Schwestern: Was uns fehlen wird.

Was wird uns eigentlich fehlen, wenn wir am Sonntag die letzten beiden Vinzentinerinnen aus unserem Krankenhaus verabschieden? Was wird ab Montag bei uns anders sein?
"Man merkt, dass hier (noch) Schwestern sind!" - Diesen Satz bekommt man hier und da schon mal zu hören, meist von älteren Menschen. Ich bin mir nicht sicher ob das immer ein Kompliment ist, denn so manche Schwester hätte auch einen guten Kompaniefeldwebel abgegeben. Trotzdem ist dieser Satz wohl von den Allermeisten eher positiv gemeint. Es scheint also einen Unterschied zu geben zwischen Einrichtungen mit und Einrichtungen ohne Schwestern. Das halten wir einmal als erste Erkenntnis fest. Aber was macht denn den Unterschied?
Recht leicht kann man wohl deutlich machen, wo die Schwestern nicht fehlen werden: Nähstube und Waschküche gibt es schon lange nicht mehr und in der Pflege waren sie auch schon seit Jahren nicht mehr tätig. Nein, im Praktischen wird der Weggang der Schwestern weitgehend zu kompensieren sein.
Werden sie uns im kirchlichen Profil unseres Krankenhauses fehlen? Diese Frage ist schwerer zu beantworten, da ja auch das "kirchliche Profil" erst einmal ein Begriff für Unternehmensleitbilder ist, der mit Inhalt gefüllt werden will. Ich kann sowieso besser mit dem Begriff der "kirchlichen Identität" leben, da sich Profile immer ändern können, Identitäten aber dauerhaft bleiben. Eine solche Identität wäre also eine Konstante in der Entwicklung eines Unternehmens. Haben die Schwestern dazu einen Beitrag geleistet? Davon bin ich weitestgehend überzeugt, zumindest was die Vergangenheit angeht. Hier ist jetzt nicht der Ort um über die kirchliche Identität von Einrichtungen zu diskutieren, es mag der Hinweis genügen, dass wir aufpassen müssen, dass wir nicht "kirchliche Identität" mit "kirchlicher Optik" verwechseln. Ein Kreuz an Wand ist zwar in den meisten Fällen besser als kein Kreuz an der Wand, aber für die kirchliche Identität einer Einrichtung bedeutet das nicht viel. Weitaus wichtiger ist es doch, die unternehmerischen, wirtschaftlichen oder in unserem Fall auch ärztlichen und pflegerischen Entscheidungen auf dem Hintergrund dessen zu reflektieren, was wir "christliches Menschenbild" nennen. Auf das Kreuz an der Wand zumindest haben die Schwestern geachtet. Viel mehr konnten sie wahrscheinlich auch nicht tun.
Auch ohne die Schwestern werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch am Montag nach bestem Wissen und Gewissen die Patienten behandeln und pflegen, werden Kinder geboren, werden Krankheiten geheilt oder gelindert, werden Menschen sterben.
Ist also dieses "Man merkt, dass hier (noch) Schwestern sind" nicht eher ein Ausdruck für alles das, was man mit Schwestern verbindet? Ordnung, Disziplin, Korrektheit, aber auch Zuwendung, Nähe und Zeit? Einen Beruf als Berufung zu leben und nicht als Job?
Ich vermute das fast. Für mich ist dies etwas ganz Wichtiges, was uns die Schwestern da lassen. Vielleicht ist auch die Anfangsfrage falsch gestellt: Wir sollten nicht so sehr auf das schauen, was uns fehlen wird, sondern auf das was uns die Schwestern als Auftrag, aber noch viel mehr als Geschenk da lassen: Sich Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen zuzuwenden, für sie Zeit zu haben und für sie da zu sein. Und das Ganze zwar nicht für "Gotteslohn", aber um "Gottes Willen". Dieses Geschenk haben uns, den Mitarbeitern und Patienten, die Schwestern seit 153 Jahren gemacht. An uns liegt es nun, aus diesem Geschenk auch in Zukunft etwas zu machen.

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