Donnerstag, 31. Januar 2013

Lichtmess: Ihr Blick wird sich ändern!

Zum morgigen Fest der Darstellung des Herrn mein aktueller Zeitungsbeitrag:

Die richtigen Weihnachtsfreaks, liebe Leserinnen und Leser, lassen bis heute ihren Baum stehen. Und in manchen Wohnungen, so wie bei mir zuhause, bleibt wenigstens die Krippe bis zum Lichtmesstag aufgebaut, gilt es doch heute, 40 Tage nach Weihnachten, noch einmal ein weihnachtliches Fest zu feiern. Der Inhalt dieses seit dem 5. Jhdt. begangenen Festes wird vom Tagesevangelium vorgegeben, im Osten heißt es „Fest der Begegnung“: der Messias kommt in seinen Tempel und begegnet dem Gottesvolk des Alten Bundes, vertreten durch die Propheten Simeon und Hanna. Im Westen wurde es mehr ein Marienfest und erinnert an den vorgeschriebenen Besuch Marias im Tempel nach der Geburt Jesu. Zur Liturgie dieses Festes gehört auch die heutige Kerzenweihe und Lichterprozession.

Als die Eltern Jesus in den Tempel brachten, nahm es Simeon auf seine Arme und pries Gott mit den Worten: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast. Ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“ Dieses biblische Gebet ist auch seit über 1000 Jahren fester Bestandteil der „Komplet“, des kirchlichen Nachtgebetes. Mir ist dieses Gebet als abendliche Tagesmeditation sehr ans Herz gewachsen: „Herr und Knecht“ – Wer möchte schon gerne Knecht sein? Aber es geht hier nicht um Unterdrückung und Ausbeutung, sondern darum, Gott als „Herrn“ zu haben, also nicht alles selbst machen, leisten und verantworten zu müssen, nicht perfekt sein zu müssen, sondern alles Unvollkommene und Bruchstückhafte meines Tages meinem Herrn in die Hände zu legen, im Vertrauen darauf, dass er alles zum Guten führen wird. „In Frieden scheiden“ – Den Tag mit mir und meiner Welt im Frieden zuende bringen, nicht mit belastenden Konflikten in die Nacht zu gehen, ohne Frieden keine Ruhe! „Das Licht sehen, das mich erleuchtet“ – Zu wissen, dass keine Nacht endlos, kein Dunkel unerhellbar ist, zu wissen, dass das Licht Gottes immer stärker ist als die Finsternis. „Herrlichkeit für dein Volk“ – Die Perspektive meines Lebens und dieser Welt ist nicht Scheitern oder Untergang, sondern Herrlichkeit. Und das nicht nur am Ende der Zeiten, sondern schon jetzt: Zu schauen, welche Spuren von Herrlichkeit habe ich an diesem Tag entdecken können, aufmerksam und empfindlich zu werden für das Gute in meinem Leben und in meinem Alltag.
Ich kann Sie nur einladen, solch eine Tagesreflexion einmal auszuprobieren und einzuüben. Ihr Blick wird sich ändern!

Kommentare:

  1. "Der Inhalt dieses seit dem 5. Jhdt. begangenen Festes wird vom Tagesevangelium vorgegeben, im Osten heißt es „Fest der Begegnung“: der Messias kommt in seinen Tempel und begegnet dem Gottesvolk des Alten Bundes" - wird das immer noch so vermittelt?

    Erstaunlich, denn Jesus ist Jude und der größte Teil des neutestamentlichen biblischen Personals auch. Warum also "begegnet" er dem "Gottesvolkdes alten Bundes". Da klingt doch sehr danach als wolle man unsichtbar machen, daß Jesus als Jude geboren wurde, gelebt hat und gestorben ist.

    Eigentlich dachte ich, daß da die katholische Kirche inzwischen weiter ist. Da war ich wohl etwas zu optimistisch.

    Da Jesus das erstgeborene und männliche Kind von Maria war, diente der Gang in den Tempel zu allererst der "Auslösung des Erstgeborenen" (Pidjon haBen) - was im gebräuchlichen Ausdurck "Darstellung des Herrn" auch nicht unbedingt verständlich ist.

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  2. Zunächst einmal herzlichen Dank für den ausführlichen Kommentar, ich freue mich insofern immer darüber, als das es zeigt, dass sich jemand mit dem hier geschriebenen auch beschäftigt! Die Absicht meines Beitrags war ja keine dogmatische oder exegetische, sondern eher eine spirituell-pastorale. Deshalb ging es in der Festerklärung auch nur kurz um ein Aufzeigen der liturgiegeschichtlichen Entwicklung dieses Tages. Das "Fest der Begegnung" stellt mit seinem Inhalt die Entwicklung in der Ostkirche dar, so habe ich es ja auch geschrieben. Von daher greift Ihre Feststellung, die katholische Kirche müsse doch eigentlich weiter sein, nicht. Der katholische Festinhalt ist ja gerade die "Darstellung" oder "Darbringung" Jesu ganz im Sinne der jüdischen Vorschriften. Von einer Unsichtbarmachung der jüdischen Wurzeln Jesu kann also, zumindest was die katholische Theologie angeht, nicht die Rede sein. Zur Vertiefung kann ich Ihnen nur den 3. Band des Jesus-Buches von Papst Benedikt XVI. empfehlen, dort geht er besonders auf die sog. "Kindheitserzählungen" ein, ab S. 88ff. geht es um die "Darstellung des Herrn".
    MfG

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