Sonntag, 13. Januar 2013

Neues aus St. Kamillentee

"Vergessen Sie nicht Ihren Kuchen zu bezahlen!!!", mit schneidender Stimme unterbrach Herta P. die nachweihnachtliche Gemütlichkeit im Pfarrheim von St. Kamillentee. Noch einmal hob sie an: "Wer einen Kuchen gespendet hat, braucht sein Stück nicht zu bezahlen!!!". Mit leicht roten Flecken am Hals aber dennoch wie immer zufrieden mit sich selbst, ließ sich Herta P. wieder auf ihren Stuhl fallen. Ja, Herta P. und ihre MitstreiterInnen hatten die Sache seit Jahren im Griff: Jede Form von Feierlichkeit hatten sie dieser Gemeinde angesichts des letzten Konzils und des Leids in der Welt aberzogen. Ihrem eindeutigen moralischen Urteil, ihrer spürbaren Betroffenheit und ihrer weltweiten Solidarität konnte niemand widersprechen. Sie waren "ganz nahe beim Menschen. "Das Geld der Caritas ist für die Armen", das war ihr Credo. Das Problem war nur, dass sich inzwischen das Geld der Caritas auf dem Konto häufte, weil man natürlich mit den "echten" Armen nicht viel zu tun haben wollte. Aber das war ihnen egal, sollten die Senioren doch ihren Kuchen bezahlen! Über diese wenigen Senioren legte sich ein eisiger Hauch, sie begannen hektisch in ihren Jackentaschen nach Kleingeld zu suchen. Als praktisch hatte es sich also doch erwiesen, die Wintermäntel während der Veranstaltung wieder anzuziehen, hatte doch jemand aus dem Vorbereitungsteam von CKD und kfd die Raumtemperatur im Saal des Pfarrheims aus Kostengründen nur wenig oberhalb der Außentemperatur eingestellt. Auch der Lichtbildervortrag des Pfarrers über einen unbekannten Flügelaltar hatte die Gemüter nicht erwärmen können. Manche meinten sogar, es sei gut gewesen, dass der Flügelaltar nicht noch mehr Flügel gehabt hätte, sonst wären sie endgültig eingeschlafen. Weihnachtsdekoration gab es nicht, wahrscheinlich hatte die das Konzil abgeschafft. Die nächste Salat- und Kuchenspendeliste lag übrigens schon wieder aus. "Herzliche Einladung zum Dreikönigstreffen" hatte es geheißen...

Wundert es irgendwen, dass keiner mehr kommt?
Ich kann es nur immer wieder sagen: Die meisten unserer Probleme in der Kirche sind hausgemacht.

Kommentare:

  1. Die meisten unserer Probleme in der Kirche sind hausgemacht.

    Klitzekleine Verbesserung:
    Die grössten unserer Probleme in der Kirche sind hausgemacht.

    AntwortenLöschen
  2. Danke für diesen Text! Es könnte glatt in unserer Gemeinde passiert sein. Wie sich doch landauf, landab die Bilder gleichen...

    AntwortenLöschen