Dienstag, 19. Februar 2013

Alter Papst - neuer Papst

Hier mein aktueller Zeitungsbeitrag:

Einen Papstrücktritt, liebe Leserinnen und Leser, hatten wir auch im Zeitmaß der katholischen Kirche schon länger nicht mehr. Vieles ist in den letzten Wochen über Benedikt XVI. gesagt und geschrieben worden, viel Respekt und Anerkennung hat er bekommen, aber auch mancher Blödsinn wurde verzapft, auch von Menschen die es eigentlich besser wissen müssten.
Kardinal Meisners Rede von der „Katholikenphobie“ ist nicht mein Ding, aber die „sprunghafte Feindseligkeit“ von der Benedikt XVI. einmal spricht, beobachte ich durchaus. Was bleibt vom Pontifikat dieses Papstes? Sicherlich zuerst die Erinnerung an einen der ganz großen Philosophen und Theologen unserer Zeit und einen persönlich bescheidenen, zurückhaltenden, ja fast scheuen Menschen. Aber es bleiben auch seine Enzykliken, vor allem „Deus caritas est“ über die Liebe, und seine großen Reden und Predigten: Die sog. „Regensburger Rede“ hat zu einem neuen Dialog mit dem Islam geführt, seine Begegnungen mit dem Judentum haben das Miteinander gefestigt, die Bemühungen um die Ökumene waren zahlreich und der deutschen Kirche hat er eine notwendige „Entweltlichung“ ins Stammbuch geschrieben. Nicht zuletzt sein konsequentes Vorgehen in den Missbrauchsskandalen hat ihm Respekt verschafft.
Das Tragische ist: Das alles haben wir in Deutschland nicht sehen oder hören wollen.

Und der neue Papst? Wird er kein Europäer mehr sein? (Was nicht weiter schlimm wäre, denn das war der heilige Petrus ja auch nicht). Jung? Alt? Konservativ? Progressiv? Diese ganzen Erwartungen die allerorten an den neuen Papst gestellt werden, sind doch wohl eher auf eine Person konzentrierte Projektionen wie man denn selber die Kirche gerne hätte. Solche Spekulationen sind auch müßig, denn einen Wahlkampf gibt es nicht und der Papst wird von den Kardinälen geheim und unter Ausschluss der Öffentlichkeit gewählt.
Gottes Geist wirkt wo und wie er will, und, da bin ich mir ganz sicher, auch bei der Papstwahl. Es wäre schön, wenn wir in diesen ereignisreichen Wochen miteinander für die Kirche beten würden, vielleicht beim Läuten des Angelus, der uns am Morgen, am Mittag und am Abend an die Menschwerdung Gottes erinnert:
Guter Gott, weil du die Menschen liebst, bist du in Jesus Christus selbst Mensch geworden. Sei mit deinem heiligen Geist in deiner Kirche zugegen. Sei mit deinem heiligen Geist bei allen Frauen und Männern, die versuchen ihr Leben an der Botschaft Jesu Christi auszurichten. Sei bei unserem Bruder Joseph und führe ihn weiterhin deine Wege. Sei bei seinem Nachfolger als Bischof von Rom. Sei bei allen Menschen, die zweifeln und suchen. Sei bei uns allen, die wir deine Kirche sind. Segne und begleite uns. Amen.

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