Freitag, 22. März 2013

Kräuterbein und der Papst

Der aus Emmerich am Niederrhein stammende 1973 verstorbene Priester und Schriftsteller Johannes Derksen schildert in seiner quasi autobiographischen Erzählung "Kräuterbein" auf humorvolle und tiefsinnige Weise die Erlebnisse des gleichnamigen Kaplans Jodokus Kräuterbein in der mitteldeutschen Diaspora in den 20er bis 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Kräuterbein ist energiegeladen: Er kämpft gegen Gipsfiguren und elektrisch beleuchtete Heiligenscheine. Gleichzeitig ist er tieffromm und baut Bretterbuden zu Jugendheimen und Kapellen um. Beim Gang zum Altar trägt er allerdings kein Birett, denn er besitzt keines.
Kurz nach seiner Einführung als Nachfolger von Pfarrer Birnbaum im fiktiven "Knautschenbröda" heißt es dann:
"Wie schwer war es, im ersten Jahr keine Veränderungen vornehmen zu dürfen, alles so zu lassen und zu tun, wie es Pfarrer Birnbaum gemacht hatte! Dabei unter diesen Zeitumständen! Kräuterbein war nun Lehrling von Pfarrer Birnbaum, und er erkannte: Jeder Kaplan ist auf seiner neuen Stelle ein Lehrling. Jeder Pfarrer ist in seiner neuen Stelle ein Lehrling. Jeder Bischof muß lernen, ein Bischof zu sein. Weiter in der Hierarchie hinaufzudenken, wagte er nicht. Reformieren darf man nur langsam und behutsam. (...) Welche Vorsätze rangen sich bei dem nun drei Tage nikotinverachtenden Pfarrer durch? 1. Fange die Entrümpelung bei dir selber an, alter Heißsporn! 2. Reform fängt im Innern an, nicht bei Äußerlichkeiten! 3. Kräuterbeinsche Reform muß länger warten als bei ruhigen Pfarrern. 4. Erwirb dir erst einmal das Vertrauen der Gemeinde!"

Ich finde, darüber kann jetzt jeder mal nachdenken.

Kommentare:

  1. Ach ja, Kräuterbein! Da werden alte Erinnerungen wach! Und doch ist er scheinbar immer noch topaktuell!

    AntwortenLöschen
  2. nach langem nachdenken :
    Quod licet lovi, non licet bovi.

    AntwortenLöschen
  3. Sehr interessant... klug und weise...
    Danke für das Zitat!

    AntwortenLöschen