Dienstag, 2. April 2013

Österliche Zeichen: Licht und Dunkel

Hier mein aktueller Zeitungsbeitrag:

Gerade die Feier der Osternacht, liebe Leserinnen und Leser, ist in vielen Elementen von der Symbolik des Lichtes geprägt: Die Osterkerze wird am Feuer entzündet und in die dunkle Kirche getragen, der Diakon singt dabei „Lumen christi – Christus, das Licht!“, das Lob der Kerze selbst erklingt im feierlichen Exultet, dem Osterlob, und in vielen Gebeten wird auf die Auferstehung als Überwindung des Dunkels Bezug genommen. Auch außerhalb der Liturgie finden wir diese Lichtsymbolik: Die Menschen versammeln sich am Osterfeuer, in einigen Gegenden Westfalens rollen brennende Osterräder ins Tal, und sogar unsere Ostereier haben damit zu tun: So wie das Küken die dunkle Hülle des Eis verlässt, so überwindet Christus in seiner Auferstehung das dunkle Grab.
Manchmal mag es uns scheinen, dass das Dunkel in unserem Leben überwiegt oder wir uns doch zumindest in einer zwielichtigen Grauzone befinden: Nichts ist richtig schwarz, aber so richtig hell ist es auch nicht, vielleicht ähnlich dem sonnenarmen Wetter der letzten Wochen. Wir sprechen dann häufig vom „grauen Alltag“. Aber liegt es nicht auch daran, dass wir meist sowieso nur das Dunkel sehen können oder auch manchmal wollen? Die Osterzeit bietet uns einen radikalen Gegenentwurf, wenn sie als die „50-tägige Freudenzeit“ bezeichnet wird. Das bedeutet ja eben nicht, naiv und realitätsfern irgendwie „positiv denkend“ durchs Leben zu laufen, sondern es geht um einen anderen Blick: Nicht wie so oft aus dem Dunkel heraus das wenige Helle zu übersehen, sondern aus der Helligkeit des Ostergeschehens mich und mein Leben anzuschauen und dabei, wie die Jünger am Ostermorgen mit Erstaunen wahrzunehmen: Das Licht hat die entscheidende Kraft, nicht die Finsternis! Das ist die entscheidende Botschaft von Ostern. „Christus, du bist der helle Tag, dein Glanz durchbricht die dunkle Nacht“ heißt es in einem alten Hymnus aus dem 6. Jahrhundert. Darin steckt also eine ganze Menge Lebenserfahrung. Probieren Sie es aus!
Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen dieser „österliche Perspektivenwechsel“ immer wieder gelingt!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen