Mittwoch, 17. April 2013

Spiritualität in der Lebenszeit des Sterbens - Teil II

II. Christliche Spiritualität im Angesicht des Todes

II.1. Leben und Sterben in Geborgenheit

Ein Hauptmerkmal jeder Form von Religion ist die sinnhafte Deutung der menschlichen Existenz gerade im Umfeld der Grunderfahrungen von Geburt, Sterben und Tod. Dass die Auseinandersetzung mit den früher so genannten „Letzten Dingen“ sowohl in der Theologie als auch in der Verkündigung und im Glaubensleben der Christen in den letzten Jahrzehnten immer weiter verblasst ist, mag zum Teil gute Gründe haben, ist aber dennoch sehr bedauerlich, geht es doch um wirkliche Grundfragen des Lebens, nach Sinn und Erfüllung, oder Leere und Bedeutungslosigkeit. Hier soll nur einem Gedanken nachgegangen werden: Die schon geschilderte Grunderfahrung von Passivität und Unvollkommenheit kann es dem religiösen Menschen erlauben, diese in einem positiven Licht zu sehen, nämlich als Geborgenheit in Gott. Das Gefühl der Geborgenheit bewahrt ihn vor der Versuchung, in diesen von außen gesetzten Grenzen nur das willkürliche Spiel eines grausamen Lebensstromes oder die blinde Laune einer dunklen Schicksalsmacht zu sehen. Der gläubige Mensch geht auf die äußersten Grenzen seines Lebens nicht mit Empörung oder Resignation zu, sondern er erkennt seine Abhängigkeit von Gott als eine tröstliche Wahrheit an, die es ihm erleichtert, die Ereignisse seines Lebens anzunehmen. ‚Es gibt eine Passivität, ohne die der Mensch nicht menschlich wäre. Dazu gehört, dass man geboren wird. Dazu gehört, dass man stirbt’ (Eberhard Jüngel). Wer mit dieser Wahrheit seines Lebens vertraut ist, der vermag auch darin einen guten Sinn zu erkennen, dass er nicht aufgrund eigener Entscheidung geboren wurde und nicht durch eigenen Willen sterben muss, sagt der Moraltheologe Eberhard Schockenhoff. Er willigt darin ein, dass er die Regie über sein Leben am Anfang und am Ende in fremde Hände legt. Wenn der Tod uns zum ersten Mal im Sterben anderer Menschen begegnet, erfahren wir, dass wir auch unser eigenes Leben am Ende nicht bewahren können. Es wird uns vielmehr ohne und vielleicht auch gegen unseren Willen genommen werden. Die „Abhängigkeit von Gott“ als „tröstliche Wahrheit“, hier könnte ein Schlüssel für christlich geformte und durchwirkte spirituelle Begleitung liegen.

II.2. Anhänglichkeit an Gott

Die wesentlichste Form der Anhänglichkeit, ein sicherlich schönerer Begriff als „Abhängigkeit“,  an Gott ist das Gebet, also die Kommunikation mit demjenigen, der mich in jeder Lebensphase bedingungslos liebt und annimmt. Vielleicht bleibt das Gebet wirklich zuletzt die einzige mögliche Antwort, so wiederum Peter Schallenberg, die uns auf alle Fragen in unserer Trauer um den Verlust geliebter Menschen, in unserer Angst vor Schmerz und Krankheit und Tod gegeben wird. Das wäre auch die Kunst des Trauerns, die Jesus den Jüngern in seinen Abschiedsreden zumutet und ihnen zugleich damit Mut zuspricht: Trauer, die zum Gebet wird. Für den Christen wird das konkret in der Erfahrung nicht allein zu sein, sondern aufgefangen zu werden in der Glaubensgemeinschaft der Kirche,  er erlebt das Mit-Leiden Jesu am Kreuz, er wird gestärkt und getröstet durch die Heilszusage der Sakramente.

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