Donnerstag, 18. April 2013

Spiritualität in der Lebenszeit des Sterbens - Teil III

III.1. Spirituelle Begleitung soll jedem Menschen angeboten werden
Viele Menschen sind heute eben nicht mehr religiös verankert oder konfessionell an eine Kirche oder Glaubensgemeinschaft gebunden. Aber auch der laut Krankenakte nicht konfessionell gebundene oder nicht irgendwie aktiv erkennbar religiöse Mensch hat spirituelle Bedürfnisse, häufig sogar spirituelle Not, und auch diesem Menschen wird der Krankenhausseelsorger (und nicht nur er sollte das tun) seine Aufmerksamkeit und Zuwendung gerne schenken!

III.2. Spirituelle Begleitung ist eine Aufgabe für alle

Die Welt ist voll von Fachleuten und Fachexperten. Das ist nicht nur recht anstrengend, sondern be- und verhindert auch häufig die direkte und menschliche Anteilnahme und Zuwendung: Schwerkranke Menschen erleben oft, dass sich für Fragen nach Sinn kaum Ansprechpartner finden. Der Kranke wird auf den Seelsorger verwiesen, obwohl er diesem die Frage gar nicht gestellt hatte. Die begleitenden Ärzte und Pflegekräfte, aber auch die Angehörigen und Familien sollten nicht von sich aus alles Spirituelle auf den Seelsorger abschieben, wenn der Sterbende ausgerechnet sie anspricht; Sterbende suchen sich ganz bewusst den aus, mit dem sie über ihre spirituellen Nöte und Bedürfnisse sprechen wollen. Es kommt also hier nicht auf eine irgendwie akademisch erworbene oder schlimmstenfalls antrainierte Professionalität an, sondern auf das, was Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika „Deus caritas est – Gott ist Liebe“ Herzensbildung nennt:Was nun den Dienst der Menschen an den Leidenden betrifft, so ist zunächst berufliche Kompetenz nötig, sie ist eine erste, grundlegende Notwendigkeit, aber sie allein genügt nicht. Es geht ja um Menschen, und Menschen brauchen immer mehr als eine bloß technisch richtige Behandlung. Sie brauchen Menschlichkeit. Sie brauchen die Zuwendung des Herzens. Für alle, die in den karitativen Organisationen der Kirche tätig sind, muss es kennzeichnend sein, dass sie nicht bloß auf gekonnte Weise das jetzt Anstehende tun, sondern sich dem andern mit dem Herzen zuwenden, so dass dieser ihre menschliche Güte zu spüren bekommt. Deswegen brauchen diese Helfer neben und mit der beruflichen Bildung vor allem Herzensbildung.“

III.3. Begleitung zu Annahme und Versöhnung: Der „natürliche Tod“


Ganz gleich ob mehr oder weniger religiös, mehr oder weniger kirchlich gebunden: Vor der Aufgabe sich mit den Beschränkungen des eigenen Daseins zu versöhnen und die Grenzen anzunehmen, die ihm von außen gezogen sind, steht jeder Mensch. Der Moraltheologe Franz-Josef Bormann erläutert, dass jeder Mensch die letzte Lebensspanne, die er als schwerkranker Patient durchlebt, als Teil seines Lebens und als persönlichen Weg zur Annahme seines eigenen Todes gestalten kann, durch den Begriff des ‚natürlichen Todes’, den er von einem naheliegenden technikfeindlichen Missverständnis befreit: Wie für alle anderen Lebens- und Reifungskrisen, so Bormann, gilt auch für die Begegnung des Menschen mit dem Tod, dass nicht die Haltung der Verdrängung und Verweigerung, sondern nur die Annahme sowie das Ringen mit Herausforderungen und Problemen schließlich zum Wachsen und Reifen der Persönlichkeit führt. Nur wer sich auf diesen mühevollen Weg  auch und gerade im Angesicht des Todes einlässt, der hat die Chance, seinen Lebensweg in der Annahme des Todes zu vollenden.

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