Sonntag, 26. Mai 2013

Der Dreifaltigkeitssonntag: Ein Fest mit Langzeitwirkung

Das heutige Hochfest ist bei Liturgiewissenschaftlern reichlich unbeliebt. Nicht nur, weil es ein sog. "Ideenfest" ist, sondern auch, weil es über lange Zeit die österliche Ausrichtung des Sonntags überdeckt hat. Der Paderborner Liturgiker Michael Kunzler schreibt dazu:

"Das Urbild des Sonntags, sozusagen der Sonntag schlechthin, war bis in die jüngste Vergangenheit im Volksempfinden eigentlich nicht der Ostersonntag, sondern der Dreifaltigkeitssonntag. Bei dieser Entwicklung nahm die Dreifaltigkeitspräfation der Messe, die Klemens XIII. 1759 als reguläre Präfation für den Advent und die gesamte nachpfingstliche Zeit vorschrieb, eine Schlüsselstellung ein. Sie entstand in Spanien im 6./7. Jahrhundert, als die Abwehr des germanischen Arianismus noch nachwirkte und der rechte Glaube an die Dreifaltigkeit auch in der Messfeier seinen Ausduck erhalten sollte. Ursprünglich bestimmt für den ersten Sonntag nach Pfingsten, der erst 1334 durch Johannes XXII. für die gesamte Kirche als Dreifaltigkeitssonntag eingeführt wurde, wurde die Dreifaltigkeitspräfation auch an den Sonntagen nach Pfingsten gesungen, da sie keine Eigenpräfation aufwiesen. Nicht weniger einflussreich war, dass die Wochenmessreihe Alkuins (+803), des Hoftheologen Karls des Großen, dem Sonntag die Votivmesse 'in honorem ss. Trinitatis' samt der Dreifaltigkeitspräfation zuwies. Die Dreifaltigkeitsmesse wurde zum regulären Sonntagsformular zwischen Pfingsten und Advent; von Bischof Ulrich von Augsburg (+973) wird berichtet, er habe an Ostern die Frühmesse 'de ss. Trinitate' und erst den Hauptgottesdienst als Ostermesse gehalten. Sogar evangelische Abendmahlsordnungen der Reformationszeit bezeugen, dass die Dreifaltigkeitsmesse weiterhin als das Normalformular der Sonntagsmesse per annum galt. Auch nach dem Tridentinum verblieb man noch lange bei der - im Protestantismus heute noch üblichen - Zählung der Sonntage 'post Trinitatis'." (Die Liturgie der Kirche, 569)

Die Präfation wirkt wirklich eher wie ein theologisches Lehrstück als ein freudiger Lobpreis und die sonntägliche Dreifaltigkeitsfrömmigkeit merkt man auch z.B. daran, dass der bekannte Dreifaltigkeitswallfahrtsort "Sonntagberg" in Österreich eben einfach "Sonntagberg" heisst.
Im letzten Jahr hatte ich als Zugang zu diesem Fest die Dreifaltigkeitstheologie des Irenäus von Lyon dargestellt. Heute einmal folgender kurzer Versuch, der mir aus einer in Dortmund gehörten Predigt in Erinnerung geblieben ist:
So wie Gott in drei Personen zu den Menschen kommt, so hat der Mensch auch drei Erfahrungswege zu Gott:
- Gott als Schöpfer: Gott erkennen durch die Natur, durch das Leben.
- Gott als Bruder: Gott erkennen im Mitmenschen, im Engagement.
- Gott als Geist: Gott erkennen im Nachdenken, in der Philosophie.

Das Bild zeigt die Pfarrkirche zur Hlgst. Dreifaltigkeit in Herne-Wanne. Natürlich nur von außen, denn die Kirche war, wie leider so oft, verschlossen. Wahrscheinlich fürchtet man, es würde sonst etwas von der reichhaltigen Rokokoausstattung geklaut ;-)

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