Donnerstag, 16. Mai 2013

Die Gaben des Heiligen Geistes - Teil II

Das Schöne bei Thomas Ruster ist, dass es bei ihm immer recht schnell praktisch wird, das zeigt sich auch in der Weiterführung seiner Gedanken zu den Gaben des Heiligen Geistes. Gut finde ich dabei auch, dass es ihm immer wieder gelingt, ohne jeden Kommunismusverdacht Kritik an einem menschenverachtenden und ausbeuterischen Wirtschaftssystem zu üben, das sein hässliches Gesicht nicht nur dann zeigt, wenn in Bangladesch 1000 Arbeiter unter den Trümmern ihrer Fabrik begraben werden, damit wir billige T-shirts kriegen. Er schriebt:

"Dies sind die Gaben des Heiligen Geistes. Das alles darf man sich recht konkret und praktisch vorstellen. Wer zum Beispiel nicht Gottesfurcht hat, sondern etwas anders fürchtet und ehrt, sagen wir das Geld, der wird auch gleich zu einer anderen Art von Frömmigkeit gelangen, nämlich so geldfromm werden, wie man das in den Foyers und Tresorhallen der großen Banken antreffen kann. Natürlich hat man auch eine andere Wissenschaft, nämlich die nach der Unterscheidung 'zahlen oder nicht zahlen', und daraus erwachsen auch ganz andere, eigenartige Erkenntnisse. Ob daraus Stärke entsteht, ist ungewiss; für einige, die Geld haben, vielleicht ja, für die, die keins haben, nicht. Aber so richtig stark kann man mit dem Geld nicht werden, denn man muss immer um es fürchten und weiß nie, ob es morgen noch seinen Wert hat. Natürlich folgt man auch einem anderen Rat, vorzüglich dem der sogenannten Berater, auch wenn deren Ruf in letzter Zeit sehr gelitten hat. Und auch, dass aus dem Umgang mit Geld viel Einsicht erwächst, kann man nach der letzten Finanzkrise tunlich bezweifeln. Dass Geld und Wahrheit zusammenkommen, hat man selten erlebt; höchstens, dass jemand, der viel Geld verloren hat, mal eine weise Äußerung macht. Es kommt also schon darauf an, welchem Geist man folgt und welche Gaben man entgegennimmt. Für den Heiligen Geist spricht Psalm 112: 'Selig der Mann, der den Herrn fürchtet, der Freude hat an seinen Geboten. Sein Stamm wird im Lande gar mächtig, Segen ruht auf dem Geschlecht der Frommen. In seinem Hause ist Fülle und Reichtum, seine Gerechtigkeit währet für immer...'. Aus diesem Text scheint übrigens auch hervorzugehen, dass sich Gottesfurcht und Reichtum nicht ausschließen."

Ruster, Thomas: Glauben macht den Unterschied, München 2010, 160f.

UPDATE: Als wäre es abgesprochen: Papst Franziskus heute in einer Ansprache!

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