Dienstag, 14. Mai 2013

Die Gaben des Heiligen Geistes

In der Woche vor Pfingsten und angesichts von so Manchem, was sich in Kirche und Gesellschaft tut, scheint es mir mehr als sinnvoll, sich mit den sog. "Gaben des Heiligen Geistes" zu beschäftigen. Dazu habe ich bei dem hier schön öfter zitierten Dortmunder Theologen Thomas Ruster einen schönen Text gefunden:

"Wie immer bei Aufzählungen in der Bibel tut man gut daran, sie von ihrem Ende her zu verstehen. Es geht also los mit der 'Gottesfurcht'. Gottesfurcht setzt in das rechte Verhältnis zu Gott, die Gabe der Gottesfurcht besteht also darin, Gott gerecht zu werden. Sie ist identisch mit der Einhaltung des ersten und obersten Gebots, Gott zu lieben über alles, woraus das Halten aller übrigen Gebote folgt. Daraus entsteht, was hier 'Frömmigkeit' genannt wird: das Leben als Gottesdienst zu führen, gerecht sein zu wollen, auf Gottes Wort zu hören. Daraus erwächst wiederum 'Erkenntnis', oder auch, wie man sagt 'Wissenschaft'. Es ist das Wissen darum, wie die Welt sich ausnimmt, wenn man sie in der Unterscheidung 'Gott gerecht werden oder Gott nicht gerecht werden' betrachtet, also eine ganz bestimmte Wissenschaft, die sich von anderen Wissenschaften, die nach ganz anderen Unterscheidungen beobachten, unterscheidet. Die Erkenntnis kommt zustande, wenn man sich in das biblische Wirklichkeitsverständnis einarbeitet. Daraus kommt dann wieder 'Stärke', und die muss auch kommen, denn wenn man diese Art von Erkenntnis hat, gerät man unvermeidlich in Konflikt mit anderen Wirklichkeitsverständnissen, mit anderen Wissenschaften. Da tut Stärke not. 'Rat' bezieht sich darauf, jetzt auch das Richtige zu tun. Auf das Tun kommt es ja letztlich an. Aus dem Tun aber erwächst wiederum 'Einsicht', wie es immer in der Bibel geschildert wird: das Gebot des Herrn versteht man erst, wenn man es tut. Es erschließt sich nicht einer kritischen Betrachtung von außen. Das Tun kommt vor dem Hören, dem Verstehen; in der jüdischen Tradition ist dies immer sehr betont worden. Und so folgt also auch die Einsicht aus dem gut beratenen Tun. Aus all dem entsteht 'Weisheit': ein geklärtes, klares Verhältnis zu den Menschen und den Dingen, gespeist aus den Erfahrungen des Tuns und der damit verbundenen Einsicht."

Ruster, Thomas: Glauben macht den Unterschied, München 2010, 159f.

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