Samstag, 22. Juni 2013

22. Juni: Thomas Morus und das Gewissen

Thomas Morus beschreibt in seiner letzten schon in der Haft verfassten Schrift, wie notwendig es ist, Kompromisse einzugehen und durchaus auch die eigene Meinung zurückzustellen, solange es nur nicht um das Allerletzte geht. Das ist natürlich nicht das Gewissen der Helden und Bekenner. Aber es ist das normale Gewissen des normalen Menschen das Thomas Morus hier verteidigt, unser Gewissen, liebe Leserinnen und Leser. „Das kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren!“ hören wir manchmal. Mag sein. Aber Achtung: Ist das nicht auch häufig der moralisch verpackte Versuch, unbequeme und unangenehme Dinge zu vermeiden? Ist es nicht manchmal die eigene Eitelkeit, die sich z.B. weigert, sich in Hierarchien einzuordnen oder Ordnungen zu akzeptieren? Nein, verbiegen muss ich mich nicht, aber die Berufung auf das eigene Gewissen ist kein Freibrief, auch hier gilt es sorgfältig und vernünftig abzuwägen. Das funktioniert natürlich nur, wenn ich auch an meinem Gewissen arbeite, es bilde und es nicht nur bei passender Gelegenheit hervorhole. Und das, liebe Leserinnen und Leser, ist eine Lebensaufgabe. „Nie hätte ich daran gedacht, einer Sache zuzustimmen, die gegen mein Gewissen wäre“ sagt Thomas Morus. Er hat recht, aber er hat auch darum gerungen. Diese Aufgabe nimmt mir keiner ab.

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