Dienstag, 20. August 2013

Bernhard von Clairvaux: Über sich selbst Bescheid wissen

Eine der faszinierendsten Gestalten des Mittelalters, „der Mann seines Jahrhunderts“, wie er von Zeitgenossen beschrieben wird, ist der hl. Bernhard von Clairvaux. 1090 aus burgundischem Adel geboren, tritt er 1112 mit 30 Gefährten in das Reformkloster Citeaux ein und wird so einer der Gründerväter des Zisterzienserordens. Nach drei Jahren wird er zur Gründung von Clairvaux ausgesandt, das nach harten Anfängen rasch aufblühte: bis zu Bernhards Tod 1153 erfolgten von dort aus nicht weniger als 68 Klosterneugründungen. Aber Bernhard war auch mit den großen Problemen der Kirche seiner Zeit befasst: Er war Berater von Päpsten und Fürsten in kirchlichen und politischen Fragen. Darüber hinaus galt er als großer und leidenschaftlicher Prediger und Marienverehrer. Innige, fast zärtliche Frömmigkeit, und gleichzeitig aufbrausendes Temperament, Organisationsgeschick und mönchische Zurückgezogenheit finden in Bernhards Persönlichkeit in einem spannungsreichen Verhältnis zueinander. In unserer Gegend finden wir die ehemaligen Zisterzienserabteien Kamp am Niederrhein mit dem wunderschönen barocken Terrassengarten und Altenberg im Bergischen Land mit der herrlichen gotischen Architektur des Altenberger Doms. „In Betrieb“ und immer einen Besuch wert, ist das Zisterzienserkloster in Bochum-Stiepel. Unser Bild zeigt die Bernhardsfigur auf dem Klosterplatz in Stiepel:


Bernhard denkt viel nach über den sorgsamen Umgang mit sich selbst. An seinen Freund, Papst Eugen, schreibt er:
 
„Deine Besinnung muss bei dir selbst beginnen, damit du nicht dir selbst gleichgültig geworden, dich vergeblich anderen zuwendest. Was nützt es, wenn du die ganze Welt gewinnst und einzig dich verlierst? Denn wärest du auch weise, so würde es dir doch an Weisheit fehlen, solange du über dich selbst nicht Bescheid weißt. Wie viel dir wohl fehlte? Nach meinem Empfinden alles. Du könntest alle Geheimnisse kennen, du könntest die Weite der Erde kennen, die Höhen des Himmels, die Tiefen des Meeres: wenn du dich nicht selber kennst, glichest du jemandem, der ohne Fundamente eine Ruine statt eines Gebäudes errichtete. Keiner ist also weise, der nicht über sich selbst Bescheid weiß. Ein Weiser wird in Weisheit über sich selbst Bescheid wissen und trinkt als erster aus dem Quell seines eigenen Brunnens.“

"Wenn du klug bist, mach dich selbst zu einem Wasserbecken und nicht zu einer Abflußleitung. Diese empfängt und vergießt das Wasser nämlich beinahe gleichzeitig; ein Wasserbecken hingegen wartet, bis es ganz voll ist; und so gibt es weiter, wovon es überfließt, ohne selbst etwas einzubüßen."

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