Freitag, 2. August 2013

Richten sich Rühreier auf Gott aus?

„Was heißt das aber, auf Gott ausgerichtet zu sein? Es heißt nichts anderes als zu glauben, ich selbst und jeder Mensch sei geliebtes Ebenbild Gottes und daher von unschätzbarem Wert, besser: von unzerstörbarer Würde, selbst und gerade über den Tod als Zerstörung der physischen Existenz hinaus. So gesehen töten die Leugnung Gottes und der Unglaube nicht Gott, sondern den Menschen, indem sie das Heil der Seele zerstören und das Bild vom Menschen verdunkeln. Der christliche Glaube an Gott will für den Menschen die bestmöglichen Möglichkeit ansichtig machen – oder, etwas weniger abstrakt und etwas drastischer in den Worten des englischen Schriftstellers Gilbert Keith Chesterton (1874-1936): ‚Man mag die Ansicht vertreten, es stehe dem Menschen frei, sich für ein Rührei zu halten. Aber mit Sicherheit wiegt die Tatsache schwerer, dass er als Rührei nicht die Freiheit hat, zu essen, zu trinken, zu schlafen, spazieren zu gehen und eine Zigarette zu rauchen.‘ (Orthodoxie, Frankfurt/M. 2000, 58). Dies ist in der Tat der Kern des christlichen Glaubens: glauben und fassen zu dürfen, man sei mehr als ein Zufallsprodukt der Evolution oder ein wohlerzogenes Kaninchen – oder eben ein Rührei.“

Peter Schallenberg: Wer ist Gott und was machen wir wenn es ihn gibt?, Augsburg 2010, 39f.

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