Samstag, 14. September 2013

14. September: Kreuzerhöhung

Vor einigen Jahren habe ich auf dem Trödel diese Kreuzigungsgruppe erstanden:

Ich weiß, sie ist nicht sonderlich viel wert, hat keine künstlerische Bedeutung und ist auch vermackt und arg ramponiert. Aber ich habe sie in meinem Büro aufgehangen. Denn oft begegne ich Menschen, denen es ähnlich geht: Wertlos, bedeutungslos, vermackt, arg ramponiert, vielleicht geht es mir ja manchmal selber so. Manche bringen sich selbst in einen solchen Zustand, manche werden von anderen dazu gebracht. Und da kann man nicht gleich mit dem Himmel um die Ecke kommen, nein, manchmal muss man einfach erst einmal unter dem Kreuz stehen. Man braucht auch nicht das Kreuz zu ersehnen oder sich selbst Kreuze auferlegen. Das passiert schon von allein und manchmal schneller und schwerer als man denkt.
Aber ich kann darauf vertrauen, dass ich in den tiefsten Verstiegenheiten und dunkelsten Stunden meines Lebens nicht allein bin, dass Gott diese Wege mit mir geht weil er sie selbst aus Liebe zu mir gegangen ist: Jesus Christus am Kreuz - wertlos, bedeutungslos, vermackt, arg ramponiert.
Und gerade dort am Tiefpunkt wird das Kreuz zum Siegeszeichen: "Des Königs Banner wallt empor, hell strahlt das heilge Kreuz hervor, daran den Tod das Leben litt und Leben durch den Tod erstritt", heißt es im Hymnus. Aus dem Tod wächst das Leben, aus dem Kreuz die Hoffnung. Nichts und niemand ist vor Gott wertlos und bedeutungslos. Und auch meine vermackten und ramponierten Stellen kann ich ihm anvertrauen.
Das kann Hoffnung geben über das Leid hinaus: "O Kreuz, du einzger Trost im Leid, Gruß dir in dieser Leidenszeit! Vermehr den Frommen Gottes Gnad und tilg der Sünder Missetat!"
Es kann Hoffnung geben, es muss es nicht. Ich kann es verstehen, wenn jemand das nicht oder noch nicht als Trost annehmen kann. Warum auch? Manches wiegt zu schwer, zu ungerecht, als ob es jemand tragen könnte. Wenn mir so etwas passieren sollte, dann, o Herr, bewahre mich vor den lauten Missionaren, ich könnte sie nur noch verachten. Schicke mir lieber die stillen Tröster.
Wir werden uns in das Geheimnis des Kreuzes immer wieder hineinfinden müssen. 

Gut, dass uns Tage wie "Kreuzerhöhung" daran erinnern.

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