Sonntag, 15. September 2013

15. September: Perspektive "Himmelsglanz"

Die Verehrung der „Sieben Schmerzen Mariens“ ist im Zusammenhang mit dem vorausgehenden Fest Kreuzerhöhung und der mittelalterlichen Passionsfrömmigkeit zu verstehen. In Deutschland wurde das Fest vereinzelt im 15. Jahrhundert gefeiert, so in Köln und Erfurt, dort findet sich übrigens auch eine der ältesten Pieta-Figuren, also die Darstellung Mariens die ihren toten Sohn betrauert. 1667 wurde die Feier des Festes dem Servitenorden gestattet, 1814 von Pius VII. allgemein eingeführt. Als „Sieben Schmerzen Mariens“ werden bezeichnet: 1. die Weissagung Simeons, ihr werde „ein Schwert durch die Seele dringen“; 2. die Flucht nach Ägypten; 3. das dreitägige Suchen nach Jesus bei der Wallfahrt nach Jerusalem; 4. der Weg nach Golgota; 5. die Kreuzigung Jesu; 6. die Abnahme Jesu vom Kreuz; 7. die Grablegung Jesu.
Unser Bild zeigt das Gnadenbild im Kloster Stiepel.
Am heutigen Fest ist in der Liturgie eine Sequenz vorgesehen. Sequenzen sind besondere zum Festgeheimnis passende Gesänge, die an einigen wenigen Tagen im Jahr vor dem Evangelium gesungen werden. So gibt es eine Oster-, Pfingst- und Fronleichnamssequenz, oder das düster-hoffnungsvolle „Dies irae“ des Requiems. Heute beginnt die Sequenz mit den Worten „Stabat mater“ und besingt das Stehen Marias unter dem Kreuz ihres Sohnes. Die Verfasserschaft dieser Sequenz ist ungeklärt, sie läßt sich aber bis ins hohe Mittelalter zurückverfolgen. Viele berühmte Komponisten haben sie vertont, so z.B. Palestrina, Bach, Dvorak, Verdi oder in jüngster Zeit Arvo Pärt.
Edith Stein, die hl. Theresia Benedicta a cruce, hat an Karfreitag 1935 über die Textzeile „Iuxta crucem tecum stare“ ein Mariengebet geschrieben, aus dem ich heute einen Ausschnitt wiedergeben möchte:

„Heut hab’ ich unterm Kreuz mit Dir gestanden und hab’ so deutlich wie noch nie empfunden, dass unterm Kreuz Du unsre Mutter worden. (…) Du kennst uns alle: unsre Wunden, unsre Schäden, kennst auch den Himmelsglanz, den Deines Sohnes Liebe um uns ergießen möchte in der ew’gen Klarheit. So lenkst Du sorgsam unsre Schritte. Kein Preis ist Dir zu hoch, um uns ans Ziel zu führen (…)“

In den dunklen Stunden unseres Lebens dürfen wir uns mit Maria unter das Kreuz Christi stellen. Wir dürfen uns trösten mit dem Blick auf das Kreuz: Der Herr geht auch die Wege des Leidens mit uns, denn er ist sie selbst gegangen. Er lässt uns nicht allein. Er hat Leiden und Kreuz überwunden und damit auch uns eine Perspektive eröffnet: „Himmelsglanz.“

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