Sonntag, 8. September 2013

Gottesdienst in St. Kamillentee

"Schreib doch nichts schlechtes über die Gemeinde", wurde mir gesagt, die wenigen die sich noch engagieren, gäben sich doch so viel Mühe. Das stimmt, und diese Mühe will ich auch wirklich gern anerkennen, so wie z.B. gestern abend beim schönen Zusammensein der aktiven und ehemaligen Pfadfinder unserer Gemeinde. Nein, nur kritisieren ist nicht meine Absicht. Aber wenn so wie gestern Gottesdienst gefeiert wird, ist das eine Sache die nicht nur einige wenige aus der Gemeinde angeht, denn Gottesdienst ist immer Handeln der ganzen Kirche. Also hat es seinen Platz in der "Öffentlichkeit" eines Blogs. Die Verstöße gegen eine ganze Reihe durchaus sinnvoller liturgischer Vorschriften scheinen sowieso kaum noch jemanden zu jucken. Oder man weiß es einfach nicht. Hier sehe ich die Hauptamtlichen in der Verantwortung bei der Vorbereitung (wenn es ihnen denn nicht selbst egal ist). Ästhetik, Feierlichkeit, Fröhlichkeit, funktionierende Glühbirnen und akustische Verständlichkeit sind in St. Kamillentee sowieso Fremdworte.
Was mich allerdings am nachdenklichsten gemacht hat, waren die anschließenden Gespräche mit den Freunden von früher: Es fand sich keiner darunter, den diese Art der Gottesdienstgestaltung in irgendeiner Weise dazu motiviert hätte, in der nächsten Zeit einmal wieder öfter eine Kirche aufzusuchen.

Der Ablauf war ungefähr folgender:

Eingangslied: "Einmal werden unsere Träume wahr"
Begrüßung durch den Hauptzelebranten, anschließend durch mehrere Pfadfinder in einem kurzen Sprechspiel. Danach geht man durch die Kirche und begrüßt die wenigen Anwesenden mit Handschlag.
Kyrie: gesprochen
Gloria: "Sons of god, hear his holy word"
Tagesgebet: Pfadfindergebet
Lesung: Die Geschichte von der kleinen Schraube (das muss man sich jetzt mal auf der Zunge zergehen lassen...)
Halleluja: "Sing Halleluja to the Lord"
Evangelium: Nicht vom Tage, sondern die Begebenheit bei der es um das Zahlen von Steuern an den Kaiser geht
Predigt: selbst gekürzter Aufruf der Bischöfe zur Bundestagswahl
Credo: entfiel
Dann ging es recht normal weiter, Votivhochgebet "Versöhnung". Zum "Vater unser" mussten alle ihre Plätze verlassen und in der Kirche einen großen Kreis bilden. In diesem Kreis wurde dann auch die Kommunion ausgeteilt.
Danklied: "Ihr seid der Heimat Gesicht" (mit dem eschatologisch interessanten Refrain: "Keine neue Welt, die den Himmel verspricht. Keine neue Zeit, die das heute vergißt".
Zum Schluß gab es das Pfadfinderlied "Flinke Hände, flinke Füße" das von ententanzartigen hektischen Bewegungen begleitet wurde.

Wie sagte ein Freund anschließend: "Ich mag das alles nicht mehr...!"
Hinterher gab es Bier vom Faß (ja wirklich, kein Kamilllentee), lecker Essen und schöne Begegnungen. Immerhin.

Kommentare:

  1. Habe heute sehen müssen, dass bei der Heiligen Messe zum Stadtfest selbstverständlich die evangelische Stadtpfarrerin die Kommunion gereicht bekam. Das ist seit Jahren so üblich und unsere Bischöfe wollen das auch so. Wer sich als Priester bei uns noch an die Vorschriften hält ist doch der Dumme.

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  2. Warum gehst Du denn auch zu so einer Messe. Man weiß doch vorher, daß in diesen "gestalteten" Messen nur Mist gemacht wird.

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    1. Na ja, ich hab halt gedacht, dass das zum Abend dazugehört.

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  3. Man kann auch nicht immer flüchten. Ich habe jetzt gezwungenermaßen zwei "Freiluftmessenwochenenden" (Kreisschützenfest und Mariä Geburt) hinter mir und brauche zum Ausgleich jetzt dringend mal den a.o. Ritus.Man erlebt überall dieselben liturgischen Katastrophen. Zumindest liturgisch sind wir in unseren Pastoralverbünden schon lange buchstäblich am Ende.

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  4. Deswegen gehe ich ja seit Jahren nur noch in den Dom. Leider läuft dort auch nicht alles richtig, insbesondere wenn ein bestimmter Domvikar die Messe hat.
    Gestern zelebrierte in der Abendmesse allerdings eine (neuen ;-)) Domkapitular…
    Der macht das gut.
    Da kann man nicht meckern.
    Endlich wurde z.B. mal wieder das allgem. Schuldbekenntnis gebetet und offenbar gab es auch keine pastoralen Gründe, die den Wegfall einer Lesung hätten begründen können; jedenfalls entfiel keine.

    Es ist schade, daß wir so weit gekommen sind, daß man sich freut, wenn eine Messe so gefeiert wird, wie sie die Kirche zu feiern vorsieht. – Es sollte ja eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

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