Donnerstag, 19. September 2013

Lambertus und die Freiheit

Ein Nachtrag zum gestrigen Gedenktag des hl. Lambertus:

Der heilige Lambert, liebe Leserinnen und Leser, ist uns hier in der Nähe durch die schöne Lambertuskirche in Castrop bekannt. Er wurde um 670 Bischof von Maastricht, musste ab 676 sieben Jahre in der Verbannung im Kloster Stablo leben und konnte dann in sein Bistum zurückkehren. Hier versuchte er wieder Ordnung ins Bistum zu bringen und arbeitete zusammen mit dem hl. Willibrord an der Bekehrung der Heiden in Nordbrabant. In einer Fehde wurde Lambert am 17. September 705 von einem Speer durchbohrt, während er in einer Kirche in Lüttich betete. Zunächst in Maastricht beigesetzt, wurde sein Leichnam später nach Lüttich überführt. – Wilde Anfangszeiten der Christianisierung! Die Ausstellung „Credo“ in Paderborn, die ich nur empfehlen kann, dokumentiert das im Moment sehr eindrücklich und interessant.

 (c) RN

Das Tagesgebet vom heiligen Lambert bietet eine interessante Formulierung, dort heißt es: „Gib uns die Freiheit des Geistes, damit wir uns ohne Zögern deiner Führung überlassen.“ Das bedeutet doch, dass man sich der Führung Gottes nur in Freiheit überlassen kann, ja dass es überhaupt nur in Freiheit möglich ist!
Viele Menschen haben sich vom Glauben und der Kirche abgewandt, weil sie damit nur Druck und Zwang verbinden und dies möglicherweise auch so erlebt haben. Das ist nicht der christliche Glaube. Viele Menschen haben Glauben und Kirche als angstbesetztes Erziehungselement zum Lieb und Brav sein erlebt. Das ist nicht der christliche Glaube. Viele Menschen haben Glauben und Kirche als moralische Überhöhung und Rechtfertigung krankmachender Beziehungen und Strukturen erlebt. Auch das ist nicht der christliche Glaube.
Der christliche Glaube ist zunächst und vor allem anderen Ermöglichung zur Freiheit, oder, wie Papst Benedikt XVI. einmal gesagt hat, eine „positive Option“. Eine Religion, die die Menschen z.B. durch Einführung entsprechender Staatsverfassungen, Rechtsordnungen oder die Unterdrückung von Minderheiten in ihrer individuellen Freiheit einschränkt, kann nicht die Richtige sein. Nein, Glauben setzt immer die freie Entscheidung voraus. Natürlich bedeutet das aber auch, dass Menschen zum Glauben hingeführt werden und dass der Staat eine freie Religionsausübung auch in der Öffentlichkeit garantiert. Dass es wichtig ist für diese Freiheit einzutreten kann uns der Gedenktag des heiligen Lambert wieder einmal in Erinnerung rufen.
 

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