Dienstag, 3. September 2013

Papst Gregor: Anmaßung und Weisheit


Immer wieder, liebe Leserinnen und Leser, kommen wir in Situationen, in denen jemand mehr weiß als wir. Und manchmal gibt es natürlich auch Gelegenheiten in denen es umgekehrt ist, dass wir eben einen Wissensvorsprung gegenüber anderen haben. Das ist völlig normal. Schwierig wird es, wenn manche versuchen ihr eigentliches Nichtwissen hinter einem großen Redeschwall oder einer Aneinanderreihung von Fremdworten und Fachbegriffen zu verbergen und es ihnen ziemlich gut gelingt. So ein Verhalten nennt man dann „Inkompetenzkompensationskompetenz“. Und Situationen in denen man sich „abgekanzelt wie ein Schuljunge“ vorkommt, kennt wohl auch jeder. Aber auch dazu gehören immer zwei: Einer der abkanzelt und einer der sich abkanzeln lässt. Ehrlich gefragt: Erliege ich nicht auch manchmal der Versuchung der Arroganz? Bin ich nicht auch jemand, der mit seinem Wissen gerne glänzen möchte? Den Unterschied erklärt uns Gregor in einem seiner Briefe: 
"Der Wissenschaft der Anmaßenden ist es eigen, dass sie es nicht fertig bringen, ihre Lehre in Demut vorzubringen, und dass sie ihre richtigen Erkenntnisse nicht in der richtigen Weise anzubieten vermögen. In ihren Worten verraten sie sich. Der Anmaßende kommt sich vor, als throne er im Lehrvortrag auf einem hohen Gipfel und schaue herab auf die Hörer tief unten. Nicht als Ratgeber spricht er zu ihnen, sondern als Herrscher, und kaum dazu lässt er sich herab."
Wer wirklich intelligent ist, versteht es komplizierte Dinge verständlich zu vermitteln. Und sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Das ist Weisheit.
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen