Sonntag, 17. November 2013

Gottesdienst: genervt, gelangweilt, gequält

Aus leider wieder einmal aktuellem Anlaß:
 
"Man wird sich manchmal des Eindrucks nicht erwehren. dass Gottesdienst deshalb 'gemacht' wird, damit viele darin mitwirken und sich in dieser Mitwirkung wieder finden können; leider nur zu oft wird die Liturgie mit einem Thema oder einem Zweck versehen, die mit dem erlösenden Handeln Gottes selbst kaum mehr etwas zu tun haben. Dass man trotz allen Anstrengungen um einen zeitgemäßen Gottesdienst der Not, in welche die Liturgie geraten ist, nicht begegnen kann, sollte mittlerweile die Erfahrung doch gelehrt haben. Im Gegenteil: Je mehr man versucht, durch 'zeitgemäße' Gottesdienstgestaltung den vermeintlichen Erwartungen des modernen Menschen entgegen zu kommen, um ihn auf diese Weise in die Kirche zu locken, desto mehr Plätze werden leer! Die meisten lassen sich trotz allen Anstrengungen eben doch nicht zum Gottesdienst 'verleiten' und investieren ihre Freizeit in für sie offenkundig 'Sinnvolleres'.
Diejenigen, die aufgrund ihres Glaubens und religiösen Engagements ohnehin kommen, werden mit vielen dieser 'Gottesdienste' nur noch genervt und gelangweilt - weil sie nichts anderes sind als eine öde, auf die Nerven gehende Wiederholung dieser Welt, wie sie eben ist, an heiliger Stätte. Bar jeder Faszination für das Heilige und sich grundlegend unterscheidende Göttliche macht man vielfach aus dem Gottesdienst einen zumeist weinerlichen 'theologischen Durchlauferhitzer' für Alltäglich-Banales und ohnehin ständig Wiederholtes. Das allein von Gott her kommende erlösende Neue bleibt aus. Ein solcher Gottesdienst ist gerade nicht Gottes-Dienst, sondern Menschen-Werk, bestenfalls durchgestaltete, auf ein Lernziel hin ausgerichtete (Sozial-)Pädagogik. (...)
Es ist die Erfahrung so vieler schlecht gefeierter Gottesdienste, die genau das nicht vermitteln, was den Kern liturgischen Tuns nach der Überzeugung von Katholiken und Orthodoxen ausmacht: die Begegnung mit dem lebendigen Gott. Schlecht und vor allem lieblos gefeierte Gottesdienste können geradezu physische Qualen bereiten! Vieles kann diese Begegnung von Gott und Mensch boykottieren und verunmöglichen, zu hoffen bleibt aus Unverstand und nicht aus bewusstem Wollen. Menschliche Eitelkeit, Machtspielchen darüber, wer im Gottesdienst das 'Sagen' hat, Unverständnis über die nonverbalen Zeichen und Symbole wie Kleid, Gerät und Raum, geschwätziges Nachäffen der Welt, wie sie 'draußen' vor der Kirche ist, oberlehrerhaftes Indoktrinieren vor allem moralischer Botschaften und vieles andere verleiden nicht nur die Freude am Gottesdienst, sondern verhindern den Einbruch der göttlichen Welt in unsere sichtbare Feier auf Erden. Leider nur zu oft kann ein Gefühl des Verständnisses für jene Mitchristen aufkommen, die sich im Gottesdienst rar machen; für viele Gläubige ist die treue Mitfeier schlechter Liturgien eine wahre Zumutung."
 
Michael Kunzler: Liturge sein - Entwurf einer Ars celebrandi, Paderborn 2007, 5; 17.
 
Mit liturgischen Vorschriften zu argumentieren ist manchen "Gottesdienstgestaltern" gegenüber grundsätzlich sinnlos, da ja die Kritik an "denen da oben" inneres Fundament eines jeden Gottesdienstes ist. Aber auch der Konservatismus-unverdächtige (siehe seine Kritik an der "Alten Messe") Michael Kunzler wird nicht viel weiterhelfen, wenn die Grenze des Horizontes der Rand der schwarzen Ringbuchmappe ist.
Ich finde das mehr traurig als ärgerlich. 

Kommentare:

  1. Ich verstehe nicht ganz, warum M. Kunzler einerseits die alte Messe kritisiert, selber aber im byzant. Ritus zelebriert. Byzant. Ritus und alte Messe sind sich so nahe, daß ich seine Kritik an der alten Messe nur als Fähnchen im Karrierewind des Mainstream deuten kann.

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    1. Nun war die Kritik an der alten Messe nicht Hauptrichtung meines Beitrags. Sei's drum. Karrierewind und Mainstream kann man Kunzler wohl eher nicht vorwerfen, denn sonst wäre er schon vor Jahren in seiner Heimat Bischof geworden. Im Vergleich zu anderen selbsternannten Avantgardeliturgikern gilt das m.E. auch. Wenn ich ihn richtig verstehe, dann ist die Ähnlichkeit von orth. Ritus und alter Messe doch begrenzt, weil eine jeweils unterschiedliche Theologie zugrunde liegt. So hat sich z.B. bei den Orthodoxen nie eine solche quantitative Meßopfertheologie entwickelt, die die alte Messe letztlich mit ihrer rubrizistisch-faktischen Normativität der "Privatmesse" des einzelnen Priesters in die Sackgasse geführt hat. Diese Sackgasse wird allerdings durch die neue Messe auch nicht überwunden, man merkt das z.B. recht gut bei der Konzelebration. In der orthodoxen Liturgie würde niemand auf die Idee kommen, dass es sich bei den mitwirkenden Priestern um Einzelzelebranten handelt, von denen jeder sein "eigenes" Messstipendium "abrechnen" kann. Also scheint es in zentralen Begriffen wie "Opfer" durchaus Unterschiede zu geben.
      Natürlich erscheint es mir persönlich auch erst einmal widersprüchlich, wie man sich für die orth. Liturgie begeistern kann und gleichzeitig mit der alten Messe nichts anfangen kann. Aber ich meine, dass man den hier von mir aufgeführten Beobachtungen von Kunzler zustimmen und sich in ihnen wiederfinden kann!

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