Sonntag, 3. November 2013

Hubertus: cum angelis et archangelis: "Trari, trara!"

Beim heutigen Gedenktag des heiligen Hubertus fällt mir immer wieder eine alte Geschichte aus meiner klerikalen Vergangenheit ein. Im Priesterseminar gab es den Brauch, die Gläubigen der umliegenden Orte mit Probepredigten der angehenden Diakone mehr oder weniger zu erfreuen. Die Predigten wurden mit Cassettenrecorder aufgenommen und anschließend mit einem erfahrenen Prediger ausgewertet, die Kirchenbesucher bekamen Auswertungsbögen zum Ankreuzen. (Als später dann das Verbot der Laienpredigt noch einmal eingeschärft wurde, wurde einzig diese Übung übrigens auf oberhirtliche Weisung abschafft, so ein Unsinn...).
Jedenfalls wurden ein Freund und ich der Gemeinde in O-dorf zugeteilt, wo der heutige Generalvikar des Erzbistums P. damals tätig war. Natürlich hatte ich mich lange und intensiv auf eine Predigt zum entsprechenden Sonntag im Jahreskreis vorbereitet. In der Woche davor bekam ich dann allerdings mitgeteilt, dass der hl. Hubertus den Sonntag verdränge und es mit Schützen, Jägern und Bläsern eine Hubertusmesse gäbe. Das war mir als Ruhrgebietskind ungefähr so vertraut, wie einem Halligbewohner das Skifahren.
Das Aussehen der Kirche veränderte sich merklich: Unmengen von Büschen und Bäumen wurden in die Kirche geschafft, der Chorraum verwandelte sich in einen "dunklen Tann" und vor dem Altar wurde ein imposantes Geweih aufgebaut. Mir war ab da nicht mehr ganz klar, wem denn da jetzt die Anbetung zukam. Für eine Lohengrin-Aufführung wäre die Kulisse perfekt gewesen. Aber es war ja Messe, Hubertusmesse mit Musik. Nun weiß ich auch, dass es mit Naturhörnern nicht so ganz einfach ist, das zu spielen, was da vor einem auf dem Notenblatt steht. Aber die so manchem gewundenen Rohr mit großer Anstrengung entlockten Klänge trieben garantiert die letzten verbliebenen Tiere in selbstmörderischer Absicht auf die nahe gelegene Umgehungsstraße. Ist ja praktisch: Man braucht sie dann nicht mit teurer Munition zu erschießen, sondern einfach nur einzusammeln.
Ich habe dann über den heiligen Hubertus und Glaube, Sitte, Heimat gepredigt. Zumindest hab' ichs versucht. Auch hat kein mitgebrachter Falke in die Kirche geschissen. Das soll es ja auch geben... Die Predigtauswertung hinterher im Priesterseminar jedenfalls hat dann zu dauerhaftem Vergnügen aller Beteiligten geführt...
Da hilft nur das Gedicht von Oskar von Riesenthal auf der Jägermeisterflasche:


Das ist des Jägers Ehrenschild,
daß er beschützt und hegt sein Wild,
waidmännisch jagt, wie sich's gehört,
den Schöpfer im Geschöpfe ehrt.

Das Kriegsgeschoß der Haß regiert, -
Die Lieb’ zum Wild den Stutzen führt:
Drum denk’ bei Deinem täglich Brot
Ob auch Dein Wild nicht leidet Noth?


Behüt’s vor Mensch und Thier zumal!
Verkürze ihm die Todesqual!
Sei außen rauh, doch innen mild, -
Dann bleibet blank Dein Ehrenschild!


Allen einen schönen und friedlichen Tag!

Kommentare:

  1. Die Predigerei von Seminaristen, die noch nicht geweiht sind, wurde 2002 endgültig abgeschafft. Leider mußte da erst die Kongregation für den Gottesdienst eingreifen, bis das geschah.

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    1. Es soll ja sogar Priester geben, die ohne Birett zum Altar treten... ;-) Aber mal ohne Scherz: Angesichts der schweren liturgischen Mißstände landauf landab, war die Seminaristenprobepredigt doch wohl eher ein kleineres Übel. Und wenn ich "Predigerei" mal auf die inhaltliche Qualität beziehe, dann wünsche ich mir häufig die Kneipe neben der Kirche zurück, in der früher die Männer während der Predigt ein Bier trinken gingen. - Was mir so in letzter Zeit durch den Kopf geht: Für die "Gestaltung" von Liturgie (wenn ich es mal so nennen darf), egal ob "alte" oder "neue" Messe, scheint es mir zwei grundsätzliche Gefahren zu geben: Lieblosigkeit und Eitelkeit. Wo die in den Köpfen der Verantwortlichen Einzug gehalten haben, bleibt man besser zuhause.

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    2. Ich würde die Mißstände in der Liturgie nicht umbedingt klassifizieren wollen. Daher halte ich es auch für nicht einfach die Laienpredigt auf irgendeiner Mißstandsskala von…bis einzuordnen.
      Zumindest ist die Laienpredigt einer der wenigen Mißstände, bei denen der CIC greift. Bei anderen Mißständen, ist es ja oft "nur" die AEM o.ä.
      Aber allgemein denke ich, daß hier im Erzbistum der Mißstandspegel nicht diözesanweit die Deiche brechen läßt. Da scheint es mir in anderen Diözesen ganz anders auszusehen, sofern ich das überhaupt aus der Ferne beurteilen kann.

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  2. In Münster gab es (und gibt es möglicherweise auch noch) diese Übungen im Rahmen eines Homiletikkurses für alle Studierenden der Theologie. Die praktische Ausführung erfolgte jedoch im Rahmen einer Statio zu Beginn des Gottesdienstes.

    Hubertusmessen halte ich für ebenso peinlich und überflüssig wie Schützen- und andere Folkloremessen, bei denen die Beteiligten sich aufführen wie die letzten Heuler und man ihnen anmerkt, daß sie auch sonst nur selten eine Kirche von innen sehen. Aus dieser Perspektive bin ich froh und dankbar für das Sterben der Volkskirche.

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