Donnerstag, 31. Januar 2013

Lichtmess: Ihr Blick wird sich ändern!

Zum morgigen Fest der Darstellung des Herrn mein aktueller Zeitungsbeitrag:

Die richtigen Weihnachtsfreaks, liebe Leserinnen und Leser, lassen bis heute ihren Baum stehen. Und in manchen Wohnungen, so wie bei mir zuhause, bleibt wenigstens die Krippe bis zum Lichtmesstag aufgebaut, gilt es doch heute, 40 Tage nach Weihnachten, noch einmal ein weihnachtliches Fest zu feiern. Der Inhalt dieses seit dem 5. Jhdt. begangenen Festes wird vom Tagesevangelium vorgegeben, im Osten heißt es „Fest der Begegnung“: der Messias kommt in seinen Tempel und begegnet dem Gottesvolk des Alten Bundes, vertreten durch die Propheten Simeon und Hanna. Im Westen wurde es mehr ein Marienfest und erinnert an den vorgeschriebenen Besuch Marias im Tempel nach der Geburt Jesu. Zur Liturgie dieses Festes gehört auch die heutige Kerzenweihe und Lichterprozession.

Als die Eltern Jesus in den Tempel brachten, nahm es Simeon auf seine Arme und pries Gott mit den Worten: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast. Ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“ Dieses biblische Gebet ist auch seit über 1000 Jahren fester Bestandteil der „Komplet“, des kirchlichen Nachtgebetes. Mir ist dieses Gebet als abendliche Tagesmeditation sehr ans Herz gewachsen: „Herr und Knecht“ – Wer möchte schon gerne Knecht sein? Aber es geht hier nicht um Unterdrückung und Ausbeutung, sondern darum, Gott als „Herrn“ zu haben, also nicht alles selbst machen, leisten und verantworten zu müssen, nicht perfekt sein zu müssen, sondern alles Unvollkommene und Bruchstückhafte meines Tages meinem Herrn in die Hände zu legen, im Vertrauen darauf, dass er alles zum Guten führen wird. „In Frieden scheiden“ – Den Tag mit mir und meiner Welt im Frieden zuende bringen, nicht mit belastenden Konflikten in die Nacht zu gehen, ohne Frieden keine Ruhe! „Das Licht sehen, das mich erleuchtet“ – Zu wissen, dass keine Nacht endlos, kein Dunkel unerhellbar ist, zu wissen, dass das Licht Gottes immer stärker ist als die Finsternis. „Herrlichkeit für dein Volk“ – Die Perspektive meines Lebens und dieser Welt ist nicht Scheitern oder Untergang, sondern Herrlichkeit. Und das nicht nur am Ende der Zeiten, sondern schon jetzt: Zu schauen, welche Spuren von Herrlichkeit habe ich an diesem Tag entdecken können, aufmerksam und empfindlich zu werden für das Gute in meinem Leben und in meinem Alltag.
Ich kann Sie nur einladen, solch eine Tagesreflexion einmal auszuprobieren und einzuüben. Ihr Blick wird sich ändern!

Problemanzeige: Kommunionspendung außerhalb der Eucharistiefeier

"Wieso, den brauchen sie auch noch?" sagte der Küster zu einem auswärtigen Priester, der ihn darauf aufmerksam machte, dass er für die Eucharistiefeier auch einen Kelch benötige.
Diese Gemeinde hat seit Jahren keinen eigenen Pastor mehr, dafür aber einen dort ansässigen Gemeindereferenten N.N., den die meisten Menschen in dieser Gemeinde auch meistens nur "Pastor N.N." nennen. Dieser feiert die regelmäßigen Wortgottesdienste, oder besser "Wort-Gottes-Feiern", wie selbstverständlich mit Kommunionspendung, auch die Gottesdienste in der Kirche, die den dann von ihm durchgeführten Beisetzungen vorausgehen.
Vor vielen Jahren bereits habe ich mich als junger Theologe bei einem Konveniat furchtbar mit einem pensionierten Revolutionspfarrer in die Wolle gekriegt, als ich anmerkte, bei Wortgottesdiensten sei es normalerweise sinnvoll, auf die Kommunionspendung zu verzichten. Für wie blöd ich denn die Gemeinden halten würde, wurde ich aufbrausend gefragt, und wie arrogant ich denn sei zu meinen, dass die Menschen den Unterschied zur Messe nicht merken würden.
Dazu kann ich auch heute nur sagen: Ich halte die Gemeinden nicht für blöd, ob ich arrogant bin mögen andere beurteilen, aber dass der Unterschied zur Messe nicht mehr erkannt wird, dazu stehe ich nach wie vor.
Natürlich hat die Kommunionspendung außerhalb der Eucharistiefeier ihren Platz, bei der Krankenkommunion, oder z.B. bei Wortgottesdiensten in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen. Aber nicht als regelmäßiger "Messersatz" in einer normalen Kirchengemeinde!

Trost: Auch wieder nicht in St. Kamillentee ;)

Taufbecken einmal anders...

Was man nicht alles mit kirchlichem Inventar machen kann! Ein besonders ansprechendes Beispiel habe ich heute morgen entdeckt:


Was tröstet: Schön war das Ding vorher auch nicht und es war auch nicht in St. Kamillentee!

Mittwoch, 30. Januar 2013

Los Wochos: Teeniehits!

Mein Beitrag: Natürlich "Poor Man's Moody Blues" von Barclay James Harvest!
(Hier freilich in einer neueren Variante)


(Für Stefan:) Meine Güte, was haben wir in den frühen 80ern mit Salzstangen, Cola, einem Teller Käse-Lauch-Suppe und feuchten Händen auf alten Matratzen im Kinderzimmer sitzend geschmachtet, das rote Fruit-of-the-Loom-Sweatshirt in die weiße Vanilliahose gezwängt, und uns nicht getraut, Gunhild oder Beate zum Bluestanzen aufzufordern, während sich andere eng umschlungene Pärchen im Halbdunkel bereits langsam zur Musik in den Teppichboden schraubten...
Seufz...

Dienstag, 29. Januar 2013

So richtig Küster...

Jeder Berufsstand hat ja so seine Klischees, so auch der des Küsters. Das Schöne ist, dass sie sich auch immer wieder bestätigen, so wie gestern. Anruf bei einem Küster:

"Ja hallo, ich wollte Sie anrufen wegen einer von Ihnen bestellten Kerze die ich für Sie mitgebracht habe!" - "Was? Kerze? Weiß ich nichts von!" - "Ja, aber..." - "Woher haben Sie denn meine Handynummer, da ruft doch sonst nur der Pastor drauf an?" - "Die Nummer steht im Internet." - "Und überhaupt, ich hab' Feierabend!".
Es war gegen 11.30 Uhr.

Einziger Trost: Es war nicht in St. Kamillentee...

29. Januar: Aquilinus: Freundschaft mit dem Guten

Heute findet sich im Würzburger Direktorium der gebotene Gedenktag des hl. Aquilinus. Der Überlieferung nach wurde er um 970 in Würzburg geboren. Zu Köln erfuhr er seine Ausbildung und wurde dort an die Spitze des Domkapitels berufen. Auf einer Wallfahrt nach Mailand wurde er dort um 1015 von Ungläubigen ermordet. Sein Grab befindet sich in San Lorenzo Maggiore. Seit dem 17. Jhdt. wird er in Würzburg besonders verehrt.
Die Lesehore bringt einen Text aus den "Seligpreisungen" Gregors von Nyssa:

"(...) Denn beseligend ist es, um des Herren willen verfolgt zu werden. Warum? Weil die Verfolgung durch den Bösen das Mittel zur Erlangung des Guten wird; denn mit der Feindschaft des Bösen beginnt die Freundschaft mit dem Guten. Das Gute aber (...) ist der Herr, und dieser ist das Ziel, dem der Wettlauf des Verfolgten gilt."

Das Tagesgebet vom hl. Aquilinus lautet:

"O Gott, für den Glauben an dich erlitt der heilige Aquilinus den Tod des Blutzeugen. Gib, dass wir seinem Beispiel folgen und unseren Glauben in Wort und Tat allezeit bekennen."

Montag, 28. Januar 2013

29. Januar: Thomas und die Traurigkeit

In meiner Arbeit habe ich häufig mit traurigen Menschen zu tun. Trauer und Depression sind zwei verschiedene Dinge, aber wenn sie zusammenkommen, wird es meist besonders belastend: Eine Depression ist häufig eine Folge einer langanhaltenden und schleichenden inneren Vernachlässigung. Vernachlässigung durch eigene oder von anderen auferlegte Überforderung und Überlastung, zu wenig Selbstachtsamkeit und Empfindsamkeit mit dem eigenen Körper und der eigenen Seele.
Trauer über einen Verlust hingegen ist ersteinmal völlig normal und auch notwendig. Weil die Trauer aber mit dem Zulassen eines Gefühls zu tun hat, belastet sich der depressive Mensch auch häufig noch mit der Frage, ob er denn überhaupt trauern dürfe, ob er diese Trauer zulassen könne, ja im Grunde ist es die Frage, ob er sich denn, so seltsam es sich auch anhört, "Trauer gönnen" kann.

Der hl. Thomas hat dazu etwas sehr tröstliches geschrieben:

"Tränen und Seufzer mildern natürlicherweise die Trauer. Und das aus zweifachem Grunde. Zunächst deshalb, weil alles Schädliche, das im Innern eingeschlossen ist, mehr betrübt, da sich die Spannung der Sele ihm gegenüber vervielfacht. Ergießt es sich aber nach außen, dann verteilt sich die seelische Spannung gewissermaßen nach außen, und somit vermindert sich der innere Schmerz. Daher wird die Trauer gemildert, sobald Menschen, die in Trauer sind, äußerlich ihre Trauer offenbaren, sei es durch Weinen oder Seufzen, sei es auch durch Worte. - Zweitens deshalb, weil eine dem Menschen nach seiner augenblicklichen Verfassung zukommende Tätigkeit ihm lustlich ist (sibi est delectabilis). Weinen und Seufzen sind aber Tätigkeiten, die zu einem, der Trauer oder Schmerz hat, passen (operationes convenientes tristato vel dolento). Deshalb werden sie lustlich für ihn. Da nun jede Lust (...) Trauer oder Schmerz in etwa mildert, wird folglich auch durch Wehklagen oder Seufzen die Trauer gemildert. (Dadurch), daß der Mensch sich vorstellt (imaginatur), er tue, was ihm nach seinem augenblicklichen Zustand entspricht, entsteht eine gewisse Lust."

STh, I-II, 2. ad 3, zitiert nach: Zsok / Briese: Liebe und Hass - Wege der mittelalterlichen Weisheit, St. Ottilien 2007, 76f.

Sonntag, 27. Januar 2013

27. Januar: Der hl. Julian: Predigt und Glauben

Wäre heute nicht Sonntag und somit der 3. Sonntag im Jahreskreis oder meinetwegen auch Septuagesima (was sich eindeutig schöner anhört), würde die Kirche von Paderborn heute des hl. Bischofs Julian von Le Mans, des Vorgängers des hl. Liborius, gedenken. Seine Amtszeit fällt wahrscheinlich in die Jahre 301 bis 348. Nach Übertragung seiner Gebeine in die Kathedrale der Stadt im Jahr 835 wurde er schließlich 1158 deren Patron. Wenige Jahre später übersandte das Kapitel von Le Mans eine Vita und Reliquie des hl. Julian nach Paderborn. Eine Figur Julians am Paradiesportal des Paderborner Domes weist auf die Verehrung Julians in Paderborn seit dieser Zeit hin. Vor fast 20 Jahren konnte ich als Seminarist in der "Paderborner Delegation" am Juliansfest in Le Mans teilnehmen und in einer wirklich hoch interessanten Woche die französische Kirche und vor allem ihre herzliche Gastfreundlichkeit ein wenig erfahren und kennen lernen.
Die Lesehore bietet einen Text des 1946 verstorbenen Paderborner Dompropstes Paul Simon:

"Der Prediger kann nicht verkünden, wenn er nicht selbst glaubt, wenn er den Glauben nicht erfahren hat. Seine Glaubenserfahrung ist also von äußerster Wichtigkeit, denn sie prägt seine Verkündigung, sie gibt ihr die Wärme oder Kälte, sie gibt ihr die Tiefe oder Oberflächlichkeit, sie gibt ihr die Anschaulichkeit und Wirklichkeitsnähe, oder die Abstraktheit und Wirklichkeitsferne."

Da ist was dran: Nehmen wir uns doch einmal vor, in der nächsten Zeit die Predigten die wir hören, auf den Glauben des Predigers hin zu hören! Nicht im Sinne von "Rechtgläubigkeit", sondern was sagt uns diese Predigt über diesen Menschen und seinen Glauben? Und auch für diejenigen, die die Predigten halten: Was hat das, was ich sage, mit mir, meinem Glauben und meiner Lebenswirklichkeit zu tun?
Das könnte zu interessanten Erkenntnissen führen.

Das Tagesgebet vom hl. Julian lautet:

"Herr, unser Gott, du hast dem heiligen Bischof Julian des Geist des Rates und der Stärke verliehen, damit er die Kirche von Le Mans leite und im Glauben festige. Erleuchte auch uns, damit wir unsere Aufgabe erkennen und sie in der Kraft deines Geistes erfüllen."

Allen einen schönen Sonntag!

Donnerstag, 24. Januar 2013

Frauen an die Macht - auch in der Kirche!

Wohin das führen kann, zeigt uns seit vielen Jahren bereits St. Bonifatius in Herne:


Im Kirchturm ist ein Schuhgeschäft ;)

24. Januar: Franz von Sales: Was nützen Schlösser in Spanien?

"Wünschen Sie nicht, zu sein, was Sie nicht sind, sondern wünschen Sie, was Sie sind, sehr gut zu sein. Beschäftigen Sie Ihre Gedanken damit, hierin vollkommen zu werden und die kleinen oder großen Kreuze, denen Sie dabei begegnen, zu tragen. Und, glauben Sie mir, hier liegt das Entscheidende unseres geistlichen Weges und das, was am wenigsten verstanden wird. Jeder liebt seinem Geschmack entsprechend, nur sehr wenige ihrer Pflicht entsprechend und nach dem Geschmack unseres Herrn. Was nützt es uns aber, Schlösser in Spanien zu bauen, wenn wir in Frankreich wohnen müssen! Das ist meine alte Lehre."

Franz von Sales
Oe XIII, S. 291, Brief an die Präsidentin Brulart vom Juni 1607.

Montag, 21. Januar 2013

Abschied von den Schwestern: Schön wars!

Gestern nun der Schwesternabschied: Die Kirche war rappelvoll, sogar "Abordnungen" der benachbarten Karmelitinnen und Zisterzienser, fast das ganze Krankenhauspersonal war da, dazu natürlich alle Gremien, Verbände und Vereine aus der Gemeinde. Dazu noch schöne Musik - beim "Panis angelicus" tut sich immer das Herz auf - und eine schöne Predigt: Der Einstieg war "Mit Nonnen kann mans ja machen!" und dann wurde es interessant... Und zum Schluss diese herrlich ultramontane "Marienhymne"...
Die evangelische Pastorin die neben mir saß habe ich hinterher gefragt, ob sie zu Hause nicht Ärger bekommt, wenn sie so nach Weihrauch duftet...

Samstag, 19. Januar 2013

Musik zum Wochenende: The Alan Parsons Project

Meine alte Pubertäts-Lieblingsband: The Alan Parsons Project.
Einiges davon kann man heute noch hören, z.B. die nach wie vor geniale allererste Platte "Tales of mystery and imagination" oder auch die vielleicht bekannteste "Eye in the sky":


Allen ein schönes Wochenende!

Freitag, 18. Januar 2013

Der liturgische Alltag eines Bischofs...

Aus den Hinweisen eines westfälischen Weihbischofs zu den Firmungsgottesdiensten:

- Die biblischen Lesungen können nicht durch nicht biblische Texte (Geschichten etc.) ersetzt werden.
- Das Glaubensbekenntnis der Firmbewerber als Tauferneuerung wird grundsätzlich in der vorgeschriebenen Frage- und Antwortform durchgeführt. Ich bitte, am Text des Glaubensbekenntnisses keine Veränderungen vorzunehmen.
- Selbstverständlich kann nur ein approbierter Messkanon verwendet werden.

Eigentlich selbstverständlich, oder? Das und noch einiges mehr gibt der Bischof seinen Priestern und Gemeindereferentinnen und -referenten mit auf den Weg. Er muss wohl schon viel erlebt haben...

Donnerstag, 17. Januar 2013

17. Januar: Antonius und die Wohlgefälligkeit vor Gott

"Ein Bruder fragte den heiligen Antonius: 'Wie soll ich mich halten, daß ich Gott wohlgefalle?' Der Altvater antwortete und sprach: 'Behalte, was ich Dir sage und thue, was ich dich heiße. Wohin du gehest, hab Gott vor Augen; und was zu thun ist, nimm dazu das Zeugnis der heiligen Schrift; und wozu du dich einmal mit Gott entschlossen hast, davon weiche nicht leicht wieder ab! Die drei Stücke behalte, so wirst du behalten werden.'"

aus: Heinrich Bone: Buch der Altväter, Paderborn 1863, Nachdruck Abtei Mariawald 2008/11, 233.

Das Bild zeigt die Figur des "Fickeltünnes" in der Pfarrvikariekirche St. Antonius in Oberhundem-Marmecke - ganz tief im Sauerland...
Und noch ein schönes Zitat aus dem gleichen Buch:

"Antonius sprach einmal: 'Ich fürchte Gott jetzt nicht mehr; denn ich habe ihn lieb."

Mittwoch, 16. Januar 2013

Abschied von den Schwestern: Was uns fehlen wird.

Was wird uns eigentlich fehlen, wenn wir am Sonntag die letzten beiden Vinzentinerinnen aus unserem Krankenhaus verabschieden? Was wird ab Montag bei uns anders sein?
"Man merkt, dass hier (noch) Schwestern sind!" - Diesen Satz bekommt man hier und da schon mal zu hören, meist von älteren Menschen. Ich bin mir nicht sicher ob das immer ein Kompliment ist, denn so manche Schwester hätte auch einen guten Kompaniefeldwebel abgegeben. Trotzdem ist dieser Satz wohl von den Allermeisten eher positiv gemeint. Es scheint also einen Unterschied zu geben zwischen Einrichtungen mit und Einrichtungen ohne Schwestern. Das halten wir einmal als erste Erkenntnis fest. Aber was macht denn den Unterschied?
Recht leicht kann man wohl deutlich machen, wo die Schwestern nicht fehlen werden: Nähstube und Waschküche gibt es schon lange nicht mehr und in der Pflege waren sie auch schon seit Jahren nicht mehr tätig. Nein, im Praktischen wird der Weggang der Schwestern weitgehend zu kompensieren sein.
Werden sie uns im kirchlichen Profil unseres Krankenhauses fehlen? Diese Frage ist schwerer zu beantworten, da ja auch das "kirchliche Profil" erst einmal ein Begriff für Unternehmensleitbilder ist, der mit Inhalt gefüllt werden will. Ich kann sowieso besser mit dem Begriff der "kirchlichen Identität" leben, da sich Profile immer ändern können, Identitäten aber dauerhaft bleiben. Eine solche Identität wäre also eine Konstante in der Entwicklung eines Unternehmens. Haben die Schwestern dazu einen Beitrag geleistet? Davon bin ich weitestgehend überzeugt, zumindest was die Vergangenheit angeht. Hier ist jetzt nicht der Ort um über die kirchliche Identität von Einrichtungen zu diskutieren, es mag der Hinweis genügen, dass wir aufpassen müssen, dass wir nicht "kirchliche Identität" mit "kirchlicher Optik" verwechseln. Ein Kreuz an Wand ist zwar in den meisten Fällen besser als kein Kreuz an der Wand, aber für die kirchliche Identität einer Einrichtung bedeutet das nicht viel. Weitaus wichtiger ist es doch, die unternehmerischen, wirtschaftlichen oder in unserem Fall auch ärztlichen und pflegerischen Entscheidungen auf dem Hintergrund dessen zu reflektieren, was wir "christliches Menschenbild" nennen. Auf das Kreuz an der Wand zumindest haben die Schwestern geachtet. Viel mehr konnten sie wahrscheinlich auch nicht tun.
Auch ohne die Schwestern werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch am Montag nach bestem Wissen und Gewissen die Patienten behandeln und pflegen, werden Kinder geboren, werden Krankheiten geheilt oder gelindert, werden Menschen sterben.
Ist also dieses "Man merkt, dass hier (noch) Schwestern sind" nicht eher ein Ausdruck für alles das, was man mit Schwestern verbindet? Ordnung, Disziplin, Korrektheit, aber auch Zuwendung, Nähe und Zeit? Einen Beruf als Berufung zu leben und nicht als Job?
Ich vermute das fast. Für mich ist dies etwas ganz Wichtiges, was uns die Schwestern da lassen. Vielleicht ist auch die Anfangsfrage falsch gestellt: Wir sollten nicht so sehr auf das schauen, was uns fehlen wird, sondern auf das was uns die Schwestern als Auftrag, aber noch viel mehr als Geschenk da lassen: Sich Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen zuzuwenden, für sie Zeit zu haben und für sie da zu sein. Und das Ganze zwar nicht für "Gotteslohn", aber um "Gottes Willen". Dieses Geschenk haben uns, den Mitarbeitern und Patienten, die Schwestern seit 153 Jahren gemacht. An uns liegt es nun, aus diesem Geschenk auch in Zukunft etwas zu machen.

Sonntag, 13. Januar 2013

Neues aus St. Kamillentee

"Vergessen Sie nicht Ihren Kuchen zu bezahlen!!!", mit schneidender Stimme unterbrach Herta P. die nachweihnachtliche Gemütlichkeit im Pfarrheim von St. Kamillentee. Noch einmal hob sie an: "Wer einen Kuchen gespendet hat, braucht sein Stück nicht zu bezahlen!!!". Mit leicht roten Flecken am Hals aber dennoch wie immer zufrieden mit sich selbst, ließ sich Herta P. wieder auf ihren Stuhl fallen. Ja, Herta P. und ihre MitstreiterInnen hatten die Sache seit Jahren im Griff: Jede Form von Feierlichkeit hatten sie dieser Gemeinde angesichts des letzten Konzils und des Leids in der Welt aberzogen. Ihrem eindeutigen moralischen Urteil, ihrer spürbaren Betroffenheit und ihrer weltweiten Solidarität konnte niemand widersprechen. Sie waren "ganz nahe beim Menschen. "Das Geld der Caritas ist für die Armen", das war ihr Credo. Das Problem war nur, dass sich inzwischen das Geld der Caritas auf dem Konto häufte, weil man natürlich mit den "echten" Armen nicht viel zu tun haben wollte. Aber das war ihnen egal, sollten die Senioren doch ihren Kuchen bezahlen! Über diese wenigen Senioren legte sich ein eisiger Hauch, sie begannen hektisch in ihren Jackentaschen nach Kleingeld zu suchen. Als praktisch hatte es sich also doch erwiesen, die Wintermäntel während der Veranstaltung wieder anzuziehen, hatte doch jemand aus dem Vorbereitungsteam von CKD und kfd die Raumtemperatur im Saal des Pfarrheims aus Kostengründen nur wenig oberhalb der Außentemperatur eingestellt. Auch der Lichtbildervortrag des Pfarrers über einen unbekannten Flügelaltar hatte die Gemüter nicht erwärmen können. Manche meinten sogar, es sei gut gewesen, dass der Flügelaltar nicht noch mehr Flügel gehabt hätte, sonst wären sie endgültig eingeschlafen. Weihnachtsdekoration gab es nicht, wahrscheinlich hatte die das Konzil abgeschafft. Die nächste Salat- und Kuchenspendeliste lag übrigens schon wieder aus. "Herzliche Einladung zum Dreikönigstreffen" hatte es geheißen...

Wundert es irgendwen, dass keiner mehr kommt?
Ich kann es nur immer wieder sagen: Die meisten unserer Probleme in der Kirche sind hausgemacht.

Dienstag, 8. Januar 2013

Abschied von den Schwestern - Gedanken über "Berufung"

Ende des Monats werden die letzten beiden Paderborner Vinzentinerinnen unser Krankenhaus verlassen und ins Schwesternaltenheim nach Borchen ziehen. Dieser Abschied ist nicht nur mit persönlicher Wehmut verbunden, es geht auch eine insgesamt 153-jährige Ära damit zu Ende. 153 Jahre – so lange haben hier seit der Gründung des Krankenhauses Ordensschwestern in den unterschiedlichsten Bereichen gelebt und gearbeitet: In der Pflege, der Küche, der Hauswirtschaft, der Nähstube, der Waschküche und nicht zuletzt in der Sakristei. Dass sie seit 153 Jahren dieses Haus auch durch ihr Gebet getragen haben, bleibt in solchen Würdigungen häufig unerwähnt. Vielleicht ein erstes Indiz für die Krise der sogenannten „tätigen“ Orden? (Eigentlich ein unmöglicher Begriff, denn würden wir behaupten die anderen Orden seien untätig, wären wir wieder auf dem Niveau des Josephinismus.) Wir kommen noch darauf zurück.
Im Laufe der Jahre wurden die Schwestern immer weniger und immer älter, neue Schwestern kamen nicht hinzu, und so ist dieser Abschied wohl folgerichtig. Ist damit das Projekt „Ordensschwestern“ letztendlich gescheitert? Auch darauf kommen wir zurück, denn ich möchte zunächst eine andere Frage in den Vordergrund stellen: Was lernen wir aus dieser Entwicklung?

Ich glaube wir lernen zunächst einmal etwas über Berufung:

1. Berufung ist immer dynamisch
Wir neigen eher zur Statik, aber biblisch ist das nicht: Krippe statt Herberge, kein Hüttenbau auf dem Tabor, kein Ort für den Menschensohn, keine bleibende Stätte für Paulus. Ich glaube, dass das dynamische Element von Berufung häufig zu kurz gekommen ist, auch in den Orden: Mit dem Bau gewaltiger „Mutterhäuser“, einer häufig unbarmherzigen Disziplin die den Willen der Einzelnen brechen sollte und der Schaffung immer neuer Hierarchien (kleiner Witz: Wenn zwei Schwestern zusammen sind, ist garantiert eine davon die Oberin) ging auch die Dynamik der Berufung verloren. Hinzu kommt eine tragische spirituelle Vernachlässigung: Dienen, dienen, dienen. Das reicht als Kraftquelle einfach nicht aus und hat oft zu Verbitterung und geistlicher Verödung geführt. Damit wird auch die Anfangsfrage beantwortet, warum bei den Schwestern kaum jemand zuerst ans Gebet denkt. Ich glaube, dass diese Tatsache wirklich ein Krisenindikator ist.
Nein, Berufung braucht Dynamik: Als der Herr seine Jünger beruft, sagt er „Folgt mir nach!“ und nicht „Bleibt mit mir stehen!“. Als sich diese Vinzentinerinnen vor 153 Jahren aufgemacht haben dieses Krankenhaus aufzubauen, sind sie in eine ungewisse Zukunft aufgebrochen. Ebenso die Schwestern die wir jetzt verabschieden: Als sie vor nunmehr mehreren Jahrzehnten nur mit einem Koffer mit ein paar Habseligkeiten in der Hand vor der Mutterhaustür im Nachkriegspaderborn standen und um Aufnahme baten, war es auch eine mutige Entscheidung. Ich glaube, dass uns das heute häufig fehlt: Es gibt Menschen die haben schon von fast jedem deutschsprachigen Kloster einen Klausurschlüssel gehabt und konnten doch keinen Platz für sich finden. Natürlich, es geht um Entscheidungen, ja Lebensentscheidungen und Dynamik und Hektik sind etwas Grundverschiedenes. Aber manchmal muss man einfach springen.

2. Berufung ist immer konkret
Die hl. Theresia Benedicta a cruce – Edith Stein – schreibt 1937 in einem Brief aus dem Kloster: „An sich gilt es gleich bei uns, ob man Kartoffeln schält, Fenster putzt oder Bücher schreibt. Im Allgemeinen verwendet man aber die Leute zu dem, wozu sie am ehesten taugen, und darum habe ich viel seltener Kartoffeln zu schälen als zu schreiben.“ Und als die sel. Maria Euthymia Üffing von einer ihr liebgewordenen Tätigkeit abgezogen und in die Waschküche versetzt wird, sagt sie nur: „Wenn Waschküche, dann Waschküche.“
Viele tun sich heute mit ihrer Berufung so schwer, weil sie sich diese mit heilloser Warterei kaputtmachen: Warten auf den endgültigen und eindeutigen Ruf Gottes, warten auf die richtigen Bedingungen und Lebensverhältnisse diese Berufung zu entfalten, warten auf die richtige innere Befindlichkeit, warten, warten, warten. Diese Warterei wird kein Ende finden. Nein, ich glaube dass Berufung auch bedeutet, die vor einem liegenden Dinge anzupacken und zu tun. Der hl. Benedikt sagt in seiner Ordensregel, die Mönche sollen ihre Arbeit wie einen Gottesdienst tun: Kartoffelnschälen ist Gottesdienst, Bücherschreiben ist Gottesdienst, Waschküche ist Gottesdienst. Das haben uns die Schwestern in unserem Krankenhaus in ihren vielen verschiedenen Arbeitsbereichen vorgelebt. Und jetzt eben „Wenn Borchen, dann Borchen.“

3. Berufung braucht Gehorsam
Wenn Berufung konkret ist, ereignet sie sich auch nie isoliert oder unabhängig von Zeit und Raum. Es reicht nicht zu meinen, man sei irgendwie diffus berufen. Eine Berufung braucht immer die Prüfung und die Annahme durch die Kirche. Das ist keine Schikane, denn Berufung bedeutet ja nicht ein individuelles Ausleben seiner Talente, sondern hat auch immer mit Gehorsam zu tun. Der Gehorsam scheint mir mit Blick auf so manche innerkirchliche Entwicklung der schwierigste der Evangelischen Räte zu sein: Es gilt, das laute Tönen des eigenen Ich zu überwinden und auf den leisen Ton dessen zu hören, der mich ruft. Das ist nicht leicht: Wie schnell ist es doch geschehen, im Gottesdienst von den vorgegebenen Texten und Formen abzuweichen, weil ich meine, ich könnte es noch viel besser. Dann höre ich nur das Ich. Wie schnell ist es doch geschehen, über Papst, Bischöfe oder Mitbrüder herzuziehen und damit nicht nur die Lacher auf meiner Seite zu haben, sondern auch einen Fanclub der meiner Eitelkeit huldigt. Dann höre ich nur das Ich. Aber wie schnell ist es auch geschehen, jemandem den „wahren“ Glauben oder das Katholischsein abzusprechen, nur weil er sich möglicherweise über Dinge Gedanken macht, die mir selbstverständlich erscheinen. Auch dann höre ich nur das Ich. Sympathischer macht mich das alles höchstens sehr kurzfristig, denn Menschen die nur auf das eigene Ich hören, sind meist recht unangenehme Zeitgenossen: eitel, eingebildet, besserwisserisch, belehrend. Und das Schlimmste ist: Sie halten sich selbst noch für demütig oder mutig und sind doch nur verstrickt in sich selbst.
Das wäre für mich Gehorsam und so „funktioniert“ auch Berufung: Es geht um das aufmerksame, anteilnehmende und sensible Hören auf den Ruf Gottes in der konkreten Gemeinschaft der Kirche. Dieser Gehorsam führt zur Freiheit und zur reifen Persönlichkeit: Zur Freiheit von den Abhängigkeiten meines Egoismus hin zu Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß.

Zurück zur Ausgangsfrage: Ist das Projekt „Ordensschwestern“ nach 153 Jahren letztlich gescheitert? Auf den ersten Blick ja, denn schließlich ist ja dem Orden die personelle Puste ausgegangen. Aber auf den zweiten Blick nein, denn wenn Berufung immer dynamisch ist, dann wird der Herr auch mit den Paderborner Vinzentinerinnen noch etwas vorhaben, auch wenn es vielleicht anders ist, als wir es bislang kennen. Aber warum denn eigentlich nicht? Und wenn Berufung immer konkret ist, dann bleibt für uns, die wir hier im Krankenhaus zurückbleiben, eine Menge zu tun, egal wo und was wir hier auch arbeiten. Und wenn Berufung immer auch Gehorsam, also aufmerksames Hören, bedeutet, dann hinterlassen sie ebenfalls einen wichtigen Auftrag, den es Tag für Tag umzusetzen gilt.
Danke also für 153 gelungene Jahre!

Sonntag, 6. Januar 2013

6. Januar: Zeichen für die neue Zeit

"De hilligen drei Küennige mät iärem Steeren,
dei kument gegangen, ih Fraulüh un Heeren.
Dei Steeren lüchtet hell un wiet,
as Täichen fürr de nigge Tied."

Inschrift auf der 1993 gegossenen Dreikönigenglocke der St. Clemens-Kirche in Drolshagen. Der Text ist die erste Strophe eines dort gebräuchlichen Sternsingerliedes in Drolshagener Platt.
Eigentlich wollte ich ja meinen Neujahrsvorsatz öfter nach St. Kamillentee zur Messe zu gehen, heute umsetzen. Aber man muss ja nicht gleich mit dem Familiengottesdienst starten...
In der Krippe meiner Kindheit hat mir immer das Kamel gefehlt, zu der Anschaffung ist es nie gekommen. Aber vielleicht ist das ja auch eine wichtige Erkenntnis aus der Weihnachtsgeschichte: Nepomuk, das Kamel bist Du selbst!

Allen großen und kleinen Königinnen und Königen einen schönen Feiertag!

Freitag, 4. Januar 2013

Zu Besuch beim Nachbarn: Heute in Dortmund!

Auch die alte Reichs- und Hansestadt am Hellweg hat mehr zu bieten als nur Fussball und Industriekultur. Einige romanische Dorfkirchen in den Vororten sind wunderschön, und auch die Kirchen in der Innenstadt lohnen einen Besuch.

Zuerst die Hauptkirche des Stadtpatrons St. Reinoldus:



Direkt gegenüber liegt St. Marien, berühmt für ihre beiden Altäre und mit einer schönen Schwalbennestorgel:






Die katholische Hauptkirche ist St. Johannes Baptist, die ehemalige Dominikanerkirche und heutige Propsteikirche. Sie ist in der Reformation als einzige katholisch geblieben, das Kloster fiel dann der Säkularisation zum Opfer. Im 19. Jhdt. wurde sie die "Muttergemeinde" aller durch die Industrialisierung entstandenen neuen Dortmunder Kirchengemeinden.



 


Und dann noch St. Petri. Hierhin ist nach der Säkularisation der riesige Altar der aufgelösten Minoritenkirche gelangt. Aus konservatorischen Gründen musste er vor einigen Jahren mit einer Glaswand geschützt werden:


Zum Schluss dann ein typisch Dortmunder Ausklang: Salzkuchen mit Mett und Hövels im Alten Markt!



Mittwoch, 2. Januar 2013

Zu Besuch beim Nachbarn...

Mit ein paar Bildern vom heutigen Besuch des Essener Doms wünsche ich allen Leserinnen und Lesern und natürlich den geschätzten Mitbloggerinnen und -bloggern noch ein frohes und gesegnetes Neues Jahr!







Wie eine "Insel der Ruhe" liegt der Stiftsbereich mitten in der trubeligen Essener Innenstadt. Auch die Schatzkammer ist auf jeden Fall einen Besuch wert!

Was das Bloggen angeht, geht es mir ähnlich wie dem guten Stanislaus: So ganz bin ich da mit mir in letzter Zeit nicht zufrieden. Nun waren aber auch gerade die letzten Wochen mit sehr viel Arbeit angefüllt.
Und dann muss ich ehrlich zugeben, dass mich die ganzen kirchenpolitischen Diskussionen inzwischen eher langweilen: Welcher Bischof/Abt/Professor/Prälat/Pater/Laienvertreter/Pfarrer/Politiker gerade wieder etwas grundsätzlich/wegweisend/provokant/anstößig/katholisch/ungehorsam/mahnend/beklagend in die Luft abgelassen hat... - will ich das wirklich wissen? Oder gar kommentieren? Ich glaube nicht, dass das irgendwem zum Glauben hilft. Eher sogar das Gegenteil.

"Die Wahrheit nur wird an die Herzen dringen, und wirken wird das Wort nur, das gelebt."
Reinhold Schneider