Montag, 29. April 2013

Reformen zum Frühstück

"Katholische Reformen" titeln heute morgen die "Ruhr-Nachrichten". Ein großer Schluck Kaffee, denn das kann ja jetzt spannend werden, z.B.: "Kirche verspricht Neuevangelisierung Deutschlands bis 2020" oder zumindest "Kirche schreibt Fair-trade und Bioprodukte in ihren Einrichtungen vor" oder "Kirche erweitert auf eigene Kosten Personalschlüssel in ihren Gesundheitseinrichtungen um bessere Pflege zu ermöglichen" oder "Kirche prüft ihre Geschäftsbeteiligungen" oder "Kirche kürzt bei der Verwaltung und verdoppelt ihre Ausgaben für Caritas und weltkirchliche Aufgaben" oder "Kirche erinnert an Mindesstandards für Kirchenmusik" oder "Laien in der Kirche sagen größeres politisches und gesellschaftliches Engagement zu" oder "Vorsitzender der DBK verspricht die Menge der Verlautbarungen und Veröffentlichungen zu reduzieren", oder "Kirche untersagt mehrmaliges Predigen in der Messe". Man kann sich ja eine Menge vorstellen.
Und was kommt? "Kirche will Frauen als Diakone zulassen und neuen Umgang mit Geschiedenen proben". Ein großer Schluck Kaffee. "Kirche?" denke ich, nein, es ist ja "nur" die Freiburger Diözesanversammlung. Zugegeben, was bei dieser Diözesanversammlung herausgekommen ist, weiß ich bislang nur durch die Presse. Ich will ja auch nicht immer meckern und alles kritisieren und einen kirchlichen Reformstau sehe ich ja nun auch allerorten. Also Weiterlesen. Ein Foto des Freiburger Erzbischofs. Kein Appetit. Macht nichts, war bestimmt nicht seine Absicht und das bisschen Frühstück kann ich auch später rauchen. Noch ein Kaffee. Ein Blick aus dem Fenster. Gähnen.
Heute will ich mal darüber nachdenken, warum manche Reformen langweilig sind.

Samstag, 27. April 2013

27. April: Die hl. Vierzehn Nothelfer

Zu diesem schönen Festtag nur ein paar Bilder vom Besuch in Vierzehnheiligen im vergangenen Jahr:



Man kann sich das heute kaum vorstellen, es war vor Ostern im vergangenen Jahr und man konnte ganz angenehm draußen in der Sonne sitzen...
Trotzdem allen Leserinnen und Lesern ein schönes Wochenende!

Donnerstag, 25. April 2013

Manchmal genügt ein Satz...

Fensterdetail in der Kapelle unseres Gästehauses St. Elisabeth:


Und allen die Markus heißen, herzliche Glückwünsche zum Namenstag!

Dienstag, 23. April 2013

Interessant: Krippenfiguren ganzjährig nutzen!

Mancher von euch wird sich sicherlich auch schon gefragt haben, wie man seine schönen Krippenfiguren das ganze Jahr über nutzen kann. Hier mein Vorschlag:


Tja, Katholischsein ist ja jetzt wieder soooooo interessant ;)

Freitag, 19. April 2013

Spiritualität in der Lebenszeit des Sterbens - Teil IV / Schluss

IV. Christliche Verkündigung im Spannungsfeld individueller Spiritualität

Wie kann nun, bei Wertschätzung der höchst individuellen Spiritualität des Einzelnen, christliche Verkündigung gelingen, zumal dann, wenn sich die Pflege- oder Gesundheitseinrichtung von ihrer Identität her als christlich versteht? Das ist beiliebe kein Randthema, sondern trifft den „Markenkern“, denn wenn es kirchlichen Krankenhäusern gelingt, ihren christlichen Grundauftrag des heilenden Dienstes wahrzunehmen, sind sie ein Grundvollzug von Kirche.  Christliche Einrichtungen haben eine Mission, aber sie drängen sich nicht missionarisch auf: Hospizmitarbeiter beschreiben ihr Vorstellung von Seelsorge so: „Seelsorge sollte kenntlich sein an Freundlichkeit ohne Betulichkeit, Hilfsbereitschaft ohne sanften Zwang, Sachlichkeit ohne Überheblichkeit, Klarheit ohne Schulmeisterei und Frömmigkeit ohne Bigotterie oder Überzeugungslust.“ Es bedarf gewisser „klimatischer Rahmenbedingungen“: In unseren Einrichtungen muss erkennbar sein, dass dort Prinzipien wie Personalität, Solidarität, Subsidiarität und Gerechtigkeit nicht nur strukturell verankert und gefördert, sondern auch von den dort arbeitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gelebt werden und gelebt werden können. Das kann sich zeigen in der Kultur des Miteinanders, in der Transparenz des Handelns und in der Offenheit der Kommunikation, aber auch in der ermöglichten Zeit zur Zuwendung. Spiritualität ist nicht der abgeschlossene Arbeitsbereich spezieller Fachleute, sondern eine gemeinsame Aufgabe aller Beteiligten, denn wenn ein Mitarbeiter weiß, wo er selbst steht, was ihn im Leben trägt und hält, wird es möglich, nicht nur eigene Krisen besser zu bewältigen, sondern auch dem anderen zu begegnen und ihn zu begleiten. Aus dieser gemeinsamen Spiritualität kann dann auch die christliche Verkündigung entstehen. Eben nicht angeordnet oder übergestülpt, sondern erwachsen aus dem Bewusstsein des Arbeitens an gemeinsamen Zielen durch gemeinsame Werte. Das benötigt Zeit und Geduld, aber langfristig wird es wirksam, Papst Benedikt XVI. beschreibt das in seinem Jesus-Buch so: „Es ist das Geheimnis Gottes, dass er leise handelt. Dass er nur allmählich in der großen Geschichte der Menschheit seine Geschichte aufbaut. Dass er Mensch wird und dabei von Zeitgenossen, von den maßgebenden Kräften der Geschichte übersehen werden kann. Dass er leidet und stirbt und als Auferstandener nur über den Glauben der Seinigen, denen er sich zeigt, zur Menschheit kommen will. Dass er immerfort leise an die Türen unserer Herzen klopft und uns langsam sehend macht, wenn wir ihm auftun. Und doch – ist nicht gerade dies die göttliche Art? Nicht überwältigen mit äußerer Macht, sondern Freiheit geben, Liebe schenken und erwecken. Und ist nicht das scheinbar so Kleine, wenn wir es gut bedenken, nicht das wahrhaft Große?“

Schluss: Nur Mut – es gibt mehr!


Seine Spiritualität für sich selbst und mit anderen und für andere zu entdecken, kann zu überraschenden, befremdlichen, manchmal verstörenden und beunruhigenden, aber auch tröstenden und heilsamen Erkenntnissen führen. Dieser Weg ist nicht immer einfach, aber immer ein Weg, der sich lohnt. Dazu möchte dieser Beitrag Mut machen!

Literatur:
ALBRECHT, Elisabeth; ORTH, Christel; SCHMIDT, Heida: Hospizpraxis, Freiburg 1995
BENEDIKT XVI.: Enzyklika „Deus caritas est“, 2005
BENEDIKT XVI./RATZINGER, Joseph: Jesus von Nazareth, Bd. 2, Freiburg 2011, 301f.
BORMANN, Franz-Josef: Ein natürlicher Tod – was ist das? (= Zeitschrift für medizinische Ethik 48, 2002)
EBERTZ, Michael N.: Die Zivilisierung Gottes - Der Wandel von  Jenseitsvorstellungen in Theologie und Verkündigung, Ostfildern 2004
EXUPERY, Antoine: Brief an einen General (= Gesammelte Werke, Bd. 3, Düsseldorf 1959)
FISCHER, Michael: Spiritualität – ein Alleinstellungsmerkmal kirchlicher Krankenhäuser? (= BAUMANN, Klaus; EURICH, Johannes; WOLKENHAUER, Karsten: Konfessionelle Krankenhäuser – Strategien-Profile-Potenziale, Stuttgart 2013)
GIEBEL, Astrid: Christliche Spiritualität als Markenkern kirchlicher Krankenhäuser (= BAUMANN, Klaus; EURICH, Johannes; GRATZ, Margit; ROSER, Traugott: Spiritualität in der Medizin – ein Widerspruch? (= SCHNELL, Martin W.; SCHULZ, Christian (Hrsg.): Basiswissen Palliativmedizin, Heidelberg 2012)
LEWIS, C.S.: Über die Trauer, Zürich 1995
RUSTER, Thomas: Die neue Engelreligion, Kevelaer 2010
SCHALLENBERG, Peter: Jenseits des Paradieses – Ethische Anstöße für den Alltag, Münster 2007
SCHOCKENHOFF, Eberhard: Ethik des Lebens – Grundlagen und neue Herausforderungen, Freiburg 2009
Spirituelle Begleitung in der Palliativversorgung. Konzept des Arbeitskreises Spirituelle Begleitung der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin
SUDBRACK, Josef: Artikel Spiritualität (= Lexikon für Theologie und Kirche (3), Band 9, Freiburg 2000)
TRINN, Hartwig; SCHALLENBERG, Peter: Die Schwelle des Lebens überschreiten, Regensburg 2000
WOLKENHAUER, Karsten: Konfessionelle Krankenhäuser – Strategien-Profile-Potenziale, Stuttgart 2013)

Donnerstag, 18. April 2013

Spiritualität in der Lebenszeit des Sterbens - Teil III

III.1. Spirituelle Begleitung soll jedem Menschen angeboten werden
Viele Menschen sind heute eben nicht mehr religiös verankert oder konfessionell an eine Kirche oder Glaubensgemeinschaft gebunden. Aber auch der laut Krankenakte nicht konfessionell gebundene oder nicht irgendwie aktiv erkennbar religiöse Mensch hat spirituelle Bedürfnisse, häufig sogar spirituelle Not, und auch diesem Menschen wird der Krankenhausseelsorger (und nicht nur er sollte das tun) seine Aufmerksamkeit und Zuwendung gerne schenken!

III.2. Spirituelle Begleitung ist eine Aufgabe für alle

Die Welt ist voll von Fachleuten und Fachexperten. Das ist nicht nur recht anstrengend, sondern be- und verhindert auch häufig die direkte und menschliche Anteilnahme und Zuwendung: Schwerkranke Menschen erleben oft, dass sich für Fragen nach Sinn kaum Ansprechpartner finden. Der Kranke wird auf den Seelsorger verwiesen, obwohl er diesem die Frage gar nicht gestellt hatte. Die begleitenden Ärzte und Pflegekräfte, aber auch die Angehörigen und Familien sollten nicht von sich aus alles Spirituelle auf den Seelsorger abschieben, wenn der Sterbende ausgerechnet sie anspricht; Sterbende suchen sich ganz bewusst den aus, mit dem sie über ihre spirituellen Nöte und Bedürfnisse sprechen wollen. Es kommt also hier nicht auf eine irgendwie akademisch erworbene oder schlimmstenfalls antrainierte Professionalität an, sondern auf das, was Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika „Deus caritas est – Gott ist Liebe“ Herzensbildung nennt:Was nun den Dienst der Menschen an den Leidenden betrifft, so ist zunächst berufliche Kompetenz nötig, sie ist eine erste, grundlegende Notwendigkeit, aber sie allein genügt nicht. Es geht ja um Menschen, und Menschen brauchen immer mehr als eine bloß technisch richtige Behandlung. Sie brauchen Menschlichkeit. Sie brauchen die Zuwendung des Herzens. Für alle, die in den karitativen Organisationen der Kirche tätig sind, muss es kennzeichnend sein, dass sie nicht bloß auf gekonnte Weise das jetzt Anstehende tun, sondern sich dem andern mit dem Herzen zuwenden, so dass dieser ihre menschliche Güte zu spüren bekommt. Deswegen brauchen diese Helfer neben und mit der beruflichen Bildung vor allem Herzensbildung.“

III.3. Begleitung zu Annahme und Versöhnung: Der „natürliche Tod“


Ganz gleich ob mehr oder weniger religiös, mehr oder weniger kirchlich gebunden: Vor der Aufgabe sich mit den Beschränkungen des eigenen Daseins zu versöhnen und die Grenzen anzunehmen, die ihm von außen gezogen sind, steht jeder Mensch. Der Moraltheologe Franz-Josef Bormann erläutert, dass jeder Mensch die letzte Lebensspanne, die er als schwerkranker Patient durchlebt, als Teil seines Lebens und als persönlichen Weg zur Annahme seines eigenen Todes gestalten kann, durch den Begriff des ‚natürlichen Todes’, den er von einem naheliegenden technikfeindlichen Missverständnis befreit: Wie für alle anderen Lebens- und Reifungskrisen, so Bormann, gilt auch für die Begegnung des Menschen mit dem Tod, dass nicht die Haltung der Verdrängung und Verweigerung, sondern nur die Annahme sowie das Ringen mit Herausforderungen und Problemen schließlich zum Wachsen und Reifen der Persönlichkeit führt. Nur wer sich auf diesen mühevollen Weg  auch und gerade im Angesicht des Todes einlässt, der hat die Chance, seinen Lebensweg in der Annahme des Todes zu vollenden.

Mittwoch, 17. April 2013

Spiritualität in der Lebenszeit des Sterbens - Teil II

II. Christliche Spiritualität im Angesicht des Todes

II.1. Leben und Sterben in Geborgenheit

Ein Hauptmerkmal jeder Form von Religion ist die sinnhafte Deutung der menschlichen Existenz gerade im Umfeld der Grunderfahrungen von Geburt, Sterben und Tod. Dass die Auseinandersetzung mit den früher so genannten „Letzten Dingen“ sowohl in der Theologie als auch in der Verkündigung und im Glaubensleben der Christen in den letzten Jahrzehnten immer weiter verblasst ist, mag zum Teil gute Gründe haben, ist aber dennoch sehr bedauerlich, geht es doch um wirkliche Grundfragen des Lebens, nach Sinn und Erfüllung, oder Leere und Bedeutungslosigkeit. Hier soll nur einem Gedanken nachgegangen werden: Die schon geschilderte Grunderfahrung von Passivität und Unvollkommenheit kann es dem religiösen Menschen erlauben, diese in einem positiven Licht zu sehen, nämlich als Geborgenheit in Gott. Das Gefühl der Geborgenheit bewahrt ihn vor der Versuchung, in diesen von außen gesetzten Grenzen nur das willkürliche Spiel eines grausamen Lebensstromes oder die blinde Laune einer dunklen Schicksalsmacht zu sehen. Der gläubige Mensch geht auf die äußersten Grenzen seines Lebens nicht mit Empörung oder Resignation zu, sondern er erkennt seine Abhängigkeit von Gott als eine tröstliche Wahrheit an, die es ihm erleichtert, die Ereignisse seines Lebens anzunehmen. ‚Es gibt eine Passivität, ohne die der Mensch nicht menschlich wäre. Dazu gehört, dass man geboren wird. Dazu gehört, dass man stirbt’ (Eberhard Jüngel). Wer mit dieser Wahrheit seines Lebens vertraut ist, der vermag auch darin einen guten Sinn zu erkennen, dass er nicht aufgrund eigener Entscheidung geboren wurde und nicht durch eigenen Willen sterben muss, sagt der Moraltheologe Eberhard Schockenhoff. Er willigt darin ein, dass er die Regie über sein Leben am Anfang und am Ende in fremde Hände legt. Wenn der Tod uns zum ersten Mal im Sterben anderer Menschen begegnet, erfahren wir, dass wir auch unser eigenes Leben am Ende nicht bewahren können. Es wird uns vielmehr ohne und vielleicht auch gegen unseren Willen genommen werden. Die „Abhängigkeit von Gott“ als „tröstliche Wahrheit“, hier könnte ein Schlüssel für christlich geformte und durchwirkte spirituelle Begleitung liegen.

II.2. Anhänglichkeit an Gott

Die wesentlichste Form der Anhänglichkeit, ein sicherlich schönerer Begriff als „Abhängigkeit“,  an Gott ist das Gebet, also die Kommunikation mit demjenigen, der mich in jeder Lebensphase bedingungslos liebt und annimmt. Vielleicht bleibt das Gebet wirklich zuletzt die einzige mögliche Antwort, so wiederum Peter Schallenberg, die uns auf alle Fragen in unserer Trauer um den Verlust geliebter Menschen, in unserer Angst vor Schmerz und Krankheit und Tod gegeben wird. Das wäre auch die Kunst des Trauerns, die Jesus den Jüngern in seinen Abschiedsreden zumutet und ihnen zugleich damit Mut zuspricht: Trauer, die zum Gebet wird. Für den Christen wird das konkret in der Erfahrung nicht allein zu sein, sondern aufgefangen zu werden in der Glaubensgemeinschaft der Kirche,  er erlebt das Mit-Leiden Jesu am Kreuz, er wird gestärkt und getröstet durch die Heilszusage der Sakramente.

Dienstag, 16. April 2013

Österliche Zeichen: Weihrauch

Hier mein aktueller Zeitungsbeitrag:

Gerade die Gottesdienste in der Osterzeit, liebe Leserinnen und Leser, sind häufig von besonderer Feierlichkeit geprägt, und da gehört für Katholiken und Orthodoxe der Weihrauch normalerweise dazu. Wirklich? In den wilden Jahren nach dem letzten Konzil gaben viele Pfarrer ihre Weihrauchfässer zum Trödel oder nutzten sie als Aschenbecher im gemeindeeigenen Partykeller. Andere meinen, ihnen bekäme Weihrauch schlecht und fangen schon vor dem Gottesdienst an zu husten, halten es aber in jeder Raucherecke ansonsten tapfer aus. Und so  mancher selbsternannte kirchliche Expertemeint, Weihrauch und Latein habe das Konzil abgeschafft und wer dies jetzt noch benutze, sei ein ewiggestriger Traditionalist. Nebenbei bemerkt: Die Stelle, an denen das Konzil Weihrauch und Latein abgeschafft und Volksaltäre und graue Messkutten eingeführt hat, suche ich in den Konzilstexten seit Jahren. Vergeblich. Es gibt sie nämlich nicht…
Viele sind von der Schlichtheit des neuen Papstes beeindruckt. Mag sein. Persönliche Bescheidenheit darf aber nichts mit liturgischer Schlichtheit die schnell zur Schlampigkeit werden kann, zu tun haben. Das zeigt uns nach wie vor in beeindruckender Weise das Vorbild seines Vorgängers, und auch dem hl. Franziskus war für den Gottesdienst nichts zu teuer.  Wer meint, Gottesdienste wären dann gelungen, wenn sie möglichst bescheiden sind, dem gilt das scharfe Wort des ansonsten traditionalismus-unverdächtigen großen Theologen Romano Guardini: „Aber es gibt auch eine Philisterei in der Religion, die kommt aus kargem Sinn und dürrem Herzen. Hier wird das Gebet zu geistlicher Nutzbarkeit; soll wohl gemessen sein und bürgerlich vernünftig.“ Nein, in der Liturgie geht es, wirklich Gott sei Dank, nicht um Vernunft. Deshalb sind ihr auch alle Formen bürgerlicher Feierkultur normalerweise fremd. Sie ist, zumindest im katholischen und orthodoxen Verständnis, der von Gott selbst geschaffene vorzügliche Raum der kultischen Begegnung mit ihm. Darum auch der Weihrauch: Man muss die Gegenwart Gottes mit allen Sinnen spüren können, ihn gleichsam sehen, hören, riechen, schmecken und tasten können. Und Liturgie muss ein Kunstwerk von ästhetisch-spielerischer Schönheit und Zweckfreiheit sein, jenseits aller mehr oder weniger gut gemeinter Religionspädagogik darf sie letztlich nur ein Ziel haben: Die Begegnung mit Gott. Der Weihrauch kann das gut versinnbildlichen. Guardini schreibt über ihn: „Er ist ein Geheimnis der Schönheit, die von keinem Zweck weiß, sondern frei aufsteigt und der Liebe, die brennt und verbrennt, und durch den Tod geht.“

Spiritualität in der Lebenszeit des Sterbens - Teil I

Der folgende Beitrag von mir wird demnächst in der Festschrift zum 10-jährigen Bestehen des Fördervereins Lukas Hospiz Herne e.V. veröffentlicht. In mehreren Teilen stelle ich ihn jetzt auch auf den Blog:

Spiritualität in der Lebenszeit des Sterbens
In diesem Beitrag werden zunächst die möglichen Inhalte von Spiritualität im Umfeld von Krankheit, Sterben und Tod betrachtet. Danach werden zwei Wege der christlichen Spiritualität und zwei Wege der „säkularen“ Begleitung in der Lebensphase des Sterbens aufgezeigt.

I. Spiritualität im Umfeld von Krankheit, Sterben und Tod


I.1. Widerfahrene Lebenszeit: Die Erfahrung von Passivität, Vergleich und Abschied
Die Widerfahrnisse von schwerer Erkrankung überschreiten häufig den Horizont des Lebens und werfen Sinnfragen auf: z.B. nach dem Sinn der Krankheit, nach dem Sinn des eigenen Lebens und nach der Sinnhaftigkeit von Behandlungen. Der Mensch erlebt, dass ihm etwas widerfährt, er also etwas ertragen, erdulden, erleiden – wie auch immer – muss, dass er eben nicht, oder in nur sehr geringem Maße, selbst steuern und aktiv beeinflussen kann.
 „Da kann man nichts machen!“ – Diese meist resignierende Aussage begegnet den am Behandlungs- bzw. Therapieprozess eines Patienten beteiligten Personen recht häufig. Das Erleben von „Nichts machen können“, von Passivität, von Ausgeliefertsein sowohl an einen nicht mehr rückgängig zu machenden Zustand, als auch ganz praktisch durch die Einschränkung der eigenen Handlungsfähigkeit, stellt für viele Menschen, Patienten wie Angehörige, aber auch Ärzte und Pflegende, eine existentielle Herausforderung dar. Die Erfahrung, Unerledigtes möglicherweise nicht mehr abschließen zu können, Konflikte, häufig auch in der Familie, möglicherweise nicht mehr lösen zu können, selbst- oder von anderen gesteckte Ziele  - „Wir hatten doch noch so viel vor!“ - nicht mehr erreichen zu können, führt bei Manchem zu Trauer und Resignation, aber auch zu Aggression und Wut.
Hinzu kommt die Erfahrung des Vergleichens, die wir schon immer in unserem Leben kennen. In der Phase von Krankheit und Hilflosigkeit kann sich das aber noch einmal verschärfen: „Früher habe ich immer so Vieles gekonnt, heute geht nichts mehr!“ oder „Andere in meinem Alter sind doch noch gesund!“ Gerade aus der letzten Aussage spricht auch deutlich die Frage der Gerechtigkeit und dem Warum von Krankheit, Sterben und Tod. Krankheit als Strafe für Sünde? – eine für uns heute völlig undenkbare Antwort, für die Bibel aber noch ein durchaus gängiges Erklärungsmuster. Die Frage nach dem Warum bleibt schmerzlich offen, eine wie immer geartete Gerechtigkeit enthüllt sich zunächst einmal nicht, denn Trauer ist zuerst immer die unbeantwortbare Frage!
Und dann gilt es Abschied zu nehmen, der Moraltheologe Peter Schallenberg beschreibt ihn: Abschied von lieben Menschen, Freunden, Kindern, Ehepartnern, die uns durch Krankheit und Tod entrissen werden. Abschied auch von uns selbst: Jeder Tag bringt uns unweigerlich dem eigenen Tod ein Stück näher, mit jeder Stunde und Minute sterben wir ein winziges Stück, müssen wir loslassen und trauern um goldene Vergangenheit. Und wer älter wird und Krankheit spürt, der merkt, was es heißt, wehmütig zurückzublicken: Es mag sein, dass die Erinnerung das einzige Paradies ist, aus dem wir nicht vertrieben werden können. Aber dieses Paradies ist mit viel Wehmut und manchmal auch Schwermut erkauft: Wie viele verpasste Gelegenheiten liegen ungenutzt hinter uns, wie viele Menschen sind aus unserem Leben getreten, die doch wertvolle, ja unentbehrliche Wegbegleiter waren?
In diesem schmerzlichen Prozess bleibt die Erkenntnis festzuhalten, dass der Mensch erfährt, dass er wie kaum an einem anderen Zeitpunkt seines Lebens auch im Gebrauch seiner Vernunft und seiner technischen Fähigkeiten ein unvollkommenes, begrenztes und fehleranfälliges Wesen bleibt.

Donnerstag, 11. April 2013

Dortmunder Eigenritus: Die Herz-Jürgen-Verehrung

Tja, was soll man dazu sagen?

Aber das hier ist auch schön:


Was Dortmunder können, können eben nur Dortmunder...

Dienstag, 9. April 2013

Hoffnung und Utopie

Gestern im Patientengespräch: "Gibt es auch etwas, was Ihnen möglicherweise ein wenig Freude bereiten würde?" - "Ja, wenn Schalke mal Meister werden würde!" - "Hm, vielleicht schauen wir mal nach etwas Realistischerem..." ;-)

Montag, 8. April 2013

Erstkommunionfeiern: Warum eigentlich?

Jetzt ziehen sie wieder landauf - landab, die Schreckenbereiter aller Hauptamtlichen und aller die irgendwie Wert auf einen geordneten Gottesdienstablauf legen: Erstkommunionfeiern! Entweder klassisch gestern am Weißen Sonntag oder an einem anderen Ostersonntag, oder wie in St. Kamillentee sinnfrei auf Christi Himmelfahrt. Über die Disposition der Kinder und ihrer Eltern will ich nichts Negatives sagen, sie sind eben Kinder und Eltern ihrer Zeit. Was aber die Gestaltung so mancher Feier angeht, ist doch das Verlangen groß, in das Sitzbankpolster zu beißen: Warum erinnern mich bloß die meisten bei einer solchen Feier gesungenen "kindgerechten" Lieder inhaltlich immer an die alte Werbung "Ich will so bleiben wie ich bin - Du darfst!"? Und wann spricht sich eigentlich mal endültig herum, dass das Lied "Wenn das Brot das wir teilen" nichts mit der Eucharistie zu tun hat, nur weil das Wort "Brot" darin vorkommt? Oder das "Participatio actuosa" nicht daran gemessen wird, dass in einem Gottesdienst möglichst viele Menschen möglichst viel reden? Und kann man den Kindern nicht vermitteln, dass es zwischen "Singen" und "Schreien" einen Unterschied gibt? Und wenn man meint, dass das alles ganz toll und wichtig ist, warum kommt dann gerade mal die Hälfte der Kinder zur Dankandacht?

Mittwoch, 3. April 2013

Wenn der Sommer nicht mehr weit ist...

Das muss jetzt mal sein:
"Und dann will ich was ich tun will endlich tun.
An Genuß bekommt man nämlich nie zuviel.
Nur darf man nicht träge sein und darf nicht ruhn.
Denn genießen war noch nie ein leichtes Spiel."

Das Personalkarussell dreht sich...

... zumindest im Erzbistum Paderborn: Dr. Michael Menke-Peitzmeyer wird neuer Regens des Priesterseminars, der bisherige Regens Uwe Wischkony wird neuer Direktor der Landvolkshochschule Hardehausen, und deren Direktor Dirk Gresch wird Pfarrer in Delbrück als Nachfolger von Dr. Thomas Witt, der neuer Direktor des Diözesan-Caritasverbandes geworden ist. Der bisherige Caritasdirektor Weihbischof Manfred Grothe ist vor einigen Wochen neuer Dompropst in Paderborn geworden. Alles weitere findet sich hier.
Allen in ihren neuen Aufgaben Gottes Segen!

Und ein neuer Domorganist wird noch gesucht...

Dienstag, 2. April 2013

Österliche Zeichen: Licht und Dunkel

Hier mein aktueller Zeitungsbeitrag:

Gerade die Feier der Osternacht, liebe Leserinnen und Leser, ist in vielen Elementen von der Symbolik des Lichtes geprägt: Die Osterkerze wird am Feuer entzündet und in die dunkle Kirche getragen, der Diakon singt dabei „Lumen christi – Christus, das Licht!“, das Lob der Kerze selbst erklingt im feierlichen Exultet, dem Osterlob, und in vielen Gebeten wird auf die Auferstehung als Überwindung des Dunkels Bezug genommen. Auch außerhalb der Liturgie finden wir diese Lichtsymbolik: Die Menschen versammeln sich am Osterfeuer, in einigen Gegenden Westfalens rollen brennende Osterräder ins Tal, und sogar unsere Ostereier haben damit zu tun: So wie das Küken die dunkle Hülle des Eis verlässt, so überwindet Christus in seiner Auferstehung das dunkle Grab.
Manchmal mag es uns scheinen, dass das Dunkel in unserem Leben überwiegt oder wir uns doch zumindest in einer zwielichtigen Grauzone befinden: Nichts ist richtig schwarz, aber so richtig hell ist es auch nicht, vielleicht ähnlich dem sonnenarmen Wetter der letzten Wochen. Wir sprechen dann häufig vom „grauen Alltag“. Aber liegt es nicht auch daran, dass wir meist sowieso nur das Dunkel sehen können oder auch manchmal wollen? Die Osterzeit bietet uns einen radikalen Gegenentwurf, wenn sie als die „50-tägige Freudenzeit“ bezeichnet wird. Das bedeutet ja eben nicht, naiv und realitätsfern irgendwie „positiv denkend“ durchs Leben zu laufen, sondern es geht um einen anderen Blick: Nicht wie so oft aus dem Dunkel heraus das wenige Helle zu übersehen, sondern aus der Helligkeit des Ostergeschehens mich und mein Leben anzuschauen und dabei, wie die Jünger am Ostermorgen mit Erstaunen wahrzunehmen: Das Licht hat die entscheidende Kraft, nicht die Finsternis! Das ist die entscheidende Botschaft von Ostern. „Christus, du bist der helle Tag, dein Glanz durchbricht die dunkle Nacht“ heißt es in einem alten Hymnus aus dem 6. Jahrhundert. Darin steckt also eine ganze Menge Lebenserfahrung. Probieren Sie es aus!
Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen dieser „österliche Perspektivenwechsel“ immer wieder gelingt!

Montag, 1. April 2013

Emmaus: Der Herr geht mit!

Das Emmaus-Fenster aus der Kapelle unseres St. Anna Hospitals:
Allen einen schönen und sonnigen Ostermontag!