Mittwoch, 25. September 2013

Einladung zum Improvisationsfestival: Marienlieder aus Polen

Der Marienkantor lädt ein:

Orgelkonzert in der Marienkirche zu Witten am 29.9.2013 um 19.30 Uhr

Am Sonntag, den 29. September 2013 findet um 19.30 Uhr in der Marienkirche zu Witten ein Orgelkonzert im Rahmen des „4. Wittener Improvisationsfestival“ statt. Auf dem Programm stehen Orgelimprovisationen in verschiedenen Stilen und Formen über bekannte Marienlieder aus Polen. Ausführender ist Dr. Michal Markuszewski aus Warschau an der großen Marienorgel, der sichtbar für das Publikum am elektrischen Spieltisch im unteren Kirchenschiff musizieren wird.

Das Wittener Improvisationsfestival fand erstmals im Rahmen der Orgelreihe "RUHR.2010" statt. Seitdem hat es sich zu einer festen Größe im Wittener Musikjahr etabliert.

Jedes Jahr stehen 3 Konzerte unter einem bestimmten Themenschwerpunkt. In diesem Jahr (2013) ist es das Thema "Marienlieder aus drei Nationen". In den Konzerten wird versucht, mit Bildern und Texten Orgelimprovisation anschaulich zu machen. Dabei ist ein besonderes Anliegen des Initiators, Kantor Dr. Christian Vorbeck, Improvisation auf hohem Niveau zu pflegen und die Klangfarben der Marienorgel den Besuchern und Zuhörern besonders gut "hörbar" zu machen.

Dr. Michał Markuszewski wurde 1980 in Warschau geboren und studierte von 1999 bis 2004 an der Warschauer Musikakademie-Frédéric-Chopin Orgel (Prof. J. Grubich) und Klavier (Prof. K. Gierżod). 2007 beendete er sein Orgelimprovisations-Studium an der Universität der Künste Berlin (Prof. W. Seifen) und erhielt 2008 das Konzertdiplom an der Hochschule für Musik in Würzburg (Prof. Ch. Bossert).

Er ist Preisträger internationaler Orgelwettbewerbe: 2. Preis beim Wettbewerb polnischer Orgelmusik des 20. Jahrhunderts (Liegnitz 1998), 1. Preis beim internationalen Wettbewerb der Orgelmusik in Rumia (2000) und 3. Preis beim internationalen Wettbewerb in Zürich (2007). Im Jahre 2007 war er Stipendiat des Ministeriums für Kultur in Polen.

Michał Markuszewski konzertierte in Polen, Litauen, in der Ukraine, der Slowakei, Tschechien, Holland, Luxemburg, England, Norwegen, Finnland, Schweiz und Spanien, außerdem an vielen wichtigen Spielorten in Deutschland.

Er belegte viele Meisterkurse und sein besonderes Interesse gilt der modernen polnischen Orgelmusik und der Orgelimprovisation.

Er hat zahlreiche CD-Aufnahmen gemacht (Organum Classics, Label Harp, DUX), sowie Aufnahmen für das polnische Fernsehen und den Rundfunk.

Michał Markuszewski war Initiator und verantwortlicher Leiter für die Renovierung der historischen Orgel der Firma Schlag & Söhne (1900) in der evangelisch-reformierten Kirche in Warschau, wo er seit 2004 als Organist arbeitet und künstlerischer Leiter des Internationalen Orgelzyklus ist.

Seit 2012 unterrichtet er Orgelimprovisation an der Frédéric-Chopin-Musikuniversität in Warschau.
 
Schaust Du auch unter: Marienorgel Witten

Montag, 23. September 2013

Die Reihen lichten sich...

Was ist bloß mit den Emeriti des Paderborner Metropolitankapitels los? Nach Hieronymus Dittrich und Heribert Schmitz ist nun auch noch Gerhard Horstkemper (von Unwissenden zuweilen als "Prälat Horst Kemper" tituliert) verstorben.
Hier der Nachruf des Erzbistums. R.i.p.

Wir entsaften uns zu Tode...

... und das hier ist nur ein kleiner Teil des Fallobstes von gestern und heute. Hilfe!

Donnerstag, 19. September 2013

Lambertus und die Freiheit

Ein Nachtrag zum gestrigen Gedenktag des hl. Lambertus:

Der heilige Lambert, liebe Leserinnen und Leser, ist uns hier in der Nähe durch die schöne Lambertuskirche in Castrop bekannt. Er wurde um 670 Bischof von Maastricht, musste ab 676 sieben Jahre in der Verbannung im Kloster Stablo leben und konnte dann in sein Bistum zurückkehren. Hier versuchte er wieder Ordnung ins Bistum zu bringen und arbeitete zusammen mit dem hl. Willibrord an der Bekehrung der Heiden in Nordbrabant. In einer Fehde wurde Lambert am 17. September 705 von einem Speer durchbohrt, während er in einer Kirche in Lüttich betete. Zunächst in Maastricht beigesetzt, wurde sein Leichnam später nach Lüttich überführt. – Wilde Anfangszeiten der Christianisierung! Die Ausstellung „Credo“ in Paderborn, die ich nur empfehlen kann, dokumentiert das im Moment sehr eindrücklich und interessant.

 (c) RN

Das Tagesgebet vom heiligen Lambert bietet eine interessante Formulierung, dort heißt es: „Gib uns die Freiheit des Geistes, damit wir uns ohne Zögern deiner Führung überlassen.“ Das bedeutet doch, dass man sich der Führung Gottes nur in Freiheit überlassen kann, ja dass es überhaupt nur in Freiheit möglich ist!
Viele Menschen haben sich vom Glauben und der Kirche abgewandt, weil sie damit nur Druck und Zwang verbinden und dies möglicherweise auch so erlebt haben. Das ist nicht der christliche Glaube. Viele Menschen haben Glauben und Kirche als angstbesetztes Erziehungselement zum Lieb und Brav sein erlebt. Das ist nicht der christliche Glaube. Viele Menschen haben Glauben und Kirche als moralische Überhöhung und Rechtfertigung krankmachender Beziehungen und Strukturen erlebt. Auch das ist nicht der christliche Glaube.
Der christliche Glaube ist zunächst und vor allem anderen Ermöglichung zur Freiheit, oder, wie Papst Benedikt XVI. einmal gesagt hat, eine „positive Option“. Eine Religion, die die Menschen z.B. durch Einführung entsprechender Staatsverfassungen, Rechtsordnungen oder die Unterdrückung von Minderheiten in ihrer individuellen Freiheit einschränkt, kann nicht die Richtige sein. Nein, Glauben setzt immer die freie Entscheidung voraus. Natürlich bedeutet das aber auch, dass Menschen zum Glauben hingeführt werden und dass der Staat eine freie Religionsausübung auch in der Öffentlichkeit garantiert. Dass es wichtig ist für diese Freiheit einzutreten kann uns der Gedenktag des heiligen Lambert wieder einmal in Erinnerung rufen.
 

Sonntag, 15. September 2013

Oktoberfest in der Sansibar

 
Update: Da fehlte noch was...

15. September: Perspektive "Himmelsglanz"

Die Verehrung der „Sieben Schmerzen Mariens“ ist im Zusammenhang mit dem vorausgehenden Fest Kreuzerhöhung und der mittelalterlichen Passionsfrömmigkeit zu verstehen. In Deutschland wurde das Fest vereinzelt im 15. Jahrhundert gefeiert, so in Köln und Erfurt, dort findet sich übrigens auch eine der ältesten Pieta-Figuren, also die Darstellung Mariens die ihren toten Sohn betrauert. 1667 wurde die Feier des Festes dem Servitenorden gestattet, 1814 von Pius VII. allgemein eingeführt. Als „Sieben Schmerzen Mariens“ werden bezeichnet: 1. die Weissagung Simeons, ihr werde „ein Schwert durch die Seele dringen“; 2. die Flucht nach Ägypten; 3. das dreitägige Suchen nach Jesus bei der Wallfahrt nach Jerusalem; 4. der Weg nach Golgota; 5. die Kreuzigung Jesu; 6. die Abnahme Jesu vom Kreuz; 7. die Grablegung Jesu.
Unser Bild zeigt das Gnadenbild im Kloster Stiepel.
Am heutigen Fest ist in der Liturgie eine Sequenz vorgesehen. Sequenzen sind besondere zum Festgeheimnis passende Gesänge, die an einigen wenigen Tagen im Jahr vor dem Evangelium gesungen werden. So gibt es eine Oster-, Pfingst- und Fronleichnamssequenz, oder das düster-hoffnungsvolle „Dies irae“ des Requiems. Heute beginnt die Sequenz mit den Worten „Stabat mater“ und besingt das Stehen Marias unter dem Kreuz ihres Sohnes. Die Verfasserschaft dieser Sequenz ist ungeklärt, sie läßt sich aber bis ins hohe Mittelalter zurückverfolgen. Viele berühmte Komponisten haben sie vertont, so z.B. Palestrina, Bach, Dvorak, Verdi oder in jüngster Zeit Arvo Pärt.
Edith Stein, die hl. Theresia Benedicta a cruce, hat an Karfreitag 1935 über die Textzeile „Iuxta crucem tecum stare“ ein Mariengebet geschrieben, aus dem ich heute einen Ausschnitt wiedergeben möchte:

„Heut hab’ ich unterm Kreuz mit Dir gestanden und hab’ so deutlich wie noch nie empfunden, dass unterm Kreuz Du unsre Mutter worden. (…) Du kennst uns alle: unsre Wunden, unsre Schäden, kennst auch den Himmelsglanz, den Deines Sohnes Liebe um uns ergießen möchte in der ew’gen Klarheit. So lenkst Du sorgsam unsre Schritte. Kein Preis ist Dir zu hoch, um uns ans Ziel zu führen (…)“

In den dunklen Stunden unseres Lebens dürfen wir uns mit Maria unter das Kreuz Christi stellen. Wir dürfen uns trösten mit dem Blick auf das Kreuz: Der Herr geht auch die Wege des Leidens mit uns, denn er ist sie selbst gegangen. Er lässt uns nicht allein. Er hat Leiden und Kreuz überwunden und damit auch uns eine Perspektive eröffnet: „Himmelsglanz.“

Stabat mater - Herzliche Einladung zum Geistlichen Konzert

Am Sonntag, den 15. September 2013 findet um 15 Uhr in der Marienkirche zu Witten ein Geistliches Konzert im Rahmen der Ewigen Anbetung statt. Auf dem Programm steht das „Stabat Mater“ von Giovanni Battista Pergolesi (1710-1736) in der Fassung für Sopran, Alt und Orgel. Ausführende sind die Sängerinnen Barbara Vorbeck und Johanna Schoppa vom Dortmunder Opernhaus und Marienkantor Dr. Christian Vorbeck aus Witten an der großen Orgel.
Pergolesis „Stabat Mater“ war das letzte Werk des mit 26 Jahren sehr jung verstorbenen Komponisten. Bis heute gehört es zu den bekanntesten und beliebtesten kirchenmusikalischen Werken des 18. Jahrhunderts. Der Text des ca. 50minütigen Musikstückes geht zurück auf die gleichnamige gregorianische Sequenz aus dem 13. Jahrhundert, deren Urheberschaft nicht gesichert ist. Liturgisch ist das Werk dem Gedenktag der „Sieben Schmerzen Mariens“ zuzuordnen, der am 15. September jeden Jahres in der römischen Kirche begangen wird. Die Dichtung besingt in zehn Strophen die seelischen Leiden der Gottesmutter als diese die Kreuzigung, den Tod und die Grablegung Jesu erleben muss. Wahrscheinlich ist es keinem anderen Komponisten so sehr gelungen, den jeweiligen Affekt aus dem Text heraus mit barocker musikalischer Rhetorik so eindrucksvoll widerzuspiegeln wie Pergolesi.
Weitere Informationen hier.
 
Ich selber kann heute leider nicht dabei sein, mache aber gerne darauf aufmerksam. Herzliche Einladung!!!

Samstag, 14. September 2013

14. September: Kreuzerhöhung

Vor einigen Jahren habe ich auf dem Trödel diese Kreuzigungsgruppe erstanden:

Ich weiß, sie ist nicht sonderlich viel wert, hat keine künstlerische Bedeutung und ist auch vermackt und arg ramponiert. Aber ich habe sie in meinem Büro aufgehangen. Denn oft begegne ich Menschen, denen es ähnlich geht: Wertlos, bedeutungslos, vermackt, arg ramponiert, vielleicht geht es mir ja manchmal selber so. Manche bringen sich selbst in einen solchen Zustand, manche werden von anderen dazu gebracht. Und da kann man nicht gleich mit dem Himmel um die Ecke kommen, nein, manchmal muss man einfach erst einmal unter dem Kreuz stehen. Man braucht auch nicht das Kreuz zu ersehnen oder sich selbst Kreuze auferlegen. Das passiert schon von allein und manchmal schneller und schwerer als man denkt.
Aber ich kann darauf vertrauen, dass ich in den tiefsten Verstiegenheiten und dunkelsten Stunden meines Lebens nicht allein bin, dass Gott diese Wege mit mir geht weil er sie selbst aus Liebe zu mir gegangen ist: Jesus Christus am Kreuz - wertlos, bedeutungslos, vermackt, arg ramponiert.
Und gerade dort am Tiefpunkt wird das Kreuz zum Siegeszeichen: "Des Königs Banner wallt empor, hell strahlt das heilge Kreuz hervor, daran den Tod das Leben litt und Leben durch den Tod erstritt", heißt es im Hymnus. Aus dem Tod wächst das Leben, aus dem Kreuz die Hoffnung. Nichts und niemand ist vor Gott wertlos und bedeutungslos. Und auch meine vermackten und ramponierten Stellen kann ich ihm anvertrauen.
Das kann Hoffnung geben über das Leid hinaus: "O Kreuz, du einzger Trost im Leid, Gruß dir in dieser Leidenszeit! Vermehr den Frommen Gottes Gnad und tilg der Sünder Missetat!"
Es kann Hoffnung geben, es muss es nicht. Ich kann es verstehen, wenn jemand das nicht oder noch nicht als Trost annehmen kann. Warum auch? Manches wiegt zu schwer, zu ungerecht, als ob es jemand tragen könnte. Wenn mir so etwas passieren sollte, dann, o Herr, bewahre mich vor den lauten Missionaren, ich könnte sie nur noch verachten. Schicke mir lieber die stillen Tröster.
Wir werden uns in das Geheimnis des Kreuzes immer wieder hineinfinden müssen. 

Gut, dass uns Tage wie "Kreuzerhöhung" daran erinnern.

Sonntag, 8. September 2013

Gottesdienst in St. Kamillentee

"Schreib doch nichts schlechtes über die Gemeinde", wurde mir gesagt, die wenigen die sich noch engagieren, gäben sich doch so viel Mühe. Das stimmt, und diese Mühe will ich auch wirklich gern anerkennen, so wie z.B. gestern abend beim schönen Zusammensein der aktiven und ehemaligen Pfadfinder unserer Gemeinde. Nein, nur kritisieren ist nicht meine Absicht. Aber wenn so wie gestern Gottesdienst gefeiert wird, ist das eine Sache die nicht nur einige wenige aus der Gemeinde angeht, denn Gottesdienst ist immer Handeln der ganzen Kirche. Also hat es seinen Platz in der "Öffentlichkeit" eines Blogs. Die Verstöße gegen eine ganze Reihe durchaus sinnvoller liturgischer Vorschriften scheinen sowieso kaum noch jemanden zu jucken. Oder man weiß es einfach nicht. Hier sehe ich die Hauptamtlichen in der Verantwortung bei der Vorbereitung (wenn es ihnen denn nicht selbst egal ist). Ästhetik, Feierlichkeit, Fröhlichkeit, funktionierende Glühbirnen und akustische Verständlichkeit sind in St. Kamillentee sowieso Fremdworte.
Was mich allerdings am nachdenklichsten gemacht hat, waren die anschließenden Gespräche mit den Freunden von früher: Es fand sich keiner darunter, den diese Art der Gottesdienstgestaltung in irgendeiner Weise dazu motiviert hätte, in der nächsten Zeit einmal wieder öfter eine Kirche aufzusuchen.

Der Ablauf war ungefähr folgender:

Eingangslied: "Einmal werden unsere Träume wahr"
Begrüßung durch den Hauptzelebranten, anschließend durch mehrere Pfadfinder in einem kurzen Sprechspiel. Danach geht man durch die Kirche und begrüßt die wenigen Anwesenden mit Handschlag.
Kyrie: gesprochen
Gloria: "Sons of god, hear his holy word"
Tagesgebet: Pfadfindergebet
Lesung: Die Geschichte von der kleinen Schraube (das muss man sich jetzt mal auf der Zunge zergehen lassen...)
Halleluja: "Sing Halleluja to the Lord"
Evangelium: Nicht vom Tage, sondern die Begebenheit bei der es um das Zahlen von Steuern an den Kaiser geht
Predigt: selbst gekürzter Aufruf der Bischöfe zur Bundestagswahl
Credo: entfiel
Dann ging es recht normal weiter, Votivhochgebet "Versöhnung". Zum "Vater unser" mussten alle ihre Plätze verlassen und in der Kirche einen großen Kreis bilden. In diesem Kreis wurde dann auch die Kommunion ausgeteilt.
Danklied: "Ihr seid der Heimat Gesicht" (mit dem eschatologisch interessanten Refrain: "Keine neue Welt, die den Himmel verspricht. Keine neue Zeit, die das heute vergißt".
Zum Schluß gab es das Pfadfinderlied "Flinke Hände, flinke Füße" das von ententanzartigen hektischen Bewegungen begleitet wurde.

Wie sagte ein Freund anschließend: "Ich mag das alles nicht mehr...!"
Hinterher gab es Bier vom Faß (ja wirklich, kein Kamilllentee), lecker Essen und schöne Begegnungen. Immerhin.

Donnerstag, 5. September 2013

Neues aus St. Kamillentee...

... hatten wir ja schon länger nicht mehr. Könnte aber bald wieder was kommen ;-)
Hier als Vorgeschmack schon einmal zwei nette Notizen aus dem Pfarrbrief:


Und das hier aus der Rubrik: "Was ist los im Pastoralverbund?"

Was soll man da noch sagen? Her mit dem Kamillentee, aber fässerweise!!!

Dienstag, 3. September 2013

Papst Gregor: Anmaßung und Weisheit


Immer wieder, liebe Leserinnen und Leser, kommen wir in Situationen, in denen jemand mehr weiß als wir. Und manchmal gibt es natürlich auch Gelegenheiten in denen es umgekehrt ist, dass wir eben einen Wissensvorsprung gegenüber anderen haben. Das ist völlig normal. Schwierig wird es, wenn manche versuchen ihr eigentliches Nichtwissen hinter einem großen Redeschwall oder einer Aneinanderreihung von Fremdworten und Fachbegriffen zu verbergen und es ihnen ziemlich gut gelingt. So ein Verhalten nennt man dann „Inkompetenzkompensationskompetenz“. Und Situationen in denen man sich „abgekanzelt wie ein Schuljunge“ vorkommt, kennt wohl auch jeder. Aber auch dazu gehören immer zwei: Einer der abkanzelt und einer der sich abkanzeln lässt. Ehrlich gefragt: Erliege ich nicht auch manchmal der Versuchung der Arroganz? Bin ich nicht auch jemand, der mit seinem Wissen gerne glänzen möchte? Den Unterschied erklärt uns Gregor in einem seiner Briefe: 
"Der Wissenschaft der Anmaßenden ist es eigen, dass sie es nicht fertig bringen, ihre Lehre in Demut vorzubringen, und dass sie ihre richtigen Erkenntnisse nicht in der richtigen Weise anzubieten vermögen. In ihren Worten verraten sie sich. Der Anmaßende kommt sich vor, als throne er im Lehrvortrag auf einem hohen Gipfel und schaue herab auf die Hörer tief unten. Nicht als Ratgeber spricht er zu ihnen, sondern als Herrscher, und kaum dazu lässt er sich herab."
Wer wirklich intelligent ist, versteht es komplizierte Dinge verständlich zu vermitteln. Und sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Das ist Weisheit.
 

Sonntag, 1. September 2013

1. September: Der Herbst beginnt


Ägyd bläst in des Herbstes Horn.
Die Beere schwankt am Brombeerdorn.
Der Apfel fällt mit leisem Laut,
großauf am Bach die Distel blaut.
Die Schwalbe zieht, der Wanderschuh
treibt dunkel einer Heimat zu.
Gekühlte Tage, klar und schön,
mit braunem Laub und weißen Höhn:
wie lange noch? Der Abend fällt,
Flurfeuer glimmt, Rauchnebel schwelt.
Nach Haus zu gehn, ist wohlgetan.
Sankt Michael, zünd die Lampe an!

Aus: Kalendarium für Landleut´ von Josef Weinheber.