Donnerstag, 31. Oktober 2013

Allerheiligen: Mosaiksteine Gottes

Als vor einigen Jahren der Künstler Thomas Jessen die Kapelle des erzbischöflichen Sozialinstituts Kommende in Dortmund neu gestalten sollte, hatte ich die schöne Möglichkeit, an der Planung des künstlerischen Programms mitzuwirken. Und dieses Programm ist wirklich ungewöhnlich: Wie Steine eines Mosaiks sind an der Decke Bildtafeln mit den Gesichtern von 51 verschiedenen Heiligen angebracht. Jeder ist anders und jedes Gesicht spiegelt ein ganzes unverwechselbares Leben, denn der Künstler hat keine Idealgesichter oder Phantasiegemälde gestaltet. Es gibt in der Kapelle nur authentische Porträts von Heiligen, von den neueren nach Fotografien gemalt, von den älteren nach Totenmasken oder frühen Zeichnungen. In jedes Gesicht hat das Leben seine Spuren eingegraben, in jedem sind Schmerz und Leid, Freude und Hoffnung zurückgeblieben. Kein Gesicht gleicht dem anderen, jedes ist anders.


Was ist ein Heiliger? – Die Gestaltung der Kapelle gibt eine interessante Antwort: All die verschiedenen Gesichter bilden wie ein kleiner Mosaikstein Gott selbst in der Welt ab. Keiner darf fehlen. Jeder ist unverkäufliches Original. Alle verbindet das Bemühen, Gottes Liebe in der Welt und unter den Menschen zum Leuchten zu bringen. Jeder anders, nach eigenen Grenzen und Fähigkeiten. Die Heiligen bilden in unerschöpflicher Fülle das große Mosaik Gottes, das noch lange nicht abgeschlossen ist. Und wir? Wir gehören dazu. Jeder Mensch ist ein Gesicht Gottes. Das bedeutet auch die Gemeinschaft der Heiligen: die von der Kirche als Heilige verehrten Menschen, unsere Verstorbenen und wir selbst auf dem Weg zur Gemeinschaft mit Gott. Diese Gesichter Gottes machen uns Mut, aus ihrem Vorbild können wir Kraft schöpfen. Sie rufen uns zu: Du bist nicht allein! Und noch mehr: Du bist ein unersetzbarer Mosaikstein Gottes! Bring dich zum Leuchten! Und lass andere leuchten! Gott braucht dich und will durch dich in dieser Welt aufstrahlen! – An der Decke der Kapelle ist noch Platz genug. Für jeden von uns.
 

Mittwoch, 30. Oktober 2013

"Der Kerl sallt mir das meinige nicht nehmen!" - Etwas Stadtgeschichte zum Reformationstag

Wer immer noch meint, die Reformation sei im Wesentlichen ein religiöser Aufbruch gewesen, der lese einmal ein wenig Stadtgeschichte:
 
"Die Anfänge der Reformation sollen durch Pfarrer Johannes Fabrizius aus Langendreer gemacht worden sein, der nach dem Tode oder der Versetzung von Pfarrer Wessel Ryth die Wittener Gemeinde mitversorgte. Pfarrer Heinrich Heitmann, bei seiner Amtseinführung 1577 noch katholisch, fand in der Gemeinde schon einige Protestanten vor, was ein Beschwerdebrief des protestantischen Edelmanns Robert Stael von Holstein zeigt, der die Geistlichen von Wengern oder Langendreer bittet, die Wittener geistlich zu versorgen, denen der Wittener Pfarrer die Austeilung des Abendmahles verweigere, weil sie nicht beim Bau eines Pfarrhauses helfen wollten.
Pfarrer Heitmann selbst war, seinen Lebenswandel betreffend, nicht vorwurfsfrei, er unterhielt mit seiner Haushälterin ein unerlaubtes Verhältnis, nicht ohne Folgen. Die Gemeinde nahm daran einigen Anstoß. Nach seinem Übertritt zur neuen Lehre, wahrscheinlich vor 1575, heiratete der ehemalige Herbeder Kaplan jedoch nicht seine Haushälterin, sondern Katharina Schettmann, was dazu führte, dass er für seine ehemalige Haushälterin über Jahre Alimentengelder zahlen musste. Heitmann verzichtete 1597 auf sein Amt und starb am 3. September 1602.
Nach einer Aufzeichnung im Lagerbuch der Gemeinde wurde die Reformation erst 1582 vollends abgeschlossen. Ihre Durchführung geschah nicht ohne Auseinandersetzungen und sogar Tätlichkeiten. Als Beispiel dafür soll folgende Begebenheit im Original wiedergegeben werden:
'Vicarie B.M.V. zu Witten, verfolg von Stammheim selbige den Pater aus dem Kloster zu Lütgendortmund Joh. Kohlleppel conferieren, dieser auch 1. Januar 1576 an dem Altar die Messe thun wollen, wogegen Cath. von Plettenberg, Wittib von Brembts, samt ihren Söhnen Henrich et Wennemar und ihren Dienern und Leuten sich widersetzt; besonders soll Wittib von Brembt dem Pastoren haben sagen lassen, er solle die Predigt kurz machen. Inmittelst soll sie in die Sacristei gegangen und mit dem Pater gelärmt und gerufen haben: Der Kerl sallt mir das meinige nicht nehmen, darauf v. Stammheims Frau aus ihrem Stuhl zu der Frau v. Brembt gegangen und diese in Gezänk gekommen, als der Pastor eben das Evangelium gelesen, mithin dieser von der Kanzel gehen müssen. Brembts Söhne und Leute wären mit Gewehr in die Kirche gekommen und gedroht zu schießen, daher zwischen Brembts und Stammheims Leuten große Schlägerei und Tumult entstanden, die andern Leute aus der Kirche laufen, Brembts Schreiber Ernst sich vor den Altar mit ausgestreckten Händen gestellt, um den Pater nicht zuzulassen, die Messe zu lesen, und wie dieser dennoch in priesterlicher Kleidung zum Altar gekommen, hätten Brembts Leute ihn mit bloßen Säbeln davongejagt, auch den Kelch weggenommen mit dem Bedeuten, er solle sich bald wegmachen, oder sie wollten mit ihm so handeln, dass er das Messelesen nicht mehr tun solle usw.'
Nach diesem Ereignis begann ein Rechtsstreit der Familien bis zum kaiserlichen Gericht, der sich über mehrere Jahre hinzog, doch wurde Kohlleppel, auch nach dem Auftrag des Kölner Offizials an den Hagener Dechanten Carl Orth ihn einzuführen, nicht Inhaber der Stelle in Witten. Noch im Jahre 1721 entstand ein Streit zwischen Stael von Holstein zu Steinhausen und Pastor Brockhaus über die Entfernung des St. Annen-Altares, der, obwohl eigentlich durch die Reformation längst überflüssig geworden, doch an seinem alten Platz stehen sollte, da er von den Vorfahren Staels fundiert gewesen ist."

Tja, was soll man dazu sagen?

Dienstag, 29. Oktober 2013

Neues vom "Kirchsprech"...

Die kirchliche Binnensprache ist immer wieder ein hoch interessantes und schier unerschöpfliches Thema, z.B. solche skurrilen Wortschöpfungen wie "Sühneopferseele" oder "Tanz-Dank-Tankstelle" muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Und dann versuchen sie jemandem zu erklären. 
Bei einem meiner Lieblingssätze legte man früher die Hände ineinander, den Kopf leicht schräg und äußerte dann mit leicht gepresster Stimme: "Wir bräuchten dann noch zwei Dalmatiken!" (wobei damit genauer ja eine Dalmatik und eine Tunizella gemeint waren, aber egal) - Dieser Satz zur richtigen Zeit in der richtigen Sakristei öffnete das kultische Herz, denn meist kündigte sich dann Großes an. Allerdings hört man ihn in letzter Zeit leider immer seltener.
Man ist natürlich auch "irgendwie" und "irgendwo", zumindest "ein Stück weit" "ganz". Dinge haben nicht Sinn, sondern "machen" ihn. Atmosphären und Gespräche sind "spannend", "dicht" oder "offen". Meist gleichzeitig. "Wütend, traurig und betroffen" kann man natürlich auch sein, häufig verbunden mit augenrollendem Reiben des Wollpullovers in Höhe der Magengegend. Technikbegeistert, ein Regenschirm wird ja wohl nicht gemeint sein, hat man etwas "auf dem Schirm" oder auch auch nicht. Meist letzteres.
Seit einiger Zeit fällt mir auf, dass alle irgendwie "als" oder "mit" etwas "da ja" unterwegs sind, also z.B. "Ich bin da ja auch noch als Coach unterwegs" oder "Wir sind da ja mit einem ganz neuen Projekt unterwegs". - Seltsam, wenn alle unterwegs sind, ist ja niemand mehr zuhause. Oder ist das jetzt der "Aufbruch"? (Und ich habe ihn vielleicht verpasst?)

Montag, 28. Oktober 2013

Limburg ist überall...

Heute abend im WDR: "Preisabsprachen in der Badbranche: Warum Verbraucher draufzahlen!"

Manchmal wundert man sich...

Freitag, 25. Oktober 2013

Das ultimativ Allerletzte zum Thema Limburg

Ich finds einfach nur geil:

Das Wort Gottes - druckfrisch!

Gestern von der Druckerei gekommen: Bereits zum vierten Mal erhalten unsere Patienten, Angehörigen und Mitarbeiter "Das Wort Gottes für jeden Tag" als Begleiter durch das Jahr. Im eigenen Vorwort weisen wir auch auf die Gottesdienstzeiten und Ansprechpartner in den Krankenhäusern hin. Titelbild ist jetzt der Raum der Stille in unserem Lukas Hospiz:

Wenn es mit dem neuen Gesangbuch auch so problemlos klappen würde, wäre ich ja glücklich. Jetzt muss ich mir nur noch überlegen, wo ich die 1500 Ex. lagern kann...

Dienstag, 22. Oktober 2013

Karg - klar - klangvoll

Wenn wir heute Liturgie feiern wollen führt kein Weg zurück in das geschlossene Weltbild der Barockzeit oder das häufig mit dem Mittelalter verwechselte 19. Jahrhundert. Aber wir können auch nicht im nostalgischen Reformtraditionalismus der 70er Jahre verharren. Wir müssen uns lösen von der endlosen katechetischen Verwortung, von der penetranten Bronzekunst und vom vermeintlich gemeinschaftsstiftenden Liedchensingen. Wir können unsere Kirchen nicht mehr gestalten wie die Wohnzimmer unserer Eltern und Großeltern mit Blümchen und Deckchen. Wir können mit diesen Kirchenräumen, mit dem Licht, der Musik, dem Duft, mit unseren ganzen Symbolen nicht mehr achtlos umgehen, weil ja eh' alle kommen und sie jeder versteht. Es kommt halt eben keiner mehr einfach so. Bei mancher "Gestaltung" habe ich auch volles Verständnis wenn jemand zuhause bleibt. "Wir werden weniger, dafür müssen wir besser werden": Das gilt auch für die Art und Weise wie wir Gottesdienst feiern, natürlich zuerst einmal für mich selbst, aber auch für alle anderen Beteiligten. Einschließlich Küster.

Einen interessanten und nachdenkenswerten Versuch macht ein Freund in St. Agnes in Hamm, den ich heute besucht habe. Seht und lest selbst:
http://www.moonlightmass-hamm.de/

 



Sonntag, 20. Oktober 2013

Victrix Mindensis Ecclesia

Vorgestern führte uns der schöne Anlass eines runden Geburtstages nach Minden. Das ehemalige Bistum wurde, wie die anderen sächsischen Bistümer auch, 799 von Karl dem Großen und Papst Leo III. bei ihrem Treffen in Paderborn errichtet. Die nachweisliche Reihe der 62 Mindener Bischöfe beginnt mit dem Benediktiner Erkanbert aus Fulda, er starb um 830. Seit Bischof Sigebert dem Liebenswerten (1022-36) trugen die Bischöfe die päpstlich verliehene Auszeichnung des Rationale. Den Niedergang des Bistums beschleunigten die der Reformation zugeneigten Bischöfe, 1648 erfolgte die vom Hl. Stuhl nicht anerkannte Auflösung. Einige ehemalige Stifts- und Klosterkirchen in der Stadt sind noch erhalten.
Der Dom St. Petrus und Gorgonius mit romanischem Westwerk entstammt verschiedenen Bauperioden, sein im 13. Jahrhundert vollendeter Hallenbau gilt als Kleinod. Das seit der Reformation gemischt konfessionelle Domkapitel mit katholischem Propst und evangelischem Dechant wurde 1810 aufgehoben. Heute ist der Mindener Dom eine der Propsteikirchen im Erzbistum Paderborn. In Minden wurden übrigens auch die sel. Pauline von Mallinckrodt und die Dichterin Gertrud von Le Fort geboren.

 
 Sehenswert! Allen einen schönen Sonntag!

Dienstag, 15. Oktober 2013

Willkommen im Neandertal!

Ein Freund machte mich gestern auf die "Erste Allgemeine Verunsicherung" aufmerksam. Von dieser österreichischem Kultband hatte ich in grauer Vorzeit zwar schon mal eine Platte, habe aber ewig nicht mehr dran gedacht. Aber es lohnt sich die mal wieder zu hören, und auch der Text von "Neandertal" hat von seiner Aktualität nichts verloren.
Hier also als Einstimmung auf den Tag:

Montag, 14. Oktober 2013

Jetzt mal alle drei Tage den Mund halten!

Ein Freund von mir und ZdK-Mitglied schreibt:

"Die Würde des Menschen ist unantastbar", Art 1 GG. Das gilt auch für einen Bischof. Daher mein Vorschlag: Jetzt mal alle drei Tage den Mund halten und im Hinblick auf das Bistum Limburg auf ein gutes Ergebnis der Gespräche mit Bruder Franziskus in Rom hoffen!"

Ich finde das sehr vernünftig.
Und schicke zum "Los wochos"-Thema "Protz und Prunk" nur kurz den guten Johannes XXIII. hinterher. Der hatte ein Gespür dafür, wann Bescheidenheit angesagt ist und wann die Feierlichkeit nicht groß genug sein kann.

 
Irgendwie erinnert er mich, bei aller Verehrung und allem Respekt, trotzdem an diese Faberge-Eier...

Samstag, 12. Oktober 2013

Morgengedanken

"Die Nebel entweichen im Glanze der strahlenden Klarheit und Kraft des kommenden Christus" heißt es heute im Hymnus der Laudes. Und der Blick aus dem Fenster in der Morgenfrühe passt dazu ganz gut:


"Laß ihn doch bauen" meinte gestern zum Thema Limburg mein stets yoga-tiefenentspannter Kollege Werner, "wenns schön ist, darfs doch ruhig was kosten!", lehnte sich in seinem Stuhl zurück und meinte noch, dass es doch wahrhaftig Schlimmeres auf der Welt gäbe. Da kann man doch auch mal von seinem buddhistischen Kollegen etwas lernen: Ball flach halten!
Wenn also z.B. der Papst meint, er müsse immer dasselbe Messgewand tragen und könne als eifriger Leserbriefschreiber mehr bewirken - Es gibt Schlimmeres! Wenn also mal ein deutscher Bischof viel Geld ausgibt und dann zurücktreten muss - Es gibt Schlimmeres! Wenn "Er" schon darauf brennt, in wenigen Stunden das Kirchenvolk mit seinem neuen Hochgebet zu beglücken - Es gibt Schlimmeres! Wenn ein Wiederverheiratet-Geschiedener nach reiflicher Überlegung zur Kommunion geht - Es gibt Schlimmeres!
Hektische Erregung ist eigentlich keine katholische Grundhaltung. Gelassenheit ist angesagt.

Zumindest wenn man genug Bier und Zigaretten im Haus hat.

Allen einen guten Start ins Wochenende!

Freitag, 11. Oktober 2013

11. Oktober: Beim Nachbarn gibts was zu feiern

Das Bistum Essen feiert nämlich heute sein Patronatsfest, Maria als "Mutter vom Guten Rat". Johannes XXIII. hat sie unter diesem Titel am 8.7.1959 zur Patronin des Bistums bestellt. Und unter diesem Titel wird auch die berühmte "Goldene Madonna" in der Essener Kathedrale verehrt, eines der ältesten vollplastischen Marienbilder des Abendlandes:


Herzlichen Glückwunsch! Und "Guter Rat" ist im Moment mal wieder sehr gefragt...
PS: Darf man eigentlich kirchensprechkorrekt noch sagen, dass "guter Rat TEUER" ist? ;-)

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Es geht nicht um Nestbeschmutzung

Ein FB-Beitrag:

Es geht nicht um "Nestbeschmutzung". Wer das behauptet, hat eine ähnlich selektive Wahrnehmung wie der in der Diskussion stehende Bischof. Wagenburgmentalität, Medienschelte oder eine vermutete Hetzkampagne gegen einen "romtreuen" Bischof (was immer das bedeuten soll) helfen da gar nicht und gehen auch am eigentlichen Problem vorbei. Es scheint doch einfach so zu sein, dass da jemand sich und seine ihm von seinem Amt her übertragene Verantwortung nicht (mehr) im Griff hat. Natürlich haben auch die Verwaltung und die Kontrollgremien versagt, aber es gibt halt auch eben den Bischof als entscheidenden Letztverantwortlichen. Und das nutzen ja Bischöfe ansonsten auch recht gerne. Und nebenbei: Wer meint, sich über die Bildzeitung retten zu können, muss sich wirklich fragen lassen, was unter seiner Mitra vorgeht.

Ernste Situation im Bistum Bimburg

Aus der Erklärung des Vorsitzenden der Bischofskonferenz:
 
"Insgesamt nehme ich die Situation im Bistum Bimburg sehr ernst. Die vom Bischof erbetene Prüfungskommission habe ich eingesetzt. Sie wird in Kürze ihre Arbeit aufnehmen. Wie lange die Untersuchung dauert, kann ich im Moment noch nicht sagen. Der Prüfungskommission gehören interne und externe Experten an. Über die Namen ist Vertraulichkeit vereinbart worden. Das Team hat einen dreifachen Auftrag: die Klärung der dramatisch zurückgegangenen Glaubenspraxis und der noch immer rasant abnehmenden Kirchenbesucherzahlen angesichts der Verdreifachung des hauptamtlichen Personals in der Bistumsverwaltung und der zahllosen pastoralen Initiativen innerhalb der letzten vierzig Jahre.“

Sonntag, 6. Oktober 2013

6. Oktober: Macht Einsamkeit glücklich?

Bruno, der Stifter des Kartäuserordens, stammte aus Köln. Geboren um 1030, wurde er Kanonikus an St. Kunibert in Köln, 1057 Leiter der Domschule in Reims, wo der spätere Papst Urban II. sein Schüler war. Mit Erlaubnis des Bischofs von Grenoble gründete er 1084 mit sechs gleichgesinnten Freunden eine Eremitensiedlung in der Einsamkeit von Cartusia (Chartreuse). Das war die erste „Kartause“ (La Grande Chartreuse) und der Anfang des Kartäuserordens, des einzigen Ordens der katholischen Kirche, der nie reformiert zu werden brauchte. Sechs Jahre später rief ihn Papst Urban II. als seinen Berater nach Rom. 1091 gründete Bruno die Kartause La Torre in Kalabrien. Dort starb er am 6. Oktober 1101.
Unsere Bilder zeigen wieder einmal die Glasfenster von Thomas Jessen in Brenkhausen. Übrigens ein interessantes und tiefsinniges Detail: Dieses Fenster ist das einzige im ganzen Fensterzyklus, in dem ein Heiliger allein dargestellt ist.



Er sei der „strengste Orden der Welt“ heißt es vom Kartäuserorden und das hört sich für uns Dan-Brown-Verdorbene ja so richtig schön gruselig-mittelalterlich an. Aber, liebe Leserinnen und Leser, haben Sie schon einmal den Film „Die große Stille“ gesehen? Ich kann ihn nur sehr empfehlen, denn dort wird das Leben der Mönche in der Großen Kartause in Frankreich begleitet. Und was verblüfft: Die Menschen dort sind glücklich! Es erscheint uns zunächst seltsam: Da leben Menschen in Strenge und Einsamkeit und sind glücklich. Das hat die Menschen schon immer fasziniert, Hans Conrad Zander beschreibt in humorvoller Weise wie die Leute in der Frühzeit der Kirche in Scharen zu den Wüstenvätern in Ägypten gepilgert sind, nur um zu sehen, wie es ist, wenn jemand mit sich allein glücklich ist, und Goethe spricht vom „strengen Glück“ der Kartäuser. Ist man denn nicht eher glücklich, wenn es locker zugeht und man in Gemeinschaft ist? Wenn wir ehrlich zu uns selber sind, liebe Leserinnen und Leser, wissen wir, dass das nicht stimmt. Zumindest nicht immer. Strenge kann auch Halt bedeuten, Einsamkeit auch Freiheit.
Das Tagesgebet vom hl. Bruno bringt uns etwas auf die Spur des kartusianischen Glücksgeheimnisses, dort heißt es: „Gott, du hast den heiligen Bruno in die Einsamkeit geführt und ihn zu einem Leben in deiner Nähe berufen.“ Hier wird das vermeintliche Paradox aufgelöst. Der Mönch ist in seiner selbstgewählten Einsamkeit nicht allein: Durch die Einsamkeit wird er offen für die Nähe Gottes.
Das wäre auch etwas für uns Nichteinsiedler: Die Nähe Gottes macht glücklich! Und zwar so glücklich, dass auf einmal viele Dinge und auch Menschen nicht mehr so wichtig sind, oder besser: In der Nähe Gottes bekommt alles seinen angemessenen Platz, Dinge sind nur Dinge, Menschen sind nur Menschen. Das soll nicht abwertend gemeint sein, aber die Erkenntnis bleibt: Die Nähe Gottes befreit von falschen Prioritäten. Und das macht glücklich!

Freitag, 4. Oktober 2013

Freunde der gepflegten Orgelmusik...

... macht mal kurz die Augen zu ;-)


Entdeckt in der Kathedrale von Krk. Die hl. Messe am Sonntag war allerdings dennoch ein Erlebnis: Die Kathedrale war voll besetzt, es wurden Erstkommunionkinder gesegnet, Firmbewerber mit kleinen Kreuzen beschenkt und aus vollem Herzen gesungen, zwischendurch gab es die eine oder andere Prozession mit den Kindern durch die Kirche. Und in dem ganzen frommen Gewusel gab es dann in aller Ruhe die ganz normalen Texte vom Sonntag, einschließlich AT- und NT-Lesung, Zwischengesang und Hallelujavers. Das ist wohl auch schon ein Erlebnis...

 
Und hier das erwartete obligatorische Bierbild:

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Wieder da!

Zurück aus Kroatien! Es war wie immer erholsam, entspannend, abwechslungsreich, interessant und einfach nur schön! Demnächst mehr...