Samstag, 30. November 2013

Advent: Schon wieder ein Jahr vorbei!

Aus meinem aktuellen Zeitungsbeitrag:

Schon wieder ein Jahr vorbei! Zumindest ein liturgisches Jahr der Kirche, denn das endet und beginnt immer mit dem ersten Advent. Ein liturgisches Jahr mit Hochfesten, Festen, geprägten Zeiten, Sonntagen und Gedenktagen liegt hinter uns.
 
 
Hat die Feier des Gottesdienstes etwas bewirkt? Sind wir damit Gott näher gekommen? Oder Gott uns? Waren unsere Gottesdienste „Einbruch des Göttlichen“ in unsere Welt, oder mehr oder weniger banale Fortsetzungen des bürgerlichen Alltags? Gerade wenn Gottesdienste allzu sehr selbst gestaltet sind, habe ich oft den Eindruck, dass der Horizont am Rand der schwarzen Ringbuchmappe endet und sie das bleiben, was sie sind: Menschenwerk. – Ein neues Kirchenjahr liegt vor uns, eine neue Chance, dass aus „Menschen-werk“ eben „Gottes-werk“ wird. Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dass es Ihnen gelingt, in diesem neuen Kirchenjahr Gott näher zu kommen, auch und gerade in der Mitfeier des Gottesdienstes. Eine gute und gesegnete Adventszeit!

Dienstag, 26. November 2013

Die Luft ist raus! (zumindest für den Moment)

Natürlich könnte ich jetzt eine kleine liturgische Nachlese zu Christkönigssonntag schreiben, z.B. könnte ich von in der Kirche verteilten Burger-King-Kronen berichten die sich die Menschen aufsetzen mussten. Ich könnte auch etwas schreiben über selbstverfasste (kirchen-)politisierende Hochgebete einschließlich wüster Bischofsbeschimpfungen.
Könnte ich alles machen. Tue ich aber nicht, denn im Moment ist irgendwie die Luft raus.

Samstag, 23. November 2013

Christkönig: Umkehr der Verhältnisse

Könige kennen wir heute meist nur noch aus der Klatschpresse und die meisten Menschen können sich keine andere Staatsform vorstellen in der sie leben wollen, als in einer Demokratie. Gott sei Dank und gut so. Was soll dann heute noch das Christkönigsfest? Wenn wir darauf schauen, wann die „Königsproklamation“ Jesu Christi stattfindet, verstehen wir, worum es geht: Es geschieht, als der geschlagene und misshandelte Jesus im Verhör vor Pilatus steht, nach der Verurteilung verhöhnen ihn die Soldaten als „König der Juden“ um ihn dann zu kreuzigen. Die Königsherrschaft Jesu Christi ist also etwas fundamental anderes: gelten sonst Macht, Reichtum und Vitalität, bedeutet sie eine völlige Umkehrung der Verhältnisse. Das zeigt auch unser Bild: In königlichem Gold – hängt dort ein Gekreuzigter. Seine Krone ist die Dornenkrone. Der schwache, leidende und verwundete Mensch hat königliche Größe vor Gott. - Gut, dass uns das Christkönigsfest daran erinnert.

Freitag, 22. November 2013

Altenberger Dom - fast ganz für mich allein...

Nur ein paar Eindrücke aus dem Dom zu Altenberg heute mittag:










Zwei Päpste im Beichtstuhl

Wer's noch nicht kennt: Gucken!!! ;-)

22. November: Musik ist Trumpf!

Aus meinem aktuellen Zeitungsbeitrag:

Die heilige Cäcilia, liebe Leserinnen und Leser, gilt als Patronin der Musik. Die Legende schildert, wie die vornehme Römerin Cäcilia um das Jahr 230 gemeinsam mit ihrem Bräutigam Valerian und dessen Bruder Tiburtius das Martyrium erlitt, weil sie sich verbotenerweise an der Bestattung hingerichteter Christen beteiligt hatten. Über ihrem Grab erhebt sich die reichhaltig ausgestattete Basilika Santa Cecilia im römischen Stadtviertel Trastevere. Zur Patronin der Musik wurde sie, wahrscheinlich aufgrund eines Übersetzungsfehlers aus einem lateinischen Text, seit dem 14. Jahrhundert. Ihr werden Musikinstrumente als Attribute beigegeben, so wie hier auf dem Bild des Cäcilienaltars in der Pfarrkirche zu Volkach/Main zu erkennen ist.


„Musik ist Trumpf“ hieß früher eine bekannte und beliebte Fernsehsendung. Und dieser Titel bringt es auf den Punkt, was das Tagesgebet der heiligen Cäcilia etwas frommer ausdrückt: „Großer Gott, du hast uns geschaffen, damit wir dich loben und preisen, lass uns mit Freude und Hingabe dein Lob verkünden.“ Musik kann die Herzen öffnen und die Seele emporheben, Musik kann etwas von einer verborgenen Wirklichkeit erfahren lassen. „Sehn Sie, man kann nicht mehr leben von Eisschränken, von Politik, von Bilanzen und Kreuzworträtseln. Man kann es nicht mehr.“ schreibt der berühmte Autor Antoine de Saint-Exupery, und fügt hinzu: „Man kann nicht mehr leben ohne Poesie, ohne Farbe, ohne Liebe.“
Mancher sagt resigniert: „Ich kann nicht singen!“ und es ist ihm auch sein ganzes Leben lang so vermittelt worden. Ich glaube das nicht, liebe Leserinnen und Leser, meist fehlen nur Mut und etwas Übung. Nutzen Sie Gelegenheiten zum Singen, egal ob in der Therapie oder unter der Dusche. Sie werden merken, es öffnet Ihr Herz und erhebt Ihre Seele. Und hinzu kommt: Egal wie schräg Sie singen, Sie loben damit Ihren Schöpfer!

Sonntag, 17. November 2013

Gottesdienst: genervt, gelangweilt, gequält

Aus leider wieder einmal aktuellem Anlaß:
 
"Man wird sich manchmal des Eindrucks nicht erwehren. dass Gottesdienst deshalb 'gemacht' wird, damit viele darin mitwirken und sich in dieser Mitwirkung wieder finden können; leider nur zu oft wird die Liturgie mit einem Thema oder einem Zweck versehen, die mit dem erlösenden Handeln Gottes selbst kaum mehr etwas zu tun haben. Dass man trotz allen Anstrengungen um einen zeitgemäßen Gottesdienst der Not, in welche die Liturgie geraten ist, nicht begegnen kann, sollte mittlerweile die Erfahrung doch gelehrt haben. Im Gegenteil: Je mehr man versucht, durch 'zeitgemäße' Gottesdienstgestaltung den vermeintlichen Erwartungen des modernen Menschen entgegen zu kommen, um ihn auf diese Weise in die Kirche zu locken, desto mehr Plätze werden leer! Die meisten lassen sich trotz allen Anstrengungen eben doch nicht zum Gottesdienst 'verleiten' und investieren ihre Freizeit in für sie offenkundig 'Sinnvolleres'.
Diejenigen, die aufgrund ihres Glaubens und religiösen Engagements ohnehin kommen, werden mit vielen dieser 'Gottesdienste' nur noch genervt und gelangweilt - weil sie nichts anderes sind als eine öde, auf die Nerven gehende Wiederholung dieser Welt, wie sie eben ist, an heiliger Stätte. Bar jeder Faszination für das Heilige und sich grundlegend unterscheidende Göttliche macht man vielfach aus dem Gottesdienst einen zumeist weinerlichen 'theologischen Durchlauferhitzer' für Alltäglich-Banales und ohnehin ständig Wiederholtes. Das allein von Gott her kommende erlösende Neue bleibt aus. Ein solcher Gottesdienst ist gerade nicht Gottes-Dienst, sondern Menschen-Werk, bestenfalls durchgestaltete, auf ein Lernziel hin ausgerichtete (Sozial-)Pädagogik. (...)
Es ist die Erfahrung so vieler schlecht gefeierter Gottesdienste, die genau das nicht vermitteln, was den Kern liturgischen Tuns nach der Überzeugung von Katholiken und Orthodoxen ausmacht: die Begegnung mit dem lebendigen Gott. Schlecht und vor allem lieblos gefeierte Gottesdienste können geradezu physische Qualen bereiten! Vieles kann diese Begegnung von Gott und Mensch boykottieren und verunmöglichen, zu hoffen bleibt aus Unverstand und nicht aus bewusstem Wollen. Menschliche Eitelkeit, Machtspielchen darüber, wer im Gottesdienst das 'Sagen' hat, Unverständnis über die nonverbalen Zeichen und Symbole wie Kleid, Gerät und Raum, geschwätziges Nachäffen der Welt, wie sie 'draußen' vor der Kirche ist, oberlehrerhaftes Indoktrinieren vor allem moralischer Botschaften und vieles andere verleiden nicht nur die Freude am Gottesdienst, sondern verhindern den Einbruch der göttlichen Welt in unsere sichtbare Feier auf Erden. Leider nur zu oft kann ein Gefühl des Verständnisses für jene Mitchristen aufkommen, die sich im Gottesdienst rar machen; für viele Gläubige ist die treue Mitfeier schlechter Liturgien eine wahre Zumutung."
 
Michael Kunzler: Liturge sein - Entwurf einer Ars celebrandi, Paderborn 2007, 5; 17.
 
Mit liturgischen Vorschriften zu argumentieren ist manchen "Gottesdienstgestaltern" gegenüber grundsätzlich sinnlos, da ja die Kritik an "denen da oben" inneres Fundament eines jeden Gottesdienstes ist. Aber auch der Konservatismus-unverdächtige (siehe seine Kritik an der "Alten Messe") Michael Kunzler wird nicht viel weiterhelfen, wenn die Grenze des Horizontes der Rand der schwarzen Ringbuchmappe ist.
Ich finde das mehr traurig als ärgerlich. 

Donnerstag, 14. November 2013

Gott hat mit mir gesprochen...

"Gott hat gestern mit mir gesprochen" berichtete mir heute jemand. "Ach", fragte ich zurück, "was hat er denn gesagt?" - "Dass ich aufhören soll zu rauchen!"

Na, das ist doch mal was!

Geduld und Geheimnis

"Ja, den Hauptunterschied zwischen dem Glauben und dem Atheismus sehe ich in der Geduld. Atheismus, religiöser Fundamentalismus und leichtgläubiger religiöser Enthusiasmus sind sich auffallend ähnlich in dem, wie schnell sie fertig sind mit dem Geheimnis, das wir Gott nennen - und eben deshalb sind alle diese drei Positionen für mich in gleichem Maße unannehmbar. Mit einem Geheimnis darf man nie "fertig sein". Ein Geheimnis lässt sich - im Gegensatz zu einem Problem - nicht "erobern"; man muss geduldig an der Schwelle zum Geheimnis ausharren und in ihm verweilen. Es innen, im Herzen tragen, wie es im Evangelium von Jesu Mutter heißt, es dort reifen und dadurch sich selbst reifen lassen."

Tomas Halik: Geduld mit Gott, Freiburg 2010, 9f.

Dienstag, 12. November 2013

Noch etwas für Sakristeifreaks...

Es gibt sie noch, die wunderbaren alten Sakristeischränke aus denen man auch im Handumdrehen einen Hochaltar machen könnte:

Donnerstag, 7. November 2013

Sonntag, 3. November 2013

Hubertus: cum angelis et archangelis: "Trari, trara!"

Beim heutigen Gedenktag des heiligen Hubertus fällt mir immer wieder eine alte Geschichte aus meiner klerikalen Vergangenheit ein. Im Priesterseminar gab es den Brauch, die Gläubigen der umliegenden Orte mit Probepredigten der angehenden Diakone mehr oder weniger zu erfreuen. Die Predigten wurden mit Cassettenrecorder aufgenommen und anschließend mit einem erfahrenen Prediger ausgewertet, die Kirchenbesucher bekamen Auswertungsbögen zum Ankreuzen. (Als später dann das Verbot der Laienpredigt noch einmal eingeschärft wurde, wurde einzig diese Übung übrigens auf oberhirtliche Weisung abschafft, so ein Unsinn...).
Jedenfalls wurden ein Freund und ich der Gemeinde in O-dorf zugeteilt, wo der heutige Generalvikar des Erzbistums P. damals tätig war. Natürlich hatte ich mich lange und intensiv auf eine Predigt zum entsprechenden Sonntag im Jahreskreis vorbereitet. In der Woche davor bekam ich dann allerdings mitgeteilt, dass der hl. Hubertus den Sonntag verdränge und es mit Schützen, Jägern und Bläsern eine Hubertusmesse gäbe. Das war mir als Ruhrgebietskind ungefähr so vertraut, wie einem Halligbewohner das Skifahren.
Das Aussehen der Kirche veränderte sich merklich: Unmengen von Büschen und Bäumen wurden in die Kirche geschafft, der Chorraum verwandelte sich in einen "dunklen Tann" und vor dem Altar wurde ein imposantes Geweih aufgebaut. Mir war ab da nicht mehr ganz klar, wem denn da jetzt die Anbetung zukam. Für eine Lohengrin-Aufführung wäre die Kulisse perfekt gewesen. Aber es war ja Messe, Hubertusmesse mit Musik. Nun weiß ich auch, dass es mit Naturhörnern nicht so ganz einfach ist, das zu spielen, was da vor einem auf dem Notenblatt steht. Aber die so manchem gewundenen Rohr mit großer Anstrengung entlockten Klänge trieben garantiert die letzten verbliebenen Tiere in selbstmörderischer Absicht auf die nahe gelegene Umgehungsstraße. Ist ja praktisch: Man braucht sie dann nicht mit teurer Munition zu erschießen, sondern einfach nur einzusammeln.
Ich habe dann über den heiligen Hubertus und Glaube, Sitte, Heimat gepredigt. Zumindest hab' ichs versucht. Auch hat kein mitgebrachter Falke in die Kirche geschissen. Das soll es ja auch geben... Die Predigtauswertung hinterher im Priesterseminar jedenfalls hat dann zu dauerhaftem Vergnügen aller Beteiligten geführt...
Da hilft nur das Gedicht von Oskar von Riesenthal auf der Jägermeisterflasche:


Das ist des Jägers Ehrenschild,
daß er beschützt und hegt sein Wild,
waidmännisch jagt, wie sich's gehört,
den Schöpfer im Geschöpfe ehrt.

Das Kriegsgeschoß der Haß regiert, -
Die Lieb’ zum Wild den Stutzen führt:
Drum denk’ bei Deinem täglich Brot
Ob auch Dein Wild nicht leidet Noth?


Behüt’s vor Mensch und Thier zumal!
Verkürze ihm die Todesqual!
Sei außen rauh, doch innen mild, -
Dann bleibet blank Dein Ehrenschild!


Allen einen schönen und friedlichen Tag!

Samstag, 2. November 2013

Allerseelen - Ausklang

Hl. Messe zum Allerseelentag mit Choralrequiem in St. Marien, Witten.
 

2. November: Allerseelen - Tag der Solidarität

Der Allerseelentag, liebe Leserinnen und Leser, steht im Zusammenhang mit dem vorausgehenden Fest Allerheiligen und geht auf den heiligen Abt Odilo von Cluny zurück; er hat diesen Gedenktag in allen von Cluny abhängigen Klöstern eingeführt. Das Dekret Odilos aus dem Jahr 998 ist noch erhalten. Bald wurde der Allerseelentag auch außerhalb der Klöster gefeiert. Für Rom ist er seit Anfang des 14. Jahrhunderts bezeugt. So wie am Allerheiligentag die Heiligen, die schon bei Gott sind, gefeiert werden, so wird an Allerseelen aller Verstorbenen, die noch nicht zur Vollendung gelangt sind, gedacht.


Im Zuge der nachkonziliaren Liturgiereform hat man sich von der am heutigen Tag vorgesehenen Sequenz „Dies irae“ – „Tag des Zornes“ weitgehend getrennt. Dieser, u.a. von Mozart, Verdi, Berlioz und Bruckner so meisterhaft vertonte Text sei zu düster und verdunkele die christliche Ewigkeitshoffnung. Ich halte das für einen großen Fehler. Natürlich ist die Sequenz sehr ernst, aber ist nicht auch der Tod eine ernste Sache? Natürlich geht es um das göttliche Gericht, aber muss nicht einmal jeder für seine Taten Rechenschaft ablegen und wäre es nicht ein bedrückendes Gefühl, würden die ganzen Opfer menschlichen Unrechts nicht wenigstens vor Gott Gerechtigkeit finden?
Ich meine, dass der Gedanke an das göttliche Gericht nichts beängstigendes, sondern etwas sehr befreiendes hat. Wir haben hier nicht die Möglichkeit, die „letzten Dinge“, also Himmel, Hölle, Fegefeuer, ausführlich zu erläutern. An dieser Stelle nur ein Gedanke: Das göttliche Gericht bedeutet, dass Gott prüft, was der Mensch aus sich und der Schöpfung, beide von Gott aus Liebe ins Dasein gesetzt, gemacht hat. Es wird darum gehen, wie die Welt als Ganzes und ich als Einzelner Gott gerecht geworden bin. Es geht nicht um eine irdische Gerichtsverhandlung, sondern um die direkte und existentielle Erfahrung Gottes. Und was ist aber Gott? Gott ist die Liebe! Gott lässt mir aber selbst in diesem Moment noch die Freiheit, mich gegen diese Liebe zu entscheiden. Diese selbstgewählte Gottesferne ist die Hölle. Zu merken, wie ich dieser göttlichen Liebe nicht gerecht geworden bin, kann wie ein (Fege-)feuer schmerzen. Aber dann habe ich mich ja bereits für diese Liebe entschieden, dann steht mir der Himmel ja schon offen. Es ist hoch interessant nachzuverfolgen, wie die Lehre vom Fegefeuer die Armen- und Sozialfürsorge, aber auch Kunst und Frömmigkeit des Mittelalters befördert hat, denn es geht ja darum, schon hier etwas für die Ewigkeit tun zu können. Allerseelen sollte für uns also nicht so sehr ein Tag der Trauer sein, sondern eher ein Tag der Solidarität zwischen Himmel und Erde, zwischen Lebenden und Verstorbenen.