Dienstag, 31. Dezember 2013

Von Kleeblättern und Schornsteinfegern...

In diesen Tagen verschenkt man doch so kleine Blumentöpfe mit Kleeblättern und Schornsteinfegern...


Allen einen schönen Jahreswechsel und ein gutes und gesegnetes neues Jahr!

Literarische Kleinigkeiten zum Jahreswechsel, Teil III

"Morgen", sage ich, "morgen"!
"Übermorgen!", sogar.
Bald ist das Leben vorüber,...

ohne daß "morgen" je war.

Mascha Kaleko

Montag, 30. Dezember 2013

Die schönsten Weihnachtsgeschichten schreibt das Leben selbst

Vorhin war ich kurz auf der Arbeit um den ehrenamtlichen "Blauen Damen" im Marienhospital Witten einen guten Jahreswechsel zu wünschen. Und da erzählte mir eine von ihnen, dass Weihnachten für sie immer eher traurig sei: Der Ehemann ist schon verstorben, die Kinder wohnen weit weg und sie ist an Weihnachten allein. Da habe sie am Tag vor Heiligabend eine junge schwerkranke Patientin betreut und diese habe sie in den Arm genommen und sich ganz herzlich bei ihr bedankt. Dabei habe sie gar nicht viel gemacht und in all den Jahren habe sie noch nie eine Patientin in den Arm genommen. Aber diese Herzlichkeit und der Optimismus der jungen Frau haben sie so angerührt, dass sie sich an Weihnachten gar nicht einsam und traurig gefühlt habe. - Ich finde, die schönsten Weihnachtsgeschichten schreibt das Leben selbst!

Literarische Kleinigkeiten zum Jahreswechsel, Teil II

"Sehnsüchtig grüßt der, der ich bin, den der ich sein möchte!"

Sören Kierkegaard

Sonntag, 29. Dezember 2013

Samstag, 28. Dezember 2013

St. Kamillentee kürzt ab!

Wenn man den Pfarrbrief von St. Kamillentee liest, was ich heute morgen wahrscheinlich in einem Anflug masochistischer Langeweile getan habe, stößt man auf interessante Abkürzungen:
VAM z.B. für Vorabendmesse, das ist hinlänglich bekannt. Aber ARG ist keine Onomatopoesie aus einem Comic, sondern bedeutet "Alten- und Rentnergemeinschaft". "Hbf Dtmd" kenne ich als alter Eisenbahnfan natürlich, "Adv-So-abend" hat wohl was mit der Adventszeit zu tun. Wir wissen es nicht genau. "SFr" hatte ich immer für "Schweizer Franken" gehalten, bedeutet aber "St. Franziskus". Aber der Knaller kommt zum Schluß: Wie wird wohl "Herz-Jesu" abgekürzt?
Auflösung folgt. Aber es ist wirklich so wie befürchtet...

Freitag, 27. Dezember 2013

Komm - heute nicht - zur Ruhr...

...sondern zur Emscher, dorthin führte unser vormittäglicher Ausflug. Wie kaum ein anderer Fluß des Ruhrgebietes steht die Emscher für den Wandel der Region: Einst ein ganz normales Gewässer, später dann für Jahrzehnte kanalisierte stinkende Kloake, heute dank Internationaler Bauausstellung Emscherpark und vieler anderer Initiativen auf dem Weg zur Renaturierung. Eines der interessantesten Projekte ist der Phoenixsee in Dortmund-Hörde, hier befand sich einst in Phoenix-West und Phoenix-Ost ein gewaltiges Stahl- und Hüttenwerk des heute auch schon lange nicht mehr existenten Hoesch-Konzerns. "Hoesch - ein Name für Stahl" hieß früher die selbstbewußte Werbung. Was davon noch übrig ist, kann man auf dem Gelände von Phoenix-West sehen:

 

In Phoenix-Ost haben sich die Planer entschlossen, auf dem ehemaligen Stahlwerksgelände einen See anzulegen. Seit kurzem hat er seine Füllhöhe und endgültige Ausdehnung erreicht, hinzu kommt eine hochwertige Wohn- und Geschäftsbebauung:

 
 
 
 
Hier kann man im Vordergrund die renaturierte Emscher erkennen, die Skyline im Hintergrund zeigt die ehem. Stiftskirche St. Clara in Hörde, der heutige neugotische Bau des Paderborner Diözesanbaumeisters Güldenpfennig birgt noch einige Ausstattungsstücke des 1399 gegründeten und 1811 säkularisierten Damenstiftes, die evangelische Kirche in Hörde, sowie den "Florian", den Dortmunder Fernsehturm:
 
 
Wie gerade erwähnt, gab es hier auch schon Leben vor der Industrialisierung, hier ein Blick auf die im Rahmen der Umgestaltung getätigten Ausgrabungen im Bereich der "Hörder Burg", sie wird 1299 erstmals erwähnt, ergraben wurde u.a. die Burgkapelle unter dem Patronat des hl. Georg:
 
 
Und zum Schluß ein Blick auf die gigantischen Dimensionen eines Stahlwerkes. Wie eine solche "Thomasbirne" funktionierte, mussten wir Revierkinder in der Schule noch lernen:
 

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Nicht nur in Köln...

... auch unsere kleine beschauliche Ruhrgebietsbronx hatte heute ihren Zwischenfall vor Beginn des Hochamtes: "Da sieht man mal, was Alkohol aus Menschen machen kann!" sagte der Pfarrer, und meinte damit (hoffentlich) nicht den Gesang unserer Choralschola, sondern einen armen Irren, der jetzt schon zum wiederholten Male das Bedürfnis verspürte, der versammelten Gottesdienstgemeinde seine in mehrfacher Hinsicht sehr intensive Spiritualität lautstark darstellen zu müssen. Ließ man ihn sonst recht hilflos gewähren, fanden sich aber heute dankenswerter Weise einige Männer, die ihn mit etwas Überzeugungsarbeit nach draußen begleiteten, wo ihn schließlich die Polizei in Empfang nahm. Bei allem verständlichen Ärger, finde ich, gilt bei solchen Ereignissen: Gelassenheit bewahren.
Allen Stephans und Stephanies alles Gute zum Namenstag, allen anderen einen schönen zweiten Weihnachtstag!

Dienstag, 24. Dezember 2013

Jeder hat seine ganz eigene Weihnachtsgeschichte

Jeder von uns hat seine ganz eigene Weihnachtsgeschichte: Jeder ist ein eigener und wichtiger Teil der Geschichte Gottes mit den Menschen, ohne jeden einzelnen von uns würde ein bedeutender Abschnitt dieser Geschichte fehlen. Sie erzählt davon, dass es einen Gott gibt, der die Menschen aus Liebe geschaffen hat und der aus Liebe in Jesus Christus selbst Mensch wird. Sie erzählt von Höhen und Tiefen, Freude und Trauer, Annahme und Ablehnung, Begegnung und Einsamkeit, Geborgenheit und Zurückgeworfensein auf sich selbst. Sie dauert ein ganzes Leben lang. Aber je umfangreicher diese Geschichte wird, umso deutlicher wird, um was es Weihnachten geht: Mensch werden.  Ich möchte jedem von uns wünschen, dass er in dieser Weihnachtszeit an seiner ganz persönlichen Weihnachtsgeschichte weiter schreibt!


Ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

Montag, 23. Dezember 2013

Probeliegen...


Gleich geht's noch mal zurück in den Schrank. Aber allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs möchte ich schon jetzt ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest wünschen!

Freitag, 20. Dezember 2013

Bloß nichts sagen...

Etwas Negatives über Papst Franziskus darf man wohl nur hinter vorgehaltener Hand sagen, das bestätigen auch viele priesterliche Freunde, denn sonst würden sie einen Riesenärger in ihren Gemeinden und Gremien bekommen. Da habe ich neulich z.B. eine reichlich harmlose Kritik an Papst Franziskus bei FB gepostet und handele mir damit Kommentare ein vom betroffenen "Wie kannst Du nur..." bis zum naiven "Der Papst ist super!" - Jedenfalls reichlich Theater. Selbst derjenige, der sonst grundsätzlich gegen alles ist, was "von denen da oben" kommt, entrüstet sich, dass ein anderer keine "verbeulte" Kirche haben möchte weil das Leben schon genug verbeult sei.
Moment mal: Vor wenigen Monaten sind auch innerkirchlich noch sehr viele in "sprungbereiter Feindseligkeit" über alles hergezogen, was der Papst sagte und tat. Wenn Benedikt z.B. so viel von "Mutter Kirche" geredet hätte wie Franziskus, wäre er von den Fundamentaltheologen wegen seines unbiblischen Kirchenbildes zerrissen worden, hätte Benedikt von mehr "Anbetung" während der Eucharistiefeier geredet, hätten ihn die Liturgiewissenschaftler wegen seiner mittelalterlichen Meßfrömmigkeit zerlegt. Heute werden solche Zitate sogar in liturgiewissenschaftlichen Zeitschriften abgedruckt. Es war eben halt ein anderer. Was müssen doch alle unter Benedikt gelitten haben, zumindest kommt es einem so vor. Und jetzt? Also ich nehme wohl wahr, dass Franziskus einige Dinge anders macht als sein Vorgänger, warum auch nicht. Manches davon spricht ja auch durchaus an. Aber macht er die Dinge damit gleich besser? Das sehe ich bislang nicht.

Und wenn man schon über neue und offenere Kommunikationsformen in der Kirche redet, wird man das wohl sagen dürfen.

Montag, 16. Dezember 2013

Adventsquiz: Wer wars?

"Der Papst spricht von der Kirche, als habe diese bis heute das Evangelium nicht oder nur ganz unvollkommen weitergegeben. Er klagt über eine bequeme, träge, abgeschottete Haltung. Dieser beständige Tadel berührt unangenehm. Man hat den Eindruck, bisher sei in der Kirche nur sehr wenig geleistet worden, wenn es um die Weitergabe des Glaubens und des Evangeliums geht. Diese Sprache geht Hand in Hand mit einer ständigen Bezugnahme auf die eigene Person (...)"

Na, wer hats wohl über welchen Papst gesagt?

Sonntag, 15. Dezember 2013

Dienstag, 10. Dezember 2013

Für Köln, anderswo und ganz in der Nähe...

"96. (...) Stattdessen unterhalten wir uns eitel und sprechen über „das, was man tun müsste“ – die Sünde des „man müsste tun“ – wie spirituelle Lehrer und Experten der Seelsorge, die einen Weg weisen, ihn selber aber nicht gehen. Wir pflegen unsere grenzenlose Fantasie und verlieren den Kontakt zu der durchlittenen Wirklichkeit unseres gläubigen Volkes.
97. Wer in diese Weltlichkeit gefallen ist, schaut von oben herab und aus der Ferne, weist die Prophetie der Brüder ab, bringt den, der ihn in Frage stellt, in Misskredit, hebt ständig die Fehler der anderen hervor und ist besessen vom Anschein. Er hat den Bezugspunkt des Herzens verkrümmt auf den geschlossenen Horizont seiner Immanenz und seiner Interessen, mit der Konsequenz, dass er nicht aus seinen Sünden lernt, noch wirklich offen ist für Vergebung. Es ist eine schreckliche Korruption mit dem Anschein des Guten."
 
Papst Franziskus, Evangelii Gaudium.
 
Franziskus-Fan bin ich aus guten Gründen nicht. Fan ist man besser vom BvB (oder meinetwegen auch Schalke, Hauptsache nicht Bayern ;-), mit dem Papst ist das was anderes. Aber das was er hier beschriebt kommt mir irgendwie rein praktisch ziemlich bekannt vor...

Sonntag, 8. Dezember 2013

Wie ein melancholischer Abgesang...

Ganz interessante Erfahrung heute morgen im Dom zu Altenberg: Feierliches Adventshochamt am Hochaltar mit Zigeunermusik: ein Geigen-/Gitarrenduo zog schon beim Einzug mit.
Kein Ringbuch, kein "meine Messe", kein Gerede zuviel.
Diese zu Herzen gehenden melancholischen Weisen zusammen mit der wunderbaren Liturgie wirkten wie ein Abgesang auf eine untergehende Zivilisation...

8. Dezember: Erbsünde und Autoverkehr

Einige Gedanken zum auf den morgigen Tag verlegten Hochfest:

So wie eine Ouvertüre in eine Oper einstimmt, so ist es eine alte jüdisch-christliche Tradition, ein bedeutendes Fest schon am Vorabend beginnen zu lassen um sich gleichsam auch darauf einzustimmen. Und so geht auch unser Blick schon auf den morgigen Tag, den 8. Dezember, denn der ist in unserem liturgischen Kalender nicht unbedeutend, feiern wir doch morgen das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria.

Worum geht es bei diesem Fest mit diesem sperrigen Namen? Papst Pius IX. hat es 1854 als verbindlichen Glaubenssatz definiert: Rein theologisch geht es darum, dass Maria vom ersten Augenblick ihres Lebens an aufgrund einer besonderen Gnade Gottes von der Erbsünde befreit war. Das sagt uns jetzt wahrscheinlich noch nicht richtig viel und zugegebenermaßen geht es vielen Theologen ähnlich und dieses Fest ist nicht ganz unumstritten. Umso reizvoller ist es jedoch, sich gerade deswegen damit einmal zu beschäftigen.

Um dieses Fest zu verstehen, müssen wir drei Dinge klären: Was ist mit diesem seltsamen Begriff „Erbsünde“ gemeint?, zweitens: was hat das mit Maria zu tun? Und drittens: welche Anregung, welchen Impuls, kann jeder von uns für sich aus der Sache mitnehmen?

Wir versuchen es einmal und holen uns dabei Hilfe bei dem Dortmunder Systematiker Thomas Ruster. Ruster schreibt: „Die Erbsünde ist das, was entsteht, wenn der natürliche Drang zur Selbsterhaltung und die menschliche Tendenz zur Maßlosigkeit zusammenkommen.“ „Ein gutes Bespiel“, so Ruster, „ist der Autoverkehr. Der erste Mensch, der ein Auto erfunden oder gefahren hat, war vielleicht kein großer Sünder – auch wenn er womöglich schon damals hätte merken können, dass er mit dem stinkenden und ratternden Gefährt der Welt keinen großen Gefallen tut. Er wollte einfach nur schneller sein, bequemer reisen, der Konkurrenz davonfahren. Einige taten es ihm nach; auch sie waren nur kleine Sünder. Die Tendenz zur Maßlosigkeit fand im Auto allerdings einen willkommenen Betätigungsort: immer schneller, weiter, größer. Irgendwann entwickelte sich der Autoverkehr zu einem System, dem man nicht mehr entkommen konnte. Das Militärwesen, der Transport, die berufliche Mobilität, das Freizeitverhalten waren auf das Auto angewiesen. Die Besiedlungsstruktur stellte sich darauf ein, dass die Leute in der Regel ein Auto haben. Aus der Freiheit, ein Auto zu fahren, war ein Zwang geworden, den keine Regierung, keine Macht der Welt heute mehr zurückdrehen kann. Aus der kleinen Sünde des Anfangs war eine Erbsünde geworden.“ „Ein jeder“, so Ruster weiter, „der in eine automobile Gesellschaft hineingeboren wird, erbt diese Sünde von seinen Eltern – angefangen mit der Fahrt von der Klinik nach Hause. Und doch sündigt jeder, der ein Auto fährt, immer wieder selbst und aus eigener Entscheidung und oft mit großem Vergnügen. Die Sünde, die er begeht, ist die gleiche wie die des ersten Autofahrers. Er möchte schneller, bequemer reisen; er möchte die Nachteile eines Verzichts auf das Auto nicht sich nehmen. Die Erbsünde wird durch die freie Tat eines jeden Autofahrers immer wieder ratifiziert. Sie ist mittlerweile dabei, die Erde zu einem unbewohnbaren Ort zu machen.“ - „Erfahrungen dieser Art“, immer noch Thomas Ruster, „die sich beileibe nicht nur mit dem Autoverkehr machen lassen, haben die Kirche bewogen, das Dogma von der Erbsünde zu verkünden. Es wollte erklären, wie die Sünde der ‚Stammeltern’ Adam und Eva zu einer unüberwindlichen Sündenmacht werden konnte. Es wollte die Macht des Bösen und ihr Verhältnis zur menschlichen Freiheit klären.“ Ruster schließt etwas lakonisch: „Vielleicht hätte man den Sachverhalt besser erklären können als mit dem Begriff ‚Erbsünde’, aber eine bessere Erklärung ist mir jedenfalls nicht bekannt.“

Was hat das nun zweitens mit Maria zu tun? Das Dogma besagt ja, dass Maria bei ihrer Empfängnis von der Übertragung der Erbsünde ausgenommen worden ist. Das bedeutet: Gott hat der Ausbreitung des Bösen bei Marias Empfängnis Einhalt geboten, denn er wollte in Jesus Christus sein Reich auf Erden begründen, das Reich, in welchem das Böse keine Macht mehr hat. Im Hinblick auf die Begründung der Gottesherrschaft also hat Gott in Maria einen erbsündefreien Raum geschaffen. Dort sollte sich das Gottesreich entwickeln können, wie es dann wirklich mit Marias Antwort an den Engel geschehen ist: „Mir geschehe nach deinem Wort.“ Wie konnte Maria diese Offenheit für Gott gelingen? Der Bochumer Neutestamentler Thomas Söding schreibt dazu: „Mir geschehe nach deinem Wort“ – so antwortet Maria auf die Verkündigung des Engels Gabriel, der ihr die Frohe Botschaft überbringt, dass sie, die Jungfrau, kraft des Heiligen Geistes den Messias empfangen und gebären wird. Maria wird auf Verkündigungsbildern immer wieder mit einem Buch dargestellt. Sie ist in der Ikonographie der Antike und des Mittelalters bis in die Neuzeit hinein eine gebildete Frau, die lesen und schreiben und reden kann. Das ist im Neuen Testament nicht vorgegeben, aber angebahnt. Maria ist eine Frau des Wortes. Sie weiß, was sie ist: „Ich bin die Magd des Herrn“ – das höchste, was es vor Gott und für Gott nur geben kann. Sie weiß, was sie weiß – das, was Lukas ans Ende des Weihnachtsevangeliums gestellt hat: „Maria bewahrte alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen“. Und sie weiß, was sie tun will: „Mir geschehe nach deinem Wort!“

Und das führt uns zu unserem dritten Punkt: Was kann ich für mich daraus mitnehmen? Ich glaube folgendes: Wir haben vorhin gesehen, dass die Gefahr der Erbsünde überall dort gegeben ist, wo der Drang zur Selbsterhaltung und die Tendenz zur Maßlosigkeit zusammenkommen. Hier stellt sich uns also die Frage nach dem Zusammenleben der Menschen aber natürlich auch nach mir selbst, denn der erste Mensch mit dem ich zusammenleben muss, bin ja schließlich ich selbst. Noch einmal Maria: Wissen, was ich bin. Wissen, was ich weiß. Wissen, was ich tun will. Darauf kommt es wohl auch für mich und einen jeden von uns an: Wer bin ich? Diese Frage erinnert an das vielleicht manchen bekannte Gedicht von Dietrich Bonhoeffer, das er 1944 in der Haft im Militärgefängnis Berlin-Tegel schreibt. Wir kommen darauf gleich noch einmal zurück. Was weiß ich? Um das zu beantworten, müsste ich versuchen, mich selbst immer besser kennen zu lernen. Was will ich tun? Um etwas tun zu können, müsste ich erst einmal wissen, was ich kann und dann zu welchem Ziel mich dieses Tun denn führen soll. Natürlich, keine leicht zu beantwortenden Fragen, wie auch? Aber je mehr ich versuche, den Antworten auf die Spur zu kommen, desto offener werde ich wie Maria für Gott, für mich selbst und für meine Mitmenschen.

Dietrich Bonhoeffer hat für sich eine Antwort gefunden. Die letzten Zeilen seines Gedichtes lauten: „Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Advent: Mir fällt nichts ein und doch was auf

Es ist nicht neu, aber in diesem Jahr besonders schlimm: Da werde ich nun zu einer ganzen Reihe von Advents- und Weihnachtsfeiern eingeladen, und das freut mich sehr! Was mir aber in jedem Jahr arge Probleme bereitet, ist die meist damit verbundene Bitte: „Ach, könnten Sie denn auch eine schöne Geschichte vorlesen?“ Und dann finde ich nichts und komme mir vor wie ein Gast der ohne Geschenk bei einer Einladung auftaucht. Ich fange also an zu suchen in der einschlägigen Literatur die sich in so einem seelsorgerischen Bücherschrank ansammelt: Tiefgründige Titel in meist sternchenbesetztem Layout versprechen anrührende, besinnliche, heitere, traurige oder nachdenkliche Geschichten die meist irgendwie mit dem Geschehen von Bethlehem zu tun haben. Oder mit Familienidyll oder gerade seinem Gegenteil. Sie handeln vom Plätzchenbacken, Tannenbäumen, Engeln, Rentieren, Weihnachtsduft oder der guten alten Zeit, die meist nur deswegen gut genannt wird, weil sie vorbei ist. So richtig passen sie aber alle nicht: Zu kurz, zu lang, zu fromm, zu weltlich, zu kritisch, zu kitschig, zu schwierig, zu leicht. Vor allem aber passen sie nicht, weil sie nicht meine Geschichten sind, meine ganz eigene Weihnachtsgeschichte.


Bei diesem Gedanken fällt mir doch etwas auf: Jeder von uns hat seine ganz eigene Weihnachtsgeschichte. Jeder von uns ist ein ganz eigener und wichtiger Teil der Geschichte Gottes mit den Menschen, ohne jeden einzelnen von uns würde ein bedeutender Abschnitt dieser Geschichte fehlen. Diese Weihnachtsgeschichte erzählt davon, dass es einen Gott gibt, der die Menschen aus Liebe geschaffen hat und der aus Liebe in Jesus Christus selbst Mensch wird. Sie erzählt von Höhen und Tiefen, Freude und Trauer, Annahme und Ablehnung, Begegnung und Einsamkeit, Geborgenheit und Zurückgeworfensein auf sich selbst. Sie dauert ein ganzes Leben lang. Aber je umfangreicher diese Geschichte wird, umso deutlicher arbeitet sich heraus, worum es Weihnachten wirklich geht: Mensch werden.

Mensch werden – Ein Gebet von Antoine de Saint-Exupery fällt mir dazu ein, das auf den ersten Blick so gar nicht weihnachtlich klingt:
 
Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um Kraft für den Alltag.
Mach mich findig und erfinderisch, um im täglichen Vielerlei und Allerlei rechtzeitig meine Erkenntnisse und Erfahrungen zu notieren, von denen ich betroffen bin.
Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung. Schenke mir das Fingerspitzengefühl um herauszufinden, was erstrangig und zweitrangig ist.
Ich bitte um Kraft für Zucht und Maß, dass ich nicht durch das Leben rutsche, sondern den Tagesablauf vernünftig einteile, auf Lichtblicke und Höhepunkte achte.
Bewahre mich von dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen.
Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt. Schenke mir im rechten Augenblick jemand, der den Mut hat, mir die Wahrheit in Liebe zu sagen.
Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.
Verleihe mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte, mit oder ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben.
Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff mit Tiefgang gleicht, um auch die zu erreichen, die „unten“ sind.
Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen. Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche.
 
Dieses Gebet heißt: „Die Kunst der kleinen Schritte“. Ich möchte jedem von uns wünschen, dass er in diesem Advent, in dieser kommenden Weihnachtszeit, dieser Zeit der Begegnung, ein paar kleine Schritte auf sich selbst, auf seine Mitmenschen und auch auf Gott hin gehen kann. Oder, um im Bild zu bleiben, dass jeder von uns an seiner ganz persönlichen Weihnachtsgeschichte weiter schreibt.

(Aus dem diesjährigen Adventsgruß an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter)

Sonntag, 1. Dezember 2013

Die Richtung stimmt

Für die meisten von uns ein ungewohntes Bild, aber ich meine, dass die geänderte Zelebrationsrichtung dem Gottesdienst gut getan hat. Zumindest habe ich die Atmosphäre als gesammelter, konzentrierter und ruhiger empfunden.


Respekt. Für einen Priester ist es heutzutage mutiger, sich vor einen Altar zu stellen als sich auf ihn zu setzen...