Montag, 6. Januar 2014

Der Papst schafft die Prälaten ab!

Als ich das las, dachte ich zuerst "Oh, dann wird's aber demnächst trist beim alljährlichen Liborischaulaufen". Aber es geht doch etwas tiefer. Ich verstehe Franziskus einfach nicht: Wie jemand, der laufend über seine Familie herzieht, demütigt er immer wieder mit viel Energie die Wohlmeinenden.
Nun ist der Prälatentitel zwar nicht biblisch, aber ja auch nicht unbedingt eine Brutstätte des von Franziskus so bekämpften Karrierismus und der Eitelkeit des Klerus, sondern häufig ganz sachlich mit bestimmten Aufgaben und Funktionen in einem Bistum und seiner Verwaltung verbunden. So werden doch meist Domkapitulare und Hauptabteilungsleiter im Generalvikariat Prälaten oder auch Leiter von Priesterseminaren oder Akademien. Alles ganz normal und normalerweise auch uneitel. Wenn ich früher im Priesterseminar morgens um halb sieben vor der Messe schon einmal Richtung Orgel ging und dabei einen im Priesterseminar wohnenden Prälaten auf dem Flur traf und ihn korrekt mit "Guten Morgen Herr Prälat!" begrüßte, meinte er meist nur lächelnd "40 Tage Ablass für den Organisten!". Morgens um diese Zeit sind eben auch die meisten Prälaten noch Menschen. Hoffentlich den Rest des Tages dann auch noch... Natürlich gab und gibt es immer die arroganten selbstverliebten Ausnahmen. Aber die gibt es auch in der als vermeintliche Demut getarnten Eitelkeit des "Das habe ich doch nicht nötig...". Solche Narzissten finde ich noch unerträglicher, weil sie in ihren "Heldengeschichten" meist auch eine Atmosphäre der moralinsauren Betroffenheitsbesserwisserei verbreiten. - Eitelkeit und Karrierismus ist eine Frage des Charakters und nicht des Titels!
Weitergesponnen: Wenn Franziskus gegen Eitelkeit und Karrierismus im Klerus kämpfen will, dann müsste er konsequenterweise ja auch die "Neue Messe" mit ihren unzähligen Gestaltungsmöglichkeiten abschaffen. Wie kann man sich doch herrlich darstellen und präsentieren, wenn man hier und da noch das eine oder andere übers Mikrofon zum Besten geben kann. Das gilt allerdings genauso auch für Laien. Vielleicht wäre die Abschaffung von Mikrofonen ein erster Schritt...
Und überhaupt: Was die Eitelkeit und den Karrierismus bei uns Laien angeht, hätte der Papst vor allem hier in Deutschland richtig was zu tun. Aber da wird er nicht rangehen, eher schafft er sich selbst ab.
Aber das macht er wahrscheinlich eh'...
UPDATE: "Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben!" - Aber was mir bei längerem Nachdenken doch an der Entscheidung von Franziskus gefällt, ist, dass es damit wohl keinen Titelautomatismus mehr gibt. Trotzdem nerven mich die süffisanten Bescheidenheitsnarzissten immer noch mehr als die menschlich schwächelnden Mozettaträger, die wenigstens die Größe haben zu sagen, dass sie diese gern tragen!

Kommentare:

  1. Nun ja, da warten wir mal ab, wie sich das weiterentwickelt.
    Soviel ich gehört habe, läßt sich der Vatikan die Ehrentitel ganz gut bezahlen. Wenn die Kohle wegbleibt und die Schweizer Garde trotzdem bezahlt werden möchte, dann werden die Karten neu gemischt.

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  2. Ich vertraue da auf die Bischöfe: Da wird auch mancher weiterhin im Pontifikalpolter mit Nachtmitra zu Bett gehen, egal wer gerade unter ihm Papst ist ;-)

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  3. Ehrentitel wird es ja weiterhin geben, nur nicht mehr für Jungspunde, sondern eher für verdiente Seelsorger ab 65 aufwärts. Aber viele Deiner Gedankenzüge kann ich nachvollziehen. Werde morgen dazu mal was schreiben.

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    1. In irgendeinem Winkel der weiten Welt mag es ja das Problem jungspundiger Prälaten geben. In meinem näheren Umkreis allerdings eher nicht. Hätte dann nicht eine Mahnung an die Nuntien gereicht: "Leute, winkt die Anträge nicht einfach durch, sondern schaut in Zukunft bitte etwas genauer hin!"? - Differenzierung ist zwar auch nicht immer eine meiner Stärken, aber bei anderen wohl auch nicht...

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  4. ein sehr guter Kommentar, danke! Volle Zustimmung!

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  5. Danke für den Bericht, er spricht mir aus der Seele. Das wenige, das Paul VI nicht abgeschafft hat, fällt jetzt diesem Pontifikat zum Opfer. Ich nehme unseren Papst als gültig und von Gott gegen hin. Mehr kann ich mir mittlerweile nicht mehr abringen. Mir fällt nur jene Bemerkung eines westf. Bauern nach dem Konzil ein: "Laß sie in Rom machen, was sie wollen. Ich bleibe katholisch!"

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  6. Leute, wir Katholiken, ja wir Christen haben andere Gegner als den Papst, deswegen finde ich die Kritik hier total überzogen!

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  7. Zum Titelgedöns ganz sachlich der sicher nicht modernismusverdächtige Ulrich Nersinger im Domradio:
    http://www.domradio.de/nachrichten/2014-01-07/papst-franziskus-hat-zwei-ehrentitel-abgeschafft

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    1. hartwig, das sind keine GROSSEN fragen,
      haben wir nicht andere herausforderungen?
      titel: da gabs mal einen vor 2000 jahren, manche glauben, IHN gibts heute noch und morgen, der hat gesagt: lasst euch nicht rabbi nennen... lg bernd

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    2. Lieber Bernd, Du hast ja grundsätzlich recht. Die Frage ist nur, ob es für Franziskus nicht auch andere Herausforderungen geben müßte als das Abschaffen von Titeln. Aber da will ich ihm nicht reinreden... ;-)

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  8. Wenn ich so nachdenke, sind diese ganzen Kirchen(innenpolitischen)-Themen doch irgendwie ermüdend und laufen ins Leere...

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    1. genau!!!!!!!!!
      das ist das größte problem!!
      wovon wozu leben wir?
      wer glaubt wie und was??
      wie können wir uns gegenseitig bereichern?
      wie lindern wir Not?
      was steht heute in der zeitung: unser fleisch fressen lässt andere bluten, nicht nur tiere, auch arme länder...
      lg
      bernd

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