Sonntag, 9. Februar 2014

Das böse Recht und das gute Evangelium

Heute wurden wieder einmal das einengende Kirchenrecht und die Freiheit des Evangeliums gegeneinander ausgespielt. Bei oberflächlichem Denken (mehr können und wollen ja auch viele nicht) findet man natürlich schnell eine applaudierende Mehrheit.
Ich habe mir daraufhin noch einmal das nicht mehr ganz neue Buch "Kirchliches Recht und Pastoral" von Libero Gerosa von 1991 hervorgeholt. Darin weist der sicher nicht Konservativismus-verdächtige Kirchenrechtler überzeugend nach, dass Kirchenrecht und Pastoral zwei Seiten einer komplexen Wirklichkeit sind, nämlich der "communio" der Kirche. Und wer Kirchenrecht und Pastoral gegeneinander ausspiele, habe letztendlich einen protestantisch-spiritualisierten Kirchenbegriff und eine verengte Pastoraltheologie die beides nichts mit dem II. Vatikanum zu tun haben, oder eine ambivalente Erfahrung des allgemeinen Rechts.
Ich bin der Überzeugung, dass gerade wir als Laien das Kirchenrecht notwendig brauchen, schützt es uns doch vor der Willkür der geweihten Amtsträger. Wie notwendig es gerade im Bereich der Liturgie ist, erleben wir Sonntag für Sonntag. Aber was nützt einem das Recht, wenn es niemand durchsetzt?

Kommentare:

  1. Hier ging es heute im Evangelium (5. So. nach Erscheinung) um Unkraut und Weizen. ;-)

    Aber es wird sicher einige geben, die Parallelen zwischen Kirchenrecht und Pastoral auf der einen und Weizen und Unkraut (oder Unkraut und Weizen) auf der anderen Seite sehen.

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  2. Also ich, als Laie, erlebe immer wieder, dass meine Anfragen bzgl. liturgischer Mätzchen (um nicht ein anderes Wort zu gebrauchen), mit dem Kirchenrecht abgespeist werden.
    Zitat "Wissen Sie, das ist alles mit dem Kirchenrecht im Einklang, aus pastoralen Gründen, dürfen wir durchaus! Auch wenn das in Redemptoris Sacramentum anders steht!"
    Mir scheint die Trennung eher bei dem Worten Jesu und seinen harten Forderungen (siehe 6. Kapitel des Johannes Evangeliums) und das, was man Thoraverschärfung nennt (Verbot der Ehescheidung) und dem Wollen 'zu sein wie alle Welt' zu liegen.
    Auch das ist, wie ein Blick in AT zeigt, keineswegs besonders neu oder originell. Oder wie schon Chesterton sagt "Neun von zehn neuen Ideen, sind nichts wie alte Irrtümer!"
    Jedoch leben wir in Zeiten wo immer geschriebenes Recht gegen die vermeintliche Spontanität und Freiheit des Menschen gesetzt wird, nur komisch, dass gerade die Fans des Spontanen, Freien, den konservativen immer mit dem "bösen" Recht kommen, wenn es drum geht, die Kirche geschlossen zu halten, die Anbetung zu vermindern und den Rosenkranz nicht beten zu lassen und dann wenn Messen nicht gehalten werden können, der Forderung der Frommen dann halt in Gottes Namen Rosenkranz zu beten, nicht nachzukommen, sondern irgendwelche geschwurbelten Wortgottesdienste, die nicht Fisch und nciht Fleisch sind, zu halten.

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  3. Dazu möchte ich diesen erhellenden Beitrag von Michael Gurtner empfehlen (der zum selben Ergebnis kommt wie Du):
    "Das Kirchenrecht ist zum Schutz der Gläubigen da" :-)
    http://www.kath.net/news/37535

    "Kurzfassung":
    http://frischer-wind.blogspot.de/2013/06/unbarmherziges-kirchenrecht-gegen.html

    "Das Kirchenrecht ist deshalb nicht in Konkurrenz zur Pastoral stehend, sondern gerade deren Hilfsmittel."

    Liebe Grüße!

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