Sonntag, 16. Februar 2014

Der Verlust der "Sprache des Goldes"

Auf die Beiträge zu den Überlegungen des ehem. Salzburger Dogmatikers Gottfried Bachl müssen wir noch einmal zurückkommen. Ich hatte vom "bleiernen Diktat der Pastoral" geschrieben. Damit ist eine Pastoral gemeint, die den Menschen nichts mehr zumutet, weil sie sonst ja unbequem sein könnte und die Menschen an ihrem innerkirchlichen Wohlbefinden hindert. Der Fehler liegt darin, dass hier "Wohlbefinden" mit "Selbstverwirklichung" oder besser "Selbstwerdung" gleichgesetzt wird. Es darf nichts mehr weh tun. Somit bleibt eine solche Pastoral flach und horizontal. Dass uns in der Verkündigung die Vertikale, also die Eschatologie, verloren gegangen ist, stellt schon ein unverdächtiger Beobachter wie Michael N. Ebertz fest.
Und damit geht uns auch die religiöse Sprache verloren, das was Bachl "Sprache des Goldes" oder "Sprache der Maßlosigkeit" nennt. Wir können nicht mehr vom Himmel reden, so hat es auch Thomas Ruster formuliert, deshalb haben wir der Welt auch nichts mehr zu sagen!
Wenn die "Eschatologiekompetenz", wie ich sie genannt habe, verloren geht, wird vieles nicht mehr einsichtig. Im Zusammenhang mit der kirchlichen Sexualmoral hat neulich ein Freund geschrieben, dass die Kirche kein Kommunikations-, sondern ein Plausibilitätsproblem hat. Und es stimmt: Ohne den Blick "nach oben", ohne die Perspektive der Ewigkeit, ist vieles nicht nur nicht mehr kommunikabel, sondern auch nicht mehr plausibel: Wie soll ich z.B. das Evangelium des heutigen Sonntags verstehen, wenn nicht aus eschatologischer Perspektive? Wenn ich das nicht tue, bleibt es bei dem unangenehmen Geschmack sinnloser Gesetzesverschärfung oder fader Institutionenkritik, abgemildert durch den sorgenvollen Predigerhinweis, dass es entweder alles nicht so gemeint, oder eher für die anderen bestimmt sei. Das trifft wohl nicht den Punkt, denn dieses Evangelium erweist sich doch als wahrlich "frohe Botschaft" erst aus der Reich-Gottes-Perspektive.


Das Sakrament schützt uns ja, Bachl folgend, vor Verflüchtigung und Unterhaltung und bewahrt somit die vertikale, also eschatologische Perspektive. Was passiert aber nun, wenn die sakramentale Handlung äußerlich in irgendeiner Form zwar bleibt, die Eschatologie aber verloren geht? Unsere Eucharistiefeiern verkommen zu katechetischen Wellnessveranstaltungen, in Taufen wird nur noch "in die Gemeinschaft" aufgenommen, Firmungen funktionieren als pubertär-pastorale Durchlauferhitzer, die Beichte wird zum helfenden Gespräch, die Priesterweihe zur gemeindlich genehmigten Beauftragung, die Ehe zum Segen auf Zeit und die Krankensalbung zur palliativen Aromatherapie.
Es gilt, wieder zur Sakramentalität zu finden. Das bedeutet nicht unbedingt, das wäre ein Missverständnis, man müsse damit einfach nur zu alten Formen zurückkehren. Ohne Inhalt bleiben auch sie nur Form, auch wenn sie häufig das Sakrale besser abbilden als manche heutige Entwicklung. Nein, zur Sakramentalität zurückzufinden bedeutet mehr: Es ist zunächst ein innerer, spiritueller Prozess aller Beteiligten. Ein Prozess der eigenen Zurücknahme, des Hörens, des Gott wirken lassens, der Einsicht in die Vorläufigkeit des eigenen Tuns.
Dem wollen wir hier zukünftig etwas nachgehen, ich bin gespannt, was sich entwickelt.

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