Samstag, 15. Februar 2014

Die Sprache der Maßlosigkeit

„Der Glaube stößt durch das Netzwerk der Zeichen, weil er das hiesige Leben auf das Leben des auferstandenen Christus bezieht. Dafür steht das Sakrament, in dem jetzt das Du spricht und angesprochen wird, über alle Zeiten und allen Raum hinweg. Daher dreht sich um diese Achse auch alles, was es an Symbolen, an Bildern und Chiffren gibt. Das Vergangene wird auf das Kommende gewendet, das Gewesene mit der Zukunft verbunden. Was sich im Rückblick wie verschönernde Reduktion ausnimmt, wie die Spur einer Flucht vor dem realen Gewicht der Welt, das ist im Blick voraus der Hinweis auf kommendes Leben, in dem nichts verloren sein, sondern alles heimgebracht wird in das Neue, noch nicht Dagewesene.
 
Daher kommt es wohl, dass auch in armen Kirchen immer wieder die Sprache des Goldes aufblitzt. Es leuchtet in alle Richtungen, aber da Licht soll mehr sein als Beschwichtigung, nämlich ein Signal für die Aussicht, die Paulus in waghalsigen Sätzen behauptet hat. ‚Ich bin überzeigt‘, schreibt er im Römerbrief, ‚dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.‘ (Röm 8,18) Oder an die Korinther gewendet: ‚Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit, uns, die wir nicht auf das Sichtbare starren, sondern nach dem Unsichtbaren ausblicken.‘ (2 Kor 4,17-18) In theologischen Büchern begegnet man immer wieder der Sorge, dass der Tod nicht in der Auferstehung verschwindet, dass nichts herrlich überflutet wird, der Trost der Heilung nicht zu mächtig gerät. Aber genau diese Befürchtung scheint Paulus nicht gehabt zu haben, er hat sie jedenfalls nicht gepflegt und gewärmt wie einen lieben Gedanken. Der Nebel der Betrübnis wird nicht ewig durch das Gemüt ziehen, sagt er seinen Gemeinden, gegen eine verbissene Stimmung, die sich weigert, die Kosten des Unternehmens zu vergessen. Im gebrochenen Stil des Apostels nachgesagt: Das tolle Übergewicht der Zukunft trägt die Hoffnung – am Ziel der Liebe ist es plötzlich gleichgültig geworden, wie man dahin gelangt ist – der Traum von den tränenlosen Gesichtern der Schöpfung kann nur in der Sprache der Maßlosigkeit erzählt werden.“
Gottfried Bacherl: Eucharistie – Macht und Lust des Verzehrens, St. Ottilien 2008, 182f.

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