Sonntag, 16. Februar 2014

"Ey, ich phob Deine Mutter!"

Phobien liegen ja im Moment voll im Trend: Homo- oder Heterosexuelle, Christen, Katholiken, Muslime, Ausländer, Frauen, Familien, kurz gesagt: Gegen alles was nicht ganz so ist wie ich kann ich Phobien entwickeln. Wie kleingeistig. Oder man kann mir eine Phobie unterstellen und dann darf nicht weiter diskutiert werden. Wie praktisch. Oder man meint, sich mit einer "wahrscheinlichen Phobie" schmücken zu müssen. Wie dämlich.
Eine schöne neue Phobie kommt auch mal wieder von "IHM": "Hierarchophobie", anders kann ich mir die allsonntäglichen Auslassungen über "die da oben" nicht erklären.

Wobei "Phobien entwickeln" und "Phobien unterstellen" viel zu kompliziert ist. Hier wird es Zeit für eine Wortneuschöpfung, mein Vorschlag ist "phoben", und wer "phobt" ist ein "Phober". Natürlich kann man auch "gephobt" werden. Der ganze Vorgang heißt dann "Phoben". Das macht doch vieles einfacher: Das in der Überschrift schon genannte "Ey, ich phob Deine Mutter!" z.B. ist doch viel schneller und direkter als "Ich habe eine Matriarchophobie entwickelt!". Naja, vielleicht gibt's das ja auch alles schon.

Trotzdem, irgendetwas bleibt komisch: Mein Psychologielexikon erklärt "Phobie" als "eine abnorme Furcht, die entweder vor einem Objekt oder einer Situation besteht, die allgemein nicht für angstauslösend gehalten wird, z.B. vor Fahrstühlen, Haustieren usw., oder abnorm intensiv ist vor einem Objekt oder einer Situation, die auch im Normalfall einen gewissen Grad von Furcht auslösen, z.B. Operationen, Zahnbehandlung usw.".


Haustiere. Kann ich nachvollziehen, wenn das hier das letzte ist, was Du als Maus in Deinem Leben noch verschwommen siehst. Dennoch ist das doch etwas anderes als das was gerade so als "Phobie" durch die öffentliche Meinung geht. Aber vielleicht ist ja auch das Lexikon phobophob...

Allen Leserinnen und Lesern einen angstfreien Sonntag!

Kommentare:

  1. Jetzt kann ich es endlich zugeben: Ja, ich bin FamiGodi-PHOB! Leider muss ich von Dienst wegen trotzdem hin. Auf Dauer führt dies zu erheblichen Leberschäden. Trotzdem: Danke! Du hast mir sehr geholfen, es endlich rauszulassen.

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  2. Ja, es ist schon so eine Sache mit "Phobien". Vor allem wie man mittlerweile dieses Wort in aller bescheidenen Dummheit verwendet. Bei dem hier erwähnten Fall wird es früher oder später wohl in einer saftigen "Homilophobie" enden. Bei Bedarf an weiteren Phobien empfehle ich folgende Liste. Schönen Sonntag und hoffentlich hat er nicht mit einer "Hypnotophobie" begonnen. Um eine allfällige "Hippopotomonstrosesquppedaliophobie" zu vermeiden, habe ich bewußt keine allzu langen Wörter geschrieben ;-) Schönen Sonntag und Achtung vielleicht hat ER, um den es oben geht ja diese Phobie ?

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