Donnerstag, 20. Februar 2014

Jordan Mai - Ein Heiliger des Ruhrgebiets

Gibt es jemanden, liebe Leserinnen und Leser, der in Gelsenkirchen und Dortmund gleichermaßen verehrt wird, ja sogar als „heiligmäßig“ gilt?
Ja, den gibt es, und ihn möchte ich heute vorstellen: "Ein heiliger Bruder ist gestorben" - so ging am 20. Februar 1922 die Kunde durch Dortmund. Der heilige Bruder war Jordan Mai, ein Franziskaner aus dem dortigen Kloster. Er wurde am 1. September 1866 in Buer geboren und hatte er sich mit 28 Jahren für das Leben in der Gemeinschaft der Franziskaner entschieden. Ein tief religiöses Elternhaus hatte diesen Weg vorbereitet. Gelernter Sattler und Gerber, lernte er im Kloster noch Koch hinzu und war aushilfsweise auch für andere Innendienste wie Pforte und Sakristei und für gärtnerische Arbeiten zuständig. Mit liebevoller Aufmerksamkeit betreute er die Mitbrüder die von Außendiensten zurückkamen und die vielen Gäste und Bittsteller an der Klosterpforte. Stationen seines Lebens und Wirkens waren Paderborn, Münster, Neviges, Harreveld in den Niederlanden, Dingelstädt und seit 1907 Dortmund.


In Dortmund hoffte er von starken Kopfschmerzen befreit zu werden, aber er blieb bis zu seinem Tode nicht mehr voll einsatzfähig. Trotzdem oder gerade deshalb verbrachte Jordan Mai Stunden im Gebet, manchmal auch ganze Nächte. Dies hinterließ einen bleibenden Eindruck auf seine Umgebung: Wenn Mitbrüder zu Gemeindemissionen oder Exerzitien aufbrachen, baten sie ihn um sein Gebet, auch immer mehr Menschen aus dem Ruhrgebiet wandten sich in ihren Nöten an ihn. Für Jordan Mai war es ein schwerer Schock, als in der Nacht vom 20. auf den 21. Januar 1922 in die Kirche eingebrochen und das Allerheiligste mit dem Tabernakel gestohlen wurde. Zur Sühne bot er Gott sein Leben an und vier Wochen später starb  er am 20. Februar 1922.
Jordan Mai wurde zunächst auf dem Ostenfriedhof neben dem Kloster unter großer Beteiligung der Gläubigen beigesetzt. Mit Blumen und Kerzen kamen die Menschen zu seinem Grab und nahmen sogar die Erde nach Hause mit, so dass die Brüder die Grabstätte mit einem Gitter umgeben mussten. Unzählige Briefe gingen im Kloster ein, die für Bruder Jordans Fürbitte dankten. 1950 wurden seine Gebeine in die Kloster- und Pfarrkirche übertragen. Achtzigtausend Gebetserhörungen sind in acht Jahrzehnten bisher mitgeteilt worden. In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg kamen Tausende zu den Gottesdiensten und den regelmäßigen Gebetstagen und auch heute noch sind immer wieder Beter an seinem Grab zu finden.
Wenn man miteinander befreundet ist, liebe Leserinnen und Leser, denkt man aneinander und wünscht, dass es dem anderen gut geht, ganz ähnlich ist es mit dem Beten auch. Heilige sind wie Freunde an unserer Seite. Jordan Mai ist einer von ihnen.

 

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