Samstag, 1. Februar 2014

Lichtmess: Gedanken zum "Nunc dimittis"

Als die Eltern Jesus in den Tempel brachten, das feiern wir am Lichtmesstag, nahm es Simeon auf seine Arme und pries Gott mit den Worten: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast. Ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“
 
  
Dieses biblische Gebet ist auch seit über 1000 Jahren fester Bestandteil der „Komplet“, des kirchlichen Nachtgebetes. Mir ist dieses Gebet als abendliche Tagesmeditation sehr ans Herz gewachsen: „Herr und Knecht“ – Wer möchte schon gerne Knecht sein? Aber es geht hier nicht um Unterdrückung und Ausbeutung, sondern darum, Gott als „Herrn“ zu haben, also nicht alles selbst machen, leisten und verantworten zu müssen, nicht perfekt sein zu müssen, sondern alles Unvollkommene und Bruchstückhafte meines Tages meinem Herrn in die Hände zu legen, im Vertrauen darauf, dass er alles zum Guten führen wird. „In Frieden scheiden“ – Den Tag mit mir und meiner Welt im Frieden zuende bringen, nicht mit belastenden Konflikten in die Nacht zu gehen, ohne Frieden keine Ruhe! „Das Licht sehen, das mich erleuchtet“ – Zu wissen, dass keine Nacht endlos, kein Dunkel unerhellbar ist, zu wissen, dass das Licht Gottes immer stärker ist als die Finsternis. „Herrlichkeit für dein Volk“ – Die Perspektive meines Lebens und dieser Welt ist nicht Scheitern oder Untergang, sondern Herrlichkeit. Und das nicht nur am Ende der Zeiten, sondern schon jetzt: Zu schauen, welche Spuren von Herrlichkeit habe ich an diesem Tag entdecken können, aufmerksam und empfindlich zu werden für das Gute in meinem Leben und in meinem Alltag. Am Schluß steht die Doxologie, der Lobpreis der göttlichen Dreifaltigkeit des Vaters, des Sohnes, und des Heiligen Geistes. Gott ist da. Gott handelt. Und ich kann darauf vertrauen, dass er es gut mit mir meint.
"Sei unser Heil, o Herr, derweil wir wachen, behüte uns, da wir schlafen, auf dass wir wachen mit Christus und ruhen in Frieden."


 




 

1 Kommentar:

  1. 2 Cent

    Irgendwie, es ist eher so ein dummes Gefühl, gefällt mir die Übersetzung mit dem "scheiden lassen" nicht so ganz. Vielleicht liegt es daran, daß es zu sehr an "hinscheiden" oder "sterben" erinnert.

    Der gr. (und lat.) Text ist da vielleicht etwas „offener“, oder wie man es nennen will:
    Einerseits, weil er mehr von „entlassen“ oder „freigeben“ spricht. Damit wird die Beziehung Herr–Knecht klarer ausgedrückt: Der Herr entlässt seinen Knecht (aus der Knechtschaft).
    Andererseits weil ἀπολύω aber auch „loskaufen“ bedeutet. Da läßt sich dann über die Frage des Lösegeldes (λύτρον) nachdenken.

    »Νῦν ἀπολύεις τὸν δοῦλόν σου, δέσποτα, κατὰ τὸ ῥῆμά σου ἐν εἰρήνῃ·«
    »Nunc dimittis servum tuum, Domine, secundum verbum tuum in pace.«
    »Nun entlässt Du deinen Diener, o Herr, nach deinem Wort in Frieden.«

    Über das gr. Wort δεσπότης, das nur 10x im NT vorkommt, könnte man freilich auch trefflich sinnieren. Scheint doch ein solch „strenges“ Wort gar nicht recht in die weihnachtliche Kuschenatmosphäre zu passen…

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