Dienstag, 18. März 2014

Wann kippt der Papst?

Keine Sorge, liebe Leserinnen und Leser, Franziskus wird nicht so schnell aus seinen orthopädischen Schuhen kippen und von der Sedia gestatoria auch nicht, denn er wird sie wohl nicht benutzen. Obwohl: Wenn man so wie er einfache Fortbewegungsmittel schätzt, könnte man ja zu Fuß gehen. Zumindest die Träger.
 
Nein, es geht mir um diesen interessanten Artikel:
„München (kath.net/KNA) Der Medienhype um Papst Franziskus ist aus Expertensicht mit hohen Reformerwartungen verbunden und könnte bei Enttäuschung rasch kippen. «Papst Franziskus bietet den Medien den Stoff, den sie verstehen und den sie brauchen: einen sympathischen Prominenten an der Spitze der katholischen Kirche», schreibt der Journalist und Mitarbeiter an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Christian Klenk, in der Ende März erscheinenden Ausgabe der Münchner Zeitschrift für Medienethik «Communicatio Socialis». «Noch kommt der Wohlfühlpapst an, auf Dauer wird man ihn an seiner kirchenpolitischen Linie messen», so Klenk weiter. Bliebe die Lehre dieselbe wie bei seinen Vorgängern, könnte die Stimmung in säkularen Medien binnen kürzester Zeit kippen.“
Dass das auch für die „innerkirchliche Öffentlichkeit“ mit ihren ganzen wohlfeilen Reformerwartungen gilt, möchte ich hier nur ergänzen.
Hans Conrad Zander beschreibt das Kippen eines Papstes einmal so: „Stell dir vor, es würde heute in Rom ein neuer Papst gewählt. Und es fiele die Wahl auf einen Kardinal, der mit seiner ganzen Person den Fortschritt verkörpert. (…) Zum ersten Mal seit unvordenklichen Zeiten saß auf dem Stuhl Petri ein Mann des Fortschritts und der Freiheit. (…) Der neue Papst, schrieb die englische Presse, sei der ‚aufgeklärteste Herrscher des Jahrhunderts‘. (…) Vor allen Dingen praktizierte der neue Papst eine neue Art, mit den Leuten umzugehen.“ - Es geht um Papst Pius IX. Den Papst, der als Liberaler begann und als Papst des Unfehlbarkeitsdogmas und des Syllabus endete. - „Er, der im Volk zum Schluss so verhasst war, dass man nicht wusste, wie man ihn bestatten solle, als er am 7. Februar 1878 starb. Und dessen Sarg das römische Volk, als er schließlich des Nachts heimlich überführt wurde, über und über mit Kot bewarf“, so Zander weiter.
Der Rest ist (lesenswerte) Geschichte.
Wiederholt sich Geschichte? Es werden noch spannende Zeiten auf uns zukommen.

Kommentare:

  1. ... und wo (??!!) kann man das nachlesen ?

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    1. Zander bringt die Geschichte in mehreren seiner Bücher. Ich habe sie aus: "Wie der Erzbischof von Köln heiraten musste" Düsseldorf 1995, 56f.

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  2. Vielleicht geht es ja nicht so sehr um Fortschritt, sondern um Pastoral. Die einfachen Gläubigen freuen sich, dass sie mal keinen Professor (bei allem Respekt für Benedikt), keinen Dogmatiker und keinen Philosophen als Papst haben, sondern den Pastor mit den Hängebacken von nebenan.

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  3. Warum heißt Pastoral immer gleich Trivialisierung? Ich kann es nicht mehr hören! Gerade der "Pastor von nebenan" ist dafür da, den "einfachen Gläubigen" aus dem sinnlosen Alltag herauszuholen und zu Christus zu führen. Oder habe ich da etwas falsch verstanden? Dieser sog. "Pastoral-Ansatz" ist eine Ungeheuerlichkeit, dem keine andere Religionsgemeinschaft jemals nachgehen würde. Aber wir tun es natürlich. Bravo!

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