Montag, 21. April 2014

Ostermontägliche Erkenntnisse in St. Kamillentee

Vorhin war ich, wie gestern angekündigt, zur Frühmesse in St. Kamillentee. Und es war sogar ganz schön. Abgesehen von der schlechten akustischen Verständlichkeit des Pfarrers und des Lektors (es schien einen internen Wettbewerb um die tiefste Grabesstimme zu geben) und dass sich der Organist während des Schlußgebetes bereits verabschiedete und mit energischem Poltern die Rollade des Spieltisches schloß und wir so das Schlußlied ohne Orgel singen mußten. Was aber wiederum angesichts der künstlerischen Leistungen vorher nicht wirklich schlimm war.


Es waren auch ca. 60 Menschen gekommen, und das finde ich für eine Frühmesse am Ostermontag schon recht beachtlich. Insgesamt war es sehr ruhig, fromm und konzentriert.
Mir ist wieder einmal deutlich geworden: Weniger ist mehr. Weniger Feierlichkeit oder mehr schäbige Schlichtheit ist damit nicht gemeint, es geht um etwas anderes: Sobald es mit den pseudoliturgisch-pädagogischen Aktionen losgeht, sobald der Pfarrer zum Erklärbär wird, sobald man meint, man müsse an jeder möglichen und unmöglichen Stelle der Messe etwas sagen oder überleiten, sobald man meint, Einführungen halten zu müssen aus denen man drei Predigten machen könnte und sobald man meint, die selbst entworfene Liturgie aus dem großen schwarzen Ringbuch sei noch viel besser als das Messbuch... - geht es nicht nur schief und wird krampfig, nein, ganz unbemerkt und meist auch ungewollt verabschiedet sich etwas oder besser jemand.  Dabei will man doch mit seinen angestrengten Bemühungen genau das Gegenteil erreichen. Und das ist ja das Tragische an der ganzen Liturgiegestalterei. Alles das gibt es in St. Kamillentee auch, abgesehen von der Frühmesse (deswegen ist sie wahrscheinlich so gut besucht).
Es sei denn, man hat es von vornherein darauf angelegt, die Messe als Bühne für seinen Narzissmus zu nutzen und sich mit dauernder Institutionenkritik den schnellen Beifall zu sichern. Das gibt es auch, aber das fällt eher unter ICD-10 F60.8 und damit sollten sich besser meine lieben Kolleginnen und Kollegen in unserer psychiatrischen Fachklinik beschäftigen, denn anders als mit einer Persönlichkeitsstörung kann ich mir manches Verhalten nicht mehr erklären.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Es geht mir weder um skrupulösen Rubrizismus, starren Formalismus, ängstliche Gültigkeitsfragen, noch um die "Alte Messe".
Nein, eigentlich ist es ganz einfach: Ich möchte nur auf meine Fragen: Wer feiert hier wie was und wen? Antworten haben, die etwas mit Jesus Christus zu tun haben!
Und das war heute in St. Kamillentee eben recht eindeutig. Danke.

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