Samstag, 14. Juni 2014

Gedanken zum Dreifaltigkeitssonntag

Dieses Hochfest ist bei Liturgiewissenschaftlern reichlich unbeliebt. Nicht nur, weil es ein sog. "Ideenfest" ist, sondern auch, weil es über lange Zeit die österliche Ausrichtung des Sonntags überdeckt hat. Der Paderborner Liturgiker Michael Kunzler schreibt dazu:

"Das Urbild des Sonntags, sozusagen der Sonntag schlechthin, war bis in die jüngste Vergangenheit im Volksempfinden eigentlich nicht der Ostersonntag, sondern der Dreifaltigkeitssonntag. Bei dieser Entwicklung nahm die Dreifaltigkeitspräfation der Messe, die Klemens XIII. 1759 als reguläre Präfation für den Advent und die gesamte nachpfingstliche Zeit vorschrieb, eine Schlüsselstellung ein. Sie entstand in Spanien im 6./7. Jahrhundert, als die Abwehr des germanischen Arianismus noch nachwirkte und der rechte Glaube an die Dreifaltigkeit auch in der Messfeier seinen Ausdruck erhalten sollte. Ursprünglich bestimmt für den ersten Sonntag nach Pfingsten, der erst 1334 durch Johannes XXII. für die gesamte Kirche als Dreifaltigkeitssonntag eingeführt wurde, wurde die Dreifaltigkeitspräfation auch an den Sonntagen nach Pfingsten gesungen, da sie keine Eigenpräfation aufwiesen. Nicht weniger einflussreich war, dass die Wochenmessreihe Alkuins (+803), des Hoftheologen Karls des Großen, dem Sonntag die Votivmesse 'in honorem ss. Trinitatis' samt der Dreifaltigkeitspräfation zuwies. Die Dreifaltigkeitsmesse wurde zum regulären Sonntagsformular zwischen Pfingsten und Advent; von Bischof Ulrich von Augsburg (+973) wird berichtet, er habe an Ostern die Frühmesse 'de ss. Trinitate' und erst den Hauptgottesdienst als Ostermesse gehalten. Sogar evangelische Abendmahlsordnungen der Reformationszeit bezeugen, dass die Dreifaltigkeitsmesse weiterhin als das Normalformular der Sonntagsmesse per annum galt. Auch nach dem Tridentinum verblieb man noch lange bei der - im Protestantismus heute noch üblichen - Zählung der Sonntage 'post Trinitatis'." (Die Liturgie der Kirche, 569)

Die Präfation wirkt wirklich eher wie ein theologisches Lehrstück als ein freudiger Lobpreis und die sonntägliche Dreifaltigkeitsfrömmigkeit merkt man auch z.B. daran, dass der bekannte Dreifaltigkeitswallfahrtsort "Sonntagberg" in Österreich eben einfach "Sonntagberg" heißt.
 
Wer jetzt nur von einem "großen Geheimnis" der göttlichen Dreifaltigkeit predigt und es bei der Unerklärbarkeit dieses Geheimnisses belässt, macht es sich vielleicht doch etwas zu einfach, gilt es doch, sich diesem Geheimnis anzunähern. Mir gefällt der Ansatz des hl. Irenäus von Lyon (+202) ganz gut:

Der dreifaltige Gott wirkt in der Welt so wie einer, der ihr gegenübersteht und mit seinen beiden Armen in ihr sein Werk verrichtet. Gott, der Vater, steht der Welt immer als der Heilige gegenüber. Er wurde nicht Mensch wie der Sohn und auch nicht ausgegossen wie der Hl. Geist am Pfingsttag. Der Sohn und der Hl. Geist sind nach Irenäus "die Arme des Vaters" mit denen er die Welt erlöst. Für uns im Bild gesprochen heißt das: Wenn ich einen anderen Menschen liebe, heißt das ja nicht, dass ich zwar an ihn denke, ihm aber ansonsten teilnahmslos gegenüberstehe. Ein wesentlicher Ausdruck der Liebe ist dann die Zärtlichkeit, die Nähe und auch die Umarmung. Und so eben auch bei Gott. Weil er der Welt und uns Menschen nicht teilnahmslos gegenübersteht, sondern sie liebt, umarmt er sie im Sohn und Hl. Geist. Wir können Gott nur als Vater anreden, weil der Sohn uns das gelehrt hat und der Hl. Geist uns dabei hilft. Wie ich meine Arme öffne und sie jemandem entgegenstrecke den ich liebe, so streckt sich Gott uns entgegen im Sohn und im Hl. Geist.
Und das Leben, unser Alltag? Wie das Wesen der drei göttlichen Personen untereinander die Liebe ist, so sind sie auch selbst Ausdruck der Liebe zur Welt und zu uns Menschen. Aus Liebe ist der Sohn Mensch geworden, aus Liebe hat er Leiden und Tod auf sich genommen, aus Liebe ist der Hl. Geist in unsere Herzen ausgegossen um uns einen Weg zum Vater zu öffnen.
Durch Christus und im Hl. Geist schließt uns der Vater in seine Arme. Das bedeutet doch für mich: Mit allen meinen Nöten, Sorgen und Problemen, mit allem mich niederdrückt kann ich zu Gott kommen und er schließt mich in seine Arme. Ich darf mich mit meinem ganzen Leben der liebenden Umarmung Gottes anvertrauen.
Mein Wunsch und Tipp: Diesen Gedanken häufiger denken, ich lerne mein Leben mit anderen Augen zu sehen!
 
Das Bild zeigt übrigens die Pfarrkirche zur Hlgst. Dreifaltigkeit in Herne-Wanne. Natürlich nur von außen, denn die Kirche war, wie leider so oft, verschlossen. Wahrscheinlich fürchtet man, es würde sonst etwas von der reichhaltigen Rokokoausstattung geklaut ;-)

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