Donnerstag, 26. Juni 2014

Gibt es einen Fußballgott?

Der aktuelle Zeitungsbeitrag:

Ja, liebe Leserinnen und Leser, es gibt einen Fußballgott, und Nein, es gibt ihn auch wieder nicht! Entscheidend ist, was man für „Gott“ hält. Oder etwas genauer: Was ich verehre, mache ich mir selbst sozusagen göttlich. Und wenn meine Verehrung dem Fußball gilt, dann habe ich eben auch einen Fußballgott, genauso kann ich aber auch einen Autogott, Geldgott, Sexgott, Gesundheitsgott oder sonst einen Gott bzw. Göttin haben, Hauptsache ich bete ihn bzw. sie an.
Dass das nicht immer heilsam ist können Sie sich vorstellen, denn auch der Teufel und die Dämonen wollen angebetet werden. Die Bibel ist da schon im Alten Testament wohltuend „entmythologisierend“, oder einfacher gesagt, sie rückt die Dinge in die richtigen Zusammenhänge und misst ihnen ihren jeweiligen Wert zu: Fußball ist nur Fußball, Auto nur Auto, Geld nur Geld, Sex nur Sex. Selbst Gesundheit ist nicht, wie so oft gesagt wird, das „höchste Gut“. Das alles ist für Christen nicht unwichtig, aber es gibt Wichtigeres. Die Bibel drückt das schon im ersten der Zehn Gebote aus: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

Bedeutet das jetzt, dass ich als Christ nicht Spaß haben darf an Fußball, Autos, Geld und Sex? Nein, natürlich darf ich das, denn Gott schenkt mir ja meine Talente und Fähigkeiten damit ich sie nutze, er gibt mir mein Leben ja auch, damit ich es genießen darf, und er schickt mir ja auch keine Krankheiten um mich für irgendetwas zu bestrafen. Es kommt eben auf die Wertigkeiten an, und das sind Entscheidungen die ich selbst treffe. Ich entscheide selbst, wie wichtig mir etwas ist.
 
Früher war ich noch wesentlich unsportlicher als heute und bin beim Wählen im Sportunterricht immer übrig geblieben, so dass mich dann irgendeine Mannschaft gnädigerweise als Letzten noch nehmen musste. Mancher von Ihnen kennt das vielleicht. Wir haben gerade von Wichtigkeiten und Prioritäten gesprochen, in einem können wir ganz sicher sein, liebe Leserinnen und Leser: Bei Gott sind wir immer erste Wahl.
Ich wünsche Ihnen noch eine schöne und spannende Fußballweltmeisterschaft!


 

 
 

 

Kommentare:

  1. Hm... Alles gut und schön, aber mir scheint bei den Beispielen das Geld nicht recht zu passen. An den anderen genannten Dingen kann man sich erfreuen – aber an Geld? Kommen beim Geld nicht fast automatisch gewisse oder gar alle Todsünden ins Spiel:
    Für den, der es hat Geiz/Habgier (Avaritia) und Stolz (Superbia); für den, der viel Geld hat Faulheit (Acedia); für den, der weniger hat Neid (Invidia); für den, der viel für sich ausgibt Völlerei (Gula) und Wollust (Luxuria). Und wer schließlich etwas davon verliert, den packt der Zorn (Ira).
    Ah… da haben wir ja schon alle sieben beisammen.

    Eine schöne Aussage zum Geld fand ich in dem Roman "Todsüden" von Hermann Heiberg:
    »…Wo im­mer es sich um ein Lie­bes­werk han­delt, sind Sie da, und in Bre­cken­dorf und Els­ter­hau­sen sind die Na­men de­rer nicht zu zäh­len, de­nen Sie Wohl­tha­ten er­zei­gen. Das ist das Rich­ti­ge. Wer sein Geld so an­wen­det, der hat auch ein Recht, viel zu ha­ben.--Blos Geld er­wer­ben, um es zu be­sit­zen? Welch ein ge­mei­ner Stand­punkt! Im­mer ist's ein Be­weis klein­li­cher See­len. Und nicht ein­mal den Ein­wand, es sei nicht das Geld son­dern die Freu­de am Er­wer­ben, der Spar­sam­keits­drang,--las­se ich gel­ten! Geld soll nur ein Mit­tel zum Zweck sein, glück­lich zu wer­den und an­de­re glück­lich zu ma­chen. Dar­in be­steht je­des Ver­nünf­ti­gen Le­bens­auf­ga­be…«

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    1. Schöner Kommentar, danke! - Wahrscheinlich ist es wie bei allem eine Frage des Maßes und wahrscheinlich ist beim Geld auch die Versuchung am Größten...

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