Freitag, 27. Juni 2014

Herz-Jesu im Pfarrhauskeller

Meine erste Begegnung mit dem heiligsten Herzen Jesu war im Keller des Pfarrhauses meiner Heimatgemeinde. Und diese Begegnung war ziemlich erschreckend, stand doch in einer Nische unter dem Treppenabgang im Halbdunkel eine fast lebensgroße Herz-Jesu-Figur. Sie hatte bereits 1960 bei der Kirchenrenovierung ihren Platz in der Kirche verloren und fristete dort seitdem ihr Dasein.
In so einer Nische ist für mich die Herz-Jesu-Verehrung eigentlich immer geblieben, vielleicht liegt es auch daran, dass sie überall dort wo ich bislang gewohnt und gearbeitet habe, keine große Rolle gespielt hat. Natürlich kenne ich auch die Herz-Jesu Wallfahrtsstätten wie Kloster Arnstein oder, dort wird es noch deutlicher, dass eine quasi bischöflich "von oben" eingerichtete Wallfahrtsstätte nicht funktioniert, die Herz-Jesu-Kirche in Graz. Aber so richtig ist der Funke nie übergesprungen. Auch das heutige Fest ist ja "nur" ein Devotions- bzw. Ideenfest, trotz seiner zwischenzeitlich übertriebenen Rangerhöhung durch Pius XI. Bei uns im Ruhrgebiet gibt es viele Gemeinden mit "Herz-Jesu"-Patronat, also typisch aus dem 19. / Anfang 20. Jahrhundert, die meisten können aber nicht mehr so recht etwas damit anfangen. Und das Wort "Sühne" gehört nun auch nicht zu meinem täglichen Frömmigkeitsvokabular. Selbst das Foto zeigt einen Ausschnitt eines Chormantels vom Trödel in Holland:


Aber ich will ja nicht nur über das schreiben, was nicht geht, sondern auch für mich (und vielleicht andere) einen geistlichen Impuls aus diesem Fest mitnehmen. Ganz kurz soll es heute eine Strophe aus einem alten Herz-Jesu-Lied aus dem "Sursum corda" sein:
"Jesu Herz, in Dir zu bleiben ist mein Trost und Freud allein; nichts soll mich von Dir vertreiben, hier soll meine Ruhstatt sein! Du wirst trösten und belohnen mich nach meinem letzten Streit und mich lassen in Dir wohnen nun und bis in Ewigkeit."
Diese Worte des Gottvertrauens sollen mich durch den Tag begleiten: Trost - Freude - Ruhe - Lohn - wohnen lassen.
Diese Worte sagen etwas aus über den Herrn, über mich und über unsere Beziehung zueinander. Hier kann mir deutlich werden, dass er ein Herz für mich hat, dass er mich an seinem Herzen birgt, dass sein Herz mir offen steht.
Allen einen schönen Tag!

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